Der letzte CLK war nicht gerade die Ausgeburt fesselnder Dynamik. Aber das ist Geschichte: Nun darf sich der Coupé-Freund auf die zweitürige E-Klasse freuen. Und die wirkt ungleich anregender – fahrend, in freier Wildbahn übrigens noch mehr als auf Bildern.
Den Mercedes-Designern gelang es, den derzeit beliebten Macho-Look wohldosiert einzusetzen und mit einer Prise Eleganz zu veredeln. Gut gemacht! Das neue Coupé hat Stil, wirkt nobel und verdreht Köpfe. Merkmale, die beim Vorgänger zu kurz kamen. So gesehen geht auch die gehobene Modellbezeichnung in Ordnung.
Technisch gesehen ist am E-Klasse Coupé indessen nur etwas mehr als die Hälfte, rund 60 Prozent, wirklich E-Klasse. Der Rest entspringt der C-Klasse. Langt das, um dem stolzen Preis gerecht zu werden? AUTO BILD wollte es genau wissen und ist von der E 350 CGI Limousine direkt in das E 350 CGI Coupé umgestiegen. Wo gewinnt der Coupé-Käufer, und was gibt er auf?
Thema Karosserie: Auch wenn hinten ein "E" draufsteht: In den Außenabmessungen orientiert sich das Coupé an der C-Klasse. Und innen geht es noch deutlich enger zu, ...
... vor allem hinten. Ein erträglicher Viersitzer ist das Coupé nur, wenn im Fond Kinder oder zierliche Erwachsene sitzen sollen. Ansonsten mangelt es an Kopf- und Beinraum. Schmal ist es auch, da passt zwischen die Passagiere nicht einmal eine Mittelarmlehne.
Sonnenklar: Wer bequem zu dritt oder zu viert verreisen möchte, für den kommt nur die Limousine infrage – da sollte sich keiner falsche Vorstellungen machen.
Vorn ist das Coupé natürlich auch knapper geschnitten, aber die tiefere Sitzposition und das Nischengefühl haben ihre Reize. Es wirkt intimer, sportlicher, was die ausgezeichneten Sportsitze unterstreichen.
Das Innendesign? Weniger kantig als in der Limousine, aber in der Anmutung sehr ähnlich. Etwas mehr Eleganz analog zum Äußeren hätte dem Coupé gut getan.
Hier zum Vergleich der Atbeitsplatz in der Limousine in Avantgarde-Ausstattung: höhere Sitzposition, erheblich mehr Innenbreite, Schalthebel und Schaltwippen am Lenkrad.
Im E-Klasse-Heck ist Platz für 540 Liter Gepäck. Wer noch mehr möchte ...
... muss zahlen: Eine klappbare Rücksitzlehne mit den entsprechenden Entriegelungen am oberen Kofferraumrand kostet 518 Euro extra.
Im Coupé bekommt man 450 Liter verstaut – ohne klappbare Rückenlehnen.
Die Wertung für die Kategorie Karosserie: Das Coupé bekommt drei von fünf Sternen. Die Limousine kassiert volle fünf Sterne.
Kapitel Handling: Hier hat die neue E-Klasse am meisten zugelegt. Sie lenkt präziser als die alte, nimmt Kurven souveräner und ohne groß zu wanken und macht selbst Ausflüge in den Grenzbereich dank der exzellent abgestimmten Elektronik zum Vergnügen. Zumal, wenn sie wie hier über das gestraffte Avantgarde-Fahrwerk verfügt.
Dennoch: Wer anschließend das Coupé fährt, weiß, was er noch vermisst. Es ist die Leichtfüßigkeit. Die knapp 100 Kilo weniger Gewicht und elf Zentimeter weniger Radstand spürt der Fahrer schon in der ersten Kurve.
Das Coupé wirkt deutlich agiler, lenkt williger ein, arbeitet weniger in den Federn. Auch ohne Sportfahrwerk (Aufpreis 446 Euro). Vorteile, die keineswegs nur bei extremer Fahrweise spürbar werden. Wer beim Fahren Spaß haben möchte, der ist im Coupé zweifellos noch besser aufgehoben.
Die Wertung für die Kategorie Handling: Hier räumt das Coupé die vollen fünf Sterne ab. Für die Limousine gibt es vier Sterne.
Kapitel Komfort: Tiefergelegte Karosserie, straffere Abstimmung von Federn und Dämpfern, das hinterlässt Spuren. Mit dem Sportfahrwerk wirkt die E-Klasse-Limousine auf schlechten Straßen deutlich weniger behaglich. Auch auf welligen Autobahnen teilt die Federung schon mal ein paar Hiebe aus.
Beim Coupé, dessen Härtegrad ähnlich ausgeprägt ist, passt das schon eher zum Charakter. Dennoch würde sich AUTO BILD als Option auch eine komfortablere Abstimmung wünschen, für alle, die auf ein gepflegtes Reise-Coupé Wert legen. Bemerkenswert: Trotz rahmenloser Seitenfenster ohne Mittelpfosten pfeift der Fahrtwind nicht lauter als in der Limousine.
Die Wertung für die Kategorie Komfort: unentschieden. Beide Kandidaten bekommen drei von fünf Sternen.
Antrieb: Wer den 3,5-Liter- Sechszylinder genossen hat, der möchte ihn gerade in der E-Klasse nicht mehr missen. Er passt einfach, gerade weil es ein säuselnder Benziner ist. Im unteren und mittleren Drehzahlbereich arbeitet er samtpfötig, nur oben raus wird er ein wenig rau und zeigt eben, dass ein V6 kein Reihensechszylinder ist. Im leichteren Coupé wirkt er noch eine Idee temperamentvoller.
Unterschiede gibt es im Übrigen auch bei der Schaltung: In der Limousine befindet sich der Wählhebel für die Siebenstufenautomatik am Lenkrad, für manuelle Eingriffe gibt es Schaltpaddel am Lenkrad. Das Coupé ...
... verzichtet darauf und begnügt sich (wie die C-Klasse) mit einem konventionellen Wählhebel auf der Mittelkonsole. Was besser ist, entscheidet der persönliche Geschmack.
Die Wertung im Bereich Antrieb: Coupé und Limousine bekommen jeweils die Bestnote.
Kategorie Preis: Das ist mal was Neues. Das Coupé ist billiger als die Limousine. Und das, obwohl vorn ein Mercedes-Stern drauf ist. 51.408 Euro kostet der E 350 CGI als Coupé, 51.944 als Limousine, und wer wie hier die Avantgarde-Version bestellt, bezahlt für den Viertürer sogar 55.305 Euro. Bei ähnlichem Ausstattungsumfang.
Wer auf den Fondraum nicht angewiesen ist, bekommt also beim Coupé das "E" zum Vorzugspreis inklusive einer Extraportion Exklusivität. Da kann keiner meckern. Wer weiß schon, dass – streng genommen– das E-Coupé zu 40 Prozent ein C-Coupé ist?
Die Wertung in der Kategorie Preis: Das Coupé bekommt vier von fünf Sternen, die Limousine drei Sterne.
Fazit von AUTO BILD-Autor Wolfgang König: "Das 'E' geht schon in Ordnung, schließlich geriet das neue Coupé deutlich attraktiver und wertvoller. Außerdem fährt es sich so, wie ich mir eine sportive E-Klasse für das Leben zu zweit vorstelle.
Andererseits: Wenn Komfort und Raum wichtig sind, dann spricht alles für die Limousine – aber ohne das Sportfahrwerk bitte."
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