Ganz anders als die übliche Auto-Konfektion von der Stange:
Mini Clubman und
Citroën DS3 sprechen Käufer an, die das Ungewöhnliche suchen – und die sich Haute Couture in Blech auch etwas kosten lassen. AUTO BILD hat die beiden ganz nüchtern nach Punkten verglichen.
Der Mini blinzelt mit dem treuen Blick der Tradition, Rivale DS3 bleckt selbstbewusst die Kühler-Zähne. Kann die Auto-Avantgarde den Retro-Look überholen, oder ist es es wie auf dem Foto, und der Mini fährt vorweg?
Nein, der Engländer muss sich mit 294 von 500 möglichen Punkten seinem französischen Konkurrenten geschlagen geben. Kurvengieriges Fahrwerk, jede Menge Charme und in der Variante Clubman sogar etwas Nutzwert – tolle Mischung! Aber der kleine Brite ist ein teurer Spaß, auch deshalb verliert er diesen Vergleich.
Der Kleinste im Programm: Im Bug des Mini One steckt ein 1,4 Liter großer Vierzylinder mit 95 PS und 140 Nm Drehmoment, ...
... der den Clubman in 11,9 Sekunden auf Tempo 100 und maximal bis auf 183 km/h beschleunigt. Zwar reizt der brave Basisbenziner die Möglichkeiten des Mini-Fahrwerks nicht mal ansatzweise aus, ...
... der Mix aus messerscharfer Lenkung, kurzen Federwegen und trittsicherer Abstimmung führt aber auch schon beim Einstiegsmodell One zum markentypischen Kart-Gefühl. Leider blieb der Komfort ...
... zum Teil auf der Strecke. Schlechte Fahrbahnbeläge reicht der
Mini Clubman barsch nach innen durch. Mit zunehmendem Tempo bügelt das knochentrockene Fahrwerk Unebenheiten aber immer geschmeidiger glatt
Die gegenläufig angeschlagene Clubdoor auf der rechten Wagenseite erleichtert das Einsteigen in Reihe zwei – nur der Sicherheitsgurt hängt im Weg.
Originell oder albern? Am Mini-Cockpit scheiden sich die Geister. Die Bedienung ist zum Teil verwirrend, Zusatz-Zierrat geht ins Geld.
Ein Problem für Mini-Neulinge: Erst will der runde Designer-Stick in den Zündschloss-Schacht gefummelt werden, dann kann per Knopfdruck gestartet werden.
Funktionslos am kalten Testtag: Die Start-Stopp-Automatik drosselt den Durst, fällt aber unterhalb von drei Grad plus in den Winterschlaf.
Auch als Clubman mini: Hinter der geteilten Hecktür ist Platz für 260 bis 930 Liter Gepäck. Bei umgeklappten Sitzen bleibt in der Ladefläche eine Stufe.
Billig sind beide Konkurrenten nicht, aber der
Mini Clubman kratzt mit 19.350 Euro – inklusive 16-Zoll-Bereifung – ohne weitere Extras schon knapp an der 20.000-Euro-Marke. Dafür gibt es im Gegensatz zum Citroën sechs statt fünf Gänge und eine Start-Stopp-Automatik.
Flotte Optik, klasse Handling, einfache Bedienung: Im
Citroën DS3 hat der Mini seinen Meister gefunden. Und auch ohne seinen Sieg im Kostenkapitel liegt der Franzose vorn. In der Endabrechnung holt er 304 Punkte – zehn mehr als der Clubman.
PSA und BMW entwickeln ihre Kleinwagenmotoren gemeinsam. So arbeitet auch im Citroën DS3 der 1,4 Liter, der hier 95 PS und 136 Nm Drehmoment in den Abtriebsstrang schickt.
Bei den Fahrleistungen liegt der Franzose marginal vorn: Tempo 100 ist nach 11,6 Sekunden erreicht, die Spitze liegt bei 184 km/h. Der DS3 gibt sich weniger krawallig als der Mini, geht zum französischen Softie-Klischee allerdings klar auf Distanz. Gekonnt trifft er den Ton zwischen Straffheit und Schluckfreude, ...
... lediglich kurz aufeinanderfolgende Bodenwellen bringen die Federn, die langhubiger als beim Mini ausgelegt sind, aus der Ruhe. Die leichtgängige Lenkung stochert bei Stadttempo etwas im Nebel, gewinnt bei flotter Gangart aber an Direktheit. Dadurch wirkt auch der
DS3 erfrischend quirlig, ...
... sodass – wie im Mini – immer wieder der Wunsch nach mehr Temperament aufkommt. Besonders in den großen Gängen lässt der Vierzylinder, der insgesamt weniger kernig klingt als im Mini, seine Flügel hängen.
Viel Style, wenig Rätsel: Silberne Dekorflächen sind Serie; Navi, Freisprechanlage und Klimaautomatik kosten im Paket 1600 Euro.
Luftiger Arbeitsplatz: Der DS3 ist innen breiter und überragt in der Länge sogar die Mini-Stretchvariante Clubman.
Sportlich: Vor dem Motorstart huschen die Zeiger einmal flott über die Skalen.
Für Wohlgeruch an Bord: Ein Parfümspender ersetzt den Wunderbaum, Duftnachschub gibt es beim Händler.
285 bis 980 Liter passen ins Heck des DS3. Der Kofferraumboden steigt bei umgelegten Sitzlehnen leicht nach vorn an.
Der Preis-Leistungs-Sieg geht nach Frankreich: Für den
Citroën DS3 VTi 95 in der Ausstattung "Chic" werden 15.200 Euro fällig. Die LED-Spangen im Frontstoßfänger schlagen beim Basismodell mit 250 Euro extra zu Buche.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Marin G. Puthz: "Der DS3 ist eine echte Überraschung. Nicht nur weil er mit dem Mini einen starken Gegner in die Schranken weist. Sondern auch, weil er zeigt, dass die Franzosen ...
... mehr draufhaben als Design. Fahrwerk und Lenkung kannten wir in dieser Qualität von unseren linksrheinischen Nachbarn noch nicht. Halten die Gallier dieses Niveau, könnten arrivierte Auto-Größen bald auch in anderen Klassen unter Druck geraten."
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