Geschlossene Gesellschaft: Der Porsche Panamera S begehrt Einlass in den erlauchten Kreis der Luxuslimousinen. Kann er trotz seines Sportanzugs mit BMW 750i und Mercedes S 500, den Platzhirschen unter den edlen Viertürern, mithalten?
Akustisch genügen die Umgangsformen des Porsche dem Anspruch der feinen Gesellschaft. Jedenfalls, wenn der Pilot die Doppelflinten unterm Heck per Sound-Taste auf Zimmerlautstärke besänftigt hat. Mit melodischem Bariton pirscht der Panamera über die Straße, ...
... ist seinen beiden Luxuskonkurrenten fahrdynamisch überlegen, wenn die ganze Leistung des V8 abgefragt wird. Auch in Sachen ...
... Variabilität liegt der Zuffenhauser vorne. Wenn er die Klappe aufreißt, bietet er zwar das kleinste Minimal-, aber das bei Weitem größte Maximalvolumen. Man könnte mit ihm im Zweifelsfall also auch mal zum Baumarkt fahren, ...
... in Luxuskriterien wie Platzangebot im Passagierabteil und Komfort fährt er seinen beiden Konkurrenten aber hinterher, auch wenn er am flottesten die Kurve kratzt. Er bleibt eben ein Porsche, schafft 332 von 500 möglichen Punkten und landet auf Platz drei.
Der 4,8 Liter große V8 im Porsche-Bug mobilisiert 400 PS und 500 Nm Drehmoment. Die stärkste Maschine in diesem Testfeld ist das nicht, ...
... für den Sprintsieg reicht es trotzdem: In 5,5 Sekunden stürmt der Panamera S auf Tempo 100, erreicht maximal 283 km/h. Der Porsche ist kein Softie, bügelt mit den aufpreispflichtigen Luftbälgen (1952 Euro) lange Wellen aber durchaus geschmeidig glatt. Nur auf kurze Stöße reagiert er rustikaler.
Das Sportstudio dieses Vergleichs: Zündschloss links und Drehzahlmesser in der Mitte, das ist genauso Pflicht in einem Porsche ...
... wie die ineinander verschachtelten Instrumente im Cockpit.
Touchscreen-Monitor und tastenübersäter Mitteltunnel halten Technik-Freaks bei Laune. Die Knopfwüste im Panamera-Cockpit weckt Spieltrieb und Entdeckergeist, doch vieles ist Schnickschnack. Die Spoilertaste beispielsweise.
Auf den beiden Fondsesseln reisen die Porsche-Passagiere in tiefer Sitzposition mit ausreichend Platz für Kopf und Knie. Die hohe Gürtellinie schränkt allerdings die Aussicht ein.
Anders als die anderen: Im Vergleich zu BMW und Mercedes sind die Sitze des Porsche fast eng und hart. Und während man 7er und S-Klasse beinahe aufrechten Hauptes betreten kann, muss man beim Porsche in Büßerhaltung unterm flachen Dachholm durchkriechen.
Ehrensache in der Luxusklasse: elektrische Sitzverstellung. Wer im Porsche übrigens auf eine lederne Innenausstattung Wert legt, zahlt mindestens 3201 Euro Aufpreis.
In den Porsche-Kofferraum passen immer 445 Liter, was im Vergleich zur Testkonkurrenz eher wenig ist. Allerdings lässt sich ...
... das Gepäckabteil auf 1263 Liter erweitern. Diesen Trick beherrschen die anderen beiden nicht.
Komfortabel: Die elektrische Heckklappe mit programmierbarem Öffnungwinkel ist für 655 Euro zu haben.
Schon nackt ist der Porsche Panamera S kein Schnäppchen. Wenn wie beim Testwagen noch PDK (3511 Euro), Sport Chrono Plus (1095 Euro), Servotronic (262 Euro), PDCC (4344 Euro), Luftfederung (1952 Euro) und 19-Zöller an Bord sind, verteuert sich der Wagen auf satte 107.167 Euro.
Typisch BMW: tolles Handling, Power satt. Die Fahrspaß-Auslegung geht aber auf Kosten der Bequemlichkeit, und der Verbrauch ist zu hoch. Es reicht am Ende aber zu 348 Punkten und dem zweiten Platz.
Der stärkste Muskel im Testtrio findet sich unter der Haube des BMW. Aus 4,4 Litern Hubraum quetschen zwei Turbolader 407 PS und bärige 600 Nm Drehmoment. Der V8 schiebt ...
... den über zwei Tonnen schweren 750i mühelos in glatten sechs Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100, ist gut für 250 km/h Spitze. Der stahlgefederte 7er wirkt straffer als die S-Klasse, erlaubt so einen intensiveren Informationsaustausch zwischen Pilot und Piste.
Die Pilotenkanzel des Münchners: fahrerorientiertes 7er-Cockpit mit Monitor im Cinemascope-Format. Zugang und Zündung funktionieren schlüssellos, ...
... Sideview-Kameras (420 Euro) erleichtern das Rangieren. Wer auf diesem Monitor das Internet sehen will, braucht das Top-Navi für 3850 Euro. In den ersten drei Jahren kostet der Web-Zugang als Flatrate 12,50 Euro monatlich, ab dem vierten Jahr fallen zusätzlich 250 Euro Jahresgebühr an.
Mächtige Maschine: Das maximale Drehmoment liegt im BMW bereits bei 1750 Touren an.
Der BMW sortiert seine Kraft mittels einer Sechs-Stufen-Automatik mit manueller Schaltoption.
Die Fond-Passagiere thronen im 7er hoch über den Dingen – mehr Platz als im Porsche haben sie aber nicht. Dafür kann man hier aber zur Not auch mal zu dritt sitzen. Das geht im Panamera auf keinen Fall.
500 Liter schluckt das BMW-Gepäckabteil, die Zulandung fällt mit 485 Kilogramm am niedrigsten aus. Für die Skidurchreiche kassiert BMW 350 Euro extra, ...
... wer den Heckdeckel per Taste schließen will, legt 590 Euro drauf.
Preis-Leistungs-Sieger: An der Kasse verlangt der BMW 750i mit 97.120 Euro den kleinsten Einsatz in diesem Trio. Eingerechnet sind bereits die Integral-Aktivlenkung (1950 Euro), Dynamic Drive (2670 Euro) und 19-Zöller (1500 Euro).
Viel Komfort, viel Kraft, viel Technik: Die S-Klasse wird mit 363 Punkten Testsieger, sie bietet Limousinen-Luxus auf höchstem Niveau. Der Verzicht aufs letzte Quäntchen Dynamik stört da kaum.
Aus dem größten Hubraum traben die wenigsten Pferde auf die Kurbelwelle: Der Mercedes-V8 holt aus exakt 5461 cm³ 388 PS und 530 Nm Drehmoment. Das ist natürlich alles andere als schwachbrüstig und sorgt ...
... für Fahrleistungen auf BMW-Niveau: Auch der S 500 ist in sechs Sekunden auf Tempo 100 und schafft 250 km/h. Sportlichen Ehrgeiz weckt das Dickschiff dabei nicht. Sein Metier ist zügiges Gleiten, sänftenhaftes Dahinschweben auf der Luftfederung.
Kommandobrücke: S-Klasse-Armaturenträger mit Projektionstacho und zierlicher Analoguhr. Der Automatikwählhebel an der Lenksäule hält den Mitteltunnel frei, ...
... auf dem das Telefontasten-Tableau in einem weichen Lederetui steckt, ...
... davor liegt der Command-Controller zur Steuerung der Bordfunktionen.
Die Multikontursessel der S-Klasse (2023 Euro) sind für füllige Fahrer ein wohltuender Kontrast zum Porsche-Gestühl ...
... und können über das bei Mercedes seit Jahren bewährte Schalterlayout in der Türverkleidung vielfach verstellt werden.
Die Platzverhältnisse im Fond der S-Klasse sind mit einem Wort zu beschrieben: fürstlich.
Fast günstig: Während die Konkurrenz mindestens 3000 Euro Aufpreis verlangt, gibt es die DVD-Navigation im Mercedes schon ab 2332 Euro.
Die S-Klasse hat eine schmale Luke, aber 560 Liter Laderaum. Wer oft Wertsachen transportiert, erhält für 154 Euro ein besonders geschütztes Schloss. Die elektrische Betätigung des Kofferraumdeckels gibt es nur im Keyless-Go-Paket für 1708 Euro.
Preislich zwischen BMW und Porsche: Inklusive Dämpferverstellung (3511 Euro) und 19-Zoll-Bereifung (1874 Euro) werden für den Mercedes S 500 101.894 Euro fällig.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Martin Puthz: "Der Porsche darf rein in die Limousinen-Luxusliga – als sportlicher Gegenentwurf zu den etablierten Platzhirschen. Dies gilt umso mehr, ...
... als der Panamera trotz unverfälschter Markenwerte den Komfort nicht völlig ausblendet. Klassik-Kenner fühlen sich in vielen Punkten an den (allerdings nur zweitürigen) 928 erinnert. Der 7er-BMW ...
... bleibt ein begehrenswerter Grenzgänger zwischen Bequemlichkeit und Fahrfreude. Die S-Klasse vom Thron zu stoßen, ...
... gelingt aber keinem der beiden. Keine Diskussion: Der Mercedes kommt dem Ideal der Luxuslimousine von allen am nächsten."
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