Weil sich SUV-Piloten immer seltener durch Schlamm und Geröll, sondern hauptsächlich durch Einkaufsreviere wühlen, zünden die Hersteller jetzt die nächste Evolutionsstufe dieser Spezies: Allradler ohne Allradantrieb!
Nun ist ihr Revier endgültig die Stadt: VW Tiguan, Ford Kuga, Peugeot 3008 und Nissan Quashqai+2 verzichten auf die zweite Antriebsachse, schon Ausflüge auf eine nasse Wiese können zum unkalkulierbaren Abenteuer werden. Dafür sind die Fronttriebler preiswerter, leichter und etwas sparsamer als ihre Allrad-Brüder.
Sein Mix aus Van, Kombi und SUV ist gewöhnungsbedürftig: Der Peugeot 3008 kann von allem etwas, sein Konzept hat aber Schwächen. In diesem Vergleich holt er 316 von 500 möglichen Punkten und wird am Ende Vierter.
Der bullige Zweiliter-Diesel mit 150 PS und 340 Nm Drehmoment ist konkurrenzlos. Ein kultiviertes Sahne-Triebwerk, das ohne Umschweife zur Sache kommt, ...
... mächtig Bums hat und im Schnitt mit 6,6 Litern auf 100 Kilometer auskommt. In 9,7 Sekunden geht es im Peugeot auf Tempo 100, maximal sind 195 km/h drin. Da sieht die Konkurrenz nur noch die Rücklichter.
Trotz straffer Federung fährt der hölzern abrollende Franzose recht träge, seine gefühllose Lenkung und ein übervorsichtiges ESP animieren nicht zum Kurven-Räubern.
Bei Regen hat der 3008 viel Mühe, seine Kraft auf den Boden zu bringen, scharrt heftig mit den Vorderrädern und reißt ungestüm am Lenkrad – die optionale Schlupfregelung "Grip Control" ist keine große Hilfe, kostet zudem 200 Euro extra.
Die Pedale ragen tief in den Fußraum, außerdem platziert der 3008 seinen Piloten wegen der flachen Scheibe und des üppigen Armaturenträgers weit hinten und ziemlich abgekoppelt vom Geschehen. An Platz mangelt es trotz der wuchtigen Mittelkonsole freilich nicht. Anders sieht es ...
... im Fond aus: Große Hinterbänkler kollidieren mit dem abfallenden Dach und stoßen sich die Knie.
Angenehme Spielerei: das in der Neigung verstellbare Head-Up-Display.
Pfiffig: Vom Kofferraum aus klappen die Rücklehnen per Fernentriegelung nach vorn, ...
... bilden mit dem dreifach verstellbaren Ladeboden eine ebene Fläche. Das Talent als Umzugshelfer hält sich bei einem 432 bis 1241 Liter großen Gepäckabteil jedoch in Grenzen. Die Konkurrenten sind spürbar geräumiger, aber ...
... eine herausnehmbare Akku-Taschenlampe gibt es nur bei den Franzosen.
Der zweitteuerste Wagen im Vergleich: In der Ausstattung Premium kostet der Peugeot 3008 als Hdi FAP 150 inklusive Grip-Control-Paket 27.750 Euro.
Mit 325 Punkten fährt der Ford auf den dritten Platz. Der Kuga mimt den Sportler, dazu passen sein dynamischer Look und die straffe Federung. Sein Komfort ist jedoch bescheiden, ...
... der Motor leistet sich eine Anfahrschwäche und dreht nach starker Mitte nur zäh. Aus zwei Litern Hubraum presst das nominell schwächste Aggregat des Vergleichs 136 PS und 320 Nm Drehmoment, ...
... die auch nur für die schwächsten Fahrleistungen reichen. Für den Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 braucht der Kuga 11,2 Sekunden, bei 182 km/h ist Schluss mit Vortrieb.
Verwechslungsgefahr ausgeschlossen: Das Easy-Fuel-System von Ford akzeptiert nur Diesel-Zapfpistolen. Im Testdurchschnitt holte sich der Kuga auf 100 Kilometer 6,6 Liter aus seinem Tank.
Der Kuga übertreibt es mit der sportlichen Härte, teilt auf Flickenteppichen heftig aus. Besonders Querfugen und kurze Wellen schütteln die Besatzung ordentlich durch. Dem Fahrer wird dies außerdem über die stoßanfällige Lenkung mitgeteilt. Immerhin, sie sorgt für präzise Radien, ...
.. arbeitet spontan und vermittelt ein gutes Fahrgefühl. Die straffen Federn lassen nur wenig Seitenneigung zu, könnten auf langen Wellen jedoch mehr Dämpfung vertragen – hier federt der Kuga zu schnell aus. Alles in allem eine Abstimmung, die den Schwerpunkt eher aufs Rasen als aufs Reisen legt.
Ein typisches Ford-Cockpit mit ansprechendem Styling und gutem Qualitätseindruck. Der Pilot muss sich aber an die kutschbockartige Sitzposition gewöhnen und mit leichten Beklemmungen kämpfen, sofern er über 1,85 Meter misst. Denn die flach stehende Frontscheibe kommt der Stirn recht nahe.
Hinten ist der Kuga ebenfalls relativ eng. Auf der bequemen Rückbank finden große Mitfahrer nur dann genügend Platz für die Knie, wenn sie die Tische an den vorderen Lehnen hochklappen.
Gute Idee: Eine 230-V-Steckdose im Fond versorgt Laptop und Co. mit Energie.
Der Kuga hat bei umgeklappten Rücksitzen eine durchgehend ebene Ladefläche. Der Kofferraum ist mit 410 bis 1405 Litern aber eher klein geraten.
Schönes Detail: Die zweiteilige Heckklappe mit separat öffnender Scheibe gehört zur Serienausstattung.
Das Sonderangebot des Vergleichs: Der Ford Kuga 2.0 TDCi 2x4 Trend kostet 26.600 Euro.
Ein angenehmer Typ dieser Nissan Qashqai+2, der mit 344 Punkten auf den zweiten Platz fährt. Am Japaner überzeugen besonders sein Fahrwerk und ...
... der kultivierte Motor. Ein Diesel aus dem Motor-Bilderbuch: leise, laufruhig, druckvoll und drehfreudig wie ein Benziner. Wenn es sein muss, treiben die 150 PS und 320 Nm Drehmoment ...
... die Tachonadel bis auf 220 km/h! Ein wenig optimistisch, denn gemessen rennt der Quashquai+2 maximal Tempo 190. Für den Sprint von 0 auf 100 km/h braucht der Japaner 10,7 Sekunden. Ordentliche Fahrleistungen, die mit dem höchsten Verbrauch in diesem Vergleich (7,1 Liter/100km) bezahlt werden müssen.
Keiner der Konkurrenten rollt so geschmeidig über Schlaglöcher und fiese Kanten hinweg wie der Japaner. Die Kehrseite der schmusigen Federung: kräftige Aufbaubewegungen bei Bodenwellen und deutliche Schlagseite in flott gefahrenen Kurven. Die Gefahr, vom Kurs abzukommen, besteht aber nicht, ...
... das aufmerksame ESP hat alles im Griff, außerdem wirkt sich der lange Radstand beruhigend aus.
Die Cockpit-Materialien wirken nicht besonders edel, sind aber ordentlich verarbeitet. Der niedrig bauende Armaturenträger schafft ein luftiges Raumgefühl.
Nur der Nissan führt im Kofferraum zwei versenkbare Notsitze mit. Die sind allerdings wirklich nur Kleinkindern zuzumuten. Außerdem ist die Kopffreiheit im Fond zu klein.
Himmlischer Ausblick: Das Panorama-Glasdach reduziert die Innenhöhe des Qashqai.
Den meisten Platz im Heck hat mit 550 bis 1520 Litern der Nissan. Allerdings nur, solange Reihe drei in der Versenkung bleibt. Sind die beiden Sitze oben, gehen nur noch 130 Liter hinter die Heckklappe.
Billiger als Peugeot und VW, aber teurer als der Ford: Nissan verlangt für den siebensitzigen Qashqai+2 2.0 dCi in der Ausstattung Acenta 27.690 Euro.
Gähn! Schon wieder ein VW Tiguan auf dem Siegertreppchen! Na ja, der Wolfsburger Bestseller ist halt ein ziemlich ausgewogener Typ, der vieles richtig macht – und nur wenig falsch. Das gilt auch für die Version mit Frontantrieb, die hier 364 Punkte erzielt.
Der VW-Diesel ist in diesem Vergleich nicht gerade die große Zugnummer. Oder um es klar zu sagen: Im bärenstarken Peugeot-Motor und im drehfreudigen Selbstzünder des Nissan hat der TDI ernsthafte Konkurrenten. Mit seinen 140 PS und 320 Nm Drehmoment ...
... schiebt er den Tiguan in 10,6 Sekunden auf Tempo 100 und bis auf maximal 190 km/h. Der Testverbrauch lag im Schnitt bei 6,8 Litern auf 100 Kilometer.
Der Komfort des Tiguan überzeugt, speziell mit dem optionalen adaptiven DCC-Fahrwerk für 1045 Euro. Trotz durchaus straffer Grundabstimmung ...
... behält die Besatzung des Wolfsburger SUV selbst auf Holperpisten die Haltung, weil Federn und Dämpfung harmonisch aufeinander abgestimmt sind. Dennoch gibt sich der Wolfsburger fahrdynamisch keine Blöße, flitzt mit wenig Seitenneigung präzise und sicher um die Ecken.
Bei Regen demonstriert auch der Tiguan mit durchdrehenden Vorderrädern und heftigen ESP-Eingriffen, dass der Allradantrieb bei einem Kompakt-SUV durchaus Vorteile haben kann.
Die Ergonomie hinterm Lenkrad ist tadellos, die Luft überm Scheitel und damit das Raumgefühl riesig. Kein anderer in diesem Vergleich bietet eine gelungenere Raumaufteilung als der VW. Sowohl vorn ...
... als auch hinten sitzen selbst Hünen ausgesprochen bequem. Die geteilte Rückbank lässt sich serienmäßig separat nach vorne schieben.
Der Tiguan leistet sich bei umgeklappter Rücksitzbank als einziger eine Stufe im Laderaum. Das Gepäckabteil fasst zwischen 470 und 1510 Liter.
Mit 29.220 Euro inklusive adaptivem Fahrwerk DCC ist der VW Tiguan 2.0 TDI Trend & Fun der teuerste Wagen dieses Vergleichs. Den Preis-Leistungs-Sieg fährt der Wolfsburger trotzdem ein.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Uli Holzwarth: "Der VW Tiguan gewinnt mit dem stimmigsten Konzept vor dem Nissan Qashqai+2, der dem VW mit viel Komfort und einem Klasse-Motor auf die Pelle rückt. Dem sportlichen Ford Kuga vereiteln vor allem Komfortschwächen eine bessere Platzierung. Am Ende: der Peugeot 3008, ...
... der selbst mit seinem fantastischen Motor die konzeptionellen Schwächen nicht ausgleichen kann. Alle vier haben jedoch bei Regen mit mehr oder weniger ausgeprägten Traktionsproblemen zu kämpfen. Dafür schonen sie aber die Haushaltskasse – und das kann man in diesen Zeiten gar nicht hoch genug bewerten."
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