Kleine Schmeichler: Im coolen Dress wollen die feinen Kleinen junge Kundschaft anlocken. An welchem man nicht vorbeigehen kann, klärt der erste Vergleich zwischen
Audi A1,
Citroën DS3,
VW Polo und
Fiat 500 Abarth (von rechts).
Platz vier geht mit 274 von 500 Punkten an den
Fiat 500 Abarth. Das sportliche Fahrwerk hilft beim Kurvenwieseln, stört aber im Alltag. Und der starke Motor trinkt. So wird der enge 500er nur Letzter.
Mehr Retro geht nicht: Der 500 kann genauso kulleräugig schmachten wie sein Vorbild aus den 1960er-Jahren. Als scharfer Abarth sticht er mitten hinein in sportliche Herzen. Die Marke mit dem Skorpion im Emblem steht für knackiges Fahrverhalten ...
... und einen giftigen Motor. So auch hier. Dabei gehört der 1,4-Liter-Turbobenziner des 500 zu den angenehmen Überraschungen in dieser Klasse. Der Vierzylinder dreht flüssig hoch, ...
... erzeugt nach kurzem Durchschnaufen satten Dampf und stürmt den anderen aus jeder Lage davon. In glatten acht Sekunden geht es auf Tempo 100, maximal sind 205 km/h drin. Allerdings bringt die Rennsemmel ihr Temperament ...
... nicht so souverän auf die Straße wie zum Beispiel Audi und VW – sie scharrt häufiger mit den Gummis. Und der Motor säuft. Mit mehr als sieben Litern Testverbrauch lässt es der Fiat genau so krachen wie mit der grellen Kriegsbemalung.
Der Abarth hat das Kurvenräubern raus. Geradezu eckig biegt er ab und tobt leichtfüßig über die Landstraße. Allerdings stören die synthetische Lenkung ...
... und die haltlosen Sitze den Fahrspaß. Speziell den Lehnen der knallroten Vordersitze fehlt seitliche Führung. Auch die brettharte Federung stellt Passagiere auf die Probe. Bodenwellen und Fahrbahnabsätze ...
... schütteln Abarth wie Mitfahrer ordentlich durch. Wer Komfort sucht, muss eben zu VW gehen. Fürs Platzangebot gilt das leider auch. Der 500 ist innen winzig, ...
... was auch fürs Gepäckabteil gilt: Hinter die Heckklappe passen zwischen 185 und 610 Liter – selbst im Vergleich zu den anderen Kleinen in diesem Test ist das winzig.
Beim Preis zeigt der Fiat 500 Abarth dann wieder Größe: 18.800 Euro (inklusive 300 Euro für die 17-Zoll-Bereifung) machen den giftigen Italiener zum zweitteuersten Auto in diesem Vergleich.
Der mit 312 Punkten drittplatzierte
Citroën DS3 fährt dem Audi trotz ähnlicher Leistung und sportlichem Anspruch hinterher. Macht nichts. Er läuft gut, federt passabel, kostet weniger.
Hauptsache anders? Ja, könnte man meinen, der Citroën überrascht schließlich mit reichlich extravaganten Details wie Parfümspender, ...
... der Haifischflosse in der Fensterlinie oder ...
... einem farbig gestalteten Armaturenbrett, das eine auffällig lackierte Blende trägt. Gleichzeitig überzeugt der besondere Kleinwagen aber auch mit angenehm unaufgeregten Eigenschaften, ...
... so fühlt man sich im luftigen Innenraum auf ordentlich gepolsterten Sitzen (im Paket 1280 Euro) gut aufgehoben, selbst hinten sitzt man aufrecht wie ein Mensch – im Gegensatz zu Audi und Fiat.
So sieht der Lademeister dieses Vergleichs aus: Ins Heck des Citroën DS3 passen zwischen 285 und 980 Liter – mehr verpackt keiner.
Die turbolose 1.6er-Maschine (120 PS, 190 Nm) arbeitet auf positive Weise zurückhaltend. Nicht so leise wie die aufgeladenen TSI von Audi und VW – dafür aufgeweckter und genauso sparsam (6,5 l/100 km).
Geizig ist der DS3 leider auf anderen Gebieten. Es gibt nur fünf Gänge, die sich zudem knochiger schalten lassen als bei VW. Und im Gegensatz zum Fiat ...
... fehlt einiges an Ausstattung – zum Beispiel kostet ein beheizter E-Außenspiegel im Paket 600 Euro extra. Einen Knieairbag bieten die Franzosen überhaupt nicht an. Als Sicherheits-Apostel geht er so nicht durch, ...
... aber gut aussehen, das kann er. Zum Beispiel mit den teilweise in Wagenfarbe lackierten Alurädern. Der Name seiner Ausstattungslinie spricht halt Bände: "SoChic".
Ein Kurvenstar ist der DS3 trotz strammer Federung nicht gerade – zu früh rutscht der DS3 über die Vorderräder nach außen, ...
... zu rigoros schreitet das ESP in diesen Fällen ein und bremst den Wagen ruppig aus. Auch bei den Fahrleistungen liegt der Franzose hinten: Tempo 100 steht nach zehn Sekunden auf dem Tacho, bei 190 km/h kommt die Nadel zum Stillstand.
Das zweitgünstigste Auto im Test: Für den DS3 VTi 120 in der Ausstattung "SoChic" verlangt Citroën 17.700 Euro.
Der zweite Platz geht mit 330 Punkten nach Ingolstadt. Edel, edel, der
Audi A1, aber die besondere Form schlägt aufs Platzangebot, der hohe Preis aufs Gemüt. Ausgewogenes Fahrwerk und flotter Motor gefallen.
Audis Anspruch steht fest: Premium, zu Deutsch: hochwertig, will der Audi A1 sein. Gepaart mit einer dicken Portion Fahrdynamik, das soll Erfolg bringen. Zwei Eigenschaften, die wir ruhigen Gewissens bestätigen können.
Der Audi ist piekfein verarbeitet und bietet innovative, aber teure Extras wie schlüssellosen Zugang, digitalen Radioempfang oder ein Festplatten-Navi, das im Connectivity-Paket mit 1125 Euro zu Buche schlägt.
Karftpaket: Mit seinem stärkeren 1,4-Liter-Turbo (122 PS, 200 Nm) kann der Audi den VW in jeder Situation abhängen, ...
... ob beim Sprint auf Tempo 100 in 8,6 Sekunden, beim Durchzug oder beim Top-Speed von 203 km/h. Aber nur, weil VW die Konzernbrüder nicht mit gleichen Motoren ausstattet. Noch nicht. Der größere Turbo ...
... bringt messbar mehr Elan, schluckt aber mit 6,4 Litern auf 100 Kilometer auch 0,2 Liter mehr als der 1200er des VW, trotz Start-Stopp-Systems und schlauen Bordcomputers.
Der Audi fährt sich vergnüglich, leichtfüßig, spurstabil und sicher. Die straffe, nicht zu harte Fahrwerkabstimmung und das fein regelnde ESP gefallen.
Schade, dass im Grunde nur zwei Erwachse diese Fahrqualitäten genießen können, ...
... für Mitfahrer bleibt im Fond wenig Platz, speziell an Kopffreiheit hapert's mächtig. Zum Vergleich: Der Polo bietet satte sieben Zentimeter mehr Luft über dem Scheitel, ...
... auch bei Kofferraum (270–920 Liter) und Zuladung (381 Kilogramm) fehlen wichtige Liter und Kilos – im Alltagseinsatz zieht der A1 den Kürzeren.
Kostspieliger Lifestyle-Mini: Die fast 20.000 Euro Grundpreis des A1 1.4 TFSI Ambition passen vielleicht zu Audis Anspruch – vereiteln hier aber unter anderem den Testsieg.
Mit 347 von 500 möglichen Punkten fährt der
VW Polo auch in diesem Vergleich ganz nach vorne. Geräumig genug, angenehm bequem, ausreichend motorisiert, sparsam, sicher – das sind die Attribute, aus denen Testsieger geschnitzt sind.
Der Begriff Allrounder umschreibt den beliebten VW nach wie vor am besten. Der unauffällig auftretende Wolfsburger patzt in keiner einzigen Disziplin, ...
... er stresst weder mit einem engen Fond ...
... noch mit funktionalen Macken. Dass er sich im Vergleich zum Audi kleine Schwächen bei der Verarbeitung leistet (zum Beispiel die schlecht entgrateten Kanten am Türfach), lässt sich in dieser Klasse noch verschmerzen.
Alltagstauglich: Das Gepäckabteil des Polo fasst zwischen 280 und 952 Liter.
In fast allen Disziplinen findet der Polo einen sauberen Kompromiss. Er federt am besten, schluckt selbst auf schlechten Straßen nahezu alles weg ...
... und lässt sich trotzdem noch zielsicher durch die Kurven scheuchen.
Kleine Überraschung: Mit der schwächsten Maschine in diesem Vergleich (1,2 Liter, 105 PS, 175 Nm) läuft der Polo unerwartet sanft, ...
... dank seiner langen Übersetzung in den letzten Gängen zudem sparsam. Die 6,2 Liter Testverbrauch auf 100 Kilometer unterbietet keiner. Gleichzeitig fährt er dem Feld nicht chancenlos hinterher, ...
... dem stärkeren Citroën nimmt er beim Standardsprint (9,8 s) sogar zwei Zehntelsekunden ab (Spitze: 190 km/h). Vorbildlich auch die Bremsen, der VW steht aus Tempo 100 nach 36,2 Metern. Das kennen wir schon, ...
... neu ist dagegen, dass ein VW beim Thema Geld gut aussieht. Selbst als gehobener Highline ist der Polo 1.2 FSI nicht der Teuerste. Für 17.425 Euro glänzt er mit üppiger Ausstattung, ...
... die Klimaanlage und sogar tadellos stützende Sportsitze inklusive Heizung sind serienmäßig an Bord. Nicht, dass ein Polo plötzlich ein Sonderangebot wäre – die modische Konkurrenz langt mittlerweile nur noch kräftiger zu.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jan Horn: "Audi gewinnt diesen ersten Vergleich nicht. Das kleinere Auto zum höheren Preis kann hier nicht siegen. Er verbraucht mehr als der Polo, ...
.... wirkt enger als der Citroën und ist langsamer als der Fiat. Ganz anders der Polo: Der beste Kompromiss ist zugleich das bravste Auto. Lebenshungrige Töchter könnten eher ...
... zum Fiat Abarth greifen, der aufgeregten Rennsemmel, oder zum DS3. Der Citroën lebt von seiner Originalität. Für den A1 bleibt der (teure) Reiz des Besonderen."
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