Mit dem neuen
XF Sportbrake macht Jaguar Jagd auf betuchte Business-Kunden, die sonst womöglich einen
BMW 5er Touring fahren würden. Zwar ist der Bayer deutlich weniger exklusiv als sein englischer Konkurrent, ...
... aber vorausgegangene Tests haben auch gezeigt, dass der 5er ungewöhnlich gut ist. Ob sich der Jaguar da stumpfe Krallen holt? Bei einem wichtigen Kombi-Thema schon mal nicht, ...
... denn steil wie die Fassade von Westminster Abbey gestalteten die Jaguar-Architekten das Heck. Dadurch ging zwar die katzenhaft geduckte Optik flöten, ...
... aber der XF entzieht sich so dem Vorwurf, nur ein versnobter Golftaschen-Transporter zu sein. Sein Stauvolumen liegt mit 550 bis 1675 Litern (Zuladung: 404 Kilogramm) auf BMW-Niveau, ...
... die Funktionalität leider nur fast. Während beim 5er das Laderaumrollo elektrisch vor- und zurückschnappt, ist beim XF Handarbeit gefragt.
Und eine separat öffnende Heckscheibe, praktisch etwa beim Beladen eines zugeparkten Autos, bietet nur der BMW.
560 bis 1670 Liter passen in den BMW. Auch hier enttäuscht die geringe Zuladung (429 Kilo). Die Teppiche sind nicht so flauschig wie im Jaguar, fühlen sich an wie ein abgeliebter Plüschteddy.
Beide Kandidaten verbindet in der ersten Reihe die intime Raumknappheit des Sitzgefühls. Fahrer und Sozius rücken sich im Jaguar XF etwas dichter auf die Pelle, ...
... als im BMW. Der 5er ist, ohne dass seine Karosserie äußerlich ausladender wäre, innen satte viereinhalb Zentimeter breiter. Aber auch hier fädeln die Passagiere in körpernah geschnittene Nischen zwischen Tür und hohem Mitteltunnel ein.
In Reihe zwei bietet der Jaguar höhere Lehnen, mehr Beinauflage und größere Kopffreiheit ...
... als der 5er. Der hat genauso viel Raum für die Knie, es gibt aber mehr Seitenhalt.
Breite BMW-Kommandobrücke mit perfekt durchdachter Bedienlogik, aber etwas eingemauertem Sitzgefühl und zu wenigen Ablagemöglichkeiten.
Körpernah geschnittenes Cockpit mit lederbezogenem Armaturenträger im Jaguar. Der Unterhaltungswert ist hoch, die Bedienung zum Teil kompliziert.
Während BMW-Piloten die Vielzahl an Extras dank einer leicht verständlichen Bedienlogik virtuos im Griff behalten, ...
... setzt der Jaguar auf effektheischende Theatralik. Das Cockpit schimmert bei Nacht in coolem Eisblau, der Startknopf pulsiert vorm Drücken rot wie der Ruhepuls einer schlafenden Raubkatze, ...
... und die Luftdüsen entblättern sich wie die Knospen der Maiglöckchen, wenn der Frühling einzieht. Großes Kino, ...
... doch die Bedienung krankt am ablenkungsintensiven Berührungsbildschirm mit seinen verschachtelten Mini-Menüs.
Ein Erbe aus Ford-Tagen: Die Frontscheiben-Heizung hat nur der XF.
Assistenten wie Spurhaltehilfe, Auffahrwarner oder Head-up-Display bietet nur der 5er.
Je nach gewähltem Fahrmodus wechseln die Instrumente im 5er Grafik und Farbe, ...
... eine bunte Spielerei, die nicht zum seriösen BMW-Charakter passt.
Wer Sportbrake sagt, meint Diesel. Als Benziner bietet Jaguar den Kombi nicht an, ...
... es gibt nur drei Selbstzünder (im Bild der Sechszylinder 3.0 S mit 275 PS und 600 Nm) von 200 bis 275 PS, ...
... in allen Fällen kombiniert mit einer achtstufigen Automatik von ZF. Das gleiche Getriebe setzt BMW auch im 5er ein, ...
... den es mit je fünf Dieseln und Benzinern (184 bis 407 PS) gibt.
Beim 530d (258 PS, 560 Nm) steht auch ein Allradantrieb in der Optionsliste, zudem knackt er schon die Euro-6-Grenzwerte, wenn er (wie unser Testwagen) mit Blue-Performance-Speicherkat (1190 Euro) bestückt ist.
Ausgeprägte Mühelosigkeit prägt das Fahrerlebnis. Die Lenkung gefällt vor allem beim BMW mit ihrer Ausgewogenheit, ...
... beim Jaguar lässt sie sich zu sehr von Fahrbahnschäden irritieren.
Angesichts von Drehmomenten über 550 Nm verlieren selbst Leergewichte jenseits von zwei Tonnen ihren Schrecken. Der Jaguar-V6 läuft wie in Watte gepackt und knurrt noch weniger als der Reihenmotor im BMW. Sein Leistungsplus zehren jedoch die 20 Zusatz-Kilos auf. So beschleunigt der XF in 6,9 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht maximal 250 km/h, ....
... der BMW ist mit 248 km/h Spitze marginal langsamer, hängt den Jaguar beim Standardsprint in 6,4 Sekunden aber ab.
Nach Kritik an der zu straffen Abstimmung, bei der der samtpfötige Markencharakter auf der Strecke blieb, haben sie beim XF die Sport-Schraube wieder gelockert und zu alten Tugenden zurückgefunden.
Selbst mit 20-Zoll-Rädern federt der Jag bemerkenswert bekömmlich. Die serienmäßige Luftfederung an der Hinterachse, primär als Niveauregulierung gedacht, spielt ihm dabei in die Hände.
Ganz an den 5er reicht der Brite aber nicht heran. Dieser trifft mit verstellbaren Dämpfern stets den richtigen Ton zwischen knackig und konziliant. Selbst im Sport-Modus wirkt er nicht ungebührlich hart.
Platz zwei mit 483 von 700 Punkten: Der kultivierte Diesel ist das stärkste Pfund des Jaguar XF Sportbrake 3.0 Diesel S. Qualitativ spielt er auf Augenhöhe mit dem BMW, ...
... selbst beim Federungskomfort ist er ihm neuerdings dicht auf den Fersen. Zurück werfen ihn Kostennachteile, das knapper geschnittene Passagierabteil und die verquaste Bedienung.
Platz eins mit 519 von 700 Punkten: Der BMW 530d Touring offeriert seinen Gästen mehr Platz und ist leichter bedienbar, den größeren Laderaum bietet er aber nicht. Lenkung und Fahrwerk sind auf Agilität gemünzt, ...
... ohne den Komfort zu vernachlässigen. Den höheren Preis machen besserer Wiederverkauf und günstigere Wartung mehr als wett.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Martin G. Puthz: "Der 5er Touring lässt sich nicht verladen. Allerdings hat er seine Nieren-Nase in vielen Testkriterien nur knapp vorn. Ein Punkt hier und einer da – so springt zum Schluss dann aber doch ein satter Vorsprung für ihn raus.
Das macht den Jaguar indes nicht zum Verlierer. Der XF fährt vielmehr als ehrenvoller Zweiter vom Platz. Die Briten haben einen kompetenten Kombi gebaut, beim Komfort nachgebessert und einen hohen Reifegrad in Sachen Qualität erreicht. So wird der Sportbrake auch für einen deutschen Platzhirsch zum potenten Nebenbuhler."
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