Cabrio oder Roadster? Ist das nur eine Frage des persönlichen Geschmacks? AUTO BILD hat auf der Suche nach einer Antwort drei offene Autopaare mit jeweils gleichen Motorisierungen miteinander verglichen:
Audi A5 Cabrio und
TT Roadster,
BMW 1er Cabrio und
Z4 sowie
Mercedes E-Klasse Cabrio und
SLK.
Im Duell Nummer eins trifft das Audi A5 Cabrio auf den TT. Wirklich sportlich ist in diesem Vergleich aber nur ein Ringträger.
Der offene TT nennt sich Roadster. Darf er das? Nicht wenn es nach der reinen Lehre geht, denn ...
... schließlich hat er einen Quermotor (2.0 TFSI, 211 PS) und Frontantrieb, ...
... bleibt aber immerhin beim Stoffverdeck. Mit rundlicher Karosserie und ähnlichen Front-Heck-Proportionen gleicht er eher den italienischen Barchettas (Bötchen) als den britischen Raubeinen.
Doch so kann man sich täuschen: Auf kurvigen Strecken dreht der TT mächtig auf ...
... und lässt dem A5 Cabrio bei der Fahrfreude keine Chance. Er ist schneller und agiler. Den Sprint auf Tempo 100 erledigt der TT in 6,7 Sekunden, ...
... sein Doppelkupplungsgetriebe (2150 Euro) samt Schaltwippen und die aktiven Dämpfer (1230 Euro) ...
... machen den TT zum echten Sportler, der mit rauchigem Turbosound durch die Gegend hustet und hastet.
Erstaunlich, wie anders der gleiche Motor (mit Steuerkette statt Zahnriemen, aber mit identischer Leistung) im größeren A5 wirkt. Er ist hörbar leiser hängt weniger giftig am Gas und ...
... beschleunigt den offenen A5 in glatten acht Sekunden auf Tempo 100. Die Motorcharakteristik macht den Wagen insgesamt gelassener, und ...
... er entwickelt tatsächlich den gediegenen Charakter eines "offenen Ausflugswagens" – nett, aber eben unsportlich(er).
Zittrige Karosserie, stößige Federung, nervöse Lenkung, halbherziges Offenfahrgefühl – nein, all das kann wenig begeistern.
Der A5 ist einer, der mit geöffnetem Verdeck selbst bei Tempo 140 die Föhnfrisur älterer Damen in Ruhe lässt. Und damit ist er irgendwie das Gegenteil eines Roadsters.
Außerdem: Wer im Frontantriebs-A5 eine Automatik wünscht, wird zur Stufenlos-Multitronic gezwungen – ein Verhütungsmittel, wenn es lustvoll werden soll. Immerhin spart das Gummiband-Getriebe Sprit: Trotz 366 Kilo Mehrgewicht ...
... schluckt er mit 8,8 Litern auf 100 Kilometer nur einen Zehntelliter mehr als der TT. Das Prädikat Spritspar-Cabrio ist ja auch nicht verkehrt, ...
... aber am Ende kann es nur einen Gewinner geben – und der heißt in diesem Fall TT Roadster.
Im zweiten Duell dieses Vergleichs trifft der BMW Z4 mit dem offenen 1er auf einen starken Widersacher, der alles hat ...
... was man in einem offenen Zweisitzer braucht: einen längs eingebauten Sechszylinder, Heckantrieb, sportliche Karosserie und ...
... ein Softtop. In 19 Sekunden faltet sich das Verdeck unter die Abdeckung. Die Prozedur funktioniert bis Tempo 50.
Die beiden Rücksitze nehmen wir dankbar als Zugabe mit. Fürs Gepäck. Denn sitzen will hier ohnehin niemand auf längeren Strecken. Der 135i definiert eine neue Wagengattung. Er ist der erste 2+2-Roadster und wird damit zum Herausforderer für den Z4. Nicht nur optisch gibt er die Sportkanone, ...
... sondern auch bei den Fahrleistungen klebt er dem BMW-Zweisitzer stets mit heißem Atem im Nacken, absolviert den Sprint auf Tempo 100 in 5,9 Sekunden. Kein Wunder, ...
... denn der 1er wiegt nur unwesentlich mehr, wird aber vom gleichen Turbo-Reihenmotor mit 306 PS befeuert, ...
... auch das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe ist identisch. Trotzdem fehlt was. Anders als im Z4 ...
... sitzt der Fahrer höher und freut sich über die gute Übersicht. Beim Schulterblick aufs lange Heck kommt jedenfalls nicht das Gefühl auf, ...
... in einem Puristen-Sportwagen zu sitzen. Dafür ist er dann doch einfach zu limousinig.
Puristisch dagegen der Z4: Geschickt schafft er den Spagat zwischen Retrodesign und Moderne. Wenn Zorro heute durch die Gegend galoppierte, er würde es in diesem schwarzen BMW tun. Denn der ist ein echtes Männerauto (Z4-Fahrerinnen mögen verzeihen) mit ewig langer Motorhaube, ...
... Sitzposition fast auf der Hinterachse und ...
... dazu dieser gefährliche Haifischblick. Ja, so muss ein Roadster aussehen, auch wenn ...
... Puristen mit dem Wetterschutz des Z4 nicht einverstanden sind. Das Stahldach auf dem Roadster folgt nicht der reinen Lehre. Es öffnet in 19 Sekunden und funktionert auch, wenn der Wagen nicht schneller als zehn km/h fährt.
Da kann sich der 135i noch so mühen, am Z4 kommt er nicht vorbei. Mit seinem adaptiven M-Fahrwerk (1230 Euro) und dem Doppelkupplungsgetriebe (2400 Euro) ...
... zieht der Roadster alle Register der automobilen Unterhaltungskunst. Nicht das bessere Sprintverhalten (0–100 km/h: 5,4 s) entscheidet, ...
... sondern die größere fahrerische Herausforderung im Z4. Er zeigt mehr Lastwechsel, will aktiver korrigiert werden, und im voll geöffneten Zustand sitzt der Fahrer im Auge des Orkans. Dieser Sturm der Liebe bläst mitten ins Herz, ...
... auch bei BMW gewinnt der offene Zweisitzer den Vergleich. Es steht 2:0 für die Roadster.
Kontrastreicher geht es kaum: Die Gemeinsamkeiten zwischen E-Klasse Cabrio und SLK, die in Duell Nummer drei aufeinandertreffen, beschränken sich auf den Sternenhimmel, den der Fahrer sieht, wenn das Dach unten liegt. Den Rest trennen Galaxien. Das Cabrio müht sich um Eleganz, ...
... wirkt edel, aber auch ein wenig eitel. Der sportive Auftritt mag nicht wirklich zum Wesen der E-Klasse passen.
Angetrieben wird der offene E 350 CGI von einem direkteinspritzenden V6 mit 292 PS. Der sorgt für vergleichsweise wenig Verbrauch (9,7 l/100 km) und ...
... souveränes Vorwärtskommen: Von 0 auf Tempo 100 geht es zwar in zügigen 7,1 Sekunden, ...
... charakterlich entpuppt sich der E 350 CGI aber eher als gemütlicher Gleiter.
Komfort geht hier ganz klar vor Krawall. Das Anti-Verwirbelungssystem Aircap (821 Euro) und ...
... der Nackenföhn Airscarf (547 Euro) in den Kopfstützen den Vordersitze funktionieren wunderbar, doch für Naturburschen sind die Weichei-Extras natürlich eine Steilvorlage: "Wozu brauche ich dann ein offenes Auto?" Das Genießer-Cabrio spricht eher die geschlossene Gesellschaft älterer Kunden an, ...
... die das Dach hin und wieder mal im Juli öffnet. Das geht okay; nur vom Roadsterfahren ist diese Gewohnheit so weit entfernt wie eine Luxusjacht vom Speedboot.
Wie schön, dass Mercedes auch anders kann. Der Mercedes SLK 350 nimmt es nicht nur mit dem BMW Z4 auf, ...
... sondern taugt sogar als Porsche-Ersatz. Mit Formel-1-Nase, Stummelheck und ...
... dem über 7000 Touren drehenden Sportmotor, der die Hinterachse mit 305 PS beschickt, ...
... wird der SLK zum kernigen Kurvenkünstler. Er sprintet sauschnell, fährt sich handlich und bläst mit einem imposanten Posaunensound um die Ecken. Das ist Fahrspaß in Reinkultur. Und darum geht es schließlich beim Roadster.
Klare Sache: Wer hier Platz nimmt, sitzt im Sieger dieses Duells – gegen den SLK hat die offene E-Klasse keine Chance.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jörg Maltzan: "So eindeutig hab ich das nicht erwartet: Wenn es um Fahrspaß geht, also Handling, Sound und ein unverfälschtes Offenfahrgefühl, führt kein Weg an Roadstern wie dem Z4 vorbei. Starker Motor sowie straffes Fahrwerk allein machen aus einem Cabrio noch keinen Sportwagen. Das hat dieser Vergleich eindeutig gezeigt. Obwohl ...
... die Viersitzer mit dem gleichen Antrieb wie die Roadster unterwegs sind, bleiben sie behäbiger und benehmen sich bei flotter Fahrt störrischer. Das macht sie für aktive Fahrer zur zweiten Wahl. Nur der BMW 135i trägt ambitionierten Sportgeist in sich und kommt als Alternative für den Z4 in Betracht. Dass er als Einziger sogar günstiger ist als sein Roadster-Bruder, ...
... könnte die Entscheidung zum Cabrio erleichtern. Ansonsten sind die Viersitzer deutlich teurer. Der feingeistige Feuilleton-Leser wird damit kein Problem haben, an seinem Rotwein nippen und A5 oder E-Klasse bestellen. Wer dagegen zuerst den Sportteil liest, setzt sich in TT, Z4 oder SLK und lässt es krachen."
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