AUTO BILD hat die "Neue Mitte" gefunden. Und zwar in Gestalt dieser Autos. Sie sind mehrheitsfähig und nicht zu teuer. Aber auf Platz, Komfort und Stil verzichten sie auch nicht. Außerdem sind sie besonders sparsam zu fahren. Mit anderen Worten: Hier sind Kompakte gefragt.
Interessant ist, dass in dieser Klasse gerade ein frischer Wind weht: Die 204 PS des doppelt aufgeladenen Zweiliter-Diesels im BMW 123d sind im Moment viel weniger spannend als der nagelneue 116d mit vermeintlich mageren 116 PS. Der ist eine extrem sparsame Version des gleichen Motors.
VW kontert mit einer auf 119 Gramm CO2 pro Kilometer ausgelegten Variante des Zweiliter-Diesels, und Audi hat sogar noch einen Ableger des knauserigen alten Pumpe-Düse-TDI im Programm. VW Golf 2.0 TDI, Mercedes A 180 CDI, Audi A3 Sportback 1.9 TDIe und BMW 116d heißen Sie in der "Neuen Mitte" willkommen. Bleibt die Frage: Welcher Kandidat präsentiert sich hier am vorteilhaftesten?
Auf Rang vier landet die A-Klasse (304 von 500 Punkten): Für 25.163 Euro ist der A 180 CDI nach dem BMW 116d (25.360 Euro) zwar der Teuerste in diesem Vergleich – aber immer noch eine der günstigsten Möglichkeiten, Mercedes zu fahren.
Für das Geld gibt es den Fünftürer mit Zweiliter-Diesel und 109 PS, aber ohne die Spritspartechnik namens Blue Efficiency. Die spendiert Mercedes nur dem dreitürigen A 160 CDI mit 82 PS und den Benzinern A 150 und A 170. Schade, ...
... denn so kann die 1,59 Meter hoch aufragende A-Klasse gegen die knickerige Konkurrenz nicht bestehen: Mit 5,8 Litern verbraucht sie fast einen Liter mehr als BMW und VW (jeweils 5,0 Liter).
Dabei macht der Selbstzünder aus Stuttgart nicht einmal besonders Spaß. Lustlos und zäh quält er sich durchs Drehzahlband, lärmt dabei mürrisch. Auch die hakelige Schaltung bereitet kein Vergnügen.
Mit doppeltem Boden und erstaunlich großzügigem Platzangebot auf kleiner Grundfläche ist die A-Klasse seit 1998 immer etwas Besonderes gewesen. Eben der Mercedes unter den Kompakten.
Die erhöhte Sitzposition und den bequemen Einstieg schätzen nicht nur ältere Herrschaften oder Rückengeschädigte.
Der luftige Innenraum und der große, ...
... funktionale Kofferraum zählen zu den Vorzügen des Konzepts.
Verarbeitung und kunststoffe im Cockpit gehen zwar in Ordnung, ebenso die tadellose Funktionalität – aber besonders der Audi ist feiner eingerichtet.
Spart Platz: Batterie und Sicherungen sind im Fußraum des Beifahrers untergebracht.
In Sachen Fahrdynamik kann die A-Klasse nicht mithalten: Der Mercedes fährt sich im direkten Vergleich schwerfällig, taumelt schwankend um die Kurven und lässt sich von der gefühllosen Lenkung ...
... nur ungenau dirigieren. Ließe sich verschmerzen, wenn der A 180 CDI mit Komfort glänzte. Doch auch der überzeugt nicht, die Federung reagiert besonders auf Querfugen grob.
Der 1er BMW fährt auf den dritten Platz (322 von 500 Punkten). Längs eingebauter Motor, Heckantrieb, feine Lenkung, strammes Fahrwerk: So lautet ein Rezept für ausgeprägte Fahrfreude, nicht nur in der Kompaktklasse. Aber dort ...
... hat es der 1er eingeführt. Und es funktioniert auch mit dem sparsamsten Motor, den BMW überhaupt im Programm hat, dem auf 116 PS ausgelegten Zweiliter-Diesel.
Dieses moderne Aluminium-Triebwerk gibt es mit bis zu 204 PS (123d), doch als 116d soll es vor allem eins: sparen. BMW verspricht einen Verbrauch von 4,4 Litern.
Den versprochenen Wert erreichte unser Testwagen, mit der Spritspartechnik Efficient Dynamics (also Bremsenergie- Rückgewinnung und Start-Stopp-Automatik) ausgestattet, nicht. Doch auch 5,0 Liter Testverbrauch sind schon ordentlich.
Die zweite gute Nachricht lautet: Die Fahrfreude bleibt dabei nicht auf der Strecke. Im Gegenteil, in den 1er passt der lebhafte Vierzylinder erfreulich gut. Er schiebt früh an – knapp über 1500 Touren – und zieht kräftig durch.
Den Sprint bis 100 km/h erledigt er in etwas über zehn Sekunden und rennt, wenn es wirklich sein muss, Tempo 200: Freudloses Sparen sieht anders aus.
Allerdings sind auch im BMW die oberen Gänge lang übersetzt – zum zügigen Überholen auf der Landstraße muss man zurückschalten. Trotz des guten Motors und seiner ausgeprägten Agilität ...
... läuft der 116d nur auf dem dritten Platz ein, gewinnen kann er gegen die besten Kompakten wohl nie.
Ein echter Punktekiller: Der 1er ist viel zu eng – der Fond ist ein Folterkeller für Kniescheiben. Außerdem ist er erbarmungslos hart abgestimmt.
Der Blick in den Innenraum begeistert. Sitzposition, Instrumente, bedienung – alles perfekt. Doch vieles kostet hier extra: das Lederlenkrad zum Beispiel 290 Euro, die Klimaautomatik 1540 Euro.
Das Start-Stopp-System indes ist Serie, es funktioniert vollkommen reibungslos.
Gewichtsverteilung à la BMW: Die Batterie liegt unterm Kofferraum im Heck.
Mit 25.360 Euro kassiert BMW für den 116d einen Nobel-Aufschlag. Ein Fall für Fans.
Auf Rang zwei landet der A3 (329 von 500 Punkten. Oder mit anderen Worten: Lebt denn der alte Holzmichl noch? Ja, er lebt noch, stirbt nicht. Und das nicht nur im Volkslied, sondern auch im A3 Sportback. Denn der ...
... hat tatsächlich noch den alten, rappeligen 1,9-Liter-Pumpe-Düse-TDI unter der Haube – müsste der nicht längst ausrangiert sein, ersetzt durch die moderne und laufruhige Common-Rail-Technik? Weit gefehlt – im A3 Sportback sägt und fräst das 105-PS-Triebwerk noch immer Wälder ab.
Wie die Messwerte zeigen, ist er dabei gar nicht mal besonders laut – ein Resultat der aufwendigen Dämmung. Nur unter Last dröhnt und rasselt er mächtig, tritt ungestüm und giftig an wie bisher.
Als Sparmodell TDIe fährt der A3 Sportback mit verbesserter Aerodynamik, Leichtlaufreifen, Schaltanzeige und lang übersetztem Fünfganggetriebe vor – im Endergebnis macht das einen Verbrauch von 5,2 Litern. Nur BMW und VW sind besser, verbrauchen glatte 5,0 Liter. So ähnlich ...
... sieht es bei den Fahrleistungen aus, 116d und Golf haben knapp die Nase vorn – aber keiner fährt hier dem anderen davon.
Und keine Sorge, auch mit dem sparsamen TDI, dem zweitschwächsten Motor im Programm, bleibt der A3 Sportback, was er immer war: ein drahtiger, schnörkelloser Typ ...
... mit anständigem Platzangebot, bequemen Sitzen und hochwertiger Verarbeitung.
Er federt stramm, fährt sich handlich, zu viel Temperament sollte aber in den besonders lang übersetzten Gängen drei bis fünf niemand erwarten.
Der A3 ist top verarbeitet, besser als der Audi kann das hier niemand. Sehr frech: Eine Klimaanlage gibt es nicht, man muss die Automatik für 1425 Euro nehmen.
Den Ladeboden zum Wenden liefert Audi für 105 Euro.
Das ist allerdings unpraktisch: So flache Türgriffe sind eigentlich längst nicht mehr zeitgemäß.
Mit 24.450 Euro ist der Sportback nach dem VW der Zweitgünstigste im Vergleich – und nur Konzernbruder Golf liegt in der Endabrechnung auch vor ihm.
Die Goldmedaille geht nach Wolfsburg (356 von 500 Punkten). Man muss schon genau hinsehen, eine winzige Zahl macht den Unterschied. In der Golf-Preisliste stehen zwei 2.0 TDI mit 110 PS, Rußfilter DPF und Fünfgang-Getriebe – zum exakt gleichen Preis. Der eine mit 4,9 Liter Verbrauch, ...
... der andere, mit der kleinen Fußnote (1), schafft beeindruckende 4,5 Liter. Aha, macht also 119 g CO2 pro Kilometer. Ein vorbildlicher Wert für einen vollwertigen Kompakten.
Die Motorelektronik ist ganz auf Knausern getrimmt, das Getriebe in den oberen Gängen länger übersetzt, die Aerodynamik verbessert, die Reifen rollen leichter ab – ähnlich wie beim Audi. Macht das jetzt einen großen Unterschied? Nein.
Der Golf fährt sich wie immer: trotz der Leichtlaufreifen gerade im Vergleich sehr komfortabel, agil, sicher, sehr entspannt.
Der TDI läuft auch in dieser Version genauso kultiviert wie die stärkeren Brüder, wenn auch nicht gerade übertrieben leise. Das passt aber zum lebendigen Charakter des schwächsten Diesels. Er hängt recht lebhaft am Gas und dreht ausgesprochen freudig.
Nur dem noch etwas temperamentvolleren BMW kann der VW nicht ganz folgen. Egal, wir sprechen hier nicht von Magerkost, die Fahrleistungen sind geradezu erfrischend.
Die versprochenen 4,5 Liter kann der TDI im Alltag nicht halten, er begnügt sich aber mit akzeptablen 5,0 Litern. So sparsam fuhr hier nur noch der BMW.
In vielen anderen Punkten fährt der VW dem Bayern davon: Er ist geräumiger, komfortabler, günstiger, ausgereift – einfach ohne wesentliche Schwächen. Mit anderen Worten: der Golf – das Auto, das auch diesmal gewinnt.
Es wirbt jemand anders damit, aber hier passt es auch: willkommen zu Hause. Alles sieht gut aus, funktioniert bestens, ist einwandfrei zusammengebaut.
Nicht hilfreich: das Hi-Fi-System RCD 310 (630 Euro) mit verwirrendem Menü.
Sehr hilfreich: Der Parklenkassistent (623 Euro) setzt den Golf in die Lücke.
Fazit: Sparsame Diesel mit knapp über 100 PS in der Kompaktklasse – am Anfang waren wir skeptisch. Ließen uns dann aber davon überzeugen, dass es sich um eine gelungene Kombination handelt. Die Motoren gehen sehr knickerig mit dem Sprit um, bieten aber trotzdem ordentliche Fahrleistungen und annehmbaren Komfort.
Am besten kann das der VW, auch der Audi und der BMW sind eine klare Empfehlung wert. Nur der Mercedes enttäuscht, auch weil ihm aktuelle Spartechnik fehlt.
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