Angriff auf die Mittelklasse: Der brandneue
Mazda6 (links) muss sich im Testduell mit dem
Hyundai i40 messen. Kann der Japaner gegen den Koreaner überzeugen?
Was brummelt denn da so bedächtig hinter dem Mazda-Kühlergrill? Ein Selbstzünder – man hört es ihm nur nicht an. Denn im neuen 6er arbeitet ein sogenannter Skyactiv-Diesel. Satt gekapselt, fein abgestimmt, innermotorisch per sanfter Verdichtung beruhigt– das sonst so typische Nageln ist nahezu verschwunden. Beeindruckend.
Überhaupt: Im neuen Mazda 6 scheint Potenzial zu stecken. Respektable 4,86 Meter ist er lang, und er fährt reichlich interessante Technik mit sich herum, ...
... zum Beispiel speichert der Wagen Strom beim Gaswegnehmen in belastbaren Kondensatoren.
Dazu steckt Mazda das Auto in einen besonders stramm sitzenden Trainingsanzug – so wollen die Japaner künftig neue Kunden ködern. Reicht das?
Der Gegner Hyundai i40 hat mehrfach in AUTO BILD-Vergleichen gezeigt, dass auch der ganz konventionelle Weg zum Ziel führt.
Beide Kontrahenten bieten vor allem klassische Stufenheck-Werte: viel Platz für Passagiere und ein üppiges Abteil fürs Gepäck. Klingt nach Gleichstand – auch wenn der Blick ins Datenblatt feine Unterschiede zeigt.
So ist der Mazda eine Handbreit länger als der Hyundai, doch im Innenraum kommt dieser Überschuss nicht an, ...
... denn gefühlt geht es in beiden luftig zu. Die Platzverhältnisse im i40 sind nahezu identisch. Die Armlehne des Koreaners ist aber armselig.
Trotz der geringeren Außenlänge bleibt im Kofferraum des i40 sogar mehr Platz: Er fasst 14 Liter mehr ...
... als das Gepäckabteil des Mazda6, das 489 Liter verpackt.
Modernere Technik hat der Mazda dabei. So helfen dem Fahrer Assistenzsysteme wie der radargestützte Temporegler (im i40 gibt es nur eine konventionelle Geschwindigkeitsregelung), ...
... eine City-Notbremsfunktion (im Hyundai nicht erhältlich), ein Spurwechsel- und Spurhalteassistent (beim i40 unterstützt nur eine Spurhaltewarnung) sowie eine Multikollisionsbremse (steht bei Hyundai ebenfalls nicht zur Verfügung).
Doch Hyundai kontert mit einem umfangreichen Komfort-Paket: Auf Knopfdruck parkt der i40 selbsttätig ein, ...
... seine Vordersitze lassen sich kühlen und das Lenkrad beheizen.
Haupt-Schalter: In den Mittelkonsolen haben Mazda ...
... und Hyundai die wichtigsten Tasten zusammengefasst. Aber genug an den Knöpfchen gespielt – ab auf die Bahn, ...
... denn der Mazda will rennen. Sein 2,2-Liter-Diesel (150 PS) reagiert außergewöhnlich wach auf den Gasfuß. Zwei Turbinenräder im Lader pumpen den Diesel auf bis zu 380 Newtonmeter Drehmoment, ...
... gleichzeitig surrt der leise Motor zügig durchs Drehzahlband, liebt sogar die für Diesel ungewöhnlichen Drehzahlbereiche knapp unterhalb von 5000 Touren.
Überhaupt ist der 6er sehr sportlich eingestellt. Er reagiert umgehend auf Lenkbewegungen, ...
... zackig rasten die sechs Vorwärtsgänge ein, alles flutscht mit gelassener Leichtgängigkeit.
Doch beim Komfort patzt der junge Dynamiker aus Japan: Straffe Fahrwerk-Grundabstimmung plus steife 19-Zoll-Reifen mit harten 45er-Flanken, ...
... das ergibt keinen Meister des Fugen- und Fahrbahnflicken-Wegfilterns. Erst bei höherem Tempo taucht der Mazda geschmeidiger ein.
Das macht der Hyundai anders – wenn auch nicht deutlich besser. Er ist grundsätzlich weicher abgestimmt, federt aber nicht sensibel genug. Stetig bebt es auf schlechten Straßen leicht im Auto, ...
... im Extremfall dringen Stöße bis in die Lenksäule durch. Insgesamt wirkt der i40 schwerer, aber auch schwerfälliger: Die Kupplung braucht mehr Kraft, beim Tritt aufs Gas kommt der Koreaner träger vom Fleck.
Ist ja auch klar: weniger Drehmoment (330 Nm), kleinerer Hubraum (1,7 Liter) – diese Maschine muss schwerer arbeiten. Ergebnis: Der CRDi (136 PS) klingt derber, trinkt zudem etwas mehr – laut Hyundai 4,7 Liter auf 100 Kilometer. Also verbraucht er fast einen Liter mehr als der 2.2er von Mazda.
Auch auffällig: Bei höheren Geschwindigkeiten dringen lautere Windgeräusche in den Innenraum als beim Mazda.
Dafür herrscht Gleichstand in Sachen Ergonomie. Die Sitze vorn stützen sowohl beim Mazda6 (Bild) als auch beim i40 passabel, ...
... bei beiden lässt sich der Kofferraum durch Umklappen der Rückbanklehne (im Verhältnis 60:40) erweitern, ...
... alle Bedienelemente sind gut zu erreichen – und selbst die Handhabung der umfangreichen Navi-Radio-Ausrüstung ist schnell erlernt.
Und die Preise? Für einen Hyundai i40 1.7 CRDi muss der Käufer mindestens 28.090 Euro investieren, ...
... der Mazda 6 2.2 Skyactiv-D kostet 400 Euro mehr. Darin enthalten: 150 PS statt 136 PS, ein spritsparendes Start-Stopp-System, die intelligente Energiemanagement- Technik iEloop (quasi eine Leichtversion der regenerativen Bremsenergie-Rückgewinnung) sowie die klassenüblichen Extras.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jan Horn: "Das auffällige Blechkleid? Geschmacksache. Die sportliche Grundhaltung? Ansichtssache. Und der Motor? Ja, ...
... der ist ein starkes Argument für den neuen Mazda6, der im Vergleich hauchdünn vorne liegt. Der Hyundai i40 ist insgesamt etwas schlichter als der Japaner, ...
... doch herausragende Schwächen hat der etwas langsamere Koreaner nicht. Sein dickes Plus ist das umfangreiche Garantiepaket. "
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