Selbstbewusst stemmt die Giulietta ihren Scudetto, den markentypischen Grill, in den Fahrtwind. Hinterm Traditionsgesicht steckt neue Technik. Bringt die Italienerin die Deutschen damit in Bedrängnis?
Bedrängen kann die Italienerin die beiden Deutschen, besiegen aber nicht. Am Ende reicht es für 319 von 500 Punkten und Platz drei. Julchen ist leise und kann federn – Stärken, die man von einem Alfa nicht unbedingt erwartet. Bei Bedienung und Fahrdynamik geht aber noch mehr, ...
... und ihr feuriger Turbo trinkt mit 7,2 Litern auf 100 Kilometer im Testdurchschnitt zu viel. Die Maschine holt aus 1,4 Litern Hubraum 120 PS und 206 Nm Drehmoment, ...
... die die
Giulietta in 9,7 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und bis auf maximal 195 km/h beschleunigen. Der
Alfa tritt feurig an wie ein Mailänder Casanova beim Buhlen um blonde Touristinnen, ...
... kitzelt mit dunklem Tenor das Trommelfell. Richtig sportlich wirkt er trotzdem nicht. Zwar ist Julchen mit 1346 Kilo im Vergleich zu BMW und Audi ein leichtes Mädchen. Ihre Handlichkeit leidet aber unter der soften Aufhängung, ...
... die zu viel stärkeren Karosseriebewegungen als bei den beiden Mitbewerbern führt. In Kurven sticht der Alfa zwar ambitioniert, ...
... wer gern auf der letzten Rille fährt, sollte sich aber das Sportpaket mit 18-Zoll-Bereifung (2850 Euro) gönnen. Der Alfa bügelt Buckelpisten geschmeidiger glatt, kann sich auf Teerflicken und Gullydeckeln leichtes Stuckern jedoch auch nicht ganz verkneifen.
Die Giulietta empfängt ihre Besatzung mit einer abwechslungsreich gestylten Armaturenlandschaft. Besonders italienisch sieht das Ganze zwar nicht aus, ...
... nur die in tiefen Höhlen versenkten Rundinstrumente mit hängenden Zeigern erwärmen das "cuore sportivo", das Sportlerherz von Traditionalisten.
Beim Bedienen kühlt die Leidenschaft jedoch schnell wieder ab. Abgesehen von großen, runden Klimareglern und einer hübschen Kippschalter-Klaviatur quält Alfa Giulietta-Käufer mit glitschigen Drehknöpfen und ...
... schwer durchschaubarer Menü-Logik. Auf dem großen Display auf der Mittelkonsole lassen sich Ladedruck und Leistung anzeigen.
Mehr Dampf mit einem Handgriff: Wer den Fahrdynamikschalter auf "D" stellt, schärft Motor, Gas und Lenkung.
Angesichts von Länge und Radstand hat die Giulietta im Fond ein dürftiges Raumangebot. Fensterheber hinten kosten 200 Euro extra.
In den Kofferraum des
Alfa passen zwischen 350 und 1045 Liter – beim Maximalvolumen liegt die Giulietta somit hinten.
Gemessen an der kargen Ausstattung ihrer um mehrere 1000 Euro teureren Rivalen wirkt die Giulietta (21.700 Euro) ebenso prächtig wie preiswert. Ein verdienter Preis-Leistungs-Sieger, ...
... der sich bei unseren Fahrversuchen einen echten Schnitzer leistet: Bei zu festem Druck kann das
Giulietta-Gaspadal nach links wegrutschen und festklemmen. Obwohl Alfa Romeo das beim AUTO BILD-Test aufgetretene Problem nicht nachvollziehen konnte, ...
... wollen die Italiener mit diesem Bauteil Abhilfe schaffen und ein seitliches Wegrutschen des Pedals verhindern. Glück für Alfa: Derzeit befindet sich noch keines der gebauten Fahrzeuge in Kundenhand.
326 Punkte bringen den
1er am Ende auf Platz zwei. Mit Hinterradantrieb und knapp geschnittener Karosserie markiert der
BMW den Sportler. Die straffe Federung kann man ihm da schon fast verzeihen, ...
... nicht jedoch den müden Basismotor. Obwohl 116i am Heck steht, holt der Motor seine Kraft (122 PS, 185 Nm) aus zwei Litern Hubraum. Erst bei hohen Drehzahlen kommt Leben in die Bude, ...
... untenherum wirkt der weiß-blaue Vierzylinder ein wenig lustlos. Der Sprint auf Tempo 100 gelingt dennoch in 9,7 Sekunden. Mit 204 km/h Spitze ...
... ist der BMW der Schnellste im Trio. Im Testdurchschnitt genehmigte sich der Bayer glatte sieben Liter auf 100 Kilometer.
In Kurven denkt sich der
BMW 1er förmlich hinein; die sorgsam austarierte Lenkpräzision sucht ihresgleichen, ...
... dank Hinterradantriebs sticht der 116i auch am lustvollsten wieder aus engen Ecken raus. Das straffe Fahrwerk ist allerdings alles andere als sänftenhaft. Wer den Grenzbereich ein wenig verschieben möchte, ...
... kann der Stabilitätskontrolle im Dynamic-Modus eine erhöhte Regelschwelle diktieren.
Das BMW-Cockpit hat vorbildlich ablesbare Instrumente, das griffige Sportlenkrad gehört zur Designlinie "Edition Lifestyle".
Zeitgeist: Der BMW-Motor wird per Knopfdruck gestartet.
Gute Sitze. Den BMW-Schalen kann man allenfalls ankreiden, dass sie für stämmig gebaute Fahrer eine Spur zu eng geschnitten sind.
Eng, enger, BMW-Fond: Erwachsene bekommen in der zweiten Reihe des 1er fast Platzangst.
Das Gepäckabteil fasst 330 bis 1150 Liter, nur beim BMW gibt es bei umgelegter Lehne keine Stufe. Mit 381 Kilo darf er aber am wenigsten zuladen.
Für den 116i verlangt BMW 24.070 Euro. Im Preis bereits eingerechnet ist die 17-Zoll-Bereifung für 1220 Euro.
Der
Audi A3 Sportback bietet am meisten Platz, er ist kräftig und sparsam, zudem bis ins Detail perfekt verarbeitet. Komfortschwächen und die längsten Bremswege im Vergleich können ihm den Sieg mit 334 von 500 Punkten nicht nehmen.
Downsizing: Der
Audi-Motor holt seine Kraft (125 PS, 200 Nm) wie der Alfa aus turbogeladenen 1,4 Litern Hubraum.
Der Fahrspaß in Zahlen: Für den Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 braucht der A3 9,8 Sekunden, er erreicht maximal 203 km/h. Beim Audi zupft der Turbo-Punch ...
... schon mal ganz zart in der Lenkung. Auch die Abrollgeräusche dringen im A3 am stärksten nach innen.
Beim Audi sollte man auf das S-Line-Fahrwerk (ab 340 Euro) grundsätzlich verzichten. Schon die normale Abstimmung ist sehr straff. Auf Kopfsteinpflaster und ...
... schlechten Straßen strapaziert der A3 die Bandscheiben mit herben Stößen – mehr noch als der ebenfalls nicht gerade softe BMW.
Das A3-Cockpit wirkt mittlerweile angestaubt, Glanz bringt ein Sportlenkrad aus dem S-Line-Programm.
Der A3 kommt serienmäßig mit einer abschaltbaren Start-Stopp-Automatik. Sie drückt den Testverbrauch auf 6,5 Liter auf 100 Kilometer – weniger schluckt in diesem Vergleich keiner.
Die Sportsitze erfreuen im A3 wie im 1er Kurvenkratzer ebenso wie Kilometerfresser. Eine sechsstufige Heizung fürs Gestühl kostet bei Audi 330 Euro extra.
Am meisten Platz gibt es im Audi A3. Seine Rücksitze lassen sich zudem am bequemsten entern. Der Sitzkomfort ist auch in Reihe zwei gut.
Der Kofferraum des
Sportback schluckt 370 bis 1100 Liter. Die Rücksitzlehne klappt geteilt, die Durchreiche kostet 155 Euro extra.
Der teuerste Wagen in diesem Vergleich ist der Ringträger: Für den A3 Sportback 1.4 TFSI in der Ausstattung "Ambition" verlangt
Audi 24.990 Euro – inklusive S line-Sportfahrwerk für 340 Euro.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Martin Puthz: "Ob wir bei der WM gegen Italien kicken müssen – warten wir's mal ab. Fest steht aber jetzt schon, ...
... die Azzurri werden kein leichter Gegner. Auch Alfas Neuer lässt den Deutschen wenig Raum, sich auf ihrer Favoritenrolle auszuruhen. Die Giulietta startet mit dem Sympathiebonus der großen Marke, ...
... lockt mit guter Ausstattung zum moderaten Preis. Auch Qualität ist kein Fremdwort mehr. Dribbelkünste und Bedientaktik der Italienerin erreichen aber noch kein Weltmeister-Niveau." Weitere Informationen zur Giulietta finden sie
hier.
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