Abwracken ist einfach, die richtige Kaufentscheidung zu treffen viel schwerer. Zumal, wenn es ein Kleinwagen sein soll. AUTO BILD hat fünf Gewinner der Umweltprämie zum Vergleich gebeten und nach der besten Wahl gesucht.
Typen mit Charakter: Auch am Ende zeigen Seat Ibiza, Peugeot 206+, Opel Corsa, Nissan Micra und Ford Fiesta einen ganz eigenständigen Stil. Aber nicht alle können voll überzeugen. So landet ...
... der Opel Corsa in der Endabrechnung nur auf dem geteilten vierten Platz. Der kleine Rüsselsheimer erzielt 279 von 500 möglichen Punkten. Gefühlt ist der Rückstand zur Konkurrenz sogar noch größer, als es Punkte ausdrücken können.
Nur für Schleicher: Der ein Liter große Dreizylinder gibt sich brummig und ausgesprochen zäh. Seine 60 PS und 88 Nm schieben den Corsa ...
... in endlosen 18 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Mehr als 150 km/h sind auch nicht drin. Kein Wunder, dass es so bei den Fahrleistungen nur zu einem klaren fünften Platz reicht. Kritik gibt es weiterhin ...
... für die gefühllose Lenkung, das behäbige Handling und die schwachen Bremsen.
Kleiner Trost: Mit durchschnittlich 6,1 Litern auf 100 Kilometer schluckt der Dreizylinder weniger als die Konkurrenz.
Bedienung ohne Fragezeichen: gut verarbeitetes Cockpit, übersichtliche Anzeigen. ESP und vier Airbags sind Serie, gegen 390 Euro Aufpreis gibt es sogar Vorhang-Kopfairbags für alle Insassen.
Von allen Konkurrenten bietet der Corsa am meisten Platz, besonders hinten. Hier sitzen auch Erwachsene auf längeren Strecken noch vergleichsweise bequem.
Mit 11.140 Euro ist der Opel Corsa "Selection 110 Jahre" das Sonderangebot in diesem Vergleich. Dafür öffnen sich die Seitenfenster noch per Handkurbel, außerdem klappt die Fondlehne nur komplett um – und erweitert den Stauraum hinter der Klappe von 285 auf 1050 Liter.
Das Fazit: "Der Opel Corsa ist geräumig, sparsam und preisgünstig. Schwächen: die gefühllose Lenkung, das träge Handling und der lahme Motor."
Der zweite vierte Platz geht an den Nissan Micra 1.2 Edition 25. Der Japaner ist kurz und fast gut, erreicht wie der Corsa aber nur 279 von 500 Punkten.
Als angenehmer Motor entpuppt sich der 1,2-Liter-Benziner, der 65 PS und 110 Nm ins Getriebe schickt. Okay, leise ist er nicht. Dafür wirkt er quirlig, ...
... bietet genug Kraft von unten und lässt sich mit dem gut gestuften Getriebe oft einen Gang höher fahren als die Gegner – das spart Sprit. Im Schnitt genehmigt sich der Micra 6,6 Liter auf 100 Kilometer.
ESP ist für den Basismotor nicht lieferbar. Das ist nicht ok, auch wenn der Nissan bei sportlicher Fahrweise nicht mit Untersteuern oder gar einem ausbrechenden Heck schockt. Die schwergängige Lenkung müsste allerdings präziser arbeiten.
In diesem Vergleich gar nicht schlecht: Der Japaner sprintet in 13,8 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100, erreicht maximal 154 km/h.
Der Blick des Fahrers fällt auf ein modisch gestyltes Interieur. Bedienung und Ablesbarkeit des Cockpits sind tadellos.
Große Fensterflächen und das kuppelartige Dach schaffen ein angenehm luftiges Raumgefühl. Erstaunlich viel Platz hat er auch, ...
... die Rückbank lässt sich längs verschieben – in der hintersten Position halten es sogar Erwachsene im Fond aus. Der Kofferraum variiert zwischen 251 und 982 Litern Fassungsvermögen.
Beim Micra 1.2 "Edition 25" für 13.310 Euro sind Fensterheber, CD-Radio und Klimaanlage Serie, einen iPod nano gibt es als Zugabe.
Das Fazit: "Der Kürzeste im Vergleich fährt munter mit und ist gut ausgestattet. Großen Fahrern fehlt Platz, das ESP vermissen alle."
Das gibt es nur bei Peugeot: Der Kunde kann den alten 206 abwracken und mit der Prämie das gleiche Modell als Neuen kaufen. Denn der 206 ist bereits elf Jahre alt, obwohl das nach der jüngsten Modellpflege erst auf den zweiten Blick zu sehen ist. 287 Punkte bringen den Franzosen auf den dritten Platz.
Kraftpaket: Der 1,4 Liter große Vierzylinder des Peugeot mobilisiert 75 und 120 Nm Drehmoment. Gegen den drehfreudigen und durchzugsstarken Motor ...
... haben die Rivalen weder beim Spurten noch beim Überholen im fünften Gang eine Chance. Auf Tempo 100 sprintet der 206+ in 12,9 Sekunden und schafft satte 173 km/h Spitze. Gemessen an den munteren Fahrleistungen ...
... sind 6,7 Liter Super im Schnitt akzeptabel. Nicht jedoch der Lärm des Motors, er nervt vor allem auf der Autobahn. Zudem federt der Peugeot ruppig, ...
... auf Querfugen gibt er den Zappelphilipp. Hier zeigt der 206+ sein wahres Alter. Ebenfalls nicht mehr zeitgemäß ist die teigige, ...
... schwergängige und gefühllose Lenkung. Immerhin fährt der Franzose sicher, wenn das optionale ESP an Bord ist. Der Schleuderschutz ist aber ...
... nur mit Klimaanlage zu haben – für 1590 Euro Aufpreis. Auch das gibt’s nur bei Peugeot.
Das Cockpit ist nach dem Facelift neu, es wirkt hochwertig und übersichtlich. Nichts geändert hat sich aber leider an der schlabberigen Führung des Schalthebels.
Die Talente des 206+ als Reisewagen sind beschränkt: Hinterm nur in der Höhe verstellbaren Lenkrad hocken große Fahrer unglücklich auf den kleinen Sitzen.
Das klappt ganz gut: Der Peugeot bietet einen nahezu ebenen Ladeboden bei umgelegter Rückbank. Das Fassungsvermögen des Gepäckabteils liegt zwischen 285 und 1130 Litern.
12.140 Euro werden für den aufgehübschten 206 mit dem "+" fällig – inklusive Klimaanlage und ESP. Damit ist der Franzose der zweitteuerste Wagen des Vergleichs.
Das Fazit: "Mit spritzigem Motor gut dabei, verliert der eng geschnittene 206+ beim Komfort den Anschluss."
Der Ford Fiesta gibt den Komfort-Sportler in diesem Vergleich und verpasst den Gesamtsieg nur hauchdünn. Mit 302 Punkten geht es für den kleinen Kölner auf Platz zwei.
Der brave Vierzylinder könnte mehr Pep vertragen. Er entwickelt seine 60 PS und 109 Nm zwar wunderbar kultiviert, zieht aber keine Wurst vom Teller, ...
... weil die hohen Gänge viel zu lang übersetzt sind – bei 152 Sachen ist Schluss. Der Sprint auf Tempo 100 gelingt in glatten 16 Sekunden. Für das maue Temperament sind 6,3 Liter Testschnitt zu viel.
Komfort ist eine große Stärke des kleinen Kölners. Egal ob Querfugen, Kanten oder Schlaglöcher – die geschmeidige Federung verarbeitet selbst fiese Stöße gelassen. Der Fahrspaß bleibt dabei ebenso wenig auf der Strecke ...
... wie die Sicherheit – in Köln wissen sie eben, wie man gute Fahrwerke baut. Selbst die von uns schon öfter kritisierte Lenkung gefällt hier, weil die höheren 15-Zoll-Reifen kleinen Lenkbewegungen die Schärfe nehmen.
Alles so schön bunt hier: Das geschwungene Fiesta-Cockpit setzt auf Kontraste. CD-Radio und Klimaanlage gibt es bei der Ausstattungsvariante Trend für 1250 Euro als Optionspaket.
Reisewagen: Im Ford findet jeder eine bequeme Position hinterm Lenkrad.
Als Lastesel ist der Fiesta ebenfalls keine Empfehlung, bei umgelegten Rücklehnen bleibt eine störende Stufe, außerdem fällt der maximale Stauraum mit 979 Litern ziemlich knapp aus.
Punktlandung: Der Ford Fiesta 1.25 Trend kostet die runde Summe von 12.000 Euro.
Das Fazit: "Fahreigenschaften, Komfort und Bremsen sind die Fiesta-Stärken. Platz und Durchzugskraft gehören nicht dazu."
Mit 304 Punkten fährt der Seat Ibiza nach ganz oben aufs Siegerpodest. Ein knapper Sieg: Gerade einmal zwei Punkte legt der Spanier zwischen sich und den Zweitplatzierten.
Seat beschleunigt die Ibiza-Basis mit 70 PS und 112 Nm Drehmoment aus einem 1,2 Liter großen Dreizylinder. Der läuft zwar vibrationsarm und reagiert bei niedrigen Drehzahlen spontan auf Bewegungen des Gaspedals, ...
... obenraus geht ihm aber die Puste aus. Bei hohen Touren rasselt der Motor zudem aufdringlich und nimmt sich einen Extra-Schluck, was den sowieso schon hohen Verbrauch von durchschnittlich 6,7 Litern weiter nach oben treibt. Tempo 100 erreicht der Ibiza nach 14,3 Sekunden, maximal sind 165 km/h drin.
Gekonnt abgestimmt: Einfach klasse, wie zackig der Seat in die Radien sticht und gleichzeitig unerschütterliche Sicherheit vermittelt. Der Ibiza liegt so gut auf der Straße, ...
... dass das aufmerksame ESP bei forcierter Fahrt spürbar seltener eingreift als bei der Konkurrenz. Bei allem Sportgeist kommt der Komfort nicht zu kurz – nur Querfugen schluckt die Federung nicht so gut wie der Fiesta.
Zurückhaltend: Innen spielt der Seat graue Maus. Die Einrichtung könnte mehr Pfiff vertragen, Verarbeitung und Ablesbarkeit sind aber tadellos.
Beste Voraussetzungen für flottes Landstraßen-Fräsen bieten die straff gepolsterten Sitze, die viel Halt geben, sowie die präzise und gefühlvolle Lenkung.
Der kleinste Kofferraum im Testfeld – maximal 930 Liter – zeigt, dass Nutzwert beim Ibiza nicht an erster Stelle steht.
Preis-Leistungs-Sieg: Seat verlangt für den Ibiza 1.2 12V Reference 11.890 Euro. Im Preis bereits eingerechnet sind 100 Euro für die 15-Zoll-Bereifung.
Das Fazit: "Flink, fahrsicher und preisgünstig – der Ibiza bietet bezahlbaren Fahrspaß. Er ist aber eng, und der Motor begeistert nicht."
AUTO BILD-Redakteur Uli Holzwarth über die fünf Kleinen: "Der Seat Ibiza liegt am Ende zwei Punkte vor dem Ford Fiesta. Im Prinzip sind sich die beiden jedoch so ähnlich, dass der Geschmack entscheidet: Wer Dreizylinder nicht mag, ...
... wählt den kultivierten Ford. Beim Seat wird Sportgeist großgeschrieben. Der Peugeot 206+ glänzt mit dem stärksten Motor, ärgert aber mit unkomfortabler Federung. Punktgleich dahinter: der knuffige Micra und der lahme Corsa."
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