Oschersleben? Lausitzring oder gar Hockenheim? Falls Sie sich beim Anblick unserer Fotos jetzt fragen sollten, auf welcher Rennstrecke wir diesmal unterwegs waren, möchten wir ...
... das Raten gern ersparen. Auch wenn es auf den ersten Blick den Anschein hat: Wir waren nämlich auf gar keiner Rennstrecke, sondern "nur" auf einer Kartbahn. Und das sagt über diesen Vergleich schon mehr als tausend Worte.
Schließlich handelt es sich bei unseren beiden Testkandidaten, dem Fiat Panda 100 HP und dem Panda Racing Turbo des bayrischen Tuners Merkur, um zwei Autos im XXS-Format. Beide knackig kurze 3,50 Meter lang, mit jeweils rund einer Tonne ...
... Leergewicht und einem 100-PS-Motor unter der Haube versehen. So viel zu den Gemeinsamkeiten. Der eine entstammt den Werkshallen aus Turin und ist nach dem seeligen Fiat Uno Turbo endlich wieder ein echter Sport-Floh aus Italien.
Panda 100 HP heißt die stärkste Serienversion des viertürigen Winzlings, die mit 15-Zoll-Alurädern samt 195er-Pneus, Schwellern, Frontschürze und größerem Endrohr selbstbewusst Anspruch auf die Rudelführung im Kleinstwagen-Segment anmeldet.
Exakt 100 PS und 131 Newtonmeter Drehmoment leistet der 1,4 Liter große Vierventiler aus dem Punto mit zwei obenliegenden Nockenwellen.
Bei den Messwerten hat das Werksauto denn auch knapp die Nase vorn, beim Sprint auf 100 km/h obsiegt der 100 HP – erstaunlicherweise trotz geringeren Drehmoments – mit 10,4 Sekunden gegenüber den 11,2 Sekunden des getunten Pendants.
Auch beim Bremsen punktet das Werksauto. Die vier innenbelüfteten Scheibenbremsen stammen vom Punto Sporting und sprechen hervorragend an.
Ein Eindruck, den die guten Verzögerungswerte (9,8 m/s²) eindrucksvoll unterstreichen. Hier unterliegt der mit der schwachen Serienbremse ausgestattete Merkur Panda deutlich.
Unentschieden herrscht dagegen bei Elastizität und Höchstgeschwindigkeit, zu gering sind hier die Differenzen.
Beim Fahrwerk machen beide keine Kompromisse. Der 100 HP fahndet mit seinem Sportfahrwerk und der 25 Prozent härteren Federrate zielstrebig nach jeder noch so kleinen Bodenwelle, die im Innenraum stets für kleinere Erdbeben sorgt.
Auf die große Show verzichten die Turiner, aber die Optik stimmt trotzdem.
Der größere Frontgrill ist ein Erkennungsmerkmal des dezenten Powerzwergs.
Ausstattungstechnisch liegt der 100 HP auf einem höheren Level als die Tuningbasis: Klimaanlage, ...
... Sportsitze und ESP sind serienmäßig an Bord.
Zudem kann sich der 100-HP-Pilot über ein exakt abgestuftes Sechsgang-Getriebe freuen.
13.890 Euro kostet der Werks-Kraftzwerg. Nicht zuletzt deshalb hat er im Vergleich zum getunten Brüll-Würfel das Näschen vorne. Der kommt 3000 Euro teurer.
Optisch steht der Panda Racing Turbo des bayrischen Tuners Merkur jedenfalls nicht hintenan. Auf Basis eines gewöhnlichen Fiat Panda 1.2 Dynamic (serienmäßig: 60 PS) entstand ein Kraftpäckchen, das schon optisch seine Ansprüche ...
... auf die Pole Position unterstreicht: Knallbunte Lackierung, komplettes Bodykit mit Frontspoiler, Seitenschwellern, Heckschürze und Scheinwerferblenden sowie ...
... sowie rasante 16-Zöller von O.Z. machen den getunten Panda zum Hingucker im City-Verkehr.
Dazu passt die gelungen eingefasste doppelflutige Auspuffvariante, die soundmäßig aber eher dezent agiert.
Auch er hat 100 PS unter der Haube, die von der Firma G-Tech beigesteuert werden. Dafür wird dem 1,2-Liter-Basisvierzylinder ein Turbolader samt Ladeluftkühler und geändertem Abgaskrümmer aufgepflanzt.
Außerdem werden Ölwanne, Kat und Luftfilter getauscht. Resultat: besagte 100 PS und 174 Newtonmeter Drehmoment.
Nachsehen: Das Werksauto flitzt 0,8 Sekunden schneller auf 100 km/h. In Sachen Fahrwerk ...
... präsentiert sich der Merkur Panda aggressiv und nicht gerade bandscheibenschonend: Sein KW-Gewindefahrwerk war bei der getesteten Version unfassbare 60 Millimeter tiefer eingestellt.
Im Innenraum ging Tuner Merkur offenbar die Puste aus: tristes Serien-Allerlei. Immerhin ...
... an die Sitze des sonnigen Sportskanönchens wurde Hand angelegt. Nun passen die Polster farblich zum Blechkleid.
Scheinwerferblenden sorgen für den ganz speziellen Blick.
Bleibt die Frage: Wer von beiden macht mehr Spaß? Angesichts beinahe gleich starker Fahrleistungen bietet der Kraftzwerg ab Werk deutlich mehr fürs Geld – und das bei einem Preisvorteil von knapp 3000 Euro.
Trotzdem sollten Panda-Tuner die Flinte nicht vorschnell ins Korn schmeißen. Ende 2008 soll ein Abarth-Panda mit über 130 PS auf den Markt kommen.
Redakteur Ingo Roersch zu den Kontrahenten: "Der Power-Panda ab Werk überzeugt mit seiner kompletten Ausstattung, agilem Handling und standfesten Bremsen. Optisch kommt er eher zurückhaltend daher. Unschlagbar: sein Preisvorteil von ...
... fast 3000 Euro. Unheimlich sympathisch ist der Merkur Panda. Der knallbunte Kraftmeier aus Bayern ist der Held vor jeder Eisdiele – und mit seinem sportlich dynamischen Fahrwerks-Set-up auch auf der Kartbahn um die Ecke."
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