Golf ist nur was für die oberen Zehntausend? Von wegen!
Mazda2,
Opel Corsa,
VW Polo und
Renault Clio (von links) schicken sich an, Klassenunterschiede zu verwischen. AUTO BILD hat die vier Kleinwagen verglichen.
Alle vier Nachwuchs-Golfer treten zum Vergleich mit zwei Türen an. Ihre Benziner leisten zwischen 70 und 75 PS, die Startgebühr reicht von 13.790 bis knapp 15.000 Euro.
Träges Handling, schaukelige Federung und ein müder Motor kosten den
Opel Corsa Sympathie und Punkte. Schwacher Trost: Die gute Verarbeitung und der Schmuse-Komfort. 296 von 500 möglichen Punkten reichen am Ende nur zu Platz vier.
Frisch geliftet – und doch ganz der Alte. Von außen ist dem
Corsa die Verjüngungskur nicht anzusehen. Zu spüren ist ebenfalls wenig. Zwar lenkt der
Opel jetzt gefühlvoller und verdaut schnelle Spurwechsel auf der Autobahn gelassener, ...
... er fährt aber nach wie vor behäbig und in Kurven mit starker Seitenneigung. Flott gefahrene Rechts-links-Kombinationen sorgen für reichlich Schlagseite. Okay, Mini-
Golf gehört ja auch nicht zu den Extrem-Sportarten. Ein Schuss Dynamik ...
... würde dem
Corsa dennoch guttun. Das gilt noch stärker für den geschmeidigen 1,2-Liter-Vierzylinder. Mit dem Basismotor (70 PS, 115 Nm) schleppt sich der
Opel ausgesprochen mühsam über die Bahn, ...
... er erreicht nach 14,5 Sekunden Tempo 100 (Spitze: 168 km/h). Klasse dagegen: der Abrollkomfort in der Stadt. Bei höherem Tempo und tiefen Wellen schaukeln sich die unterdämpften Federelemente jedoch auf, gehen bisweilen sogar bis zum Anschlag. Also Gas raus, ...
... und das gefällige Ambiente, das großzügige Platzangebot sowie die bequemen Sessel vorn genießen. Mit bescheidener Übersicht und engem Fond bleibt der
Corsa-Zweitürer allerdings ganz der Alte.
Alles wie gehabt: ein freundlich und übersichtlich gestaltetes Cockpit, größtenteils mit Hartplastikoberflächen.
Der Lademeister: Beim Maximalvolumen landet der
Corsa mit 1050 Litern ganz vorne. Beim Minimalvolumen von 285 Litern muss er sich nur dem
Clio hauchdünn geschlagen geben.
Der teuerste Wagen im Vergleich:
Opel verlangt für den
Corsa 1.2 Twinport Edition "111 Jahre" 14.600 Euro. Im Preis eingerechnet sind 650 Euro für das "Jubiläumspaket Style".
Der dritte Platz geht mit 298 Punkten an den
Renault Clio. Der Franzose ist innen luftiger, als es die Messwerte verraten. Sein spritziger Motor und das souveräne Fahrverhalten gefallen, Laufkultur und Lenkung weniger.
Bei hohen Drehzahlen dröhnt der
Renault-Motor (75 PS, 105 Nm) und übertönt alle anderen Geräusche. Der kernige 1200er erfüllt nur Euro 4 und schluckt mit 6,7 Liter am meisten, hängt aber lebendig am Gas und ...
... zieht mit gelungener Getriebeabstufung selbst in den oberen Gängen spürbar voran. Sehr sympathisch. 13,9 Sekunden vergehen, bis der
Clio Tempo 100 erreicht, maximal sind 167 km/h drin.
Weniger gelungen: die teigig-synthetische Abstimmung der Lenkung. Sie vermittelt wenig Fahrbahnkontakt. Dennoch flitzt der Franzose flink ums Eck. Dank straff gedämpfter Federelemente ...
... bügelt der
Clio außerdem ohne Wippen und Schaukeln über Flickenteppiche. Kanten und Frostaufbrüche kommen dafür trockener durch, ohne freilich den souveränen Eindruck des Fahrwerks zu erschüttern. Störend nur das gelegentliche Poltern und die lauten Abrollgeräusche.
Hinten wirkt der 4,03-Meter-
Renault am luftigsten, dank kastenförmiger Heckpartie fühlen sich im Fond selbst Große noch akzeptabel untergebracht. Passagiere in Reihe eins platziert der
Clio aber ziemlich hoch, ...
... die Position hinterm Volant passt jedoch, trotz fehlender Weitenverstellung und schwach konturierten Sesseln. Mit seinen geschäumten Oberflächen wirkt das
Clio-Cockpit ansprechend, es ist zudem sachlich gestylt und gut verarbeitet.
Wenn die Rückenlehnen aufrecht stehen, schluckt der
Clio 288 Liter und ist damit der Größte beim Minimalvolumen. Liegt alles flach, passen 1038 Liter ins Heck.
Die Antwort auf die Preisfrage: Für den
Renault Clio 1.2 16V 75 Dynamique werden 13.900 Euro fällig.
Mit den besten Fahrleistungen und betont agilem Fahrverhalten bietet der
Mazda2 den größten Fahrspaß. Materialien, Platz und Komfort sind nur Durchschnitt, mit 300 Punkten reicht es trotzdem zum zweiten Platz.
Im
Mazda sorgen 75 PS und 121 Nm Drehmoment für ordentlich Musik unter der Haube. Der quirlige 1300er hat mit den schlanken 1022 Kilo keine Mühe, ...
... er zerrt den
2er in 12,6 Sekunden auf Tempo 100 und hängt selbst bei schaltfauler Fahrweise nicht durch (Spitze: 165 km/h). Sehr sympathisch, zumal der Motor nie aufdringlich laut wird, außerdem mit durchschnittlich 6,5 Litern auskommt.
Mit höheren 15-Zoll-Reifen rollt der
Mazda2 angenehmer über Rüttelpisten als frühere Testwagen, obwohl sich die Dämpfung straffer anfühlt und ...
... Poltergeräusche ans Ohr dringen. Trotz dieser Kritikpunkte erkämpft sich der
2er mit zielgenauer Lenkung und agilem Fahrverhalten locker die Sportler-Krone. Klein, aber oho.
Innen zeigt sich der Japaner ziemlich knauserig. Vom Sparzwang zeugen das kratzempfindliche Hartplastik-Cockpit und die nur in der Höhe justierbare Lenksäule. Ergonomie und Kontur der Möblierung sind jedoch besser als erwartet.
Vorn reicht der Platz zwar für Große, im Fond geht es aber eng zu. Lange Kerls fühlen sich hinten dennoch besser aufgehoben als im
Corsa, weil die nachgiebigen Lehnen der mickrigen Vordersitze bohrenden Knien nachgeben.
In Sachen Gepäck muss man beim
Mazda2 bescheiden sein: Mit 250 bis 787 Litern hat der Japaner den kleinsten Stauraum hinter der Heckklappe.
Das günstige Angebot in diesem Vergleich ist der
Mazda2: Der 1.3 MZR in der Ausstattungsvariante Independence kostet 13.790 Euro.
Der
VW Polo ist der beste Allrounder in diesem Vergleich. Er fährt flink, komfortabel und sicher. Qualität und Verarbeitung sind ebenfalls top. Und der Dreizylinder ist kräftig genug. So fährt der Wolfsburger in der Endabrechnung mit 331 Punkten ganz nach vorne.
Im Vergleich zu seinen drei Konkurrenten fehlt dem
Polo-Motor ein Zylinder. Das stört allerdings nicht besonders, denn der Drilling tritt mit seinen 70 PS und 112 Nm Drehmoment kräftig an und läuft kultiviert. Mit 6,2 Litern hält sich der Verbrauchsvorteil des Dreizylinders allerdings in Grenzen, ...
... nicht jedoch der Fahrspaß: Mit seiner gefühlvollen Lenkung tanzt der
Polo präzise und wieselflink um Kurven, unterstützt vom fein regelnden ESP. Sportliche Piloten wünschen sich jedoch ...
... eine straffere Dämpfung von Lenkung und Fahrwerk, bei zügig überfahrenen Bodenwellen wippen Lenkrad und Karosserie schon mal nach. Dafür gleitet der
Polo ausgesprochen geschmeidig ...
... über Kanten und Frostaufbrüche – wie ein Mini-
Golf eben. Der Fahrspaß in Zahlen: Von 0 bis Tempo 100 braucht der
Polo 14 Sekunden, maximal sind 165 km/h drin.
Bitte einsteigen – und die perfekte Sitzposition in den hervorragend stützenden Sesseln genießen, die allen passt wie ein maßgeschneiderter Anzug.
Ebenso überzeugend: die gute Geräuschdämmung, das wohnliche Interieur mit den freundlichen Materialien, die leichtgängige und exakte Schaltung sowie die sorgsame Verarbeitung. Es ist diese Detailliebe, die den
Polo im Alltag zu einem höchst angenehmen Begleiter macht.
Geschlagen von
Opel und
Renault: Das Gepäckabteil des
VW Polo fasst zwischen 280 und 952 Liter.
Der Preis-Leistungs-Sieger dieses Vergleichs ist der
VW: Für den
Polo 1.2 Comfortline berechnen die Wolfsburger 14.300 Euro.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Uli Holzwarth: "Von wegen Kleinwagen: Unsere vier Kandidaten werden auch gewachsenen Auto-Ansprüchen gerecht. Allen voran der
VW Polo, der das Mini-
Golf-Turnier mit einigen Schlägen Vorsprung ...
... deutlich für sich entscheidet. Nicht mit Superlativen, sondern mit dem stimmigsten Gesamtpaket. Rang zwei belegt der
Mazda2, dicht gefolgt vom
Renault Clio. Knapp dahinter: der
Opel Corsa, den der schlappe Motor und sein träges, ausschließlich auf Komfort getrimmtes Fahrwerk zurückwerfen."
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