VW Passat, Skoda Superb, Audi A4 – drei Mittelklässler, die in VW's großem Autoreich, in dem die Sonne nicht untergeht, eigentlich reichen sollten. Weit gefehlt. Jetzt kommt noch ein Vetter aus Dingsda. Pardon, aus Martorell. Exeo heißt er, ist nun das Topmodell der bisher ziemlich glücklos agierenden VW-Tochter Seat.
Der Trick hinter den Kulissen heißt: Aus Alt mach Neu. In einer "logistischen Meisterleistung" (Pressetext) wurde in nur 18 Monaten die gesamte Fertigung des alten Audi A4 von Ingolstadt nach Spanien geschafft. Die Karosse wuchs um acht Zentimeter, an Front und Heck retuschierten die Designer geschickt herum – aus A4 wurde Exeo.
Der Markt, also Sie, wird endgültig darüber entscheiden, ob solch eine Verwandlung in Zukunft erfolgreich sein kann. Beim Motor gab es keine Umgestaltung: Vorn steckt längs montiert der gute alte 1.8 T mit 150 PS. Und siehe da: Er steht dem moderneren Direkteinspritzer 1.8 T(F)SI seiner drei Vettern kaum nach.
Dennoch: Der Seat Exeo landet auf Rang vier (326 von 500 Punkten). Als VW-Chef Piëch einst in seinem Reich die Aufgaben verteilte, da fiel den Spaniern die Rolle der feurigen Südländer zu. Stimmt in diesem Vergleich nur bedingt.
Zwar verblüfft der "alte" Motor (noch ohne Direkteinspritzung) mit erstaunlichem Temperament und geringem Verbrauch, dafür läuft er aber recht rau und kommt beim Anfahren ein bisschen träge aus seinem Turboloch.
Die Federung wirkt insgesamt etwas knochig. Ab 1600 Umdrehungen aber geht die Post ab, das Linke-Spur-Rennen verliert Exeo in diesem Quartett ganz knapp.
Richtig vorn fährt der große Seat nur beim günstigen Einstiegspreis (23.990 Euro) und der guten Grundausstattung inkl. Bordcomputer, Radio/CD-Player sowie Zweizonen-Klimaanlage.
Aber steigen wir erst mal durch die weit öffnende Tür ein: Die Übersicht ist gut, die Sitze sind bequem, überraschen vor allem hinten mit sehr guter Seitenführung. Für die Beine bleibt (wie schon im alten A4) aber wenig Platz, die Fondgäste müssen sich falten.
Herrlich unkompliziert läuft im Exeo die Heizungsbetätigung. Navi kostet 2520 Euro, das Lenkrad mit Radio-Fernbedienung gibt es im Komfortpaket für 200 Euro.
Platzsparende Kofferraum-Kinematik: Am Logo öffnet sich der Kofferraum, diese Idee übernahm auch VW.
Freudige Überraschung nach dem Start: leichtgängige Sechsgang-Schaltung, präzise Lenkung, aber etwas ruppiges ESP. Wenn es abgeschaltet wird, untersteuert der Exeo brav und bremst sich so selbst ab.
Rang drei 356 von 500 Punkten): der Audi A4. Bei diesem roten Renner sollte das Xenon-plus-Lichtpaket (975 Euro) eigentlich zur Grundausstattung gehören. Die aggressiv funkelnden Leuchtdioden des Tagfahrlichts räumen die linke Spur, was der Schnellste in diesem Quartett auch gebrauchen kann. Aber nicht muss.
Die bequemen Sitze vorn und der insgesamt gute Komfort (in dem Kapitel zieht er gleich mit dem Skoda Superb) lassen das Reisen genießen. Nur die Fondgäste müssen die Knie anziehen, weil die Sitzfläche recht niedrig ist. Als Einziger im Vergleich verlangt Audi für die umklappbaren Rücksitzlehnen 290 Euro extra.
Auch im A4 gibt es das vertraute Familien-Lenkrad. Das Navi gibt es ab 1760 Euro, die Bedienung der Heizung ist durch das MMI-System unnötig kompliziert geraten.
Unter dem Kofferraumboden steckt eine riesige Batterie, so kommt es zu einer fast ausgeglichenen Gewichtsverteilung.
Beim Handling zahlt sich das gleichmäßig verteilte Gewicht abolut aus, es stellt sich nie ein unsicheres Gefühl ein.
Der Motor scheint wie geschaffen für den A4. Untenrum ...
... erscheint er zwar etwas müde und will beim städtischen Ampelspurt fleißig geschaltet werden, auf der Landstraße aber zieht er (wie auch Skoda und VW) im sechsten Gang bereits bei 1400 Umdrehungen willig los.
Mit den auf unserem Testwagen glänzenden 17-Zöllern überrollt er aber die 30.000er-Grenze um 450 Euro.
Auf dem zweiten Platz landet der VW Passat (358 von 50 Punkten). Passat? Gähn! Den fährt ja jeder Handlungsreisende. Mag stimmen. Richtig ist ...
... aber auch: Steckt der 1.8er-Turbo unter der Haube, dann wird der biedere Passat fast zum Brandstifter.
Der äußerst sportliche Sound, die im Vergleich beste Schaltung und das insgesamt gute Drehvermögen bieten viel Fahrspaß. Tempo 130 hat der VW eine Sekunde schneller erreicht als der Audi.
Geschmälert wird die Freude eigentlich nur durch die etwas haltlose Sitzfläche vorn und den schlaffen Antritt unterhalb von 1500 Umdrehungen.
Wer vom Seat direkt auf den VW umsteigt, der spürt den Generationen-Unterschied aber noch deutlicher. Immerhin, VWs Mittelklasse erweist sich auch in ihrem fünften Lebensjahr noch nicht als überholt, bietet die beste Übersicht und komfortabelste Federung in diesem Vergleich. Angemerkt sei hier: Leder kostet 1860 Euro, Lenkrad mit Holzkranz 430 Euro, Climatronic 435 Euro, Navi ab 1310 Euro.
VW Passat, Seat Exeo und Skoda Superb haben serienmäßig geteilt umklappbare, asymmetrische Rücksitzlehnen.
Die Haken für Einkaufstaschen im Kofferraum hat VW von Skoda geklaut.
Das Fahrverhalten des Passat ist narrensicher, in engen Kurven leicht untersteuernd, bei schnellen Haken im Grenzbereich zeigt es ganz leichte Lastwechselreaktionen.
Bei der Ausstattung geizt VW: Grundausstattung ohne Radio (wie auch Skoda), elektrische Fensterheber hinten und Bordcomputer gegen Aufpreis. Das nennen wir, gemessen am stolzen Preis von 27.400 Euro, ärmlich.
Sieger ist der Skoda Superb (365 von 500 Punkten). Das billige VW-Stieftöchterchen hat sich längst zur selbstbewussten Partnerin gemausert. Die mit dem Superb ganz frech den Passat attackiert
Zwar erwarten wir keine superben Stückzahlen, sehen aber ein respektables Chauffeursauto. Damit könnte manch ein Politiker bei uns neue Bescheidenheit zeigen.
Aber auch der Großfamilien-Vater hat seinen Spaß an der Dynamik dieses Direkteinspritzers, der ja auch A4 und Passat befeuert (im Audi erfüllt er bereits Euro 5, im Passat erst ab Anfang November, im Skoda ab Juni).
Lediglich das Sechsganggetriebe schaltet sich etwas hölzern, mindert den Spaß am Spurt. Wer nun denkt, dass der (leer) 1544 Kilo schwere Raumriese durstiger als seine Vettern wäre – weit gefehlt. Mit 8,3 Liter Super liegt der Superb auf A4-Niveau, Passat und Seat trinken ein bis zwei Zehntelchen mehr.
In der Fahrdynamik sind bei 4,84 Meter Länge keine Gokart-Werte drin, unterm Strich aber bleibt der Superb auf Passat-Niveau. Pfiffig die Kombination von Stufen- und Schrägheck.
Die Heckklappe öffnet zweigeteilt: Wird sie ganz aufgerissen, kommt der Laderaum auf Kombi-Niveau (1670 l), halb geöffnet passen 565 Liter hinein.
Das Vierspeichenkenkrad kostet 110 Euro, das Radio ab 440 Euro, das Navi ab 1130 Euro. Netter Gag: Ab Greenline steckt in der Tür hinten links ein Regenschirm.
Im Fond bietet der Superb Beinraum ohne Ende. Sitzriesen über 1,90 Meter stoßen aber ans Dach.
Der Superb bringt noch ganz klassisch ein Reserverad mit. Seine Vettern haben allesamt ein Dichtmittel dabei. Nach Gebrauch sind die Reifen hin.
Fazit von AUTO BILD-Redakteur Diether Rodatz: Eigentlich jammerschade. Da stellt sich der Jüngste vor seine drei Vettern und sieht, finde ich, nicht nur am langweiligsten, sondern unterm Strich auch alt aus. Er landet 39 Punkte hinter Sieger Skoda, das ist mehr als deutlich.
Wenn er denn wenigstens richtig preiswert wäre, könnte ich schon ins Grübeln kommen. Denn die Technik stammt zwar vom gestrigen A4, ist deswegen aber immer noch nicht veraltet, wie allein schon die Verbrauchswerte zeigen.
Doch so schiele ich gern zu den drei Vettern rüber und staune am meisten übers Abschneiden des Passat, der sich in seinem fünften Lebensjahr noch vor den neuen A4 schieben konnte.
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