Giganten-Duell auf der GP-Strecke.
Porsche 911 GT3 RS und
BMW M3 GTS sind dem Rennkurs näher als der Straße. Trotzdem sind sie alltagstauglich, und Sportfahrer mit Nehmerqualitäten fahren mit ihnen sogar in den Urlaub, ...
... was angesichts fehlender Komfortausstattung allerdings ein hartes Brot ist. Nach 500 Kilometern Anfahrt ist eine Erfrischung nötig – die Testwagen haben weder Klimaanlage noch Radio. Das schlaucht die Redakteure.
Mit riesigem Heckgeweih war der Porsche 911 GT3 RS bislang König im Ring. Nun beflügelt auch BMW den M3, ...
... senkt sein Gewicht und treibt die Leistung hoch. Kann der GTS den Elfer packen? Nun, die Kampfansage aus München hat jede Menge Feuer und schafft Topzeiten, ...
... doch die Sport-Orientierung reicht nicht bis ins letzte Detail. Ein Hauch von Tuning-Modell bleibt. In der Endabrechnung erzielt der BMW M3 GTS 243 Punkte und fährt damit auf den zweiten Platz.
Kraftpaket: Durch die Hubraumerweiterung von 4,0 auf 4,4 Liter steigt die Leistung des M3-V8 um 30 auf 450 PS. Das maximale Drehmoment von 440 Nm liegt bereits bei 3750 Touren an. Dazu kommen veredelte Motorinnereien, ...
... ergänzt durch bessere Aerodynamik und Leichtbau. Außerdem liegt die Karosserie tiefer, trägt Gewindefahrwerk und verfügt über einen starr verschraubten Hinterachsträger, ...
... Überrollkäfig statt Rücksitzen sowie breitere Räder und ...
... einen mächtigen Heckflügel, der direkt vom 320si-Renntourenwagen stammt. Wer den potentesten Dreier auch mit geschlossenen Augen erkennen will, ...
... muss nur warten, bis jemand den Startknopf drückt. Was für ein Sound! Im Stand wummert, röhrt und dröhnt der Achtzylinder derart voluminös, dass er den Porsche übertönt.
Entschlossen stürmt der scharfgemachte M3 auf die Piste und liegt, wie ein Wettbewerbsauto liegen muss: satt, ruhig, neutral und mit präzisem Lenkverhalten. Auch ohne elektronische Unterstützung bleibt das Geschoss beherrschbar. Allerdings könnten fortgeschrittene Lenkradartisten ...
... die mangelhafte Beweglichkeit des GTS kritisieren. Von einem hilfreichen Eindrehen in Kurven durch Lastwechsel keine Spur. Im Grenzbereich neigt der BMW zum Untersteuern, was bei automobilen Grenzgängern etwa so beliebt ist wie bei Sumo-Ringern das Kunstturnen.
Blitzschnell wechselt das Getrag-Doppelkupplungsgetriebe (DKG) die sieben Gänge – perfekt für Straße und Piste.
Die gegenüber dem Serien-M3 deutlich vergrößerte Festsattelbremse wirkt äußerst bissig und standfest, ...
... doch die Leichtigkeit einer puren Pistensau geht dem BMW leider ab. Mit einem Leergewicht von 1538 Kilo ist er fast 140 Kilo schwerer als der Porsche – und auch nicht so spurtstark: Von 0 auf Tempo 100 braucht der GTS 4,6 Sekunden, ...
... bei 305 km/h bleibt die Tachonadel stehen. Im BMW sitzen überm Drehzahlmesser LEDs als Schalthilfe – ab 8000 Touren warnen erst sechs gelbe Leuchten, dann zwei rote.
Im M3 GTS sind die Sitzschalen dünner bezogen und für den Betrieb mit Helm ausgelegt. Der Überrollschutz im Fond lässt sich zum vollwertigen Käfig erweitern
BMW prahlt mit einem großen Anteil Handarbeit, doch wer genau schaut, entdeckt am GTS Details aus dem normalen Großserien-3er wie Innenraumleuchten im vergitterten Fond, Schlitze für Gepäckträger im Kohlefaserdach und funktionslose Lenkradtasten. All das fördert den Eindruck, ...
... dass es sich bei diesem Super-M3 um ein Modell aus dem Tuning-Katalog handelt. Exklusiv ist er auf jeden Fall: Nur 130 bis 150 Stück plant die M GmbH bis zum Auslaufen der jetzigen 3er-Generation zu produzieren, ...
... und das macht den ausschließlich in Feuerorange (Colorcode U 94) erhältlichen BMW teuer: 136.850 Euro rufen die Münchner für den extrasportlichen Dreier auf – ein Preisaufschlag von fast 70.000 Euro gegenüber dem normalen M3 Coupé (68.350 Euro).
Mit 248 Punkten geht der erste Platz an den Porsche 911 GT3 RS. Der schnellste Elfer mit Saugmotor macht alles richtig. Fahrwerkabstimmung, Leichtbau und Motor stempeln ihn zu einer Rundstrecken-Rakete, die nicht zu schlagen ist.
Wie bei Porsche üblich, versteckt sich der Motor: Der 3,8 Liter große, kurzhubige Sechszylinder-Boxer entlässt 450 PS und 430 Nm Drehmoment an die Hinterachse. Die Entschädigung fürs maue Standgas-Geräusch ...
... erfolgt ab 4000 Touren. Dann öffnet der Motor alle Schleusen und bläst wie ein Fanfarenchor zur Attacke auf den bayrischen Burgherrn. Mit Erfolg, ...
... denn er ist mit 3,7 Sekunden nicht nur wesentlich schneller auf Tempo 100, ...
... sondern umkreist die AUTO BILD-Handlingstrecke auch noch fast zwei Sekunden schneller als der BMW. Mit anderen Worten: Der GTS hat keine Chance gegen den GT3.
Ganz klar: Der GT3 RS ist näher am Renn- als am Straßen-Elfer. Kaum Dämmung, dafür aber riesige Räder, die ein permanentes Grundrauschen schaffen, das auf Dauer Ohrstöpsel unvermeidbar macht. Wer übrigens die am gelben Sattel zu erkennende Keramikbremse haben will, zahlt 8711 Euro extra.
Trotz seiner betont sportlichen Auslegung federt der Porsche erträglich. Besonders Betonabsätze auf der Autobahn schluckt sein festes Rennfahrwerk geschmeidiger als der BMW.
Seit 1973 sind imposante Heckflügel Markenzeichen der 911 RS. Am aktuellen Leichtbau-GT3 wächst das Geweih besonders üppig.
Gewicht gespart: Statt Türöffnern gibt es spartanische Schlaufen – wie im 911 RS von 1973.
Besser geht es kaum: Die Schalensitze fixieren den Fahrer ideal hinter dem griffigen Sportlenkrad.
Sicher ist sicher: Wie im M3 GTS gibt es auch im Porsche 911 GT3 RS einen Überrollschutz. Der Käfig ist FIA-konform und lässt sich bei Bedarf zur Zelle ausbauen.
Besonders gut im Saft? Statt angegebener 310 km/h schafft der Testwagen sogar Tempo 330. Traditionell bekommen 911-Fahrer Öltemperatur und -druck angezeigt.
Hier ist der Pilot gefordert: In Sachen Schaltarbeit setzt der GT3 RS auf ein manuelles Sechsgang-Getriebe.
Nur das Nötigste: Klimaanlage und Radio gehören normalerweise nicht zum Lieferumfang, können aber aufpreisfrei bestellt werden. Für Puristen ist das natürlich kein Thema. Sie schwitzen und schweigen, ...
... besonders über die Kosten. So wenig Komfort für so viel Geld erfordert schon ein ganz spezielles Verständnis fürs zügige Autofahren. Inklusive Keramikbremsanlage und Leichtbauschalensitze kostet der Porsche 911 GT3 RS 162.138 Euro.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jörg Maltzan: "Meine Freunde waren völlig aus dem Häuschen: 'Du hast den absoluten Traumjob', meinten sie angesichts der Testkandidaten. Stimmt! M3 GTS wie 911 GT3 RS markieren eine einsame Spitze beim Bau supersportlicher Autos. Mehr Fahrspaß findet sich ganz selten. Beim Faszinationspotenzial ...
... kriegen beide von mir eine Eins plus. Und doch gibt es Unterschiede. Am sichtbarsten ist der Preisvorteil für den BMW. Rund 25.000 Euro günstiger als der Porsche, bietet er fast dessen Fahrleistungen. Aber eben nur fast. In vielen Nuancen bleibt der Elfer das dynamischere, konsequentere, schnellere Auto."
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