Der
Mini Paceman (links) ist das erste SUV-Coupé im Vier-Meter-Format, eine Kreuzung aus Offroad-Optik und schrägem Charme. Als Style-Kompass im ersten Vergleich dient der unbestrittene Shootingstar dieser boomenden Szene – das
Range Rover Evoque Coupé.
Die beiden parken auf ihrer Bühne, vorm Straßencafé. Die ersten Passanten bleiben stehen, gucken. Möglich, dass wir mit unseren Gummistiefeln leicht beknackt aussehen, die beiden Hauptdarsteller dagegen genießen sympathische Aufmerksamkeit.
Vor allem der Evoque. Man lächelt, nickt. Warum bloß? Der Range Rover kombiniert die breiten Schultern eines Geländetyps mit einem niedrigen Dach, ...
... als hätte er seine Schiebermütze tief ins Gesicht gezogen. Ein SUV ohne massiges, kantiges Heck.
Dass seine Scheiben Schießscharten gleichen, dass nur zwei Türen unpraktisch sind – das Publikum sieht das. Und übersieht es. Typischer Coupé-Effekt, ...
... den wir auch am Paceman erleben. Vorn setzt er optische Mini-Signale wie die runden Kulleraugen oder die A-Säule, die bis ins Radhaus läuft, ...
... hinten treibt er die Keilform ähnlich toll wie der Evoque. Ein serienmäßiger Spoiler verlängert das farbig abgesetzte Dach, ...
... dazu bekommt die modebewusste Mini-Gemeinde frische Gimmicks: Quer angeordnete Rückleuchten und der Schriftzug auf der Hecktür betonen die Breite, ...
... eigene Farben wie das – Nomen est Omen – kupferne "Brilliant Copper" den Abstand zum Countryman. Zudem kostet der Paceman weitere 1200 Euro mehr als das ohnehin nicht billige SUV. Mehr Geld für weniger Nutzwert – die alte Coupé-Maßgabe erfüllt der Paceman selbstbewusst.
Alles wie immer im Mini-Cockpit, nur die Fensterheber liegen erstmals in der Tür.
Die Rückbank bietet zwei Einzelsitze und wenig Platz für Enkel und Kegelbrüder.
Der Arbeitsplatz des Range Rover Evoque: lecker! teuer! edel! Rechts unten der Schalter für das "Terrain Response System". Gutes Stichwort, ...
... ab ins Gelände – wir testen die beiden auf ihr Gummistiefel-Potenzial. Dabei treten diese Schönlinge an, als wollten sie mit Taucherflossen klettern gehen.
Auf den 19-Zoll-Rädern mit dem flachen Profil und breiten 235er-Reifen des Testwagens würde unser Evoque nicht weit kommen, wenn es mal dreckiger zuginge. Ansonsten hätte er das Rüstzeug dazu, ...
... denn als echter Range Rover, jüngster Spross der britischen Offroad-Monarchie, verfügt er, wie bereits erwähnt, über das hauseigene "Terrain Response System", eine Versicherung gegen den größten Schlamassel.
Mit einem Schalter kann der Fahrer den permanenten Allrad an jeden Untergrund anpassen ...
... oder den Evoque hochpumpen. Stolz nennt Range Rover Zahlen für Böschungswinkel und Bodenfreiheit, unter die Räder nimmt er ja doch nur Bordsteine.
Der Paceman ist 170 Kilo leichter, hat schmalere Räder und kürzere Überhänge. Beste Bedingungen, um das SUV raushängen zu lassen – theoretisch, denn im Vergleich zum Range ist er ein Weichei, ...
... oder netter gesagt: ein Stadtkind, das nur die Vorderräder antreibt und im Matsch nicht weiterkommt als jeder normale Kompakte. Mini bietet zwar für 1700 Euro einen Allradantrieb, ...
... aber den ordern schon beim Countryman nur 25 Prozent aller Kunden. Im Paceman sicher noch weniger. Wer will sich schon die Spoiler zerkratzen? Da ist der Mini mehr Coupé als SUV.
Deshalb lässt Mini im ersten Testwagen den "All4"-Antrieb weg und spart so 65 Kilo Gewicht, was die 184 PS vorn noch schärfer macht. Der 1,6-Liter-Turbo streut seinen Pfeffer genau dort, ...
... wo man sich im Alltag am meisten bewegt – bei mittleren Drehzahlen. Dann wird der Paceman seinem Namen gerecht. Nach 7,8 Sekunden stehen 100 km/h auf dem Pizza-Tacho, ...
... mit dem serienmäßigen Sportfahrwerk rückt er der Straße wieder zehn Millimeter näher. Das Fahrgefühl? Irgendwo zwischen
Countryman mit mehr Testosteron oder
Clubman mit zu wenig Luftdruck, um mal in Mini-Kategorien zu sprechen.
Natürlich bleibt es physikalischer Unsinn, den größten Vorteil eines Mini, seinen tiefen Schwerpunkt, in einem SUV erst herzuschenken, um ihn im Paceman häppchenweise zurückzuerobern.
Dann doch gleich das Coupé? Nicht ganz, der Neue ist praktischer – und reizt zugleich, lieber einen Benziner zu bestellen. Der Dieselanteil dürfte weit niedriger liegen als beim SUV.
Im Evoque hat der Zweiliter-Benziner ähnlichen Raritäten-Status wie Trompeten im Dudelsack-Orchester. Klingt gut, geht auch, ...
... aber für die gleichen Fahrleistungen wie der Paceman braucht der Range schon 240 PS – und ein paar Liter Sprit mehr.
Auf der Rennstrecke hat sein Fahrwerk schon mal bewiesen, wie viel Sporttalent in ihm steckt, aber die Reifen taten uns nachher leid. Nein, er ist mehr der Dieseltyp, in dem der Besitzer lieber schönen Luxus ...
... und die vielen Range-Rover-Schriftzüge genießt. Der Evoque tritt eine ganze Spielklasse höher, edler und teurer an als der Paceman. Sozusagen in Gummistiefeln mit Fell-Einsatz.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Joachim Staat: "Mini- und SUV-Hasser werden murren: Der Paceman sieht gut aus ...
... und trägt das SUV-Coupé in die kleine Klasse. Design, Image und Glamour zählen mehr als Nutzen und Vernunft – siehe Range Rover Evoque. "
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