Wer fährt hier wem hinterher? Der neue Astra ist die härteste Nuss, die der Golf zu knacken haben wird, denn der Rüsselsheimer sieht nicht nur gut aus, ...
... er ist auch gut gemacht und bietet sichtbaren Fortschritt bis ins Detail. Opel hat ein Vorserienmodell bereitgestellt, ...
... ein waschechter Test nach harter AUTO BILD-Norm ist folglich noch nicht drin. Aber für einen ersten Abgleich reicht es auf jeden Fall.
Ein Original aus dem Hause Opel: Der neue Astra macht sich aus keiner Perspektive verdächtig, eine Kopie des erfolgreichen Wolfsburger Widersachers zu sein.
Geschichte ohne Ende: Kadett gegen Käfer, Kadett gegen Golf, dann Astra gegen Golf – das ewige Duell. Es gab Zeiten, da zitterten sie in Wolfsburg, ...
... wenn Opel zum Gegenschlag ausholte. Wie Wackelpudding in einem Speisewagen. Doch am Ende war es immer der Volkswagen, der beim Volk die Nase vorn hatte. Das soll, wenn es nach Opel geht, demnächst natürlich anders werden. Im Vergleich rückt er dem Golf richtig eng auf die Pelle, ...
... kann ihn aber nicht schlagen. Der Astra sieht schicker aus als der Golf, er hat die Aura eines Qualitätsprodukt und sein Komfort überzeugt, ...
... aber die flotte Form verlangt Zugeständnisse. Und der Turbo unter der Haube verspricht mehr, als er hält. So reicht es am Ende zu vier von fünf möglichen Sternen.
Verglichen mit seinen Vorfahren wirkt er anziehend wie Chanel No. 5. Elegant, schlank, wohlgeformt – noch nie machte ein Opel der Kompaktklasse so viel her, ...
... wobei von "kompakt" bei näherer Betrachtung nicht die Rede sein kann. Der Astra misst jetzt 4,42 Meter, das sind 17 Zentimeter mehr als beim Vorgänger. Sechs Zentimeter breiter ist er auch. So groß war früher der Vectra.
Starkes Stück: nur 1,6 Liter Hubraum, aber 180 PS und 230 Nm Drehmoment. Doch in der Praxis kommt die Kraft vorwiegend bei höheren Drehzahlen zur Geltung, ...
... und dann wird der Turbomotor unschön laut. An seiner guten Beschleunigungswirkung ändert das natürlich nichts: In 8,5 Sekunden stürmt der Astra aus dem Stand auf Tempo 100, erreicht maximal 221 km/h.
Erstaunlich, wie geschmeidig das Prachtstück schlechte Straßen glatt bügelt, vorausgesetzt, der Fahrer drückt zuvor auf die "Tour"-Taste. Sie gehört zum Flex-Ride-Fahrwerk (Aufpreis 930 Euro) und ...
... ist das komfortabelste von drei Stoßdämpferprogrammen. Dann können sogar die bei unserem Exemplar aufgezogenen 18-Zoll-Räder (490 Euro) die Ruhe nicht stören. Schade nur, dass es die bessere Lenkungsabstimmung mit reduzierter Servounterstützung ...
... ausschließlich auf "Sport"-Befehl gibt. Andernfalls reagiert der Astra auf kleine Lenkausschläge nämlich immer noch zu verwaschen – zugegeben, nur eine Nuance. Ansonsten ist der Fortschritt gegenüber dem Vorgänger erheblich, ...
... neue Technik verwandelt den einst leicht schwammigen Astra in ein fahrdynamisch ansprechendes Auto: ausgesprochen kurvenfest (wobei die breiten Optionsreifen natürlich helfen), in engen Biegungen mäßig untersteuernd, wendig und stets gutmütig wie ein Märchenonkel.
Der neue Astra empfängt den Insassen mit einer gediegenen Eleganz, die viele Zeitgenossen der Marke nicht zugetraut hätten. Die Zeiten, als die Innenräume von Opel noch den Charme eines Behörden-Wartesaals hatten, sind vorbei, aber ...
... die Bedienung bedarf einer gewissen Fingerfertigkeit: Wer im Schalterhaufen auf der Mittelkonsole die richtige Taste trifft, hat Glück gehabt.
In unserem Vergleich tritt das 180-PS-Topmodell als "Sport" an, was unter anderem zu Sportsitzen, Klimaautomatik, Nobel-CD-Radio, Tempomat und 17-Zoll-Alurädern berechtigt.
Klassisch instrumentiert: Zwei große Uhren für Drehzahl und Geschwindigkeit dominieren das Astra-Cockpit.
Im langen Astra geht es doch deutlich geräumiger zu als im kurzen Golf? Klare Antwort: nein. Die Platzverhältnisse vorn ...
... und hinten gleichen sich. Im Astra beeinträchtigt die coupéartige, eingezogene Dachlinie das Raumgefühl. Und der Einstieg in den Fond ist beschwerlicher als beim Golf.
Apropos Platz: Die Unterbringung von Kleinkram ist im Astra kein Problem – es gibt reichlich Staufächer und Ablagen sowie ...
... ein zusätzliches Handschuhfach links vom Lenkrad.
Dürfen nicht fehlen: diverse Anschlüsse für Lifestyle-Elektronik über dem Ablagefach.
Das Gepäckabteil fasst 370 bis 1235 Liter. Der faltbare Gepäckraumboden im Astra ist dreifach höhenverstellbar und ermöglicht in der obersten Stufe eine ebene Ladefläche.
Einen Opel Astra 1.6 T gibt es ab 22.100 Euro. Soll er allerdings so gut ausgestattet werden wie unser Testwagen, werden 23.950 Euro fällig.
Mit viereinhalb von fünf Sternen und denkbar knappem Vorsprung gewinnt der VW. Was ließe sich dem Golf vorwerfen? Er ist solide gemacht, praktisch, bequem, ...
... stark und relativ sparsam. Dass er zugleich nüchtern und sachlich daherkommt, muss kein Nachteil sein. Aufrecht steht der Bestseller unter den Kompakten im Vergleich zu seinem Herausforderer. Fließende Linien wie beim Astra sind ihm fremd.
Alles dran: Direkteinspritzung, Turbo, Kompressor, Ausgleichswellen. So kitzelt VW 160 PS und 240 Nm aus gerade einmal 1,4 Litern Hubraum. Ein Prachtmotor, ...
... der sich beim Verbrauch bescheidener zeigt, als das Opel-Aggregat: 6,3 Liter zu 6,8 Liter auf 100 Kilometer.
Es ist wie auf dem Bild: Beim Sprinten hängt der Golf den Astra ab, geht in glatten acht Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Bei der Höchstgeschwindigkeit von 220 km/h muss er den Opel hauchdünn ziehen lassen.
Das Fahrwerk des Golf (mit 16-Zöllern und ohne adaptive Dämpfer) kommt einem im direkten Vergleich mit dem Astra plötzlich ein wenig hölzern vor, aber ...
... die Lenkung gefällt beim Wolfsburger besser. Gleiches lässt sich ...
... von den Antriebsqualitäten behaupten. Die Maschine im Bug ist antrittsstark schon bei niedrigen Drehzahlen und hoch kultiviert.
Keine Augenweide, aber praktisch und hochwertig: der Arbeitsplatz des Golf. Nicht optimal dagegen der optionale Monitor mit Touchscreen – er verschmiert schnell und ist bei Sonneneinstrahlung schlecht ablesbar.
Der Innenraum eines Golf ist kein Ballsaal, aber vier Erwachsenen bietet er genügend Bewegungsfreiheit. Bequemer Einstieg, luftiges Raumgefühl auch im Fond, angenehme Sitze.
Das Gepäckabteil des Golf schluckt zwischen 350 und 1305 Liter. Bei umgelegten Rücksitzlehnen entsteht keine ebene Ladefläche.
Preisfrage: Den fünftürigen Golf 1.4 TSI in der Ausstattungslinie Comfortline lässt sich VW mit 23.215 Euro bezahlen.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Wolfgang König: "Nicht jeder möchte einen Golf. Manchen ist er zu nüchtern, zu alltäglich, einfach zu gewöhnlich. Wer sich zur Gruppe der Golf-Verweigerer zählt, ...
... darf künftig getrost bei Opel vorbeischauen: Der neue Astra wird sie angenehm überraschen. Er sieht appetitlich aus, wirkt hochwertig und fährt geschmeidig. Da könnten sogar Golf-Abonnenten schwach werden. Was unter der Motorhaube steckt, ...
... dürfte sie freilich weniger beeindrucken. Und solange das so ist, darf bei VW erstmal aufgeatmet werden. Denn ansonsten hätte es für Wolfsburgs Bestseller ganz schön eng werden können."
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