Wer zeigt hier wem das Heck? AUTO BILD hat vier kompakte Diesel aus der GTI-Liga zum Vergleich gebeten. Sie alle haben ordentlich Dampf unter der Haube und versprechen niedrigen Verbrauch.
Die rennen wie geölt: Der VW Golf GTD, einst Urvater der sportlichen Turbodiesel muss heute gegen noch stärkere Konkurrenten antreten: BMW 120d, Mazda3 MZR-CD und Lancia Delta 1.9 Twinturbo (von rechts).
Der Italiener bringt Form und Farbe in die Golf-Klasse. Technisch ist er allerdings unterlegen. So reicht es für den Lancia Delta nur zu Platz vier mit 283 von 500 möglichen Punkten.
Mehr geht nicht, zumindest nicht in diesem Vergleich: Mit 190 PS und 400 Nm Drehmoment hat der 1,9 Liter große Vierzylinder die meiste Kraft. Obenraus mit viel Elan, ...
... doch bei niedrigeren Touren wirkt er klebrig und wühlt sich durch ein kleines Turboloch. Genau das soll eigentlich die zweite, kleinere Turbine stopfen. Ziel verfehlt. Trotzdem stürmt der Lancia in 8,1 Sekunden auf Tempo 100 und ...
.. erreicht maximal 222 km/h. Jenseits von 160 km/h wird der Motor arg dröhnig. Bei hohem Tempo nervt der Lancia mit miserablem Geradeauslauf. Schlechte Straßen mag er auch nicht, rollt polternd ab und zittert wie ein sizilianischer Pizzabäcker vor der Mafia.
Der Blick auf den Lancia Delta ist eine Wohltat. Er bleibt hängen am spiegelnden Glasheck, tastet dann die LED-Bumerang-Rückleuchten ab und wandert ganz langsam die zweifarbige Karosserie (1150 Euro) entlang, um schließlich an der spitzen Retro-Nase und den scharfen Adleraugen zu verharren. Kein Zweifel: Der Delta ist in erster Linie was fürs Auge.
Italienisches Wohlfühlprogramm: Edle Leder-/Alcantara-Sitzbezüge (serienmäßig ab Ausstattung "Oro") empfangen den Lancia-Liebhaber wie eine Designer-Couch von Philippe Starck.
Der Delta ist ein Auto für Individualisten, die lieben und kleine Fehler deshalb verzeihen können. Wie ein Butler krümmt sich die Mittelkonsole zum Fahrer, aber ...
... die teilweise kryptische Bedienung erfordert Hingabe. Dazu kommen die gefühllose Lenkung, lange, unpräzise Schaltwege, sowie ein relativ hoher Testverbrauch von 6,3 Litern auf 100 Kilometer.
Eine City-Lenkhilfe ist serienmäßig an Bord, der Spurhalte-Assistent kostet 500 Euro Aufpreis. Mit einem Grundpreis von 27.900 Euro ist der Lancia das zweitgünstigste Angebot dieses Vergleichs.
Im Kofferraum des Delta bleibt eine hohe Stufe. Dafür sind die Rücksitze zusätzlich asymetrisch verschiebbar. Das Volumen: 380 bis 1190 Liter.
Viel Hubraum, viel Kraft, viel Platz – der Mazda3 macht nicht viel falsch. Nur agiler dürfte er sein. Am Ende holt der Japaner 327 Punkte und Platz drei.
Mit 2,2 Liter Volumen fährt der Mazda3 MZR-CD neben Honda Civic und Toyota Auris den hubraumstärksten Diesel der Kompaktklasse auf. 185 PS und 400 Nm Drehmoment sind ein Wort, ...
... beim Beschleunigen hilft das aber nichts. Mit 8,2 Sekunden von 0 auf Tempo 100 und 213 km/h Spitze fährt er den drei Konkurrenten – wenn auch knapp – hinterher. Der Testverbrauch: 6,3 Liter auf 100 Kilometer.
Einen dicken Tadel gibt’s für die Lenkung. Bei abrupten Spurwechseln, etwa wenn ein Ball auf die Straße rollt, verhärtet sie und behindert das Ausweichmanöver. Überhaupt dürfte der Mazda agiler sein und weniger untersteuern.
Klarglasleuchten lassen den Mazda3 sportlich wirken. Der kleine Knopf verriegelt die Heckklappe.
Dass ein Facelift kein Fortschritt sein muss, belegt das etwas wirre und unaufgeräumte Cockpit. Der Klappmonitor ist weg, ...
... dafür gibt es nun ein zu kleines Mäusekino. Das Lenkrad ist mit 17 Schaltern völlig überfrachtet. Zwei statt wie früher drei Instrumente sind kein Vorteil.
Beim maximalen Kofferraumvolumen macht sich die große Außenlänge bezahlt. Er schluckt bis zu 1360 Liter. Minimalvolumen: 340 Liter.
Die billigesten Plätze in diesem Vergleich: Der Mazda3 2.2 MZR-CD kostet nur 27.800 Euro und bietet dafür viel Auto. Ganz klar, das ist der Preis-Leistungs-Sieg.
Der 120d ist der sportlichste Diesel unter den Kompaktmodellen, für eine glatte Eins reicht es wegen des geringen Platzangebots trotzdem nicht. 331 Punkte lassen den bayerischen Dynamiker auf Platz zwei fahren.
Der zwei Liter große Vierzylinder des BMW ist längs eingebaut und treibt die Hinterräder an. Mit seinen 177 PS und 350 Nm Drehmoment ...
... gelingt es dem 120d als einzigem, beim Sprint die Acht-Sekunden-Marke zu knacken. In 7,8 Sekunden ist er auf Tempo 100. Auch 228 km/h sind Spitze in diesem Vergleich.
Zielgenau folgt der 120d dem Lenkeinschlag, Traktionsprobleme kennt er nur, wenn es nass ist. Schnell hat man das Gefühl, mit diesem Auto zu verwachsen.
Deutlich bequemer: Auf schlechten Straßen prügelt der 1er seine Insassen nicht mehr so durch, wie wir das von früheren Testwagen kannten. BMW hat offenbar die Run-flat-Reifen geschmeidiger gemacht.
Am Arbeitsplatz des BMW regiert kühle Ergonomie. Monitor und Klimaautomatik sind perfekt positioniert. Allerdings kostet beides Aufpreis (Navi ab 1840, Klima 1540 Euro). Mit 28.700 Euro (inklusive Servotronic) bleibt der 1er preislich im Rahmen.
Sparsam: Mit glatten sechs Litern auf 100 Kilometer verbraucht der 120d am wenigsten. Die Werksangabe von 4,6 Litern ist allerdings deutlich zu optimistisch.
Mehr Musikgenuss: USB- und Aux-Eingang zum Anschluss von iPod und Co.
Internet im Auto gibt es nur bei BMW. Die Jahres-Flatrate kostet 150 Euro.
Der BMW-Kofferraum gleicht dem des Golf: Die Lehnen fallen geteilt, steigen aber an. Das Volumen beträgt 330 bis 1150 Liter – kleiner ist keiner.
Platz eins mit 354 Punkten: Der VW Golf GTD glänzt als bester Allrounder. Als ruhiger Gleiter oder bissiger Diesel-GTI.
Aus exakt 1968 cm³ holt der Golf-Motor 170 PS und 350 Nm Drehmoment. Der Urvater aller Turbodiesel präsentiert sich als perfekter Schnellsparer. Geschmeidig, leise, zurückhaltend rollt er dahin, gibt sich mit 6,1 Litern Diesel zufrieden. Ein entspannter Reisewagen erster Güte, ...
... der aber auch die schnellere Gangart beherrscht. In 8,1 Sekunden geht es auf Tempo 100, erst bei 220 Sachen ist Schluss. Selbst bei 180 km/h packt der TDI-Zweiliter noch vehement zu und klingt dabei wie ein Sportwagen.
Trotz der großen Räder bietet der GTD hohen Abrollkomfort. Seine Lenkung punktet mit optimaler Präzision, und bei schneller Kurvenfahrt fühlt er sich fast so handlich und neutral an wie der BMW.
Entscheidend für den guten Eindruck ist auch der hochwertige Innenraum – der liegt auf 1er-Niveau. Edelstahlpedale, abgeflachtes Lenkrad mit GTD-Schriftzug und ...
... ganz besonders die gut konturierten Sitze mit Karo-Muster zaubern das stimmige Sport-Flair ins Cockpit.
Wer’s krachen lassen will, stellt DCC-Fahrwerk sowie Schaltknauf auf Sport, drückt auf die DSG-Wippen am Lenkrad und dreht die Gänge aus. Nun bläst der brave Golf plötzlich zur Attacke. Blitzartig wechselt er die sechs Fahrstufen. In einer für Diesel untypischen Tonlage schießt er los.
Falten und umlegen: Der Golf ist kein gutes Vorbild in Sachen Variabilität. Es gibt keine ebene Ladefläche, die Kopfstützen müssen beim Erweitern des Kofferraums raus. Das Volumen: 350 bis 1305 Liter.
VW, stand das nicht für Volkswagen? Beim Preis für den GTD kommen uns Zweifel: Ab 27.475 Euro ist die Diesel-Rakete zu haben. Geht ja noch. Doch in der getesteten Form ...
... mit adaptivem Fahrwerk, DSG und 18-Zoll-Rädern kostet der Fünftürer schon 31.660 Euro. Ist er das wert? Klare Antwort: ja!
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jörg Maltzan: "Die Legende lebt. Anders kann man den deutlichen Sieg des Golf GTD nicht loben. Er ist schnell. Er ist sparsam. Und er ist vielseitig einsetzbar. Anders der Mazda: Das Facelift ...
... hat ihn verschlechtert statt verbessert – nur Platz drei und damit hinter dem erheblich kleineren, teureren, ...
... aber fahraktiveren BMW. Dem Lancia dagegen verzeihen wir seine Schwächen. Er fährt in seiner eigenen Welt."
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