Vier leckere Diesel-Limousinen, die gut in die Zeit passen: Mit Mercedes C 250 CDI, Audi A4 2.7 TDI, BMW 325d und Saab 9-3 1.9 TTiD gibt es immer noch reichlich Auto für Rotstift-Opfer.
Currywurst statt Kaviar? Beim Premiumgefährt fällt das Sparen nicht ganz so schwer. Denn auch kleinere Typen beherrschen die Kunst der Verführung perfekt. Wer es am besten kann, klärt der AUTO BILD-Vergleich.
Lust auf einen Schweden-Happen? Dann lockt der Diesel-Saab – auch wenn er schon mal aufstößt. Man merkt dem 9-3 an, dass er nicht mehr taufrisch ist und mittlerweile sieben Jahre auf dem Buckel hat. So reicht es nur zu 303 von 500 Punkten und dem vierten Platz.
Im 9-3 arbeitet ein Vierzylinder-Diesel, der dank Biturbo-Aufladung aus 1,9 Litern Hubraum 180 PS und 400 Nm Drehmoment holt. Lautstark und herzhaft vibrierend gibt er dem Schweden Zunder. Umso erfreulicher, dass sich sein Durst in bescheidenen Grenzen hält: nur 6,5 l/100 km Testverbrauch, der Sparsamste im Vergleich.
Abgeschlagen: Der Saab sprintet in 8,8 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht maximal 225 km/h – das kann die Konkurrenz deutlich schneller. Beim Fahren geht er hemdsärmelig zur Sache. Sein auf sportlich getrimmtes Fahrwerk beutelt die Insassen auf schlechten Straßen kräftig.
Bekanntes Bild: Der 9-3 zeigt das Saab-typisch kühle Cockpit.
Selektiv: Die Instrumente lassen sich bei Nacht bis auf den Tachometer wegdimmen.
Reminiszenz an die Vergangenheit: der zwischen den Sitzen platzierte Zündschlüssel.
Alles im Griff: Spiegelverstellung mit Anklapp-Automatik.
Innen und vor allem auf der Rückbank ist der Saab enger als die Konkurrenz, ...
... auch das Gepäckabteil hat mit 425 Litern das kleinste Platzangebot.
Lobenswert: Notrad statt Klebstoff und Luftpumpe.
Für den 9-3 1.9 TTiD verlangt Saab mindestens 36.800 Euro. Das billigste Angebot dieses Vergleichs ist der Schwede damit nicht.
Im Sport wäre es ein Fotofinish. Denn so knapp wie der Audi mit 338 Punkten landet nur selten einer im Vergleichstest auf dem dritten Platz. Dritter Sieger also, und das bedeutet: Wer am A4 2.7 TDI Schwächen finden will, muss schon ganz genau hinsehen.
Sehr geflegt und spürbar premium: der sahnige Sechszylinder-Diesel. In seinen 2.7 Litern Hubraum schlummern 190 PS und 400 Nm Drehmoment.
Nur knapp vor dem Saab: Der Audi beschleunigt in 8,4 Sekunden von 0 auf Tempo 100. Mit 239 km/h Spitze hängt der A4 den 9-3 allerdings recht deutlich ab. Leider auch beim Verbrauch: Mit 7,5 Litern auf 100 Kilometern schluckte der Ingolstädter am meisten.
Für quicke Fahrer ist der große Diesel im A4 ein gemischter Segen. 60 Prozent des Gewichts lasten hier auf der Vorderachse, das sind über drei Zentner mehr als im BMW. Kein Wunder, dass der Audi träger auf Lenkbewegungen reagiert, insgesamt weniger agil wirkt.
Überzeugend ist aber der insgesamt angenehme Federungskomfort (Testwagen mit Dämpferregelung), ...
... auch die bequemen Sitze und den hohen Geräuschkomfort kann der Ringträger auf der Habenseite verbuchen.
Immer wieder eine Freude: Qualität, wohin der Blick auch schweift. Da setzt der Audi nach wie vor die Maßstäbe. Und hübsch gestylt ist das Cockpit auch.
Wie man sich täuschen kann: Gemessen ist der Audi etwas geräumiger, gefühlt eher enger.
Platz satt: Mit 480 Litern Fassungsvermögen gibt der Audi-Kofferraum den Lademeister dieses Vergleichs.
Gutes Angebot: Den Audi A4 2.7 TDI gibt es für 38.800 Euro inklusive Drive select (300 Euro), Dämpferregelung (1100 Euro) und Dynamiklenkung (1000 Euro).
Wenn Sparen Spaß machen soll, dann ist der 3er mit Diesel immer noch ein sicherer Tipp. Mit 340 Punkten landet der BMW hauchdünn vor dem Audi auf dem zweiten Platz dieses Vergleichs.
Er untertreibt, dieser Typ: 325d steht hinten am Kofferraumdeckel, aber in Wahrheit schöpft der Motor vorne aus drei Litern Hubraum. Kein Wunder, dass dabei 197 PS und 400 Nm Drehmoment herausspringen.
Der 325d braucht nur 7,7 Sekunden bis er 100 km/h erreicht, maximal sind 235 km/h drin. In Sachen Vorwärtsdynamik findet der BMW allerdings im Mercedes (knapp) seinen Meister – ein seltenes Ereignis.
Der Selbstzünder rumort vernehmlicher, als es ein Reihensechszylinder erwarten lässt. Ansonsten bietet der 325d aber alle Vorzüge, die wir an BMW schätzen: Er sticht mit Gusto in die Kurven, ...
... wedelt noch freudiger über gewundene Landstraßen als der Mercedes und bietet als Hecktriebler dank stufenweise abschaltbarem ESP zusätzliches Spaßpotenzial.
Wer auf gehobenen Komfort Wert legt, sollte freilich besser im Audi oder Mercedes Platz nehmen. Die straffe Federung beschönigt nichts – das mag den Fahrbahnkontakt fördern, ...
... sorgt aber im Passagierraum bisweilen für Turbulenzen. Die Sitzposition im BMW ist optimal, ...
.. die Instrumentierung etwas sparsam. An die markentypischen Lankradhebel muss sich ein BMW-Neuling erst gewöhnen.
Ärgernis beseitigt: Das überarbeitete iDrive mit Zusatztasten (gegen Aufpreis) arbeitet besser als das frühere System.
Wirklich besser als ein klassischer Zündschlüssel? Der Startknopf ist beim 3er serienmäßig mit an Bord.
Auf dem Papier überzeugt der BMW mit den besten Innenmaßen, das Raumgefühl ist aber nicht wirklich üppig.
Nachteil BMW: Der Kofferraum verpackt 460 Liter, die Zuladung des 3ers ist mit 409 Kilogramm zu gering.
Mit 36.750 Euro unterbreitet BMW in diesem Vergleich das beste Angebot. Der Unterhalt eines 325d ist zudem günstig, beim Tanken gibt es zusätzliche Spareffekte: Mit einem Testverbrauch von 6,6 l/100 km ist der Bayer unter den Sechszylindern das Genügsamkeitswunder.
Platz eins mit 343 von 500 möglichen Punkten: Die rundum beste C-Klasse trägt eine 250 im Namen. Der neue Dampfmacher im Bug gibt am Ende den Ausschlag für den Testsieg.
Keine Frage: Mit diesem Motor setzt der Stern an der Dieselfront Maßstäbe. Der Vierzylinder mit dem etwas rauen Klang holt dank zweier Turbolader aus exakt 2143 cm³ Hubraum 204 PS und 500 Nm Drehmoment – die kräftigste Maschine in diesem Vergleich.
Eine 1,7 Tonnen schwere Komfortlimousine, die 250 km/h schnell ist, in nur 7,3 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigt, aber im Test ...
... gerade mal 7,0 l/100 km verkostet, das hätten wir vor ein paar Jahren noch als physikalisches Wunder abgetan. Nun gibt es sie zu kaufen.
Abseits der Autobahn überrascht der Benz mit quirligem Handling – nicht ganz auf BMW-Niveau, trotzdem sehr vergnüglich.
Ausgewogen: Die C-Klasse ist keine Sänfte, aber ihre Federung steckt Unangenehmes zuverlässig weg.
Das Mercedes-Cockpit ist übersichtlich, bietet eher schlichtes Design. In der "Prime Edition" kommt der C 250 CDI mit Lederlenkrad und Alu-Zierrat.
Es sitzt sich bequem im Benz, das Raumangebot reicht aus, ...
... was natürlich auch für die Plätze in der zweiten Reihe gilt.
Mit 475 Litern gehen ins Mercedes-Gepäckabteil nur fünf Liter weniger als in das des Audi.
Der C 250 CDI ist teuer, jedenfalls noch so lange, wie er ausschließlich in der "Prime Edition" mit üppiger Ausstattung verkauft wird. Die kostet stolze 41.353 Euro.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Wolfgang König: "Verdient hat der C 250 den ersten Platz auf jeden Fall. Was das Auto kann und wie wenig es dafür verbraucht, das ist schon Spitze. Beeindruckend aber auch der gediegene Audi und der stramme BMW. Dagegen wirkt der Saab reichlich verstaubt."
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