In Zukunft sollen wir alle elektrisch fahren. Aber wie gut funktioniert das eigentlich schon heute? AUTO BILD hat den Test gemacht mit
Smart ED,
Mini E, Karabag 500 und
Mitsubishi i-MiEV (von links).
Unser Mitarbeiter steht auf dem Schlauch: Geht dem Elektroauto der Saft aus, wird Pannenhilfe schwierig. Wo auf die Schnelle Strom herkriegen? Aber nicht nur die geringe Reichweite kann sich unter Umständen als schwierig erweisen, auch die Anschaffungskosten für die E-Mobile sind noch reichlich hoch.
So haben wir getestet: Auf einer für die Elektroautos abgestimmten Testrunde (mit überwiegend Stadtanteil, leichten Steigungen, kurzer Autobahnetappe mit Höchstgeschwindigkeit 100) haben wir die maximal mögliche Reichweite ermittelt. Beim Aufladen haben wir dann die verbrauchte Energie festgehalten, daraus die Stromkosten pro Kilometer errechnet.
Auf dem vierten Platz landet der
Mini E. Kaufen kann man ihn nicht – aber immerhin haben ein paar Fahrer aus Berlin das Glück, einen der 150 kW starken Minis mieten zu können. In der Hauptstadt lässt Mini 50 Autos in einem werbewirksamen "Feldversuch" laufen. Für die Auserwählten ...
... kostet der Spaß ab 400 Euro im Monat (kräftig von Mini subventioniert), nach einem halben Jahr muss der vom Betreiber auserwählte Nutzer den Wagen leider wieder abgeben.
Die Akkus speichern 35 kWh Energie – nach rund fünf Stunden an der 230-Volt-Steckdose sind sie wieder aufgeladen.
Ungewohntes Bild: Wo sonst Cooper-PS hausen, surren beim E-Mini 150 kW.
Statt Drehzahlmesser: Die Uhr zeigt die Energiereserven an.
Typisch Mini: Der Arbeitsplatz des kleinen Stromers zeigt sich in der gewohnten Optik – bis auf den Wählhebel. Er weist auf automatisches Beschleunigen hin.
Das typische Mini-Fahrgefühl ist dem Elektroauto erhalten geblieben. Auf Lenkbefehle reagiert der Mini ohne Umschweife, agil und sicher wirft sich das E-Auto in die Kurve. Das hohe Gewicht (fast 1,5 Tonnen leer) lässt den E-Mini satt auf der Straße liegen, die Federung arbeitet straff, aber nicht nervig hart. In engen Kurven ...
... muss die Elektronik viel Kraft der E-Maschine reduzieren, um den Wagen in der Spur zu halten. Die Bremse verlangt Eingewöhnung: Beim Gaswegnehmen verzögert der Wagen mithilfe der E-Maschine (sie wirkt dann wie ein schwer drehender Dynamo) selbsttätig sehr kräftig. Ungefähr so stark wie bei einer mittleren Bremsung.
Das riesige Akku-Paket macht den Mini unbezahlbar teuer, sorgt aber für üppige Reichweite (154,4 Kilometer – Bestwert im Vergleich) und für ein Spitzentempo von 144 km/h. Die Rückbank entfällt. So ist der Mini nur ein besonders schwerer Zweisitzer. Gepäck kann eh kaum mit, sitzen zwei Erwachsene an Bord, darf der Mini nur rund 25 Kilogramm zuladen.
Das Fazit: Den Fond voller Akkus – so schleppt der Mini reichlich Energie mit. Gut für die Reichweite – schlecht im Alltag. Preis pro Kilometer: 4,7 Cent.
Platz drei geht an den Smart. Elektromobilität ist Großstadtverkehr – das passt ja per se zum Fortwo. Die Formel hat sich der
Smart ED entsprechend auch besonders fett auf die Fahne geschrieben, ...
... den 30 kW starken Elektro-Zweisitzer, der seinen Antrieb wie gewohnt im Heck trägt, auch gar nicht erst auf Fernreisen oder schnelle Autobahn-Hatz getrimmt. Der Fortwo wird so nur 100 km/h schnell, ...
... schafft dafür aber mithilfe der Akkus (16,5 kWh Energiekapazität) stolze 136,8 Kilometer am Stück, bevor er wieder an die Steckdose muss.
Hier geht es rund: Reichweitenanzeige im Smart ED.
Dank der E-Maschine fährt der ED sogar besser als ein normaler Smart. Er kommt ohne das nervig ruckelnde Automatikgetriebe des Normalos aus. In Stellung D zischt der E-Smart aus dem Stand heraus wie am Gummiband gezogen davon, lässt allerdings bei zunehmendem Tempo etwas nach, nur kurzfristig stehen bei Kickdown statt 20 immerhin 30 kW zur Verfügung.
Das Fahrgeräusch ist – speziell im Schubbetrieb – auffallend kräftig, aber nie nervig. Der Abrollkomfort leidet unter dem höheren Gewicht, die Federn geben auf Absätzen kaum nach. Noch hat Smart viel Zeit, das für die Serienmodelle nachzubessern – erst 2012 kann jeder Kunde einen ED bestellen.
Das Fazit: Das Konzept stimmt, aber wir müssen warten. Unspektakulär, aber sehr effektiv – warum gibt es den E-Smart nicht offiziell? 700 Euro Gebühr im Monat sind definitiv zu viel. Preis pro Kilometer: 3,4 Cent.
Auf den zweiten Platz fährt der Karabag. Er könnte auch als
Fiat 500 durchgehen – kein Wunder, denn das E-Mobil aus Hamburg ist ja nichts anderes als ein umgebauter Italiener. Entsprechend alltagstauglich zeigt sich der Karabag 500E im Umgang, ...
... vier Mann passen rein, der Kofferraum schluckt klassenüblich viel Gepäck, auf Wunsch gibt es sogar beheizte Sitze, und ab Werk sorgt eine Benzin-Standheizung für Wärme. Im Innenraum ist alles Fiat, bis auf den Hupenknopf – das Original-Logo erlauben die Italiener nicht.
Umprogrammiert: Das ansonsten serienmäßige Instrument zeigt im Karabag den Ladezustand der Akkus.
Eine Plastikkappe verdeckt den gesamten Antrieb des Karabag. Links zu sehen: Der Behälter für das Kühlwasser, mit dem der Elektromotor gekühlt wird. Seine 30 kW reichen, ...
... um im Verkehr locker mitzuschwimmen und den 500er immerhin auf Tempo 110 zu beschleunigen. Wer die 22 kWh Kapazität der leichten Lithium-Polymer-Akkus voll ausnutzt, kommt beachtliche 130 Kilometer weit. Allerdings empfiehlt die Bedienungsanleitung, ...
... die Kraftpakete nicht vollständig leer zu fahren (20 Prozent Rest), um deren Lebensdauer nicht einzuschränken – dann reicht die Energie nur für 111 Kilometer. An der 230-Volt-Steckdose lädt der Karabag in rund sieben Stunden wieder auf.
Nervige Schwäche des immerhin knapp 60.000 Euro teuren 500ers: Anfahren am Berg mag er nicht, bei mehr als fünf Prozent Steigung (zum Beispiel Parkhausrampen) setzt er sich nicht mehr in Bewegung. Das will Karabag ändern, ...
... ab Ende November eine modifizierte Getrieberegelung anbieten. Großer Pluspunkt: der 500E ist sofort verfügbar (im Gegensatz zu den "Versuchsmodellen" Smart ED und Mini E).
Das Fazit: Im Umgang zeigt sich der Karabag – bis auf kleine Technikschwächen – unkompliziert. Aber er ist in der Anschaffung viel zu teuer. Preis pro Kilometer: 3,6 Cent.
Sieger dieses Vergleichs ist der
Mitsubishi i-MiEV. Auf den ersten Blick wirkt der Japaner ja etwas ärmlich. Dürre Dachsäulen, schmale Reifen, schlichtes Design – der schmale Viertürer sieht eher nach Billigauto als nach zukunftweisendem Elektromobil aus, ...
... dabei fährt er am besten in diesem Vergleich. Er federt ausgesprochen erwachsen, liegt tadellos auf der Straße, summt auf leichten Pedaldruck gleichmäßig kräftig los. Brems- und Lenkgefühl gleichen denen eines normalen Kleinwagens.
Aber nicht die Beschleunigung: Der 47-kW-Elektromotor gibt im D(rive)-Modus alles, schiebt den knapp 1100 Kilo leichten i-MiEV vehement bis auf Tempo 130 an. Für mehr Reichweite ...
... steht ein Eco-Modus zur Verfügung, dann beschleunigt der Mitsubishi spürbar sanfter. Auf Stellung B der Wählhebelgasse gewinnt er bergab mehr Energie zurück, ...
... eine Anzeige informiert den Fahrer, wann er besonders sparsam unterwegs ist.
Vier Erwachsene sitzen passabel, können bequem ein- und aussteigen. Dazu passen noch zwei Reisetaschen hinter die klappbare Rückbank in den Kofferraum. Die Akkus (16 kWh Kapazität) lagern eng zu Zellenbündeln zusammengeschnürt unter den Sitzen, verschwenden so keinen wertvollen Platz im Innenraum, ...
... aber die relativ kleinen Energiespeicher schränken die Reichweite ein – mehr als 100,5 Kilometer Fahrt am Stück haben wir im D-Modus nicht geschafft. Dazu kommt: Erst nach sieben Stunden Ladezeit ist der "Stromtank" wieder voll. Übrigens: Der i-MiEV ist ab sofort für 34.390 Euro in Deutschland bestellbar.
Das Fazit: Der i-MiEV macht einen reifen Eindruck, fährt tadellos. Und: Der Mitsubishi hat Platz für vier Erwachsene. Preis pro Kilometer: 3,0 Cent.
AUTO BILD-Redakteur Jan Horn über den den Elektroauto-Vergleich: "Die gute Nachricht: Karabag und i-MiEV bieten praxisnahe E-Autos an, die man bereits kaufen, (im Falle des Mitsubishi) sogar bezahlen und auch mit mehreren Personen nutzen kann. Die schlechte Nachricht: Die Ladezeiten sind (mit Hausanschluss) lang, ...
... die Reichweiten nur für den Stadtbetrieb o.k. Smart und Mini sind (bislang) kaum mehr als grüne Feigenblätter für reiche Großstädter. Auf bezahlbare und kompromisslos alltagstaugliche E-Autos müssen wir noch warten." Mehr zum Thema Elektroauto finden Sie bei
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