Früher startete auf dem stillgelegten Flugplatz der Tornado mit 66.000 PS durch. Jetzt machen sich die breite und sehr flache Corvette ZR1 und der schlankere Mercedes SL 65 AMG warm.
Im Tiefflug jagen zwei Geschosse über die Runway, eine Schleppe von Donner, Schall und Rauch hinter sich herziehend.
Seite an Seite durch die Steilkurve: Was die Motorleistung betrifft, sind die beiden Traumsportler einander fast ebenbürtig – auch wenn ...
... beide auf ganz unterschiedliche Technik setzen.
Die Corvette ZR1 ist keine Vette wie jede andere, sondern in Handarbeit aus erlesenen Komponenten gefertigt.
Alu-Chassis, jede Menge Kohlefaser, Bremsscheiben aus Carbon-Keramik et cetera. Kostenpunkt: knapp 136.000 Euro. Im Vergleich zum superteuren SL 65 AMG ist sie fast schon ein Schnäppchen.
Flach und breit kauert die Corvette auf der Straße, selbst das ...
... ausladende Heck gefällt inzwischen.
Und dann der Motor! Ein 6,2-Liter-V8, voll aus Alu, Trockensumpfschmierung, per Kompressor aufgeladen auf 647 PS.
Ein Monster, ganz klar. Für gepflegte Drifts ist die Corvette stets zu haben – aber bitte nur auf abgesperrter Strecke.
Und wehe, da lästert jemand noch über die zentrale Nockenwelle und die Stößelstangen.
Das Corvette-Cockpit ist schlicht und einfach, passt aber. Geschaltet wird ganz konventionell mit sechs Gängen.
Der Innenraum der Vette hat sich zwar im Vergleich zu vorherigen Versionen bereits verbessert, zählt aber immer noch zu der rustikaleren Sorte.
Gar nicht übertrieben: Der Tacho reicht gerade eben bis 330 km/h - der tatsächlichen Höchstgeschwindigkeit der Vette.
Die Corvette bringt 1534 kg auf die Waage - kombiniert mit den 647 PS und über 800 Nm Drehmoment ergibt das ein heißes Sportgerät. Kein Wunder also, dass ...
... sich die Beschleunigungswerte wie Fabeln aus dem Almanach der Rennlegenden lesen: 0-100 km/h in vier Sekunden, 0-200 km/h in 10,9 Sekunden.
Das Fahrwerk der Vette ist hart, dank der einstellbaren Dämpfer aber nicht schmerzhaft.
Ihren wahren Charakter zeigt die ZR1 auf der Rennstrecke: ein Respekt einflößender Extremsportler seltener Güte. Der V8 beschleunigt das Auto mit unfassbarer Gewalt, röhrt und bläst schon ab 3000 Touren zum Steinerweichen.
Hellwach sollter der Corvette-Pilot schon sein - das Heck liegt ständig auf der Lauer. Übertrieben präzise arbeitet die Lenkung leider nicht, dafür ...
... regelt das ESP erstklassig, und die riesigen Bremsen verzögern mit einer Macht, dass einem fast das Weiße aus den Augäpfeln tritt.
Amerikanische Ausmaße: Der Kofferraum der Corvette schluckt stolze 634 Liter.
Der Mercedes SL ist ein ganz anderer Kandidat als die Corvette. Weniger Krawallbruder, dafür mehr Traumwagen, gediegen, superluxuriös, komfortabel.
Aber ein harter Sportler ist er nicht, trotz der hohen Leistung von 612 PS.
Der SL fährt sich unspektakulärer, weniger aufregend als die Corvette.
Auf der Autobahn ist der SL ein entspannter Reisegenosse. Vom titanenhaften V12 unter der Haube ...
... hört man nur ein leises Rauschen, wenn er den zwei Tonnen schweren SL mühelos wie ein Kart in Bewegung setzt.
Keine Frage, der SL ist sauschnell, aber erstens überall ...
... mindestens ein paar Zehntel langsamer als die Corvette, zweitens nur so lange ...
... wie es geradeaus geht. Das aktive Fahrwerk des SL bietet zwar hohen Komfort, auf der Rennstrecke fehlt dem dicken Brummer aber die Leichtfüßigkeit der Corvette.
Im Innenraum ist der Mercedes State of the Art: Das Cockpit könnte edler kaum sein.
Ein hochfeiner Materialmix und Sportsitze mit gestepptem Leder versüßen den Aufenthalt im Über-SL. Darüber hinaus wird der Benz auf Wunsch zum Cabrio. Da darf natürlich auch ...
... das Airscarf-System nicht fehlen. Die Nackenheizung, die ursprünglich im kleinen Bruder SLK zum Einsatz kam, streichelt den Hals mit warmer Luft.
Tacho bis 360 - etwas optimistisch, bei Tempo 250 wird der Vorwärtsdrang des SL elektronisch eingebremst.
Klar können SL-Kunden die Tempobremse auch umgehen. Kostet natürlich Aufpreis – 3927 Euro, um genau zu sein. Dafür gibt's dann allerdings ein Fahrertraining als Bonus.
Geschaltet wird im SL per Fünfstufenautomat, wer den V12 selbst eigenständig durchs Drehzahlband prügeln will, nutzt die Schaltwippen am Lenkrad.
Nicht ganz so fett wie die Corvette-Bereifung: Der SL rollt auf 19-Zöllern mit 285er-Reifen hinten, vorn kommen 255er-Gummis zum Einsatz.
Deutlich mickriger dagegen der Kofferraum des SL: gerade mal 339 Liter gehen rein. Ist das Verdeck offen, verkleinert sich der Gepäckraum auf 235 Liter.
Nur 50 Corvette ZR1 kommen 2009 nach Europa - da wird es nicht leicht, eine zu ergattern. Beim SL dagegen dürften die Stückzahlen weniger das Problem sein, ...
... eher schon die 224.672 Euro, das sind 88.682 Euro mehr als die Corvette.
Fazit von AUTO BILD-Redakteur Dirk Branke: "Corvette ZR1 und Mercedes SL 65 AMG sind faszinierende Autos, extrem leistungsstark, exklusiv und mit überragenden Fahrleistungen. Schön für die, ...
... die hier die Wahl haben. Meine ist eindeutig, ich bin der sportlicheren Corvette verfallen."
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