Vorteil SUV: Die höhere Sitzposition mit besserer Übersicht wird inzwischen keineswegs nur von Senioren geschätzt. Gleiches gilt für den leichteren Einstieg, den jeder vom Rückenschmerz gepeinigte Büromensch gern nutzt. Dazu kommen ...
... ein besseres Raumgefühl und ein größerer Kofferraum, häufig verbunden mit einer höheren Variabilität. Wer macht in diesem Testfeld das Rennen?
Der
Renault Koleos kommt mit guten Anlagen – Allrad von
Nissan, laufruhiger Motor von
Renault –, aber verschleudertem Talent. Nicht besonders groß, fährt behäbig, miese Bremsen. Mehr als 324 von 500 Punkten kann er damit nicht einfahren – Platz vier.
Zu Beginn trumpft der
Koleos mächtig auf. Mit 4,52 Meter Länge streckt er sich fast zwanzig Zentimeter länger als der
Nissan und reckt sich mit 1,71 Metern knapp zehn Zentimeter höher – das sind Welten. Von der wuchtigen Erscheinung ...
... bleibt aber innen nicht viel übrig: Der
Renault hat vorn genauso wenig Platz wie der vergleichsweise zierliche Japaner, ...
... im Fond nur einen Hauch mehr. Dagegen sind
Hyundai und
Skoda spürbar geräumiger. Die gute Nachricht: Man sitzt gemütlich auf weich gepolsterten, nur etwas zu kleinen Sitzen.
Genial: Rückbank– und Lehne lassen sich im
Koleos per Zughebel an der Kofferraum-Seitenwand umlegen. So entsteht eine vollkommen ebene, glatte Ladefläche. Das Volumen reicht von 450 bis 1380 Liter.
Den Zweiliter-Diesel mit 150 PS und 320 Nm Drehmoment teilt sich der
Koleos mit dem
Qashqai. Im
Renault klingt der Motor immer angestrengt.
Weil der
Koleos mit knapp 1,8 Tonnen das meiste Gewicht mit sich herumschleppt, bekam er eine kürzere Achsübersetzung. Die lässt die Drehzahlen steigen – und den Verbrauch. 8,2 Liter, durstiger als alle anderen.
Das Fahrvergnügen fällt schmal aus. Zu träge das Handling, zu schwammig die Lenkung, zu hakelig die Schaltung. Wirklich schlimm sind die Bremsen. Der
Renault steht aus Tempo 100 km/h erst nach mehr als 40 Metern, das müssen moderne SUVs besser können.
In Sachen Sprintvermögen muss sich der
Renault sämtlichen Konkurrenten geschlagen geben: Er beschleunigt in 10,6 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Spitze: 182 km/h.
Für den
Koleos dCi 150 FAP 4x4 Dynamique berechnet
Renault vergleichsweise günstige 29.200 Euro. Über die Schwächen des Autos kann das aber nicht hinweg trösten.
Ein starker Auftritt für den
Nissan Qashqai, er zeigt sich im Detail verbessert. Kräftiger Motor, klasse Fahrwerk, aber insgesamt eher eng. Sein größtes Problem: Andere haben stark aufgeholt. 338 Punkte bringen den Japaner auf Platz drei.
"Neue Front, gänzlich neues Aussehen am Heck" – so etwas dichten sie bei
Nissan zum aktuellen
Qashqai–Facelift. Leute, beruhigt euch mal. Ganz so gravierend waren die Änderungen nun wirklich nicht – wozu auch? Die Mischung aus Geländewagen- und Coupé-Optik sah schon immer spannend aus.
Dass
Nissan den
Qashqai im Detail verbessert hat, glauben wir gern. Das aufgeräumte Cockpit etwa wirkt tatsächlich eine Spur feiner. Nicht ändern konnte Nissan aber ...
... einen gravierenden Nachteil der schnittigen Form – das im Vergleich bescheidene Platzangebot. Besonders im Fond wird es eng, ...
... dort schränkt das (beim Tekna serienmäßige) Panorama-Glasdach die Kopffreiheit zusätzlich ein. Also müssen größere Leute den Kopf einziehen.
Der
Qashqai-Kofferraum schluckt im Normalfall 410 Liter, maximal 1513 Liter. Wie beim
Hyundai mit asymmetrisch geteilter Rücklehne – die Kopfstützen können beim Umklappen dranbleiben.
Der Zweiliter-Motor (150 PS, 320 Nm) ist so geblieben, wie er war. Und wie wir ihn uns wünschen: ein munterer Typ, leise und laufruhig. Sein Manko: Er erfüllt – wie der
Renault – nur Euro 4, ...
... macht aus seiner Kraft aber deutlich mehr: Sowohl mit glatten zehn Sekunden von 0 auf Tempo 100 als auch mit 193 km/h Spitze fährt der
Qashqai bei den Fahrleistungen ganz nach vorne.
Anders als der behäbige
Koleos fährt sich der
Qashqai handlich und leichtfüßig, federt angenehm komfortabel. Und nur der
Skoda schaltet sich ähnlich kurz und knusprig, lenkt ebenso exakt ein, ...
... allerdings hat der Spaß bei den Japanern auch seinen (saftigen) Preis: 31.340 Euro kostet der
Qashqai 2.0 dCi 4x4 mit Tekna-Ausstattung – das wirft den schicken
Nissan im Vergleich zurück.
Immer wieder erstaunlich, welche Fortschritte die Koreaner machen. Der
Hyundai iX35 ist ein elegantes SUV, geräumig und mit ordentlichem Motor. Dazu kommen umfassende Garantien – Platz zwei mit 357 Punkten.
Hyundai liefert ein geräumiges, komplett ausgestattetes SUV, dessen Fortschritte gegenüber dem Vorgänger in jedem Detail spürbar sind. Das geht los beim attraktiven Design, kein Vergleich mehr mit dem braven
Tucson.
Auch das schwungvolle Cockpit ist durchaus elegant. Auf großen, bequemen Sitzen nimmt man gern Platz. Vorn jedenfalls, ...
... denn im Fond des
iX35 geht es weniger gemütlich zu. Hier hocken vor allem größere Menschen auf der Bank etwas zu flach über dem Boden.
Mit 465 Litern hat der
iX35 das größte Minimalvolumen, maximal können 1436 Liter eingeladen werden. Die Rücklehne lässt sich geteilt umlegen, ...
... ab der Ausstattung-Linie "Style" gibt es ein vollwertiges Ersatzrad unterm Ladeboden.
Der neue Zweiliter-Diesel mit 136 PS und 320 Nm Drehmoment liefert ordentlichen Schub, läuft bei wenig Touren leise und unauffällig, brummt ab mittleren Drehzahlen aber kräftig.
Mit 181 km/h erreicht der
Hyundai die geringste Höchstgeschwindigkeit, 10,3 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 lassen ihn allerdings dem
Yeti und dem
Koleos davonsprinten.
Der
ix35 möchte gern sportlich-straff um die Ecken gehen, was ihm aber nicht so gut gelingt wie dem
Skoda: Der Koreaner liegt schaukeliger, ...
... holpert über Querfugen, und die Lenkung liefert wenig Rückmeldung. Da fehlt noch Detailarbeit.
Wenn einer für das Motto dieses Vergleichs stehen könnte, dann wohl der
ix35 2.0 CRDi 4x4 Style. So ein Allrad-
Hyundai gilt inzwischen als Markenprodukt, kostet aber immer noch nicht die Welt: 27.880 Euro – das macht ihn zum Schnäppchen und zum Preis-Leistungs-Sieger.
Der Testsieger
Skoda Yeti (377 Punkte) ist eine ehrliche Haut. Grundsolide, mit viel Platz und variabel wie ein Van. Mit dem lebhaften, sparsamen TDI fährt er (fast) so agil wie ein Kompakter.
Wie ein zotteliger Bergbewohner sieht dieser
Skoda bestimmt nicht aus, eher wie ein trendiger Städter im Sport-Dress. Neben den bulligen
Koleos und
ix35 wirkt der
Yeti fast zierlich, verblüfft aber ...
... mit dem großzügigsten Raumangebot aller Kandidaten. Dafür sorgen zum einen die Würfelform der Karosserie und zum anderen die durchweg größte Kopffreiheit. Nirgendwo weht so viel Luft überm Scheitel wie im
Skoda, das fällt vor allem im Fond angenehm auf, ...
... wo die Tschechen praktisch gedacht und drei Einzelsitze eingebaut haben – zum Verschieben, Umklappen oder Ausbauen. Das kann kein anderer in diesem Feld. Die Sitze selbst sind allerdings zierlich gebaut, ...
... vorn dafür perfekt geschnitten. Auch sonst hat der
Yeti einen Arbeitsplatz zum Wohlfühlen: freundliche Atmosphäre, eigener Stil, gediegene Verarbeitung.
Den variabelsten Laderaum hat der
Skoda und in Sachen Maximalvolumen auch den größten: Im besten Fall passen 1760 Liter hinter die Heckklappe, steht die Rücksitzlehne aufrecht, sind es allerdings nur noch 405 Liter.
Den geschmeidigen und lebhaften Zweiliter-TDI mit 140 PS und 320 Nm Drehmoment kennen wir aus diversen
VW, auch im
Skoda summt er freundlich und friedlich, ...
... zieht den
Yeti in 10,5 Sekunden aus der Parkposition auf Landstraßentempo und bis auf maximal 190 km/h.
Mehr als die anderen drei Kandidaten hat der
Yeti ein Talent zum Kurven-Wiesel, er fährt sich ausgesprochen agil und dynamisch, ...
... federt aber auch entsprechend streng und straff. Die präzise Lenkung und die bissigen, standfesten Bremsen passen bestens ins Bild eines sehr lebhaften Autos, ...
... das als
Yeti 2.0 TDI 4x4 in der Ausstattung Experience für akzeptable 29.750 Euro in der
Skoda-Preisliste steht.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Dirk Branke: "Diese SUVs bestätigen, warum sie voll im Trend liegen. Alle sind sie kompakt, praktisch und handlich. Sparsam und vergleichsweise günstig. Attraktiv selbst für Käufer, ...
... die sonst mit solchen Autos nicht viel am Hut haben. Das gilt vor allem für den kantigen
Skoda. Aber auch der smarte
Nissan und der bemerkenswert elegante
Hyundai ...
... können sich wirklich sehen lassen. Das gilt mit Abstrichen selbst für den nicht unsympathischen
Koleos – wenn er bessere Bremsen bekommt." Weitere SUVs im Vergleich finden Sie
hier.
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