Quizfrage: Welcher ist hier echt, welcher kopiert? Der fünf Jahre alte Toyota RAV4 (links im Bild) und dessen China-Plagiat Jonway Ufo sehen einander zum Verwechseln ähnlich.
Susanne Feuerherd (39) konnte den Unterschied nicht auf Anhieb erkennen, tippte prompt daneben. Aber was taugt der China-Klon wirklich? Kann der gefälschte Neuwagen dem gebrauchten Original aus Japan die Stirn bieten? AUTO BILD hat die Zwillings-SUV unter die Lupe genommen.
Auch im Preis liegen sie dicht beeinander: Der RAV4 (rechts) kostet als fünfjähriger Zweiliter-Benziner 15.990 Euro, ein brandneuer Ufo ist für den gleichen Preis in der Basisversion zu haben. Der getestete Ufo 2.0 Premium mit Zweiliter-Maschine von Mitsubishi liegt bei 19.990 Euro.
Der RAV4 (links) hat serienmäßig Allrad, im Ufo gibt's nur Frontantrieb. Eine 4x4-Version soll im Juni 2009 folgen – für 1000 Euro extra.
Der 2006 als Dreitürer eingestellte RAV4 (links) ist als Gebrauchter rar – wer einen hat, behält ihn meist. In genau diese Nische will der Jonway Ufo springen.
Bei Beschleunigung und Topspeed hat der Toyota die Nase vorn: Der Japaner bietet 150 PS, der alte Mitsubishi-Motor im Ufo nur 129 PS.
Nach Angaben von Jonway-Importeur Schlössl werden monatlich zwischen "30 und 40 Ufos" verkauft, bald sollen es 150 sein.
Wertig: Das RAV4-Cockpit macht auch nach fünf Jahren und 64.000 Kilometern auf der Uhr noch einen passablen Eindruck.
Allerdings braucht die Klimaanlage im Testwagen ewig, um auf Touren zu kommen.
Im Gebrauchtwagentest von AUTO BILD 2006 leistete sich der Japaner dennoch kaum Schwächen, erreichte vier von fünf möglichen Sternen.
Die Sitze im Toyota sind bequem und robust, geben in Kurven guten Halt.
In Einzelfällen klagten RAV4-Kunden über klappernde Amaturenbretter – im Testwagen ist davon jedoch nichts zu spüren.
Der Zweiliter-Benziner im Toyota beschleunigt den RAV4 in 10,8 Sekunden auf Tempo 100. Dafür braucht der Ufo glatte zwei Sekunden länger.
Äußerlich gleicht der Chinese dem RAV4 wie ein Ei dem anderen. Doch hinter den schicken Fassaden sind gewaltige Unterschiede zu erkennen: Im Innenraum ...
... stinkt der Ufo nach Chemiefabrik, wenngleich das helle Leder einen freundlichen Eindruck macht.
In der "Premium"-Version gibt's im Ufo neben der Lederausstattung eine manuelle Klimaanlage, Rückfahrkamera und ein altmodisches CD-Radio der seltenen Marke Wanchuang.
Holz? Von wegen! Nur billiges Plastik und zudem lieblos angeschraubt. Wie lange das wohl hält?
Unglaublich: Wer etwas kräftiger am Aschenbecher zieht, reißt gleich die umliegende Innenverkleidung mit raus.
Die Holzimitate hätten sich die Ufo-Konstrukteure eigentlich schenken können. Dann lieber gleich hochwertigen Kunstoff nehmen ...
Mit der Schere ausgeschnitten? Mancher Joghurtbecher hat einen hochwertigeren Deckel als die 12V-Steckdose im Ufo.
Die Tachoeinheit scheint dagegen recht gelungen. Was man vom Fahrverhalten des China-SUV leider nicht behaupten kann: Die Lenkung ist schwammig, ...
... nicht nur die Sitze, sondern auch das Fahrwerk des Chinesen ist zu weich. Die Kupplung fühlt sich gummiartig an, nach dem Test wackelt das Pedal. Auch die Schaltwege im Ufo sind zu lang.
Das sieht übel aus: Flugrost an der A-Säule. Zur Erinnerung: Der getestete Jonway ist erst 20 Kilometer jung!
Die breite Fuge im Ufo-Blechkleid ist das eine, der Kantenrost das andere Problem – und das an einem Neuwagen, oje!
Biegsam: Die Tankdeckel-Verkleidung des Ufo erinnert an billiges Duroplast aus den Fünfziger Jahren.
Bisschen früh: Auch am Auspufftopf des Neuwagens aus China zeigt sich bereits Korrosion.
Ungewöhnliches Zubehör: Im Handschuhfach des Chinesen lag eine Dose Farbe – sicher ist sicher, falls der Ufo während der Fahrt seinen Lack einbüßt.
Fazit: Wer knapp 16.000 Euro übrig hat, sollte das Geld lieber in einen gebrauchten Toyota RAV4 stecken - mit solider Qualität. Beim Ufo ist noch zu viel unbekannt: Langzeitqualität, Crashverhalten, Alltagstauglichkeit, Wertverlust. Hinzu kommen die Rost-Probleme. Mit einer noch dreisteren China-Kopie ...
... sorgte der chinesische Autobauer Geely Mitte April 2009 auf der Shanghai Auto Show für Aufsehen. Mit der Limousine "GE", einem Plagiat des Rolls-Royce Phantom, will der Hersteller sein Markenimage aufbessern.
Das verriet Geely-Boss Jie Zhao in Schanghai AUTO BILD-Reporter Claudius Maintz. AUTO BILD hatte die Kopie am 16. April 2009 weltexklusiv gezeigt.
Auch die Galionsfigur "Emily" ist abgekupfert. Von wegen, sagt Zhao: Auf dem Grill throne eine chinesische Göttin namens Change, die sonst vor allem in Drachenbooten zu finden sei.
Vely blitish soll der "Lolls-Lloyce" aussehen, wie wir den dreisten Phantom-Klon flugs tauften. Offiziell heißt er Geely GE, doch ganz offiziell darf es ihn eigentlich gar nicht geben.
Das Abbild des Rolls-Royce Phantom stimmt mit dem Original auf den Millimeter überein - zumindest in der Karosserielänge.
Möglicherweise wollte sich der Chef von Geely ursprünglich bloß eine standesgemäße Motor-Sänfte organisieren. Doch mit der Entscheidung, sie auf der Shanghai Auto Show auszustellen, dürfte er zu weit gegangen sein.
Doch die Chinesen machen offenbar ernst. Für die Serienproduktion ist laut Geely-Chef Zhao ein V6 aus eigener Entwicklung vorgesehen. Eine auf der Messe gezeigte Version könnte noch in diesem Jahr in Serie gehen - für rund 112.000 Euro.
Das Interieur sieht hochwertig aus, ist es aber nicht. Immerhin, so gestand Zhao, nutze der Geely-Vorstand die Limousine für Dienstfahrten.
Zumindest in der Inneneinrichtung unterscheidet sich die Fälschung wesentlich vom Original: Im Fond ist keine Sitzbank, sondern ein wahrer Thron eingerichtet.
Die entspricht wohl eher den Wertvorstellungen eines Bonzen denn denen eines aufgeklärten westlichen Aristokraten.
Und hier - nur zum Vergleich - das Original aus England: Gestatten, mein Name ist Phantom. Rolls-Royce Phantom. Doch selten wagen sich Chinas Auto-Kopisten an solch große Brocken heran. Lieber noch ist ihnen ...
... der Smart. Na, ist der nicht gut gelungen? Kujau wäre zufrieden gewesen. 110 Kilometer Reichweite, vier PS, 45 km/h Spitze. Als "Intuga" sollte er sogar nach Deutschland kommen.
Doch daraus wurde - vorerst - nichts, ein deutsches Gericht machte dem Spuk im Herbst 2008 ein Ende. Wir haben ihn trotzdem auf Herz und Nieren getestet.
Batterietechnik und Antrieb sitzen unter der Motorhaube. Das "GS" im Kühlergrill ist ein Fantasiename.
Allenfalls eine Lachnummer: wackelige Schalensitze, Pedale in der Mitte und allerbilligstes Plastik.
Beate Gestenberger, Einzelhandelskauffrau, würde den China-Smart kaufen: "Ein handlicher Kleinwagen, 6500 Euro sind ein Wort", ist ihre Meinung.
Ob das klappt? Anders als beim Original öffnet sich die Heckklappe zur Seite.
Jungfernfahrt mit roter Nummer: Für eine reguläre Zulassung ist der Flybo 6000ZK (so die Werksbezeichnung) noch zu unsicher.
Armselige Armaturen: Pfeilschalter für Vorwärts- und Rückwärts sowie für die Warnblinkanlage.
Beim Testen des Klons stellt sich schnell heraus, dass sein Innenleben mit dem des realen Smarts nicht viel gemeinsam haben kann.
Und nun werfen wir einen Blick hinter die Kulissen: Still und heimlich kopieren chinesische Hinterhof-Werkstätten unseren Smart.
Rund ein halbes Dutzend solcher Copyshops werkelt in ganz China still und vor allem heimlich vor sich hin. Die Arbeiter bauen in dieser Fabrik täglich etwa zwei Fake-Smarts. Oder besser: Sie basteln. Denn mit modernem Autobau hat das Werkeln in Dezhou wenig zu tun.
In einer langen, schmalen Halle sitzen sich ein Mann und eine Frau gegenüber. Wie alle hier tragen sie einen simplen Mundschutz aus Stoff. Von morgens bis abends legen sie Glasfasermatten auf ein Stück Plastik.
Beißende und giftige Dämpfe stehen im Raum, der kaum wärmer als null Grad ist. 180 bis 200 Euro pro Monat zahlt die Bastelbude ihren Leuten für den Job in der verpesteten Luft, fast doppelt so viel wie üblich.
Und das kommt dann raus, wenn Chinesen Autos bauen. Soll das ein Kugelfisch sein? Nein, laut Hersteller Huoyun sei das ein Auto für Kinder. Daneben...
... befindet sich ein Elektro-Winzling von Flybo, der ebenfalls für den Export bestimmt ist. Abnehmer: Kunden aus Südafrika, Neuseeland, Russland und neuerdings auch in den USA.
Eine absolute Ausnahme in den Werkstätten: Hier präsentiert Huoyun ein bislang namenloses Gefährt. In dem Wirrwarr von Plagiaten kann dieses "Auto" als erster Gehversuch gewertet werden, etwas Eigenes zu kreieren.
Nach drei bis vier Tagen ist eine Rohkarosse fertig. Draußen schleift ein Mann die Gebilde aus Fiberglas ab, in einer stockdunklen Halle ...
... nebenan blitzen Funken auf. Zwei Angestellte schweißen hier die Metallrahmen zusammen – das Chassis.
Später pflanzen Kollegen die Karosserie drauf – fertig. Eine knappe Woche dauert es, bis eine so zusammengeschusterte Kopie des Smart montiert ist.
Anders als in Europa und in Amerika sind Menschen im Reich der Mitte um ein Vielfaches billiger als Maschinen. Verkehrte Welt.
Der Firmenchef beschäftigt Wanderarbeiter aus dem ganzen Land, nachts schlafen sie auf dem Fabrikgelände in stickigen Mehrbettzimmern. Das Schrauben haben sie in Hinterhofwerkstätten gelernt.
Die Polizei stoppt die Fälscher nicht – sie bestellt lieber gleich selber ein paar Modelle. Kopieren gilt in China als Anerkennung für das nachgeahmte Produkt – als Lob und nicht als Straftat.
Ab 3970 Euro gibt es vier PS und 260 Lithiumionen-Batterien die den Elektro-Klon angeblich 220 Kilometer weit antreiben und 50 km/h Spitze ermöglichen sollen.
Plug and Play: Einfach ran an die Steckdose und schon fährt das chinesische Plagiat.
Der Unterschied lässt sich kaum erkennen. Einen wirksamen Kopierschutz hat Smarts Konzernmutter Daimler auch 15 Monate nach dem Bekanntwerden der ersten Smart-Klone immer noch nicht gefunden.
Aber auch andere Marken sind nicht vor dem Kopieren gefeit: Hier mit einer Schnauze von Toyota oder ...
... auch unverkennbar von BMW. Der Chef habe die Idee zur Smart-Kopie auf einer Deutschland-Reise gehabt und sich ein Original mit nach Hause genommen.
Auf Kollegen aus den anderen Copyshops sind die Firmenbosse gar nicht gut zu sprechen: "Die haben uns diesen Wagen nachgemacht", sagt er. Kopierer beschuldigen Kopierer des Kopierens. Willkommen im Herzen Absurdistans.
Ein Kernsatz der Richter lautet: "Gewöhnlich schließen Verbraucher aus der Form der Ware nicht auf die betriebliche Herkunft." Übersetzt: Die Form eines Autos genießt grundsätzlich keinen Markenschutz.
Obwohl emsige Arbeiter alles von Hand anfertigen, ist die Qualität unter aller Kanone. Urteil unter dem Strich: noch kein Auto, eher ein besserer Golfkarren.
Viele bunte Smarties: Wer will, kann schon bestellen. Fast alle Firmen haben schöne Prospekte gedruckt.
Daimler ist machtlos gegen die im ganzen Land ebenso verstreuten wie versteckten Smart-Fälscher. Kapituliert der Weltkonzern vor einer versprengten Truppe chinesischer Produktpiraten?
Und wie fährt sich die Kopie? Auf den ersten Metern machen alle drei gefahrenen China-Smarts durchaus Spaß: super Drehmoment, tolle Beschleunigung. Doch ...
... beim Bremsen kommen die ersten Zweifel. Einige der Fake-Fahrzeuge verzögern miserabel. Das macht Angst, denn die stärkste Version ist dank Lithium-Ionen-Batterien immerhin 75 km/h schnell.
Wer mehr über den ausgeprägten Nachahmungstrieb der Chinesen erfahren will, besucht eine lokale Automesse - zum Beispiel die in Peking. Sie entpuppt sich als riesige Party der Plagiate – geklaut wird völlig schamlos. So hat sich der chinesische Hersteller ShuangHuan ...
... den bayerischen BMW X5 wohl ganz genau angeschaut. Ähnlichkeiten sind aber natürlich rein zufällig!
Dreiste Nummer: Diesen Schriftzug entdeckte AUTO BILD an einem China-Kleinwagen unbekannter Herkunft. Normalerweise ...
... befindet sich dieses Emblem an BMW-Hintern.
Historische Sensation: Erstmals vereint sind hier ein Mercedes und ein BMW-Emblem. Dreister geht es nicht – völlig ungeniert ...
... klaute sich BYD (steht für "Build your dreams", Baue deine Träume) die Original-Front vom ...
... Mercedes CLK (hier das Vorbild). Dahinter folgt ein Mix aus SLK und Renault Mégane CC. Das geklonte Cabrio-Coupé soll angeblich auch zu uns kommen – "für deutlich weniger als 20.000 Euro".
Bayern-Brüder: Dies ist ein 3er BMW. Die Kopie von BMW-Kooperationspartner Brilliance ...
... sollte 2007 zu uns nach Deutschland kommen. Doch bisher ist Brilliance an den EuroNCAP-Crashtests jämmerlich gescheitert. Den letzten Versuch dokumentierte der ADAC: 0 Punkte!
Das sieht ihm ähnlich: Der Peri von Great Wall (deutsch: Große Mauer) kupfert schamlos ...
... das Heck des Nissan Note ab. Vorn ließ er sich ...
... die Nase vom Skoda Roomster (Foto) modellieren. Was für eine Monsterparade!
Gut geklaut: Der Florid, ebenfalls von Great Wall, leiht sich ...
... die Schnauze vom Toyota Yaris. Bezahlt wird dafür nicht.
Krieg der Kopien: Gegen das US-Vorbild ...
... wirkt der China-Hummer von DFM zerbrechlich und übelst zusammengebraten. Dafür kostet er nicht einmal die Hälfte.
Studienobjekt: Die "Rote Fahne" war bislang als Staatslimousine bekannt. Heute kopiert der Hersteller ...
... deutsche Studien wie den Maybach Exelero.
Nicht die feine Art von Great Wall: Ob die Designer beim Coolbear ...
... wohl zufällig an den Daihatsu Materia dachten?
Da hat der Blitz eingeschlagen: Diese Jac-Studie ...
... trägt ganz offensichtlich Opel GT-Gene in sich.
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