Das Coupé soll der Sportler der Phantom-Baureihe sein. Eine Ansage, die nach Überprüfung verlagt. AUTO BILD hat den Rolls-Royce wie ein ganz normales Auto getestet und unter anderem durch die Pylonengasse gejagt. Die Frage: Was kann es, dieses Monument des Automobilbaus?
Zunächst: Es kann Münder aufklappen. Das Phantom Coupé protzt so selbstverständlich mit raumgreifenden Formen und seinem eingebauten Königs-Gen, dass es überall auffällt und Respekt hervorruft. Wenn der Rolls auf der Autobahn die Spur wechseln will, ...
... lässt man ihn rein. Umgekehrt spielt sein Fahrer ungern wilde Sau – die silberne Emily am Ende der langen Haube erzieht zu Nachsicht und Gelassenheit, ...
... obwohl unter der Haube jederzeit genug Dampf zur Verfügung steht. Der V12 aus dem BMW-Regal holt aus 6743 cm³ Hubraum 460 PS und 720 Nm Drehmoment. Seine Leistungsreserven ...
... lassen sich in dem Rundinstrument links vom Tacho ablesen – immer genug, um den Puls zu beschleunigen, zu wenig für Herzrasen.
Länge läuft: Mit königlichen 3,32 Metern Radstand schwebt der Brite noch erhabener als eine S-Klasse, nur laute Windgeräusche von der A-Säule stören den luxuriösen Reisegenuss. Sein zweites Wesen ...
... offenbart der Phantom erst auf Knopfdruck. Drückt der Fahrer die S-Taste am Lenkrad, dreht der Zweitürer die Gänge höher aus und spielt den Gran Turismo im XL-Format. Erstaunlich, wie der Motor den 2,6 Tonnen schweren Brocken scheinbar schrumpfen lässt und ...
... ihn in sechs Sekunden auf Tempo 100 schleudert. Danach geht es ansatzlos weiter, bis zu finalen 250 km/h – ohne dass Majestät je seine Souveränität verliert. Lägsdynamisch ist dem Rolls-Royce wirklich nichts vorzuwerfen, aber ...
... ein Kurvenkünstler kann der Phantom nie werden, trotz strafferer Sitze und Dämpfer als in der Limousine. Gar nicht königlich neigt er sich im Slalom zur Seite, ohne aber schaukelig zu werden. Die Lenkung zu leicht, das Auto zu schwer – der Rolls absolviert die Prüfung ...
... wie ein Gentleman den Abi-Ball seiner Tochter: ungern, aber mit Anstand. Einmal noch, Majestät geben Gummi: Elchtest. Wir kurbeln am Volant, der Po wackelt, ...
... doch das Phantom Coupé gibt sich keine Blöße. Sein ESP (hier: DSC) gestattet erstaunlich deutliche Heckschwenks, bevor es eingreift, doch der Riese lässt sich leicht und vor allem ohne Tücke beherrschen.
Bescheidene Verbrauchswerte sollte man besser nicht erwarten: 23,2 Liter Super Plus gibt Rolls-Royce als Durchschnittswert im Stadtverkehr an, im Drittelmix soll der Trumm 15,7 Liter auf 100 Kilometer konsumieren. Ganz schafft er das bei 16,3 Litern Testverbrauch nicht. Das entspricht übrigens 386 Gramm CO2 pro Kilometer.
Optische Täuschung: Ohne Bezugsgröße sieht der Rolls fast normal aus, doch er misst üppige 5,61 Meter
Verspielt: Radnabendeckel, die in den rotierenden 21-Zoll-Rädern still stehen. Damit auch niemand das Doppel-"R" übersieht.
Apropos übersehen, as kann bei den hochglänzenden und innen per LED erleuchteten Türgriffen nicht passieren.
Automobile Audienz: Auf Kopfdruck elektrisch schließende "Selbstmördertüren" und ...
... der gewohnt monumentale Kühlergrill verdeutlichen, dass die Tradition bei Rolls-Royce nach wie vor lebt.
Hätten Sie's erkannt? Dieser Anblick – ein Mix aus moderner Schrankwand und dicken Chromeffekten – soll an eine Yacht erinnern.
Lässiges Detail: Dreht sich die analoge Uhr nach links weg, erscheint dahinter ein Monitor – zum Beispiel für das Navigationssystem oder ...
... das Bediensystem, dessen Dreh-Drück-Steller auf der Mittelkonsole bestens vom BMW iDrive bekannt ist. Unter der Klappe dahinter verborgen: die Knöpfe der elektrischen Sitzverstellung und die Schalter ...
... für den 10.710 Euro teuren Sternenlicht-Dachhimmel. Angeblich bestellen den vier von fünf Kunden gleich mit.
Praktisches Detail: die geöffneten Türen ermöglichen den Griff nach den Schirmen, die die Herrschafften bei Bedarf vor meteorologischen Unwägbarkeiten schützen.
Wie steigt der Fahrer bei hinten angeschlagenen Türen ein? Kopf zuerst? Mit dem Hintern voran ist es bequem, damit umkurven die Beine den breiten Schweller, der allzu leicht die Hosen verschmutzt.
Im engen Fond fragt man sich, wohin bloß die ganze Autolänge verflogen sein kann. Immerhin verführt die kuschelige Sitzrunde zu Fantasien, die für ältere Rolls-Besitzer meist solche bleiben.
Sehr eigen: die geteilte Kofferraumklappe, Picnic Boot genannt. Wenn sie heruntergeklappt ist, können zwei Personen darauf nebeneinander sitzen. Die Scharniere tragen ein Gewicht von bis zu 150 Kilo.
Koffers Kuschelwiese: Mit 395 Litern ist das Gepäckabteil eher klein, aber immerhin mit einem dicken Veloursteppich ausgekleidet.
Dieses Logo auf dem Auto ist ein echtes Statement – und sehr sehr kostspielig. Im Falle des Phantom Coupé müssen mindestens 433.458 Euro an Rolls-Royce überwiesen werden. Prestige kann eben teuer sein.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Joachim Staat: "Das Phantom Coupé ist ein Automobil der Extreme: extrem teuer, extrem groß und extrem exklusiv. Erstaunlich, dass dieses High-End-Produkt unseren harten Test dennoch souverän besteht. Der Komfort bei Federung, ...
... Geräuschdämmung und Motorlauf setzt königliche Maßstäbe. Bremsen und Sicherheit geben sich keine Blöße. Mir gefällt besonders, dass Rolls-Royce die Bedienung der ganzen Luxus- Goodies ...
... so handgerecht und leicht verständlich serviert. Nur ein Sportler wird er nie: Unter Coupé versteht Rolls-Royce keinen Angaser, sondern die exklusivere Form seiner großen Limousine."
Der offene Bruder: Das Riva-Sportboot-ähnliche Heck des Drophead Coupé getauften Phantom Cabriolets sucht selbst in der obersten Luxusklasse seinesgleichen. Teakholz-Beplankung kostet 8330 Euro.
Nicht über einen Kamm scheren, bitte: "Coupé und Drophead sind zwei unterschiedliche Autos mit unterschiedlichen Persönlichkeiten und sehr individuellen Leistungsmerkmalen", erklärt Ian Cameron, der das Design-Team leitet.
Wer die Motorhaube nicht lackiert, sondern in gebürstetem Edelstahl haben möchte, muss 9520 Euro extra zahlen. Als wäre das Phantom Drophead Coupé mit 440.000 Euro (ohne Extras) nicht schon teuer genug. Für den großen Preis hat man dann natürlich auch ...
... den souveränen Motor an Bord, der die gesamte Phantom-Reihe in Bewegung bringt. Also V12, 6,75 Liter Hubraum, zwei Turbos, 460 PS und 720 Nm Drehmoment, die ...
... das 2,6 Tonnen schwere Drophead Coupé in 5,9 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 beamen. Spitze: 240 km/h – reicht locker für ein Cabrio, zumal der Fahrtwind bei spätestens 110 Sachen ganz ordentlich durchs Passagierabteil pfeift.
Sie glauben Coupé und Cabrio seien teuer? Dann kennen Sie vielleicht dieses Phantom-Derivat noch nicht: die Limousine mit verlängertem Radstand. Preis für dieses Stück Ingenieurs- und Handwerkskunst: 462.315 Euro.
Der XL-Phantom hat einen Radstand von 3,82 Meter, was man an den Platzverhältnissen im Fond deutlich merkt. Da lässt es sich wahrlich aushalten.
Aufgefrischt: Die Phantom-Limousine hat Rolls-Royce gerade erst einer sehr behutsamen Modellpflege unterzogen, ...
... von der am Blechkleid lediglich der im Vergleich zum Coupé steiler stehende Kühlergrill bemerkt werden könnte.
Außerdem rollt die Luxus-Ikone serienmäßig auf 21-Zoll-Leichtmetallrädern – der Kunde darf wählen, ob sie in mattem oder poliertem Finish montiert werden.
Auch ein Rolls muss mit der Zeit gehen, deshalb finden die Fondpassagiere im Phantom mit dem Modelljahrgang 2009 Verbindungsanschlüsse für elektronische Geräte an die zwölf Zoll großen Monitore. Neue Lampen an den C-Säulen erhellen Interieur und Gemüt, ...
... unter der Haube übernimmt diesen Job der bekannte Zwölfzylinder.
Und wie viel Geld braucht man für diesen Riesen? "Genügend", würde man bei Rolls-Royce wohl larmoyant antworten. Konkret: mindestens 402.220 Euro.
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