Die neue E-Klasse (W 212) soll das Vertrauen der Kundschaft ab Frühjahr 2009 wieder gewinnen. Beim Vorgänger (W 211) gab es vor allem Probleme mit der elektrohydraulischen Bremsanlage SBC. Ob Qualität und Komfort stimmen, hat AUTO BILD in einer ersten Sitzprobe herausgefunden.
E wie elegant: Auch die neue E-Klasse ist wieder in drei Ausstattungslinien lieferbar. Die Elegance-Linie kostet 1922 Euro Aufpreis (Serie im E 500), die Avantgarde-Ausstattung ist für 3362 Euro zu haben. Die Grundausstattung nennt sich schlicht E-Klasse, die bisherige Bezeichnung Classic entfällt.
AUTO BILD-Redakteur Tomas Hirschberger lässt sich das Design von Mercedes-Chefdesigner Gordon Wagener erklären. Ein typisches Mercedes-Designelement ist die seitliche Charakterlinie, sie lässt die neue E-Klasse dynamisch wirken.
Beim Unfall hebt sich die Haube an, vergrößert so den Abstand zum Motor. Beim Crash mit Fußgängern wird sie von zwei Federn in den Scharnieren angehoben und schafft blitzschnell fünf Zentimeter zusätzlichen Verformungsraum. Nach dem Auslösen kann die Haube ohne Werkstatthilfe wieder zurückgesetzt werden – das System arbeitet rein mechanisch.
Bei den Motoren verfolgt auch Mercedes-Benz das Downsizing. So ersetzt der E 250 CGI BlueEfficiency mit 1,8-Liter-Vierzylinder, Direkteinspritzung und 204 PS den bisherigen E 230 mit 2,5-Liter-V6, der auch 204 PS leistete. Nach Mercedes-Angaben ist der Durchschnittsverbrauch des E 250 CGI um 2,3 Liter niedriger als beim Vorgängertyp E 230.
Die weit ums Heck gezogenen Rückleuchten werden eingefleischte Mercedes-Fans vermutlich in zwei Lager spalten. Erste Reaktionen: zu beliebig, verwechselbar. Mercedes-Designchef Wagener verteidigt das Heck des W 212: "So wirkt das Auto breiter, die Überhänge sind nicht so voluminös."
Das Kofferraumvolumen ist mit 540 Litern Fassungsvermögen über jeden Zweifel erhaben. Der Radstand ist gegenüber dem Vorgänger um zwei Zentimeter gewachsen, der Einstieg fällt dank des hohen Dachs leichter. Kopf- und Beinfreiheit sind üppig, vorn wie hinten.
Kluge Kiste: Die Faltbox (196,35 Euro extra) lässt sich mit einer Hand aufklappen und schluckt die Einkäufe. Für weitere 517,65 Euro liefert Mercedes das Easy-Pack-System: eine asymmetrisch umlegbare Fondsitzbank und eine Komfortöffnung für den Kofferraum.
Wir nehmen eine Sitzprobe in einer E-Klasse mit Elegance-Ausstattung. Der Wählhebel für die 7G-Tronic (Serie bei allen Sechs- und Achtzylindern) ist an der Lenksäule platziert, die Vierzylinder mit Sechsgang-Schaltung oder Fünfgang-Automatik haben den Schalt- oder Wählhebel wie bisher in der Mittelkonsole.
Im Fond der neuen E-Klasse herrschen fürstliche Verhältnisse, der Unterschied zur S-Klasse mit kurzem Radstand ist minimal. Allerdings nahmen wir Platz in einem Auto mit Fond-Komfort-Paket für 3718,25 Euro extra. Enthalten sind: Einzelsitze mit Komfort-Kopfstützen, Lederpolsterung, Sitzheizung, Make-up-Spiegel und elektrische Rollos
Im Interview mit AUTO BILD unterstreicht Daimler-Chef Dieter Zetsche, dass die neue E-Klasse das sicherste und komfortabelste Auto ihrer Klasse ist. Außerdem sei an keiner Stelle eingespart worden. Insider munkeln, dass die Baureihe 212 um 25 Prozent günstiger in der Fertigung ist als die alte E-Klasse.
Mercedes-Chefdesigner Gordon Wagener betont, dass das Design der E-Klasse eine konsequente Weiterentwicklung ihrer Vorgänger-Generationen ist. "Die ausgeformten Kotflügel hinten sind eine Reminiszenz an den Ponton-Mercedes von 1953."
Die Aufgabe, eine neue E-Klasse zu formen, gehört sicherlich zu den schwersten Aufgaben überhaupt. Die E-Klasse ist der Kern der Marke, besonders die klassische Limousine. Sie muss vom Bauern bis zum Banker allen gefallen, sie muss modern sein, aber nicht modisch, traditionell, aber nicht retro.
Als Mercedes 1995 die erste E-Klasse mit dem Vier-Augen-Gesicht vorstellte, waren zahlreiche Kunden geschockt, schließlich war man jahrzehntelang ein Gesicht mit Breitbandscheinwerfern gewohnt. Die neue Interpretation des Vier-Augen-Gesichts mit eckigen Scheinwerfern werden Marken-Freunde schnell annehmen.
Es werde Licht: Für 1999,20 Euro extra gibt es ein Vollglasdach mit außen laufendem Schiebedach. Mit dabei: automatische Regenschließung, Einklemmschutz und PRE-SAFE-Schließfunktion – bei einem drohenden Überschlag schließt sich das Dach automatisch.
Die E-Klasse Avantgarde (rechts) unterscheidet sich durch eine dezente Tieferlegung vom komfortabler abgestimmten Elegance. Das Elegance-Fahrwerk ist ohne Aufpreis auch für den Avantgarde zu haben. Außerdem bietet der Avantgarde das Intelligent Light System serienmäßig.
Die Schlußleuchten aller E-Klasse-Versionen sind in LED-Technik ausgeführt. Nur die Avantgarde-Ausstattung beinhaltet auch LED-Blinker. Wird das optionale Intelligent Light System geordert (1689,80 Euro, Serie bei Avantgarde), sind LED-Blinker mit enthalten. Bei allen Serie: adaptives Bremslicht, das bei einer Notbremsung blinkt.
Die neue Armaturenanlage präsentiert sich sehr hochwertig, vor allem in den Versionen Elegance und Avantgarde. Für 3808 Euro lässt sich ein Exklusiv-Paket ordern, darin enthalten sind Polsterung in Nappaleder, Himmel und Säulen in Alcantara, Instrumententafel und Türverkleidung lederbezogen und edle Velours-Fußmatten.
Der Bildschirm für das COMAND-System (3046,40 Euro extra) sitzt – anders als beim Vorgänger – oben im Cockpit, die Bedieneinheit für die Klimaautomatik dafür weiter unten.
Die Polsterung der Elegance-Ausstattung hat längs angeordnete Nähte – wie es bei klassischen Mercedes typisch ist.
Bei Ausstattung mit Fond-Komfort-Paket wird die E-Klasse zum Viersitzer – statt eines mittleren Sitzplatzes ist eine große Ablagebox mit Cupholder zwischen den Einzelsitzen integriert. Die Armauflage der Lehne lässt sich seitlich aufklappen.
Die Linie Avantgarde unterscheidet sich deutlich von der Elegance-Ausstattung, sie spricht eher Dynamiker an. Der Innenraum mit dunklem Himmel, schwarzem Eschenholz und gebürstetem Aluminium wirkt sportlicher als die Elegance-Version. Die Nähte der Polsterung sind quer angeordnet.
Sowohl die Elegance- als auch die Avantgarde-Ausstattung bieten eine Ambientebeleuchtung im Innenraum. Sie versteckt sich hinter den Zierteilen und in den Türen und ist dimmbar. Die Ablagefächer in Mittelkonsole und vor der Armauflage sind ebenfalls beleuchtet, ebenso die Fußräume.
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