Vier Familienfreunde im Vergleich: Die brandneuen Toyota Verso und Renault Grand Scénic treffen auf die deutschen Platzhirsche Opel Zafira und VW Touran.
Darf das alles mit? Die Kompaktvans im harten Kind-und-Kegel-Test: Nur zwei von ihnen verpacken die komplette Bagage inklusive vier Personen.
Ein Siebensitzer, der diesen Namen wirklich verdient. Und ein solides Stück. Doch Komfort und Fahrdynamik lassen zu wünschen übrig. Am Ende reicht es für den Opel Zafira zu 328 von 500 Punkten – Platz vier.
Der Zafira hat einen 1,7 Liter großen Turbodiesel, der zwar nur 6,5 Liter im Testdurchschnitt verbraucht, mit seinen 125 PS und 280 Nm Drehmoment aber ...
... auch nur verhalten anschiebt. Für den Sprint auf Tempo 100 braucht der Wagen 11,5 Sekunden, maximal sind 189 km/h drin. Beim Fahren macht der Zafira klar, dass er nicht mehr der Jüngste ist. Seine Federung neigt zum Stuckern, seine Schaltung zum Hakeln, ...
... der Diesel zum Vibrieren, und die lange Übersetzung schwächt das Temperament. Auch sonst ist der Opel nicht der Hurtigste. Zum Kurvenkratzen will er gezwungen werden. Dann stemmt er sich heftig gegen die früh nachgebenden Vorderreifen.
So sah ein Opel früher aus: Das Insignia-Design hat im Zafira noch keine Spuren hinterlassen.
Da bleiben keine Fragen offen: Die beiden Rundinstrumente sind gut ablesbar. Das Ende der Tachoskala ist sehr optimistisch gewählt.
Wie verstaut man bis zu sieben Personen in einem knapp 4,5 Meter langen Auto? Wohlgemerkt: menschenwürdig. Und ohne erst zusätzliche Sitze aus der Garage in den Laderaum wuchten zu müssen. Der Opel Zafira machte es uns seit 1999 vor. Und er tut es noch immer.
Wer die sieben Plätze wirklich ernsthaft nutzen möchte, der kann nur zum Opel greifen. Sieben passen rein, und zwar Normalgewachsene. Die hintersten beiden Sitze sind mit einem Handgriff aus dem Ladeboden geholt.
Da freut sich die Familie über den gut nutzbaren Laderaum: Der Opel Zafira schluckt unser gesamtes Testgepäck, ...
... auch wenn er in seinen Abmessungen nicht der Größte ist. Ins Heck passen zwischen 645 und 1820 Liter.
Für den Zafira 1.7 CDTI als "Innovation 110 Jahre" verlangt Opel 28.480 Euro – und unterbreitet damit das zweitbeste Angebot dieses Vergleichs.
Der neue Toyota Verso ist größer, stattlicher, komfortabler als sein Vorgänger, hat als Siebensitzer mächtig dazugelernt. In diesem Vergleich reicht es mit 330 Punkten trotzdem nur zu Platz drei.
Wenig ermunternd: Der zwei Liter große Selbstzünder im Toyota-Bug wirkt trotz seiner 126 PS und dem mit 310 Nm zweithöchsten Drehmoment in diesem Vergleich ...
... etwas schlapp. Wie im Opel vergehen bis Tempo 100 11,5 Sekunden. Spitze: 185 km/h. Unterwegs gefällt der Fahrkomfort. Die Federung gibt sich geschmeidig, das subjektiv empfundene Geräuschniveau ist kultiviert, aber ...
... mit der Fahrfreude ist es nicht weit her. Auf kurvenreichen Strecken muss fleißig am Lenkrad gekurbelt werden, während das kräftig wankende Auto früh geradeaus drängt und vom ESP eingebremst wird.
Vorn präsentiert der Toyota ein keck geschwungenes, aber funktionelles Armaturentableau. Die Verarbeitung wirkt routiniert, wenn auch im Detail nicht perfekt, ...
... die etwas klobige Mittelkonsole passt nicht so ganz ins Bild.
Toyota strengt sich in Sachen Design ordentlich an, was man auch an den Instrumenten sehen kann.
Unpraktischer als ein klassischer Zündschlüssel: Der Motor des Japaners wird per Starknopf zum Leben erweckt.
Aufpreisfrei: Die Klimaautomatik gehört beim Verso Executive zum serienmäßigen Lieferumfang.
Multifunktional: Bedientasten fürs Radio dürfen natürlich auch am Toyota-Lenkrad nicht fehlen.
Bis zu sieben Menschen passen optional in den Verso (ab Ausstattung Life Serie). Vorausgesetzt, es sind ein paar Kleinere dabei, denn ganz hinten finden nur Kinder Platz, und das auch nur, wenn die drei Sitze in der zweiten Reihe ...
... nach vorn rutschen. Was dort das Platzangebot ebenfalls auf Kurzbein-Niveau dezimiert. Nettes Detail: herausklappbare Tabletts in den Vordersitzen.
In seiner Funktion als Lastesel backt der Verso kleinere Brötchen und begnügt sich mit dem geringsten Ladevolumen (607 bis 1696 Liter). Lobenswert: Wer alle Rücksitze flach legt, erhält eine durchgehend ebene Ladefläche – das kann sonst keiner.
Im Toyota lassen sich nicht alle Stücke des Testgepäcks über die hohe Ladekante heben – trotz Presspackung fehlt der Platz. Ein Koffer bleibt daheim, da hilft nichts.
Billig ist anders: Für einen Toyota Verso 2.0 D-4D Executive werden 29.450 Euro fällig. Nur der Touran ist noch teurer.
Platz zwei geht mit 343 Punkten nach Frankreich an den Renault Grand Scénic, der beweist, dass ein Van auch elegant sein kann. Und das auch noch zu einem günstigen Preis.
Im Renault macht ein 1,9 Liter großer Vierzylinder die Musik: Mit seinen 130 PS und 300 Nm Drehmoment erweist er sich ...
... als adäquater Partner, nicht zu schwach und nicht zu laut, während die Federung, die meist flauschig weich arbeitet, bei kurzen Stößen, etwa auf Autobahnen, lästig stuckert.
Die Fahrleistungen in Zahlen: Auf Tempo 100 sprintet der Renault aus dem Stand in 11,2 Sekunden und erreicht maximal 195 km/h.
Kühnes Innendesign und helle Farben im Renault-Cocpit, das aber ...
... bis auf die zu tief liegende Klimaregelung gut zu bedienen ist.
Auf den weichen Sitzen lässt man sich gern nieder, und wer lieber tief sitzt, darf das, dank des großzügigen Verstellbereichs. Die "Luxe"-Ausstattung heißt zu Recht so – Leder und Navi-System sind Serie.
Das LCD-Display ist nicht übersichtlicher als normale Rundinstrumente, wirkt aber futuristischer – typisch französisch.
In der zweiten Reihe bedarf es eines zierlichen Hinterteils, um es sich auf einem der drei Einzelsitze bequem zu machen, aber das ist im Toyota und im VW nicht anders. Der Platz reicht, sofern die Sitze ganz nach hinten geschoben werden, was aber nur geht, ...
... wenn die beiden Plätze in der dritten Reihe leer bleiben. Ansonsten heißt es zusammenrücken – dann taugt der Fondraum nur als Kinderstube. Die hintersten Sitze (700 Euro Aufpreis) verschwinden nach Opel-Muster ruck, zuck im Ladeboden, sind aber viel unbequemer.
Mit 678 bis 2038 Litern bietet der Renault nominell den größten Laderaum, ...
... das gesamte Testgepäck kann er trotzdem nicht mitnehmen. Wir haben alles probiert, aber im Grand Scénic fehlt am Schluss der Platz für den letzten Koffer. Schließlich darf die Spielzeugkiste auf keinen Fall draußen bleiben.
Preis-Leistungs-Sieger: Der knapp geschlagene Renault Grand Scénic ist als dCi 130 FAP Luxe mit 27.500 Euro das billigste Auto im Vergleich – und bietet am meisten fürs Geld.
Er ist ein bekanntes Möbel, dennoch zählt der Touran nicht zum alten Eisen. Im Gegenteil: Der VW gewinnt – wenn auch knapp – den Kompaktvan-Vergleich mit 347 Punkten.
Hier nagelt noch die alte Pumpe-Düse-Technik: Aus zwei Litern Hubraum holt der VW-Diesel 140 PS und 320 Nm Drehmoment. Schon beim Anlassen brummt der Diesel vernehmlich, ein rauer Geselle, keine Frage. Aber dafür geht es beim Gasgeben ...
... gleich ordentlich zur Sache. Mit 10,5 Sekunden von 0 auf Tempo 100 und 200 km/h Spitze distanziert er die gesamte Konkurrenz. Zudem lehrt der VW, ...
... dass auch ein Van ein fahrdynamisch ansprechendes Auto sein kann. Er lenkt sich leicht und präzise, umrundet Biegungen, ohne zu torkeln. Die Federung kann durchaus überzeugen: straff, aber nicht zu hart und mit angenehmem Autobahnkomfort.
Typisch VW: Das Cockpit ist eher nüchtern, aber sehr funktional und tadellos verarbeitet.
Sachlich: vier gut ablesbare Rundinstrumente und ein kleines Display im Cockpit. Wie im Opel ist auch im VW das Ende der Tachoskala weit jenseits der tatsächlichen Höchstgeschwindigkeit.
Hier sitzt man gerne: Die Bedienung fällt leicht, die Position hinterm Lenkrad ist schön – weil nach unten variabel.
Für Sonnenbrille und Co: Staufächer im Touran-Dach.
Der Platz im Touran reicht zwar nicht für sieben, aber bequem für fünf. Wobei die drei im Fond ...
... in klassischer Van-Manier auf drei verschiebbaren, faltbaren und herausnehmbaren Einzelsitzen Platz nehmen.
Ins VW-Heck passen immer 695, maximal 1989 Liter. Auch die Zuladung ist mit 585 Kilogramm nicht zu knapp.
Praktisch: Unterm Ladeboden gibt es in der Reserveradmulde noch Platz für Kleinkram.
Test bestanden: Es geht alles rein, was rein muss – sieben Koffer, eine Reisetasche, ein Rucksack, Spielzeugkiste, Kosmetikkoffer und ...
... natürlich die Teddys.
Kostspielig: In Sachen Preis fährt der VW auf den letzten Platz – für den Touran 2.0 TDI Highline müssen 30.525 Euro nach Wolfsburg überwiesen werden.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Wolfgang König: "Von den dynamischen Qualitäten der Neuzugänge Toyota Verso und Renault Grand Scénic habe ich mir ehrlich gesagt mehr versprochen. Dass der VW Touran hier immer noch die Maßstäbe setzt, erstaunt. Dabei ist der Renault ...
... sicher der Reizvollere der beiden, auch weil er etwas weniger kostet. Der Opel Zafira ist noch immer der einzige vollwertige Siebensitzer, ...
... kann aber sonst kaum punkten. Und der VW bleibt das Auto, das trotz seines deftigen Preises am meisten bietet. Nur eben keine sieben Sitze."
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