Sämtliche schicken Dreitürer in der Kompaktklasse spüren ihn, den heißen Atem des Scirocco. Der neue VW sitzt ihnen im Nacken, angriffslustig wie sein Vorgänger in den 70ern. Wiederholt sich jetzt die Geschichte?
Wirbelt der Scirocco seine Klasse durcheinander? Oder verweht er als laues Lüftchen? Der VW verkauft sich im Moment jedenfalls nicht nur blendend, sondern sorgt auch für beträchtliches Aufsehen, egal wo wir mit ihm auftauchen.
Flach, breit und mit aggressiver Schnauze, er ist ein absoluter Hingucker.
Aber schöne Coupés bauen können andere auch. Allen voran Audi mit dem hinreißenden TT und Volvo mit dem aparten C30. Nicht ganz so spektakulär: Mercedes CLC und Opel Astra GTC - aber das kann täuschen.
Ein lupenreines zweisitziges Coupé ist der Scirocco nicht, eher ein Kombi-Coupé oder auch Shooting Brake. Das sieht nicht nur verdammt gut aus, sondern bringt auch Vorteile beim Platz, vor allem im Fond.
Trotzdem ist es natürlich vorn viel schöner, hier warten zwei straffe Sportsitze auf ihren Einsatz. Du sitzt dann hinter der sehr schräg liegenden Scheibe, den Hintern knapp über der Straße, und hast ein griffiges Lenkrad in der Hand - perfekt, oder?
Nicht ganz. Das Cockpit stammt vom Eos, leicht verschönert zwar, aber eben doch mehr brav und bieder als wirklich faszinierend.
Wie man so etwas richtig rassig hinbekommt, zeigt Audi im TT. Sein Cockpit kann man gar nicht lange genug anschauen. Und anfassen. Klasse-Design, Verarbeitung und Material vom Allerfeinsten, Sorgfalt bis ins letzte Detail.
Dazu passende Sitze. Vorn zumindest. Die Notsitze im Fond taugen nur als Ablage fürs Gepäck.
Von ganz anderem Charakter ist der Mercedes CLC. An Bord geht es gemütlich zu, die Sitzposition in den breiten, flachen Sesseln ist entspannter, weniger sportlich als in den anderen vier Autos.
Das Cockpit stammt aus der alten C-Klasse, also der von 2000 bis 2007 gebauten. Ganz nett und auch ordentlich verarbeitet. Modern oder gar progressiv ist aber was anderes.
Auch dem seit 2005 gebauten Astra GTC merkt man inzwischen sein Alter an. Das Cockpit wirkt im Vergleich ein bisschen schmucklos, auch wenn funktional alles okay ist.
Hinzu kommt eine etwas unglückliche Sitzposition: die griffigen Sessel selbst sind in Ordnung, aber viel zu hoch montiert. So hocken große Leute eingeklemmt fast unterm Dach.
Der Volvo C30 gefällt dann zuerst mit seiner eleganten Form. Die Schokoladenseite dürfte das entzückende Hinterteil sein. Das mit der gläsernen Klappe an den P 1800 ES erinnert, den berühmten Schneewittchensarg aus den 70ern.
Schön gestaltet und richtig edel auch die nordisch-klare Inneneinrichtung mit der frei schwebenden Mittelkonsole. Mit Ikea hat das sehr wenig zu tun, eher mit einem Edel-Inneneinrichter.
Die Sitze sind bequem, bieten aber so wenig Seitenhalt wie die Komfort-Sessel im Mercedes.
Angetrieben wird der C30 von einem 230-PS-Kraftpaket. Der 2,5-Liter-Turbo grummelt fünfzylindertypisch heiser und kernig, er dreht willig. Im Vergleich wirkt er aber - trotz der höheren Leistung - leicht gehemmt. VW, Opel und Audi sind temperamentvoller und schneller.
Den Handling-Kurs umrundet der C30 brav und unauffällig, großer Fahrspaß kommt jedoch (leider) nicht auf. Dazu untersteuert er in schnellen Kurven zu kräftig, die Lenkung wirkt einfach zu künstlich.
Anders der Scirocco. Hier entfacht der Direkt-Einspritzer-Turbo mit 200 PS einen gewaltigen Sturm. Der Zweiliter hängt gierig am Gas und dreht wie wild. Dabei klingt er schön kräftig. Es röhrt kernig und aggressiv: ein Genuss für alle, die es etwas heftiger mögen.
Fürs Fahrwerk empfehlen wir die adaptive Fahrwerkregelung (DCC, 925 Euro). Damit lassen sich Dämpfer und Lenkung zwischen Sport, Komfort und Normal verstellen - je nach Geschmack. Sport kann man für den Alltag vergessen: viel zu ruppig.
Der Scirocco wetzt locker, leichtfüßig und mühelos um die Ecken. Das entspannt - man muss hier kein begnadeter Künstler am Lenkrad sein, um schnelle Zeiten zu fahren. Dabei helfen die gefühlvolle, direkte Lenkung und die präzise Schaltung; genau so sieht Fahrspaß aus.
Im Audi tobt der gleiche 200-PS-Motor wie in Scirocco und GTI, wirkt hier aber noch mal bissiger und giftiger. Der TT fegt damit durch die Gegend wie ein Hurrikan.
Die knapp besseren Fahrleistungen sind allerdings auch ein Verdienst der kürzeren Übersetzung. Einziges Manko: Der Motor klingt nicht toll, er brummt.
Abgestimmt ist der TT noch mehr als der Scirocco wie ein Kart, also knackiger. Auch hier empfehlen wir die adaptiven Dämpfer (magnetic ride, 1230 Euro). Auf der Strecke liegt er einen Hauch stabiler als der VW, fährt kontrolliert, konzentriert und leicht beherrschbar.
Die Lenkung spricht direkt an, und die Schaltung rastet präzise. Auch das ist ein großes Vergnügen.
Einen ganz anderen Stil pflegt der Mercedes CLC. Als Einziger tritt er mit einem V6 an. Dieser gelassene 2,5-Liter mit 204 PS summt wunderbar tief und sonor, läuft sanft und leise.
Lust auf Leistung weckt er jedoch weniger, auch hat er einen ziemlich schlappen Durchzug.
Das Fahrwerk passt dazu: Der CLC ist komfortabel abgestimmt. Im direkten Vergleich bewegt er sich bedächtiger, wirkt müder.
Eine Mitschuld daran tragen die zwar direkte, aber gefühllose Lenkung sowie die knorpelige, ungenaue Schaltung.
Und der Astra? Sein Zweiliter-Turbo mit 200 PS ist zwar nicht das neueste Aggregat, aber immer noch gut bei Kräften. Er zieht kräftig durch und hängt bissig am Gas, dreht jedoch nicht ganz so entfesselt wie die Triebwerke von VW und Audi.
Auch bei Opel gibt es verstellbare Dämpfer, für den GTC kostet das IDS-plus-Fahrwerk 445 Euro Aufpreis. Und die sind bestens angelegt.
Grundsätzlich federt der Astra angenehm komfortabel, spannt dann aber auf Knopfdruck die Muskeln und reagiert spontaner: strafferes Fahrwerk, zackigere Lenkung, bissigerer Motor. Die hakelige Schaltung passt allerdings gar nicht zur überzeugenden Vorstellung.
Der VW Scirocco startet zwar bei vergleichsweise günstigen 26.885 Euro - einschließlich 410 Euro für die 18-Zoll-Räder des Testwagens und 925 Euro für das sehr empfehlenswerte DCC-Fahrwerk.
Die Ausstattung ist aber eher bescheiden, schon die Klimaautomatik (bei den anderen Serie) muss man mit 315 Euro extra bezahlen. Günstig aber: Der Testverbrauch von 8,5 Litern; im Vergleich der niedrigste.
Deutlich teurer ist der Volvo C30 für 30.010 Euro, 760 Euro für die 17-Zöller schon mit eingerechnet. Der Volvo hat mit 9,4 Litern einen relativ hohen Verbrauch, und die Versicherungsbeiträge sind nach denen des Mercedes die zweitteuersten.
Der CLC 230 mit V6 steht mit 32.517 Euro in der Liste, auf serienmäßigen 16-Zöllern. Auffällig sind hier die hohen Einstufungen bei der Versicherung: Haftpflicht-Klasse 19 und Vollkasko 23 kosten richtig.
Teuerster ist der Audi TT für 35.110 Euro, einschließlich der 1130 Euro für die 17-Zöller und der 1230 Euro für die adaptiven Dämpfer.
Wie bei VW knausert der moderne Motor beim Verbrauch (8,7 Liter), vergleichsweise preiswert sind auch die niedrigen Versicherungskosten (HPF 13/VK 20) - günstiger als beim Scirocco.
Aber die wirkliche Überraschung dieses Vergleichs kommt jetzt: Es ist nicht nur der niedrige Einstandspreis für den Opel Astra GTC, der uns überzeugt.
Für 25.630 Euro inklusive der größeren Räder (365 Euro extra) und des einstellbaren Fahrwerks (IDS plus 445 Euro) ist der Opel auch mit Abstand am besten ausgestattet. Sogar ein CD-Radio mit Navi ist an Bord, Klimaautomatik sowieso.
Dazu kommen gemeinsam mit dem Mercedes auch noch die umfangreichsten Garantien. Das reicht am Ende für den Platz ganz oben auf dem Podium. Den großen Durst (9,8 Liter) verzeihen wir ihm deshalb ausnahmsweise.
Fazit: Der betagte Astra gewinnt, der brandneue Scirocco wird nur Zweiter, eine faustdicke Überraschung. Der Opel liegt vorn, weil er am meisten Auto fürs Geld bietet. Der VW ist zwar ein Klasse-Auto und moderner, aber teurer und mager ausgestattet.
Würden wir ganz ohne Preise werten, läge ein anderer vorn: der Audi TT. Der schicke Volvo und der gemütliche Mercedes haben in diesem Feld keine Chance.
Doch jetzt kommt's: So ganz im Geheimen hat ein anderer gewonnen, nämlich der Golf GTI, der in diesem Test außer Konkurrenz mitgefahren ist. Was kann der neue Scirocco, was der Golf GTI nicht kann? Diese Frage wollten wir am Rande des großen Coupé-Vergleichs beantworten.
Ergebnis: Der GTI hält überall nicht nur mit, ist sogar besser. Der TFSI tritt ähnlich druckvoll an wie im TT und im Scirocco, das Fahrwerk ist spitze, und Fahrspaß sowie Fahrleistungen sind nicht wesentlich schlechter.
Top auch die Ausstattung des GTI: Reifendruckkontrolle, Fahrlichtautomatik, Nebellampen und Regensensor hat er serienmäßig, nicht aber der Scirocco. Und er kostet nur 100 Euro mehr als der gleich starke Scirocco. Obendrein hat er auch noch das beste Platzangebot.
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