Vier Supersportler im Schnee
Ja wie? Traumwagen und winterliche Straßen vertragen sich nicht – Sportwagen im Schnee, das tut weh? Von wegen! AUTO BILD hat vier automobile Träume ...
... in die verschneiten Berge gebeten und mit Lamborghini Gallardo Superleggera, Porsche 911 Turbo, Audi R8 und Bentley Continental GT Speed den ultimativen Schneewalzer getanzt.
Warum exakt diese vier? Weil es diesseits eines Bugatti Veyron die einzigen Supersportwagen sind, ...
... die ihre Kraft auf vier Räder verteilen. Da wäre zwar auch noch der Lamborghini Murciélago, aber versuchen Sie mal, für den Winterreifen zu finden.
Ungläubiges Staunen bei den Einheimischen angesichts der gelben Flunder: "Mit dem willst du aufi?" Im frischen Tiefschnee sieht der Italo-Renner eben noch irrer aus, noch flacher. Wie ein Eidotter auf Zuckerwatte.
1330 Kilo und 530 PS treffen auf pures Eis unter der Schneedecke. Kalter Schweiß mischt sich mit Tränen der Freude. Mit dem Schaltpaddel den ersten Gang einlegen, vorsichtig Gas geben. Ach was, einfach nur Gas geben! Der Gallardo fackelt nicht lange, ...
... zuckt kurz mit den Hüften, schiebt ab. Und wie. Er geht dahin wie vom Elefanten getreten, aber nicht auf kurzem Weg in den Schneehaufen, sondern bolzengerade ...
... die Pisten entlang. Ein Wunder? Wuchsen dem Lambo unversehends Krallen? Die Antwort auf diese Fragen liefert die erste Kurve, die schneller auftaucht als vermutet.
Die Kunst besteht darin, die Nase des Autos überhaupt zum Abbiegen zu überreden. Einfach nur einlenken ist bei der Glätte und hoher Geschwindigkeit zu wenig. Also Tempo rausnehmen und ganz sachte ...
... in die Kurve rein – der Gallardo gehorcht wie ein Blindenhund. Dann im Scheitelpunkt Stoff geben und bevor die Elektronik aufwacht, ...
... um die Sache zu regeln, schiebt bereits das Heck nach außen. Schön. Und überraschend handzahm, denn Gott sei Dank lässt sich der Monster-V10 im Heck maßgerecht zügeln.
Wintersport vom Allerfeinsten bietet der Lambo bei abgeschaltetem ESP: Wie Marc Giradelli wedelt der Wagen durch den Schnee, während sich die halb liegenden Insassen vorkommen, als würden sie mit dem Hintern über die Piste rutschen.
Umsteigen in den Porsche. Heckmotor und 480 PS – der Stoff, aus dem Träume sind. Oder Albträume? Kommt auf den Standpunkt an. Schon mal gut: Es sitzt sich wie in einem normalen Auto, ...
... also kein Flachmann auf Rädern. Deshalb sieht der Fahrer gleich viel genauer, wo es lang geht. Gerade in der weißen Hölle sehr angenehm.
Der Turbo-Boxer, der im Gegensatz zu den anderen Aggregaten optisch so viel hermacht wie die Rückseite einer Waschmaschine, röhrt nicht, er faucht nur. Ganz schön scheinheilig, denn ...
... wenn er über die Räder herfällt, beschleunigt das den Puls des Fahrers nicht weniger als der Lambo. Nur ganz anders: Turbo-Fahren ist wie surfen – vorn wird balanciert, ...
... von hinten kommt die Drehmomentwelle. Dabei düst der Elfer über den Schnee, als handele es sich um Kukident, gripmäßig mindestens auf Gallardo-Niveau. Etwas komplizierter dagegen ...
... optimales Kurvenfahren: Erst wil der Porsche geradeaus, und dann, wenn Kraft gefragt ist, werden seine elektronischen Heinzelmännchen zum Spielverderber. Also abschalten, selbst regeln. Doch nun ist ...
... die hohe Kunst des Dosierens angesagt. Wer den Bogen raushat, dem garantiert der Turbo Hochstimmung – perfekte Lenkung, die Traktion einer Pistenraupe und allzeit bereit zum fröhlichen Querfahren.
Alles Alu, dazu ein V8 zum Angewöhnen. Hat der neue R8 auch das Zeug zum Schneekönig?
An seinem Blutsverwandten Gallardo kommt auch der R8 nicht vorbei. Ihm fehlt es im Vergleich ...
... einfach an Grip, in den Biegungen genauso wie auf den Geraden. Aber Spaß macht der Ingolstädter trotzdem. Bis zum Abwinken sogar, wobei ...
... die Tatsache, dass der Achtzylinder im Audi-Heck 110 PS weniger leistet, als der Lambo-V10, keine Sorgen bereiten sollte. Bei diesen Verhältnissen ...
... traben in beiden Fällen sowieso viel zuviele Pferdchen in den Antriebsstrang.
Viel eher behindern den Audi die 230 Kilo Zusatzgewicht. Denn Masse bedeutet Trägheit, besonders, wenn sie rutscht. Trotzdem ...
... legt der R8 seinen Feinschliff, seine Balance und seine Ausgewogenheit auch im Schnee nicht ab. Da passt so ziemlich alles.
Wie der Gallardo setzt der R8 auf eine Kraftverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse per Lamellenkupplung. Die Differenzialsperren des Lamborghini hat der Audi aber nicht.
Handlich, gutmütig: Der Audi ist nicht der Schnellste der vier Kontrahenten, aber leicht zu fahren.
Der Allradantrieb des Bentley ist ein Segen, denn ohne ihn hätte er den Berg bestenfalls mit Schneeketten erklommen. So aber ...
... segelt der Engländer mit den deutschen Genen souverän, komfortabel und vollautomatisch geschaltet bergan, ohne seine Insassen nennenswert zu behelligen. Es empfiehlt sich allerdings, ...
... die Urgewalt des 610 PS starken Turbo-Zwölfzylinders schlummern zu lassen. Sonst kommt es nämlich ...
... selbst auf gerader Strecke schon mal zu Ausbruchsversuchen – trotz elektronischer Aufsicht.
Der reine Luxus: In feines Leder und hochglanzpoliertes Holz gebettet, hält der Bentley-Fahrer auch den härtesten Winter aus. Fehlt eigentlich nur noch der offene Kamin.
Aufgepasst! Spätestens eingangs einer Kurve erklärt sich im Continental GT Speed die alte Schneefahrerweisheit "was schwer ist, fliegt auch weit". Hier sind es stolze 2,4 Tonnen, wovon ...
... 1,4 Tonnen die Vorderachse belasten. Das ist so, als würden zwei Milchkühe auf der Motorhaube sitzen – gut für die Traktion, aber schlecht fürs Handling. Hat sich der Bolide ...
... dann aber doch zum Einlenken entschlossen, sollte der Pilot das Gas am besten mit größter Vorsicht streicheln. Denn anderenfalls droht ein Drehmoment-Tsunami das edle Bentley-Heck in den nächsten Schneewall zu bohren.
Lieber gemach also, dann lebt es sich im Bentley umso erquicklicher. Eis und Schnee sind für das Dickschiff eher ungeeignet. Hier überwiegt eindeutig die Vorfreude auf den Frühling.
Der Kommentar von AUTO BILD-Redakteur Wolfgang König: "Unglaublich, wie diese Kraftprotze über den Schnee tanzen. Und wenn schon Pistenschreck, dann ...
... geht nichts über den Gallardo – einfach tierisch. Aber im Elfer tobt es sich kaum weniger schön, und ansonsten ist er erheblich praktischer. Deshalb würde ich ...
... ihn auch dem relativ zahmen Audi vorziehen. Fürs Après-Ski käme nur der Bentley infrage – zu schwer für die Piste, aber ansonsten ein Traum.
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