Spaß in kleinen Dosen: Diese vier Kleinwagen führen vor, dass Fahrvergnügen nicht unbedingt übertriebene Leistung und eine dicke Brieftasche braucht.
Ein Blick in die Startaufstellung: VW Polo 1.2 TSI, Mazda2 Sport 1.5 MZR, Renault Clio TCe 100 und Seat Ibiza SC 1.6 Sport (von links) treffen sich zum Vergleich der kleinen Sportler. Welcher hat am Ende die Nase vorn?
Der Mazda2 Sport 1.5 MZR gibt in dieser Runde den scharfen Feger. Er ist nicht der Beste in diesem Testfeld, aber der Kleinste. Und er hat den Spaß auf seiner Seite. Am Ende reicht es zu 285 von 500 möglichen Punkten und Platz vier.
Gib ihm ein paar enge Kurven, und es darf gelacht werden. Rein in die Ecke, runter vom Gas, und schon hebt der 3,9 Meter kurze Mazda ein Hinterrad und wedelt mit dem Heck. Nett, zumal das ESP zwar spät, ...
... aber energisch zupackt und Ausflüge in die Botanik verhindert. Zugegeben, Zartbesaitete können sich da schon mal erschrecken, ...
... und die Konkurrenz absolviert derartige Übungen geschliffener, zum Teil auch zügiger. Aber Spaß macht das, auch wenn dabei mehr Gefühl in der Lenkung nicht schaden könnte.
Der Mazda2 setzt auf einen 1,5 Liter großen Vierzylinder ohne Aufladung. Das Aggregat versorgt den kleinen Japaner mit 103 PS, das Drehmoment fällt mit 137 Nm aber etwas schmal aus. Trotzdem geht es ...
... im Mazda2 ganz ordentlich nach vorne: In 10,3 Sekunden ist aus dem Stand Tempo 100 erreicht, maximal sind 188 km/h drin. Der Motor gibt sich willig, aber ungehobelt, ...
... die Bremsen sind nicht die besten. Bis der Mazda2 aus Tempo 100 steht, hat er 37,6 Meter zurückgelegt.
Große Fahrer müssen auf dem nachgiebigen Sitz eine Demutshaltung einnehmen, denn der Verstellbereich ist zu gering. Und was das Maßband an Platz verspricht, fühlt sich in der Praxis ziemlich eng an. Dafür gibt es ...
... aber immerhin eine Sitzheizung im Mazda2.
Nicht zu übersehen: Im Mazda wird gespart. Es gibt viel Hartplastik, kleine Instrumente, wenig geräumige Ablagen. Gut: die präzise Fünfgangschaltung.
Der Kofferraum fällt zierlich aus: Mit 250 bis 787 Litern kann der Japaner in diesem Vergleich am wenigsten verpacken.
Auf Autobahnen hält der straff gefederte Mazda seine Insassen ständig in Bewegung, so dass der Besitzer vor Antritt einer längeren Reise gut daran tut, ...
... sich nach einem Zug-Billet umzusehen. Dennoch: Kein unsympathisches Auto, der Mazda, so wie er sich ins Zeug legt und wie er um die Kurven wieselt, aber in der Summe kein Vergleichstestgewinner. Zumal er, ...
... trotz manierlicher Serienausstattung gemessen am Gebotenen recht viel kostet. Für den Mazda2 als 1.5 MZR Sport werden 16.150 Euro fällig.
Der Renault Clio TCe 100 erreicht am Ende 295 Punkte und landet damit auf dem dritten Platz. Der kleine Franzose ist kein wilder Reißer, eher ein Cruiser. Und er wirkt dabei ganz schön erwachsen.
Die Marke mit dem Rhombus gehört zu den Pionieren des Downsizing. Das heißt: Kleinere Zylinder plus Aufladung ersetzen Hubraum und reduzieren – theoretisch zumindest – den Verbrauch. So zaubert der Clio aus nur 1,2 Litern stramme 100 PS und 145 Nm, ...
... entsprechend kraftvoll packt er zu. Allerdings dient der Dampf hier weniger der Sportlichkeit als dem zügigen Fortkommen. Bis Tempo 100 vergehen im Clio 10,7 Sekunden, auch mit 183 km/h Spitze fährt er dem Rest des Feldes hinterher.
Zum Kurvenkünstler hat der Renault in dieser Ausführung wenig Talent, dazu untersteuert er zu früh und wankt zu heftig, abgesehen davon, dass sein strenges ESP-Regiment keinen Spaß versteht. So kommt beim engagierten Kurbeln am Lenkrad ...
... keine große Freude auf, zumal der gefühlte Kontakt zur Straße diffus ausfällt. Auch die Kombination aus unpräziser Schaltung ...
... und schwammigem Pedalgefühl beim Bremsen animiert eher zur gelassenen Fahrweise. Warum auch nicht?
7,9 l/100 km verbraucht der Renault im Testdurchschnitt – das ist zu viel. Und schöpft man die PS aus, werden daraus leicht auch mal elf Liter. Da rächt sich, dass Renault auf Direkteinspritzung verzichtet.
Renault bevorzugt die erhöhte Sitzposition. Das macht es für Große nicht bequemer. Nachteil der nachgiebigen Sitze: wenig Seitenhalt. Dafür bietet der Clio ausreichend Platz und erfreut mit gutem Komfort sowie angenehmer Akustik, aber ...
... bei 4000/min durchfährt der Clio einen kritischen Bereich, was sich durch Dröhnen bemerkbar macht – im fünften Gang entspricht das etwa Tempo 140. Und beim Überrollen kurzer Querwellen zittert der Vorderwagen.
Auch dieses Renault-Cockpit beweist inzwischen Qualität. Etwas kümmerlich allerdings die Instrumente, zu unpräzise die Schaltung des Fünfganggetriebes.
Ziemlich viel auf einmal: Multifunktionshebel am Lenkrad.
Aufpreispflichtiger Pfadfinder: Ein Navigationssystem gibt es im Clio für 490 Euro. Das MP3-fähige CD-Radio ist serienmäßig an Bord.
Und so sieht der größte Kofferraum dieses Vergleichs aus. Ins Clio-Heck passen zwischen 288 und 1038 Liter.
Den geringsten finanziellen Einsatz in diesem Vergleich verlangt der Renault: Der Clio TCe 100 Dynamique ist für 14.890 Euro zu haben – das Style-Paket für 290 Euro ist bereits eingerechnet.
Ein spanischer Stier landet mit 298 Punkten auf Platz zwei. Der Ibiza ist hübsch, er ist sportlich, aber in seiner Brust schlägt ein recht müdes Herz.
Es ist kein Geheimnis: Auch der Seat ist ein VW, technisch zumindest. Ibiza und neuer Polo teilen sich die Basis – das ist gut für den Seat und schlecht für die Konkurrenz. Weniger gut ist freilich, dass sich der Ibiza mit einem Motor begnügen muss, ...
... der bei VW sein Verfallsdatum bereits überschritten hat: Vorn rumort der alte 1,6-Liter-Motor mit 105 PS. So verwundert es nicht, ...
... dass seine Antriebsqualitäten vergleichsweise bescheiden sind: Den Standardsprint auf Tempo 100 absolviert der Spanier in 10,3 Sekunden, bei 189 km/h ist Schluss mit Vortrieb. An den Fahrleistungen gibt es zwar nichts auszusetzen, ...
... aber in Anbetracht des fahrdynamischen Potenzials könnte es durchaus noch besser gehen. Der Testwagen rollte auf 17-Zoll-Rädern in der Sportausführung an. Damit kostet er nicht mehr viel weniger als der Vergleichs-Polo, ...
... fetzt aber mit noch mehr Freude um die Kurven. Für den sportlichen Fahrstil ist er in dieser Runde am besten geeignet. Die straffe Fahrwerkabstimmung hat auch ihre Nachteile: Komfort kommt im Seat zu kurz, ...
... das gilt für die Federung ebenso wie für die Akustik, die auf rauen Belägen unter enormen Abrollgeräuschen leidet.
Und der Verbrauch? 7,9 Liter Kraftstoff genehmigt sich der Ibiza auf 100 km. Er ist damit genauso durstig wie der Clio.
Tadellose Sitzposition, gut gepolsterte, großzügig bemessene Sessel. In diesem Punkt kann dem Ibiza keiner das Wasser reichen.
Der Ibiza hat sich gemausert: Das Cockpit ist schwungvoll gestylt, die Verarbeitung sauber. Der exakt geführte Schalthebel sortiert fünf Gänge.
Ein CD-Radio gibt es im Seat serienmäßig, für die Klimaautomatik müssen 350 Euro extra bezahlt werden.
Wer mit dem Spanier Transportaufgaben erledigen will, kann mit 284 bis 930 Litern Kofferraumvolumen rechnen.
Seat unterbreitet in diesem Vergleich das zweitgünstigste Angebot: Der Ibiza SC 1.6 16V Sport kostet 16.050 Euro – inklusive 17-Zoll-Bereifung für 200 Euro.
Gut war er schon vorher, jetzt ist er noch etwas besser. Und das verdankt der Polo dem Kürzel TSI. Mit 341 Punkten landet Wolfsburger souverän auf dem ersten Platz.
"Nicht schon wieder", mag der eine oder andere sagen – verständlich, denn der Polo scheint das Siegerpodest gepachtet zu haben. Was an messbaren Qualitäten liegt: Er kann halt viel, der Neue. Seine Karosserie bietet ausreichend Platz, sie ist praktisch, gut verarbeitet und funktional gemacht. Der Polo ist in der Stadt und in Kurven wieselflink, ...
... mit geringem Kraftaufwand bedienbar, und er hat die kürzesten Bremswege. Er liegt gut, bietet einen langstreckentauglichen Komfort und erzeugt beim Fahren die gute Laune, die von solchen Handtaschen-GTIs erwartet wird. Da macht die neue Variante ...
... 1.2 TSI keine Ausnahme. Hinter der Modellbezeichnung verbirgt sich ein 1,2-Liter-Vierzylinder mit Direkteinspritzung und Turbolader, und der macht ohne erkennbare Mühe 105 PS und 175 Nm Drehmoment (schon bei 1550/min) locker. Dezent schnurrend, temperamentvoll und ...
... bis auf eine kleine Anfahrschwäche emsig bei der Sache, verlangt er dem Fahrer unwillkürlich ein anhaltendes Schmunzeln ab – klasse, dieser Motor, und dazu mit 6,2 Litern auf 100 Kilometer noch der Sparsamste in der Runde.
In Sachen Fahrleistungen hängt der Polo den Rest des Testfeldes ab: Tempo 100 erreicht der 1.2 TSI in 9,5 Sekunden, erst bei 190 km/h muss er passen.
Zur Beruhigung: Auch ein Polo ist nicht perfekt. Die Serienbereifung etwa fällt gemessen am Potenzial des Fahrwerks dürftig aus. Er könnte noch geschmeidiger federn, übersichtlicher dürfte er sein, und mehr Gefühl in der Lenkung wäre auch kein Fehler.
Sachlich, nüchtern, übersichtlich: der Polo von innen – eine Augenweide bietet dieser Anblick nicht unbedingt. Als einziger in diesem Testfeld hat der VW ein Sechsganggetriebe an Bord.
Die Sitze sind zierlicher als im Seat, aber dennoch bequem. Auch gut: längs- und höhenverstellbares Lenkrad.
Gut zu bedienen: das Multifunktionslenkrad. Es kostet allerdings auch 310 Euro Aufpreis.
Hier zahlt der Polo-Käufer drauf: Ein CD-Radio kostet mindestens 475 Euro, das Navigationssystem ist für 500 Euro zu haben – allerdings nur in Kombination mit dem teureren Radio.
Mit umgelegten Rücksitzlehnen und damit 952 Litern Fassungsvermögen bietet der Polo das zweitgrößte Maximalvolumen in diesem Test. Minimal schluckt der Kofferraum 280 Liter.
Der Preis-Leistungs-Sieg geht an den VW: Mit einem Grundpreis von 16.425 Euro ist der Polo 1.2 TSI Comfortline nicht so viel teurer als die Konkurrenz. Er bietet aber mehr.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Wolfgang König: "Es sollte sie keiner unterschätzen, diese kleinen Flitzer. Mir haben sie mehr Freude gemacht als viele sogenannte Spaßautos, die um Klassen höher angesiedelt sind. Sie sind handlich, ...
... flink und praktisch. Und dass sie obendrein nicht viel Brot fressen, macht sie umso sympathischer. Im Renault und VW lassen sich zudem auch lange Strecken ohne Strapazen überstehen, während der sportlich orientierte Seat und der Mazda ...
... bei dieser Aufgabe schon eher an ihre Grenzen stoßen. Die Überraschung: der Turbomotor von VW. Er lässt den Polo über das gängige Kleinwagenniveau hinauswachsen."
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