Die richtige Schnauze hat er, aber hat er auch Zähne? Und fährt er seine Krallen aus? Im Vergleich mit dem
BMW 7er muss sich der
Jaguar XJ beweisen. AUTO BILD hat die beiden Luxuslimousinen zum Vergleich gebeten.
Exotik kontra Konvention: Optisch stiehlt der Jaguar (vorn) dem BMW die Schau. So gehört sich das auch für einen XJ.
Beide Kontrahenten treten mit einem kräftigen Diesel an. Kann der edle Engländer als 3.0D am Ende überzeugen und den 730d abhängen? Er kann!
Er hat Klasse, er ist nobel ausgestattet, er hat Temperament – und er fühlt sich eine Nummer kleiner an. Da verzeihen wir ihm sogar, dass er nicht mehr so samtpfötig daherkommt. Der erste Platz geht an den Jaguar XJ.
Keine Frage: Der neue XJ ist ein Showstopper. Wo er auftaucht, steht er im Mittelpunkt, verdreht Hälse, erntet gierige Blicke.
Für Sprungkraft sorgt ein drei Liter großer V6-Diesel mit 275 PS und 600 Nm wie im XF. Dank Alu-Karosserie wiegt der XJ nicht mehr als sein kleiner Bruder (1796 kg), ...
... und das zeigt Wirkung: Schon bescheidene Drehzahlen genügen, um dem BMW (245 PS, 540 Nm, 1940 kg) die Rücklichter zu zeigen. In 6,4 Sekunden geht es auf Tempo 100, maximal sind 250 km/h drin. Die Leichtigkeit, mit der sich das Auto dirigieren lässt, verblüfft, ...
... in Kurven scheint der schwere Wagen zu schrumpfen. Hier zeigen sich auch die Vorzüge der straffen Abstimmung. Landstraßen minderer Ordnung nimmt der
Jaguar gelassen und ohne große Karosseriebewegungen. Wobei es keinen wesentlichen Unterschied macht, in welchem der beiden Fahrdynamikprogramme gefahren wird.
Langsamfahrkomfort ist übrigens nicht die Stärke des XJ, so steifbeinig, wie er über das Pflaster stelzt. Der Jaguar mit dem AUTO BILD unterwegs war, hatte die optionalen 20-Zöller montiert.
Innen empfängt uns der Engländer mit einer Luxus-Mixtur, die an trendige Hotel-Bars erinnert. Chromblitzende Opulenz, viel Leder natürlich, kühler Prunk ohne Protz. Das klassische Walnussbrett vorm Kopf ist verschwunden, ...
... dafür gibt es aber immerhin üppig furnierte Türen.
Der Jaguar hat bequeme Sitze und reichlich Beinfreiheit. Ein Glasdach gehört beim XJ zur Sreienaussttattung.
Anstelle des Automatikwählhebels wächst beim XJ ein Drehknopf aus der Mittelkonsole (wie beim XF), manuell wird die Sechsstufenautomatik mittels Paddel am Lenkrad bedient. Sekundär-Funktionen werden Jaguar-üblich per Touchscreen abgerufen (mit den bekannten Nachteilen bei Bedienung und Übersichtlichkeit), ...
... die Instrumente entpuppen sich als virtuelle Abbildungen auf einem Bildschirm. Je nach Informationsbedarf werden sie durch andere Motive ersetzt.
Exklusivität kostet Aufschlag: Der Jaguar XJ 3.0D ist ab 76.900 Euro zu haben und kostet damit exakt 3600 Euro mehr als sein Münchner Konkurrent. Eine vergleichbare Ausstattung lässt die Anschaffungskosten für den 7er allerdings auf über 80.000 Euro steigen.
Deutlich mehr Gewicht und weniger PS – das macht sich nun mal bemerkbar. Der 7er fühlt sich schwerer und weniger agil an. Dafür ist er besser bedienbar und hat hinten mehr Platz. Es reicht trotzdem nur für Rang zwei.
Im
BMW sorgt ein drei Liter großer Reihensechszylinder für Vortrieb. Die Maschine schickt 245 PS und 540 Nm Drehmoment an die Hinterräder.
Im BMW knackt man die 100-km/h-Marke nach 7,2 Sekunden, erreicht 245 km/h Spitze. Im Vergleich zum Jaguar ist er zweifellos der weniger Fahraktive. Sein Antrieb muss sich mehr anstrengen, was sich auch den Ohren mitteilt. Und in Kurven muss verstärkt hingelangt werden, ...
... sein Mehrgewicht kann er nicht verleugnen. Die weichere Federung und die 18-Zoll-Räder lassen ihn sanfter abrollen. Aber dafür wälzt er sich bei schneller Fahrt über die welligen Straßen stärker in den Federn – ungeachtet der gewählten Dämpfereinstellung.
Dezenter Luxus trifft auf hohe Funktionalität: das typische BMW-Cockpit mit iDrive, Großbildschirm und ...
... Automatikwählhebel mit Tippfunktion. Das Ambiente des 7ers strahlt mehr deutsche Gründlichkeit als exklusives Flair aus.
Hier ist alles echt: klar gezeichnete Rundinstrumente im BMW. Zusatzinformationen werden unten in Tacho und Drehzahlmesser eingeblendet.
Hier gewinnt der Münchner: Klare Vorteile des BMW sind die bequemeren Komfortsitze (Option) und der üppigere Kopfraum auf den Rücksitzen. Wer im eigenen 730d Platz nehmen möchte, muss dafür mindestens 73.300 Euro investieren.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Wolfgang König: "Ein XJ-Fahrer ist ein der Masse entrückter Mensch von feinerer Gemütsart – so zumindest sein Image. Wird ihm der neue XJ gerecht?
Ich finde schon. Er hat Stil und bietet dazu eine dynamische Dimension, die ihm bisher fehlte. Dass er in dieser Hinsicht sogar dem 7er den Thron streitig macht, habe ich nicht erwartet."
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