Die neue
Alfa Giulietta soll in der Kompaktklasse für Furore sorgen. Im AUTO BILD-Vergleich trifft sie auf den
BMW 1er. Die Frage ist: Wer fährt wem hinterher?
Alfa gegen
BMW, das ist ein Duell mit ganz langer Tradition: Giulia TI gegen 1800 ti, Giulia Super gegen 2002, Alfetta gegen 520i – das waren die Begegnungen einer großen Zeit, ...
... als Alfa dem deutschen Gegner bisweilen die Nase polierte. Derart erfolgreiche Zeiten sind für Alfa lange vorbei. Die neue Giuliette soll jetzt an die glorreiche Vergangenheit anknüpfen.
Am Ende des Tests steht's fest: Die
Alfa Giulietta liegt eine Nasenlänge vorne, schon der besseren Dynamik wegen. Aber auch sonst kann sie in diesem Vergleich glänzen und ...
... den
BMW auf Abstand halten. Schön handlich ist er, aber es fehlt der Reiz des Kraftvollen. Und der Komfort wird zu klein geschrieben. Der
1er verdient sich am Ende die Note 2-.
Der Zweiliter-Vierzylinder im BMW hat keinen Turbolader, dafür mehr Hubraum als die Alfa-Maschine und Direkteinspritzung. Das reicht für 170 PS und 210 Nm Drehmoment, aber ...
... um auf Trab zu kommen, muss der Motor angestrengt drehen. Und so klingt er auch. Es fehlt ihm im Vergleich an Drehmoment, und deshalb heißt es: häufiger schalten. Was mit der knochigeren Schaltung kein reines Vergnügen ist.
Wir vermissen den sahnigen Sechszylinder hinter der BMW-Niere, dann wäre sie vielleicht da, die versprochene Freude. Wer es mit dem 120i darauf anlegt, erreicht nach 7,8 Sekunden die 100-km/h-Marke ...
... und ist mit maximal 224 Sachen unterwegs – da muss der Alfa passen. Der
BMW erlaubt sich dafür stärkere Vertikalbewegungen, ...
... er federt bockiger als sein italienischer Konkurrent.
Auch der
1er hat das typische und geschätzte BMW-Cockpit mit bekannten Stärken: leichte Bedienung und ...
... einwandfreie Sitzposition auch für großgewachsene Fahrer. Das gilt zumindest für vorne, ...
... hinten dagegen kann es im kleinen Münchner schon mal eng werden – der Beinraum ist kleiner als im Alfa.
Der BMW verlangt an der Kasse einen deutlich höheren Einsatz als der Alfa: Für einen 120i werden mindestens 27.150 Euro fällig.
Sie ist sparsamer, geräumiger und komfortabler. Und vor allem: Julchen macht Freude. So erhält die
Alfa Giulietta am Ende eine glatte 2. Das ist der hauchdünne Sieg über den BMW.
Auf diesen Motor sind die Italiener stolz: kleiner Hightech-Turbo mit 170 PS und 250 Nm. Der kleine 1,4-Liter startet mit einem kurzen Schwächeanfall, kommt aber schnell zur Sache. Enorm, wie sich das Motörchen in Szene setzt, ...
... tief Luft holt und mit Gusto losdampft. Dabei grummelt er auch noch sympathisch. Erst bei hohen Drehzahlen mischt sich ein Dröhnen in die Akustik. Dennoch: ein würdiger Alfa-Motor, der die Giulietta in 7,8 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigt und für 218 km/h Spitze gut ist.
Der
Alfa überrascht nicht nur beim Motor positiv. Wo haben die Italiener plötzlich gelernt, ein Fahrwerk so sauber abzustimmen? Die
Giulietta zirkelt unverhofft präzise um die Kurven, ...
... die Lenkung schön straff und fast ohne Antriebseinflüsse. Ihre Vorderräder stemmen sich bei verschärften Manövern so unverzüglich gegen die Fliehkräfte, dass beim Einlenken selbst der 1er mit dem Hinterradantrieb seinen Vorteil der ausgewogeneren Gewichtsverteilung nicht ausspielen kann.
Und steht der sogenannte DNA-Schalter für die Elektronik auf "d" wie "Dynamic", darf dazu mit dem Gaspedal nachgeholfen werden. Noch besser: Das berüchtigte Alfa-Stuckern des Vorderwagens ist nahezu verschwunden.
In der Giulietta erwartet uns ein modisch gestyltes Cockpit von ordentlicher Qualität, aber mit wenig
Alfa-Charakter. Das hat auch seine Vorteile, denn die klassische Froschhaltung ist passé, ...
... die Sitze sind für Langbeinige allerdings zu kurz bemessen.
Probesitzen im Fond: Beengter als etwa im VW Golf, knappe Sitzflächen, aber im Gegensatz zum BMW auch für Erwachsene geeignet.
Versteckt: Der Griff für die hinteren Türen liegt gewissermaßen im Fensterrahmen.
Das flutscht: Alfas Sechsgang-Schaltung nach konventionellem Muster.
Vergleichsweise günstig: Alfa bietet die
Giulietta 1.4 TB Multiair ab 22.400 Euro an.
Das Fazit: "Kann es sein, dass das italienische Fliegengewicht den bayerischen Preisboxer auf die Bretter schickt? Zugegeben, zum K. o. langt es nicht. Aber ein paar Treffer landet der
Alfa bei diesem ersten Schlagabtausch auf jeden Fall."
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