So ein schicker A3 Sportback 1.8 TFSI weckt die Sehnsucht. Als Fünftürer ist er praktisch, mit 160 PS topfit – also einer für alles und vor allem zum Zeigen. Jetzt kommt da so ein Typ und behauptet plötzlich, er könne das auch alles, nur billiger. Halbbruder Golf hat sich herausgeputzt.
Plötzlich klopft der Golf frech beim Verwandten aus Ingolstadt aufs Dach und sagt: Was du kannst, kann ich schon lange! Tatsächlich? Wo ist der Unterschied? Bis zu 6500 Euro trennen beide – vergleichbar ausgestattet. Ist der neue Golf am Ende der ideale Partner?
1. Frage: Wer fühlt sich besser an? Matt schimmernde Dekoreinlagen und hübsche Chrom- Einfassungen für die Taster der Fensterheber veredeln den Golf, sind besser zu erreichen als beim Audi. Die Anzeigen lassen sich hervorragend ablesen, das Navi RNS 510 kostet 2110 Euro.
Elektronik-Helfer: Neben dem ESP-Schalter sitzen auf Wunsch weitere Tasten zum Ein- und Ausschalten von Fahrhilfen. Der Parkassistent stammt aus dem VW Tiguan, arbeitet im neuen Golf aber präziser.
Empfehlenswert: Siebengang-DSG. Diese Automatik schaltet schnell, spart Sprit. Bei der Verarbeitung patzt VW: Der Rand der Türfächer wurde schlecht entgratet – Ratsch-Gefahr. Das zeigt: Auch ein Guter muss nicht perfekt sein.
Der direkte Vergleich zeigt: Audi schafft es, Blenden, Rahmen und Zierelemente noch eine Spur akkurater einzupassen. Auch die Karosseriefugen des A3 verlaufen schmaler und gleichmäßiger als beim Golf. Allerdings: Das sind Nuancen, die den Preisunterschied nicht rechtfertigen.
Die Skalierung des Tachos erfasst der Fahrer weniger schnell als beim Golf. Auch die Bedieneinheit der Klimaautomatik (1425 Euro Aufpreis) liegt ungünstiger als beim VW. Das Navigationssystem für 2440 Euro muss ohne Festplattenspeicher auskommen.
Zweite Frage: Wer fährt besser? 160 PS unter beiden Hauben, Frontantrieb hier wie da – das klingt doch ganz nach einem Unentschieden. Von wegen! VW holt die Leistung aus einem kleinen 1,4-Liter. Kompressor und Turbolader helfen ihm auf die Sprünge.
Audi pumpt den 1,8-Liter nach herkömmlichem Rezept per Turbolader auf. Mächtig durchzugsstark sind beide – aber beim Golf geht die Strategie besser auf. Der Motor des VW dreht spritziger, entfaltet seine Kraft gleichmäßiger, arbeitet gelassener und unter Last leiser.
Subjektiv sogar erheblich, was die Messwerte nicht wiedergeben. Die Maschine des A3 schiebt zwar ebenfalls vibrationsarm und sehr kraftvoll an. Aber schneller ist der A3 nicht. Das liegt am Getriebe.
Der Audi muss mit einem Sechsgang-Schaltgetriebe – bei dem sich der Hebel zudem noch widerspenstig anstellt – gegen das Siebengang-DSG des Golf antreten. Ein aussichtsloses Unterfangen.
Das Doppelkupplungsgetriebe des VW schaltet nicht nur um Welten schneller als das Sechsgang-Schaltgetriebe des A3. Sieben Gänge erlauben auch eine effektivere Spreizung der Übersetzung. Besonders Zwischensprints hakt der Golf so lässiger ab.
Der Audi federt viel zu steif, jedes Steinchen auf dem Weg hebt den Wagen um spürbare Millimeter an. Sorry, Audi: Dieses ungestüme Gehoppel nervt.
Bei der Fahrwerksabstimmung zeigt sich der Golf erwachsener als der Audi A3. Mit den verstellbaren Stoßdämpfern fährt er einfach viel komfortabler. Er schluckt Bodenwellen, federt Querfugen weg, dämpft Stöße souverän. Kurz: Er bügelt jede fiese Straße glatt. Dazu bremst er besser.
3. Frage: Wer bietet mehr Auto fürs Geld? Ein flüchtiger Blick in die Preisliste täuscht: Der 160 PS starke Golf kostet ab 24.725 Euro. Also nur rund 400 Euro weniger als ein gleich starker Audi A3 Sportback.
Klar, die beiden kommen aus dem gleichen Stall, das Konzept ist ähnlich, die Leistung identisch – so was muss doch im Prinzip auch gleich teuer sein, oder? Irrtum. Den Audi muss man erst einmal ordentlich aufrüsten, um auf ein vergleichbar hohes Ausstattungsniveau zu kommen.
Allein die sportliche Ausstattungslinie (Ambition) – sie entspricht in etwa dem Golf TSI Highline – treibt den Preis des A3 auf fast 27.000 Euro. Dann fehlen dem Sportback noch ein DSG-Getriebe und die Klimaautomatik für rund 3500 Euro.
Der Kofferraum des A3 fasst 370 bis maximal 1100 Liter, je nach Lage der Sitze.
In den Golf passen 350 bis 1305 Liter. Somit ist der VW hier im Vorteil. Bei den tatsächlichen Maßen nehmen sich die beiden allerdings nicht viel.
Wie man auch rechnet – ob über den Preis angepasst oder per Ausstattung nivelliert –, bei VW gibt es schlicht mehr Auto fürs Geld. Es bleibt aber nicht beim Unterschied im Kaufpreis. Nächstgrößerer Posten ist der Verbrauch.
Die effektivere Maschine des Golf verbrennt rund einen halben Liter Sprit weniger pro 100 Kilometer.
Macht bei angenommenen 15.000 Kilometern pro Jahr über 100 Euro Mehrkosten für den Audi. Der geringfügig höhere Steueranteil des hubraumstärkeren Motors fällt da gar nicht mehr ins Gewicht.
Also welchen kaufen? Der 160-PS-Golf kostet in unserer Test-Version (nur so ist er aktuell lieferbar) zwar genauso viel wie der A3, hat aber für 6500 Euro mehr Ausstattung (Klimaautomatik, DSG etc.). Und ist damit das deutlich bessere Angebot.
Fazit: Das Duell endet mit einer Überraschung. Preiswerter war der Golf schon immer, jetzt hat er sich aber auch den "Vorsprung durch Technik" erobert. Er fährt besser, ist sparsamer und erreicht nahezu das gleiche Qualitätsniveau. Nur beim Image fährt der A3 in einer anderen Liga.
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