Wenn's um Raumfahrt geht, kennen Bendix und Henry sich aus. Die Jungs sind schon zigmal auf dem Mars gelandet, kämpfen mit ihrem Laserschwert neben Luke Skywalker und retten im Spielzimmer beinahe täglich die Menschheit. Echte Experten, denen bei ...
... Raumschiffen keiner was vormacht. Auch nicht der neue Peugeot 207 SW, der jetzt in der Galaxie der kleinen Familienkreuzer landen will. Kann dieser modische Franzose den gestandenen Größen wie Opel Meriva und Skoda Roomster den Platz streitig machen?
Gäbe es einen Schönheitspreis, bekäme ihn Peugeot. Mit 4,15 Metern ist der 207 SW fast so lang wie der Roomster, aber deutlich flacher. Und mit dem Einführungspreis von 13.600 Euro auch familienfreundlicher als Meriva (16.460 Euro) und Roomster (17.090 Euro).
Dieser Klassenunterschied ist im Peugeot vorn nicht zu spüren. Man sitzt tief, hat genug Platz und reichlich Ablagen. Prima – mit Kombis haben sie halt Erfahrung, die Franzosen.
Mit einem Handgriff fallen die Rücksitze bequem um und bilden einen ebenen Ladeboden. Der SW verwöhnt mit der niedrigsten Ladekante und einem Kofferraum, der alles hat – vom Licht bis zu den Halteösen.
Außer richtig viel Platz. Im Fond ist der Knieraum knapp – echte Familienautos sollten mehr bieten. Und im Kofferraum (maximal 1258 Liter) können unsere Raumfahrer nur sitzen.
Im doppelten Boden liegen Staufächer für Kleinkram. Das räumt den Kofferraum auf.
Der laufruhige neue 1,4-Liter im Peugeot ist ein schöner Alltagsmotor. Aber über 40 Meter Bremsweg sind für einen nagelneuen Kombi, der Familien ansprechen will, schlicht von gestern. Intergalaktisch schlecht.
Komfortabel gleitet der 207 SW über die ganz und gar irdischen Pisten – ein Wohlfühleffekt, der nicht zu unterschätzen ist, wenn hinten unter den Astronauten mal wieder der Krieg der Sterne tobt.
Das Cockpit des Franzosen ist so sachlich gebaut, dass es schon fast deutsch wirkt. Weiße Skalen und mattes Aludekor bringen zumindest etwas Glanz in diese dunkelgraue Höhle.
Gefährlich: Die schräge Säule steht beim Einparken ...
... im Sichtfeld. Wehe, dahinter lauern Radfahrer. Alles in allem schafft es der schicke Franzose nicht, die Alltagsqualitäten der Konkurrenten zu toppen: Der 207 landet auf Rang drei.
Als Sieger geht aus diesem Test der Skoda Roomster hervor. An seinem Design scheiden sich die Geister: vorn Flugzeug-Cockpit, hinten angedockter Fracht-Container.
In dieser Blech-Blase steckt für Kinder das ganz große Raum-Kino. Sie haben Platz bis zum Abwinken, sitzen hinten erhöht wie auf einer Tribüne und genießen beste Sicht, weil die Fensterkante so schön tief liegt.
Aber auch Eltern gefällt dieser Raumkreuzer. Bei alltäglichen Handgriffen kommt er einem so bequem entgegen, dass er es fast zum Familienmitglied schafft. Beispiel gefällig? Die hohen Türen helfen, Kindersitze rückenschonend zu montieren.
Die Rücksitze lassen sich verschieben ...
... oder mit drei Griffen ganz ausbauen.
Und die größte Ladehöhle im Vergleich (bis zu 1780 Liter) schluckt nicht nur Kinderwagen jeder Größe, sondern auch jedes Urlaubsgepäck. Diese Weite unterm hohen Dach verbreitet im Skoda echtes Van-Gefühl.
Riesig: Im Skoda kann Henry sogar stehen!
Auf der Piste gibt der Roomster den Sportler. Mit seinem quicklebendigen 1,6-Liter zieht er den anderen davon, Schaltung und Lenkung arbeiten immer einen Tick direkter als bei der Konkurrenz.
Da jubelt Henrys Papa, doch die Mama klagt über die straffe Federung und die laute Geräuschkulisse im cool gestylten Familien-Kasten.
In der Style-Version (Basis mit dem 1,6-Liter-Benziner) gibt es einen satten Schuss Luxus: Klimaanlage, CD-Radio, elektrische Außenspiegel, Bordcomputer. Im Cockpit scheint jeder Schalter zu sagen: Ich bin ...
... ein VW, darf es aber nicht laut sagen. Fühlt sich gut an.
Rang zwei gibt es für den Opel Meriva. Erstaunlicherweise verkauft sich der betagte Opel derzeit besser (Januar bis September: 26.949 Autos) als der junge Roomster (13.462).
Der Opel ist hinten eher Kombi, dafür vorn echter Van.
Einsteigen und – ahhh, eine Wohltat! Die straffen Sitze stehen gefühlt eine ganze Etage höher als im Roomster. Das wissen nicht nur ältere Rücken zu schätzen – man schaut auch gleich viel entspannter heraus.
Dem kantig-kastigen Cockpit ist aber anzusehen, dass der Meriva in die Jahre gekommen ist.
Der größte und beste Raumtrick des Meriva heißt immer noch Flex4. Die Rückbank ist ruck, zuck umgebaut, ...
... und schon wird der Fünf- zu einem Viersitzer mit Beinraum wie im Space-Taxi.
Dass der Kofferraum dadurch schrumpft, stört höchstens auf der Ferienreise.
415 bis 1410 Liter passen rein. In der Praxis bekommt man im Opel-Heck nur einen Koffer mehr verstaut als im Peugeot.
Beim Antrieb ist der Meriva allzu sehr auf Weichspülen getrimmt: Sein Ecotec-Motor wirkt müde und wird durch das lang übersetzte Getriebe mit hakeligen Schaltwegen zusätzlich eingelullt.
Das Fahrwerk zeigt sich aber – wie beim Opel – komfortabel. Fazit: Der Skoda Roomster gewinnt diesen Vergleich haushoch, weil er das größte, flotteste und am besten ausgestattete Raumschiff ist. Leider zum höchsten Preis – so viel Platz kostet wohl extra.
Der Opel Meriva spielt eher den kleinen, variablen Van mit echten Komfort-Qualitäten. Das richtige Auto, wenn Papi schon die ersten grauen Strähnen hat. Beim Einladen muss der Opel ebenso passen wie der Peugeot, dem Familien-Qualität fehlt. Der 207 SW lässt sich als ...
... Kombi mit den Riesen nur schwer vergleichen und wartet auf seinen wichtigsten Gegner: den Fabia Kombi. Klar wird auch: Uns fehlt ein echter Familiensparer. Günstiger als der Roomster, größer als der 207 und moderner als der Meriva. Wer den baut, hat Erfolg!
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