Unglaublich, aber wahr: Zwischen dem Mercedes E 220 CDI (rechts) und dem Skoda Superb 2.0 TDI liegen 15.000 Euro Preisunterschied. Ist die neue E-Klasse wirklich so viel besser?
Prestige oder Rendite? Mercedes und Skoda trennen Welten. Oder etwa doch nicht? In Sachen Motorisierung jedenfalls ...
... bewegen sich beide durchaus auf Augenhöhe. Hier wie dort sorgt ein kräftiger Diesel mit 170 PS für Vortrieb. Der E-Klasse davonfahren, ...
... kann der Skoda am Ende aber dann doch nicht. Mit 367 von 500 möglichen Punkten muss er sich der Stuttgarter Oberklasse geschlagen geben. Aber der Superb ist nicht einfach nur ...
... ein Raumwunder zum Dumping-Preis, sondern ein Klasse-Auto. Stattlich, sorgfältig verarbeitet, mit sparsamem Diesel und genialem DSG.
Unter der Haube des langen Tschechen steckt ein quer eingebauter, zwei Liter großer Vierzylinder mit 170 PS und 350 Nm Drehmoment, gekoppelt an das Sechsgang-DSG, das die Kraft an die Vorderräder weiterleitet.
Die Fahrleistungen: In 8,9 Sekunden absolviert der Skoda Superb 2.0 TDI den Sprint auf Tempo 100, maximal sind 220 km/h drin. Die E-Klasse spurtet marginal langsamer, erreicht aber die höhere Endgeschwindigkeit.
Beim Komfort macht der Superb nicht froh. Seine stramme Federung sammelt selbst kleine Unebenheiten auf und bringt so Unruhe ins Auto. Schade, das passt nicht ...
... zu einer großen, gelassenen Limousine. Und: Das grundsätzlich untadelige Fahrverhalten des Superb leidet im Vergleich zum Mercedes unter stärkerem Untersteuern und einer gefühlloseren Lenkung.
Der Superb muss sich dennoch nicht vor der E-Klasse verstecken. Weder mit seiner Größe – er ist mit 4,84 Metern gerade mal drei Zentimeter kürzer – ...
... noch mit seinem Design. Einen stolzen Grill fährt er auch durchs Land, dazu eine gefällige Seitenlinie mit einem Hauch Stretch-Limo-Chic, ...
... nur Dach und Heck laufen nicht ganz so elegant aus wie beim Mercedes.
Großes Können verrät die Verarbeitung des Skoda-Topmodells, auch wenn die Kunststoffe nicht das Niveau des Mercedes erreichen. Für das Navigationssystem mit Festplattenspeicher nimmt Skoda in der Ausstattung Comfort 2290 Euro, ab Werk gibt es eine Klimaanlage.
Nicht immer ein stiller Platz: Der Zweiliter im Skoda schnurrt und summt erst mal leiser vor sich hin als der Motor der E-Klasse – bei hohen Touren macht aber auch er zu viel Rabatz.
In der zweiten Reihe des Tschechen sprengt die gewaltige Beinfreiheit den Rahmen der Klasse, hier kann auch der 1,90-Meter-Mann lässig wie im Klub die Beine übereinanderschlagen.
Kleines Infocenter für die Fondpassagiere: Uhr und Temperaturanzeige. Dazu gibt es eine 12-Volt-Steckdose.
Vorteil Skoda: Das DSG reagiert schnell, viel entschlossener als die Automatik im E 220, allerdings nicht immer komplett ruckfrei.
Die Größe des Kofferraums ist ein weiterer Pluspunkt, hier passen zwischen 565 und 1670 Liter Gepäckvolumen rein. Skoda wertet den Superb zudem mit einer zweigeteilten Heckklappe auf – variabel wie ein Kombi.
Ganz klarer Preis-Leistungs-Sieger: Für den Superb 2.0 TDI mit Sechsgang-DSG und 17-Zöllern (790 Euro) in der Ausstattung Comfort verlangt Skoda 30.080 Euro – ein Kampfpreis im Vergleich zur E-Klasse.
Der erste Platz geht mit 381 Punkten nach Stuttgart. Trotz einiger Kritik im Detail: Mercedes hat die Messlatte in der Oberklasse wieder ein Stück höher gelegt, ...
... mit überragender Sicherheit, aber auch mit einer bislang unbekannten Agilität.
Im Mercedes-Bug arbeitet ein Vierzylinder, der mit zwei Turboladern aus 2,2 Litern Hubraum 170 PS und 400 Nm Drehmoment quetscht. Er tritt früh und kräftig an, ...
... entwickelt seine Kraft angenehm gleichmäßig und unaufgeregt. Trotz hochmoderner Technik ist der E 220 CDI kein Sparwunder. Mit 7,2 Litern pro 100 Kilometer braucht er mehr als der Skoda (6,6 Liter).
Wer dem E 220 CDI so richtig die Sporen gibt, beschleunigt die 1,6 Tonnen schwere Fuhre in glatten neun Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Spitze: 229 km/h.
Die E-Klasse ist mit Sportfahrwerk keine Sänfte, filtert vor allem Querfugen nur unvollkommen. Aber der W 212 ...
... wirkt hellwach und handlich, brilliert mit feinfühliger Lenkung, hohen Sicherheitsreserven und tollen Bremsen.
Vom alten Mercedes-Styling ist innen so wenig geblieben wie außen. Wo das Auge früher über weiche Rundungen glitt, folgt es jetzt den zeitgeistigen Linien strenger Sachlichkeit. Die Ellenbogenfreiheit ist noch fürstlicher als zuvor, ...
... die Sitze sind ähnlich aufwendig gepolstert und bequem wie immer.
Eine elektrische Höhen- und Lehneneinstellung für das vordere Gestühl gibt es in der neuen E-Klasse ab Werk, eine Massagefunktion gegen Aufpreis.
Vor den Knien, über dem Kopf – Platz gibt es reichlich. Die Fondsitze stützen angenehm, sind straff gepolstert.
Ein Drehzahlmonster ist der CDI natürlich nicht, dafür liegt sein maximales Drehmoment zwischen 1400 und 2800 Touren an.
Bei den Vierzylindern wird die Automatik über einen klassischen Wählhebel auf der Mittelkonsole bedient.
Für Assistenz-Systeme und andere relevante Fahrzeug-Funktionen: der Regler des Command-Systems.
Die klappbare Fondbank des Mercedes kostet inklusive Durchreiche 518 Euro, immerhin 540 Liter Fassungsvermögen bietet der Kofferraum.
Praktisch: Gegen 196 Euro Aufpreis gibt es im Gepäckabteil diese ausziehbare Schublade für Kleinkram. Echte Peanuts ...
... im Vergleich zum Anschaffungspreis eines E 220 CDI. 44.994 Euro verlangt Mercedes für die neue Oberklasse – inklusive Automatik, Direct Control Sport, Direktlenkung und 16-Zoll-Bereifung für zusammen 3403 Euro.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Dirk Branke: "Nein, Geld ist nicht alles. Und das ist nicht das Fazit der Bankenkrise, sondern auch ...
... das Ergebnis dieses Vergleichs. Der Superb ist ein attraktives Angebot – aber gegen den fast perfekten Mercedes hat er keine Chance."
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