Noch herrscht Ruhe im Kanton. Doch bald fräsen durch die wunderbare Winterwelt des Schweizer Wallis 2481 PS – natürlich nicht ganz geräuschlos, wie angesichts der dicken Endrohre schon zu erahnen ist.
Wer tanzt den schönsten Schneewalzer? AUTO BILD SPORTSCARS hat sechs Allradler zum Test in zwei Dreiergruppen gebeten. Am Start (von links): Audi TT RS, Porsche 911 Turbo, Lamborghini Gallardo Spyder, Mitsubishi Lancer Evo, Nissan GT-R und Subaru WRX STi.
Das Testprogramm besteht aus Performance-Messungen auf einem extra präparierten Flugfeld, einem anspruchsvollen, eher langsamen Handlingsparcours und ...
... der Vollgasfahrt auf der kurvigen Nufenen-Passstraße – knapp 1,5 Kilometer lang führt sie 400 Meter den Berg hinauf. Ein strammes Programm, ...
... das von Autos und Testern vollen Einsatz fordert: Die Performance-Messungen beginnen noch vor dem Morgengrauen, die Passstraße wird erst nach Einbruch der Dunkelheit auf Zeit befahren.
Testgruppe eins: der Dreierververgleich mit Autos aus dem niedrigeren Preissegment. Um die 50.000 Euro müssen für Subaru WRX STi, Audi TT RS und Mitsubishi Lancer Evolution (von links) aber trotzdem angelegt werden.
Was kann mehr auf rutschigem Geläuf: ein feingliedriger Allradantrieb oder Power satt? Die beiden Schneekönige Evo und WRX STi fordern den TT RS.
Platz drei geht an den Mitsubishi: Auf dem Handlingparcours ist der
Lancer Evolution am meisten in seinem Element, ...
... weil er driftwillig und leichtfüßig ist. Nicht überzeugen können hingegen die eigenwillige Doppelkupplung und ...
... die reifenbedingt schlechte Seitenführung. Mitsubishi vertraut auf Dunlop SP Wintersport 3D in der Größe 245/40 R 18 97V auf beiden Achsen.
Im Bug des
Mitsubishi tobt ein zwei Liter großer Turbo-Vierzylinder. Seine 295 PS und die 366 Nm Drehmoment ...
... bringen das Doppelkupplungsgetriebe in Bedrängnis. Es erlaubt sich leichte Patzer beim Hochschalten ...
... im Handlingparcours, den der Evo ansonsten umrundet, wie es sich gehört: ausgewogenes Wechselspiel zwischen Über- und Untersteuern im Slalom, ...
... ein wunderbarer Drift in den Kehren. Der Allradantrieb des Mitsubishi funktioniert auch auf Schnee perfekt, ein Auto zum Querfahren par excellence. Schnell muss das nicht unbedingt sein, wie die Zeit von 1:10,00 Minuten beweist.
Auch auf Asphalt ist der Lancer der langsamste der drei Konkurrenten: Der Sprint auf Tempo 100 ist in 6,1 Sekunden erledigt, maximal sind 242 km/h drin.
8,6 Sekunden dauert es im Schnee, bis der Evo auf 100 ist. Der Bremsweg bei dieser Geschwindigkeit: 100,8 Meter.
Der Evo leidet auf der Passstraße unter einem leicht schwammigen Fahrgefühl, macht dagegen in der Kehre viel Boden gut, ...
... da er sich ohne Handbremse mittels leichtem Anstellen sehr sauber durchziehen lässt. Größtes Manko ist das Getriebe, das sich oft verschluckt und beim Hochdrehen keine Schaltvorgänge erlaubt. Die Zeit: 1:29,48 Minuten.
Der Fahrer des Lancer Evo wird mit einem sehr agilen Handling verwöhnt, aber neben dem Getriebe ...
... sind auch die etwas hohe Position und die nicht optimale Seitenfühung der Sitze zu bemängeln.
Preislich ist er dem Audi dicht auf den Fersen: Für einen Mitsubishi Lancer Evo werden mindestens 53.850 Euro fällig.
Platz zwei geht an den Subaru: So unspektakulär, wie der
Impreza WRX STi daherkommt, unterschätzt man vor allem sein Potenzial ...
... auf glattem Untergrund. Zwar geht er nicht so forsch zu Werke wie sein ewiger Rivale Evo, aber er ist unspektakulär schneller.
Während die anderen beiden des ersten Testtrios auf Zylinderanordnung in Reihe setzen, tut im
Subaru ein Boxer seinen Dienst. Das turbogeladene Aggregat schöpft aus 2457 cm³ 300 PS und 407 Nm Drehmoment. Die Gasannahme ist etwas verzögert.
Nach 8,8 Sekunden erreicht der WRX STI auf Schnee Tempo 100 und braucht 96,1 Meter bis zum Stillstand. Im Trockenen gelingt der Standardsprint in 6,1 Sekunden, maximal sind laut Hersteller 250 km/h drin.
Ähnlich wohl wie der Lancer Evo fühlt sich der STI beim Slalom, zeigt aber reifenbedingt eine größere Untersteuertendenz und ...
... muss so mit Hilfe der Handbremse um die Kehre gezwungen werden. Seine Zeit: 1:09,62 Minuten.
Die nicht mehr ganz frischen Dunlop SP Wintersport M3 des Subaru weisen rundum das Format 245/40 R 18 97V auf.
In der ersten Kehre des Nufenen-Passes kämpft AUTO BILD SPORTSCARS-Testfahrer Guido Naumann mit der reifenbedingten Untersteuertendenz des Subaru ...
... und greift wieder zur Handbremse, in den schnelleren Kurven fehlt deutlich der Grip: Die Uhr stoppt dennoch bei ordentlichen 1:26,06 Minuten.
Den Subaru-Piloten erwarten im WRX STi eine zögerliche Kraftentfaltung, eine nicht perfekte Schaltung und ...
... eine ähnlich hohe Sitzposition wie im Mitsubishi. Die Sitze sind allerdings sportlich und bequem.
Das "Sonderangebot" dieses Tests: Mit einem Grundpreis von 49.490 Euro bleibt der Subaru WRX STi als einziger Wagen unter der 50.000-Euro-Marke.
Der erste Platz bei den "kleinen" Allradsportlern geht nach Ingolstadt. Narrensicher, einfach zu fahren, aber bei Bedarf auch auf Schnee extrem schnell: Der
Audi TT RS ...
... ist die Überraschung dieses Vergleichs. Als Driftauto ist er seinen beiden Kontrahenten wohl unterlegen, auf Schnee dagegen nicht.
Beim TT RS jagen fünf Kolben durch die Brennräume. Aus 2,5 Litern Hubraum holt der Turbomotor 340 PS und 450 Nm Drehmoment. Mehr hat in diesem Trio niemand zu bieten.
Geht mächtig nach vorne: Auf dem Asphalt pulverisiert der Audi in 4,5 Sekunden die 100-km/h-Marke, schafft 250 km/h Spitze. Wer will, kann die Höchstgeschwindigkeit auf 280 Sachen anheben lassen.
Auch auf glattem Geläuf ist der TT RS alles andere als langsam: Der vergleichsweise "schlichte" Hang-on-Allradantrieb beschleunigt den Ringträger in 8,1 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Eine Vollbremsung aus diesem Tempo bringt ihn nach 93,8 Metern zum Stehen.
Bedingt durch starkes Untersteuern verliert der
Audi in den beiden Kehren des 700 Meter langen Handlingparcours etwas Zeit, ...
... kann aber durch vorzügliche Traktion und sehr neutrale Auslegung beim Slalom punkten und sorgt so für eine Überraschung: Nach 1:06,55 Minuten steht die Uhr.
Bis auf die beiden Kehren, die auch nur mit Handbremse flüssig gehen, ist der mit bester Traktion gesegnete TT RS auf der Passstraße in seinem Element und zeigt eindrucksvoll, ...
... dass auch ein sauber gesteuerter Hang-on-Allradantrieb punkten kann: 1:24,69 Minuten braucht der Audi für die 1490 Meter bergauf. An beiden angetrieben Achsen ...
... trägt das Ingolstädter Coupé Dunlop SP Wintersport 3D in der Dimension 255/35 R 19 96V.
Attraktiver Arbeitsplatz: Im Audi TT RS findet der Pilot ein knackiges Getriebe, einen bärenstarken Motor, scharfen Sound und ...
... eine sehr gute Ergonomie inklusive der sportlichen Sitze.
Man muss schon etwas tiefer in die Tasche greifen, wenn man den Testsieger der ersten Trios sein Eigen nennen möchte: Audi verlangt für den TT RS einen Grundpreis von 55.800 Euro.
Vorhang auf für die "dicken Dinger": In der zweiten Testgruppe gehen Lamborghini Gallardo LP 560-4 Spyder, Porsche 911 Turbo und Nissan GT-R an den Start.
Nissan und Porsche hetzen den Gallardo den Berg hinauf. Der offene italienische Sportler hat gegen die beiden keine Chance? Mitnichten! Am Ende der Testfahrten ...
... hat er zumindest den hier hinter sich gelassen. Der
Nissan GT-R auf dem dritten Platz ist die Enttäuschung des Vergleichs. Nach einem blendenden Einstand auf dem Handlingparcours ist leider Schluss, ...
... die ständig überhitzende Allradkupplung verbietet echten Fahrspaß im Schnee. Das ist schade, denn das Porsche-Niveau des Japaners ist durchaus zu erahnen.
Mit 486 PS ist die 3,8-Liter-Maschine im Nissan das schwächte Aggregat der zweiten Testgruppe. Der surrende und pfeifende V6-Biturbo wuchtet 588 Nm Drehmoment auf die Kurbelwelle und ...
... schiebt auch auf rutschigem Geläuf gewaltig an: Im Automatikmodus nimmt sich der
Nissan nur 7,5 Sekunden bis auf 100 km/h und ...
... kommt nach 96,3 Metern zum Stehen. Die Perfomance im Trockenen: 4,1 Sekunden bis 100 km/h, 310 km/h Spitze.
Schon auf den ersten Metern ein Genuss ist die Agilität des Nissan GT-R. Wie er auch auf Schnee mit seiner gewaltigen Masse umgeht, wie flüssig und neutral er Slalom und Kehren nimmt, ...
... ist fantastisch. Leider übersteht die Allradkupplung, die für optimale Performance auf der Rundstrecke ausgelegt ist, nicht mal eine komplette Runde und ...
... zieht den Frontantrieb mit der Fehlermeldung "4WD überhitzt" aus dem Verkehr. Die beste erreichbare Zeit von 1:07,49 sagt daher nichts über das Potenzial des GT-R aus, sondern nur etwas über seine Schwierigkeiten auf Schnee.
Die Freude am Nissan GT-R währt auch auf dem Nufenen-Pass nicht lange, denn nach einem formidablen ersten Streckenabschnitt, den der Japaner auf 911-Niveau erklimmt, ...
... überhitzt wieder die Allradkupplung und lässt den GT-R als Hecktriebler in 1:38,67 Minuten den Berg hochkraxeln, ...
... auch drei weitere Anläufe quittiert der Nissan mit Überhitzung und Abschaltung des vorderen Antriebs.
Das Schuhwerk der Wahl: Für die kalte Jahreszeit empfiehlt Nissan den Bridgestone Blizzak LM in 255/40 R 20 (vorn) und 285/35 R 20 97 V (hinten).
Im Nissan GT-R gibt es einen höchst agilen Allradantrieb, wenn er denn nicht überhitzt, und ...
... eine limousinenhafte Position auf bequemen Sportsitzen. Die Ergonomie ist akzeptabel.
Ein Schnäppchen: Mit 83.500 Euro Grundpreis verlangt der Nissan GT-R im zweiten Trio den geringsten finanziellen Einsatz.
Platz zwei geht nach Italien: Für schnelle Runden auf Schnee ist der
Lamborghini Gallardo nicht gemacht, doch dafür hat er sich wacker geschlagen. Wintersicher und ...
... damit alltagstauglich ist sein Allradantrieb auf jeden Fall. Und mehr soll er auch nicht sein.
Motorischer Sonderweg in jeder Hinsicht: Das 5,2-Liter-Aggregat schöpft seine Kraft (560 PS, 540 Nm) aus zehn Zylindern und verzichtet als einziges in diesem Test auf jegliche Zwangsbeatmung.
Mit stark auskeilendem Heck und heiserem Sound kämpft sich der Italiener über die schneeglatte Piste – und durchbricht nach 8,9 Sekunden die 100er-Marke. Für die Vollbremsung braucht er 98,5 Meter. Auf Asphalt vergehen bis Tempo 100 4,1 Sekunden. Spitze: 324 km/h.
Wie schon beim Beschleunigen fühlt sich der
Lamborghini auf dem Handlingkurs trotz Allrad wie ein Hecktriebler an und reagiert mit blitzschnellen Heckschwenks, ...
... sobald das Gas etwas zu fest gestreichelt wird. Nach 1:09,39 Minuten hat er den Kurs geschafft und ...
... den schwitzenden Fahrer, denn der 560 PS starke Italiener verlangt extreme Aufmerksamkeit.
Wenig Spaß ist im Lamborghini auf der Passstraße zu erwarten. Die Kehren sind eng, der Allradantrieb zu träge. Wild kreischend verschwindet der Lambo bergauf und schafft 1:31,25 Minuten – immerhin noch rund sieben Sekunden schneller als der GT-R.
Im Winter setzt Lamborghini auf Pirelli Sottozero Winter der Größen 235/35 R 19 (vorne) und 295/30 R 19 100V (hinten).
Am Gallrado-Volant braucht es im Winter den geübten Fahrer und einen sanften rechten Fuß: Der Antrieb ist hecklastig, der Motor packt blitzartig zu.
Wer an der direkten Lenkung des Lambo kurbelt, sitzt tief auf sehr straffen Sportsitzen.
Sie wollen richtig viel Geld ausgeben? Dann dürfte der Gallardo LP 560-4 Spyder die erste Wahl sein. Mit seinem Grundpreis von 191.495 Euro ist er das mit Abstand teuerste Auto in diesem Vergleich.
Der Sieg geht an das bis ins kleinste Detail perfekt ineinandergreifende Gesamtpaket
Porsche Turbo. Der Klassenprimus in allen Disziplinen ...
... überzeugt auf Schnee durch ein überragendes Handling mit hohem Sicherheitsniveau.
Das Turboloch war vorgestern: Der doppelt aufgeladene, 3,8 Liter große Sechszylinder-Boxer hat eine extrem sämige Kraftentfaltung. 500 PS und mit Overboost bis zu 700 Nm Drehmoment ...
... reißen den Elfer auch bei Schnee in unglaublichen 7,2 Sekunden auf Tempo 100 (Asphalt: 4,1 Sekunden, 312 km/h Spitze). Die Vollbremsung bei dieser Geschwindigkeit ...
... zwingt die Zuffenhauser Fahrmaschine nach 92,9 Metern in den Stillstand. Auch hier schlägt der
Porsche seine Gegner.
Noch agiler als der GT-R lässt sich der Porsche Turbo um den Handlingparcours werfen. Wie der Nissan scheint das Allradsystem des Turbo genau zu wissen, ...
... was der Fahrer will und hilft mit einem mitlenkenden Heck, zupackenden Reifen und ...
... perfekter Bremse nach. Mit 1:02,70 Minuten spielt der Porsche auf Schnee im Handlingkurs in einer eigenen Liga.
Wie es an diesem Tag scheint, kennt der Turbo ohnehin nur die schnelle Gangart bei gleichzeitig bester Kontrollierbarkeit und – in Maßen – einer nahezu narrensicheren Auslegung, ...
... die selbst im Schnee zu spüren ist. Mit höchstem Vergnügen gibt Testfahrer Guido Naumann dem Schneekönig Porsche 911 Turbo auf der Passstraße die Sporen und durchfährt nach 1:22,06 Minuten die Lichtschranke. Absolute Bestzeit.
Wie der Lamborghini krallt sich auch der Porsche 911 Turbo mit Pirelli Sottozero Winter in den Schnee. Die Dimensionen: 235/40 R 18 91V vorne und 295/35 R 18 99V hinten.
Rundum ein Genuss: Das Cockpit des Elfers gibt keine Rätsel auf, der Allradantrieb arbeitet hervorragend, ...
... die Ergonomie ist perfekt und man sitzt in tiefer Position auf bequemen Sportsitzen.
Der Testsieger langt auch beim Preis ordentlich zu, ohne jedoch nur annähernd das Niveau des Lambo zu erreichen. Inklusive PDK und Sport-Chrono-Paket kostet der Porsche 911 Turbo stolze 154.332 Euro.
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