Zwei charmante französische Kompakt-Vans, die mit dem spießigen Image des Familientransporters aufräumen. Peugeot 5008 (vorne) und Renault Grand Scénic sind luftige und moderne Praktiker. Welcher hat am Ende die Nase vorn?
Mit 321 von 500 möglichen Punkten fährt der Peugeot auf den zweiten Rang. Der 5008 bietet weniger Komfort in Reihe zwei, seine Variabilität ist okay, kostet aber Laderaum. Gut: günstiger Preis und Verbrauch.
Prägend für den 5008-Auftritt sind die recht lange Motorhaube und die riesige Frontscheibe. 1,7 Quadratmeter Glas haben Fahrer und Beifahrer vor der Nase.
Klassischer Sauger: Der Motor des 5008 holt seine 120 PS und 160 Nm Drehmoment aus einem 1,6 Liter großen Vierzylinder.
Die Fahrleistungen: In 12,4 Sekunden geht es aus der Parkposition auf Landstraßentempo, maximal sind 187 km/h möglich.
Im Testdruchschnitt war der Peugeot mit 8,1 Litern auf 100 Kilometer etwas genügsamer als der Renault, aber ...
... der Motor im 5008 macht mehr Krach, der Wagen rollt ruppiger ab und bietet weniger Komfort als sein Konkurrent.
Bequem in Reihe eins: Mama und Papa sitzen leicht erhöht und blicken auf ein zum Fahrer hin ...
... geneigtes Armaturenbrett. Der tiefe Vorbau und die flache Windschutzscheibe erinnern an den Führerstand eines ICE. Der Schaltknauf des Fünfgang-Getriebes verdeckt die Klimaregler.
Musik-Box: WIP Com 3D heißt das neue Navi-Infotainment-System, das auf langen Fahrten für gute Laune sorgt. Europa-Karten fürs Navi und Musik werden auf einer 40 Gigabyte großen Festplatte abgespeichert. Ein großes 16:9-Display erleichtert die Bedienung. Das einfache CD-Radio gibt es schon für 450 Euro.
Praktisch: Das Ablagefach auf der Mittelkonsole schluckt auch große Flaschen.
Hebel unnötig: Beim Parken wird der Peugeot elektrisch arretiert.
Für frische Luft: Die zweite Reihe hat ihre eigenen Luftausströmer. Eine Klimaanlage ist im Peugeot immer an Bord.
Der Zusatzspiegel überwacht den Fond. Dort finden nicht nur Kinder Platz, ...
... sondern bis zu fünf Erwachsene. Die Sitze der zweiten und dritten Reihe verschwinden bei Bedarf komplett im Wagenboden. Bis das gut klappt, muss man aber üben. Hinter der dritten Reihe ist Platz für 213 Liter Gepäck, ...
... in fünfsitziger Konfiguration schluckt der Peugeot 679 Liter. Liegt alles flach, gehen 1754 Liter ins Heck. Die Zuladung von 652 Kilogramm ist vorbildlich.
Das billigere Angebot: Für den Peugeot 5008 120 VTi in der Ausstattungslinie Tendance werden inklusive 700 Euro für die dritte Sitzreihe 22.200 Euro fällig.
Der Grand Scénic ist ein überzeugendes Konzept vom Van-Pionier Renault. Verbesserte Qualität, der kräftige Turbomotor und die gelunge Fahrwerkabstimmung bringen ihm 337 Punkte und den ersten Platz. Nur beim Verbrauch ...
... dürfte der Wagen etwas zurückhaltender sein: Im Schnitt genehmigt sich der aufgeladene 1,4-Liter-Vierzylinder (130 PS, 190 Nm) 8,5 Liter auf 100 Kilometer. Damit verbraucht er zwar einen knappen halben Liter mehr als der 5008, ...
... fährt aber auch flotter, leiser und wirkt souveräner. Tempo 100 liegt nach 11,3 Sekunden an, der Vortrieb endet erst bei 195 km/h.
Konfortabler abgestimmt: Vor allem auf schlechten Straßen federt der Grand Scénic harmonischer, liegt ruhiger als sein Konkurrent. Und der sechste Gang senkt die Motordrehzahl – und damit das Geräuschniveau – bei Autobahn-Richttempo auf 3500 Touren.
Angenehme Reise: Die Sitzposition passt jedem, der Blick nach vorne wird von den relativ schmalen A-Säulen kaum eingeschränkt.
Qualitativ hat sich Renault deutlich verbessert: Das klare Cockpit vermittelt das Gefühl, ein hochmodernes Auto zu fahren, ...
... was in erster Linie an Digitaltacho und Tourenzähler im futuristischen Design liegt. Das Display ermöglicht verschiedene Drehzahlmesser-Darstellungen. Wichtiger: Die Klimaanlage ist immer an Bord, eine Klimaautomatik gibt es für 790 Euro extra im Paket.
Auch Renault kann dank elektrischer Parkbremse auf den Handbremshebel verzichten und Platz auf der Mittelkonsole schaffen.
Das könnte verwirren: Um das Lenkrad herum sind viele Schalter, Tasten und Drehregler gruppiert.
Platz da: Kleinkram-Garage im Tiefgeschoss.
Zwei Zusatz-Sitze in der dritten Reihe kosten wie im Peugeot 700 Euro. Wer dort sitzen will, sollte auch im Renault nicht größer als 1,70 Meter sein. Für die ganz große Transportaufgabe ist das hintere Gestühl demontierbar, ...
... dann verwöhnt der Grand Scénic den Kleinspediteur mit üppigen 2063 Litern Fassungsvermögen. Hinter die dritte Sitzreihe passen dagegen nur 208 Liter, als Fünfsitzer schluckt der Renault 546 Liter. 519 Kilo Zuladung sind wenig.
Obwohl der Renault Grand Scénic TCe Dynamique mit 23.100 Euro (inklusive dritter Sitzreihe) teurer ist als der Peugeot 5008, fährt er auch den Preis-Leistungs-Sieg ein.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jörg Maltzan: "Zwei Vans, zwei Raumkonzepte: Der Unterschied liegt im Detail. Voll überzeugen kann der 5008 nicht. Peugeot hat versäumt, bei Renault die Vorzüge zu kopieren. Der Grand Scénic ist zwar etwas teurer, ...
... aber auch größer, hat mehr gefühlten Platz in der zweiten Reihe und trumpft mit kräftigem Turbomotor auf. Chance verpasst. Zumindest mit dem Basisbenziner fährt der Löwen-Van hinterher."
Ein wichtiger Konkurrent der beiden Vans ist unter anderem der Citroën C4 Grand Picasso THP 140: Der große Picasso ist nochmals drei Zentimeter länger als der Grand Scénic und verwöhnt ebenfalls mit reichlich Platz und hohem Komfort. Die serienmäßiger Automatik macht den Citroën jedoch teuer.
Opel Zafira 1.8: Der Erfinder des cleveren Klapp-Konzepts mit der im Boden versenkbaren dritten Reihe spielt immer noch vorn mit. Der Opel bietet aber weniger Platz, er ist teurer und serienmäßig schlechter ausgestattet.
VW Touran 1.4 TSI: Der Bestseller punktet mit viel Platz. Er fährt sich fast wie ein Kompakter, ist aber viel unkomfortabler. Sein Plus sind sparsame Motoren und die moderne DSG-Automatik. Dafür langt VW bei den Preisen für Extras richtig zu.
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