Porsche tankt Diesel. Das ist so glaubhaft, als würde Madonna ein Buch über Keuschheit schreiben. Diesel im Porsche: Das geht doch gar nicht. Von wegen! Porsche mit Glüh- statt Zündkerzen haben sogar Tradition und eine ansehnliche Bilanz vorzuweisen.
Junior, Standard, Master, Super – so hießen die erfolgreichen Selbstzünder vom Sportwagenexperten. Alles Trecker. Porsches Traktoren waren günstige, robuste, vielseitige "Hofschlepper" mit überschaubarer Technik. So einer wie der Standard 218V. Ein karminrotes Arbeitstier, das ich – AUTO BILD-Redakteur Jan Horn – vor zehn Jahren einem Bauern in Dithmarschen abgeschnackt habe.
Klar, dass jetzt das erste Diesel-Duell fällig war: Ungehobelter Ackergaul, Baujahr 1959, trifft feinen Szene-Urenkel. Ein 25-PS-Zweizylinder knattert gegen den 240 PS starken V6-Common-Rail an. 7800 Wirtschaftswunder-Mark messen sich mit 56.436 "Was kostet die Welt?"-Euro.
Dann kann es ja losgehen: Klappe auf, Futterration rein. Wie praktisch, ...
... dass die Kollegen aus demselben Trog fressen.
Ansonsten zeigt der direkte Vergleich: Ähnlichkeiten sind nicht wirklich zu erkennen. Der Cayenne blinzelt seinen alten Verwandten argwöhnisch aus modernen Hightech-Augen an.
Und der Trecker? Der glotzt zurück wie E.T. und wähnt sich selbst einem Außerirdischen gegenüber.
Die Reifen des Cayenne sind für Geschwindigkeiten jenseits der 200 km/h gemacht und versprechen Laufruhe sowie Sicherheit bei Wind und Wetter.
Auch der Standard 218 ist zweifellos schick besohlt. Die Anforderungen sind hier aber deutlich geringer: Ab auf den Acker und zurück – das muss klappen. Das war's dann aber auch schon.
Wie auch immer: Standard 218 V gehört zur Familie, ob Porsche nun will oder nicht. Genau genommen ist der Trecker sogar ein ganzes Stück reinrassiger als der Cayenne. In den Schleppern verbaute Porsche durchweg eigene Motoren, Ein- bis Vierzylinder, von Kopf bis Rumpf aus Aluminium.
Das SUV lässt sich seinen Grauguss-Block von Audi zuliefern. Okay, es gibt üblere Organspender, und so ein aufgewecktes Bürschchen wie dieser moderne Audi-Block ist mein Standard auch nicht gerade.
218 nimmt sich reichlich Zeit vor dem ersten Huster. Handgas auf halb, an zwei Pumphebeln je 20- bis 30-mal von Hand einspritzen, Vorglühen, die Dieselgedenkminute bis auf die letzte Sekunde auskosten, Anlassschalter bis Anschlag – und schooon erwacht mein Schätzchen. Wuiwuiwui-tock ... tock ... tock ... Die Maschine pocht, der Hals kratzt, die Augen brennen.
Nun könnte es tatsächlich losgehen ... wenn, ja wenn nicht der Schalthebel so sperrig wäre und beim Gangwechsel bocken würde. Die stocksteife Kupplung lässt nach dem zweiten Schaltvorgang den Oberschenkelmuskel brennen, als würde sich heiß es Öl darüber ergießen.
Keine zehn Minuten später erreicht der Olle seine Höchstgeschwindigkeit. 25 km/h.
Jetzt fängt der Kampf mit der Maschine erst an: Der Standard hat den Geradeauslauf einer Hafenbarkasse, null Federung und kaum mehr Bremswirkung. Das war damals so.
Die Porsche-Diesel sollten eben bei der Ernte helfen und nicht Frau Gemahlin beim Shoppen gut aussehen lassen. Genau das ...
... ist heute Cayenne-Schicksal. Mit seinem piekfein vernähten Lederinterieur, gebettet auf sensible Luftfedern, gedämmt per mehrlagigem Akustik-Vlies, überschüttet der Edel-Dampfer die Passagiere mit Komfort und Luxus, beschützt mit wuchtiger Präsenz, beseelt sie mit heftigem Vorwärtsdrang.
Was Premium-Gefühl und Tempo angeht, ist der Cayenne durch und durch Porsche. Er rauscht leichtfüßig durch Kurven, hält auf der Bahn unbeirrt die Spur. Das kann ...
... kein Konkurrent besser. Der tapfere Standard 218 kann da natürlich schon mal gar nicht mithalten.
Da sei ein Trick erlaubt: Für dynamische Fotos musste der Trecker auf dem Hänger bleiben. Anders ging's nicht.
Das Erste-Klasse-Fahrgefühl des Cayenne lässt sich noch nicht einmal mit einem Diesel verderben. Die Transplantation des Audi-V6 verstärkt eher den Premium-Anspruch. Den ohnehin schon starken 3.0 TDI hat Porsche verfeinert und verbessert, wo es nur ging, dazu den Geräuschpegel heruntergedreht.
Der Motor schnurrt jetzt so leise wie ein Benziner, nimmt auch genauso ungehemmt Gas an, gibt herrlich gleichmäßig Kraft ab und schönt mit 9,3 Liter Verbrauch ganz nebenbei die verheerende CO2-Bilanz der Zuffenhausener.
Böhmische Dörfer für den Standard: die Schaltzentrale für Geländefahrhilfen, Fahrwerk, Getriebeprogramm und Niveauregulierung im Cayenne.
Schade, dass der Cayenne-Motor so nach gar nichts klingt. Diese Blöße würde sich mein Standard 218 nie erlauben. Den hörst du in Dithmarschen schon, wenn er in Hamburg lostuckert.
Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jan Horn: Auch wenn Trecker und SUV aus einem Stall kommen, sogar das gleiche Futter fressen, sind sie natürlich unvergleichbar. Es war klar, dass die Techniker trotz 50-jähriger Abstinenz das Thema Selbstzünder perfekt beherrschen. Sie durften halt nicht früher.
Jetzt müssen auch Porsche und seine Kunden sparen, vor allem aber den CO2-Ausstoß reduzieren. So endet das Diesel-Embargo. Doch ein echter Porsche ist der Cayenne Diesel trotz Temperaments und Kraft für mich nicht, statt Kribbelsound und Drehzahl-Orgien gibt es nur fernes Brummen und synthetischen Schub. Eine Vernunft-Ehe.
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