Wem Kürzel wie GTI oder GTD eine leichte Gänsehaut verursachen, der ahnt: Das sind sportliche Gefährten, die einem schon nach wenigen Kilometern mächtig ans Herz wachsen können. Ein Vergleich der beiden Wolfsburger.
VW setzt ganz auf die Liebhaber und rückt den neuen Golf GTD mittels "Seelenverwandtschaft" (Pressetext) ganz nahe an den GTI. Das mag auf dem Papier stimmen, aber knistert es auch in der Praxis?
München Flughafen, strahlender Sonnenschein. Auf dem Parkplatz warten ein knallroter GTI und ein silberner GTD auf die doppelte Vergleichsfahrt Richtung Straubing und zurück. GT soll diesmal für Gas-Tour und Geiz-Tour stehen. Wer ist schneller, wer ist sparsamer, wer der wahre Gran Turismo?
Die Temperamentsfrage beantwortet schon der erste Blick ins Datenheft: 210 zu 170 PS (GTI zu GTD) verweisen den Turbodiesel auf Platz zwei. Rauf auf die A 92 in Richtung Landshut.
Der GTD, mit dem flink schaltenden DSG- Doppelkupplungsgetriebe (plus 1875 Euro) ausgerüstet, lässt seine 350 Newtonmeter-Muskeln auf die Vorderräder los, kommt mit angenehmem Sound in 8,1 Sekunden auf Tempo 100. Mit Schaltgetriebe wäre er übrigens genauso schnell. Ein solches hat unser GTI.
Mit dem Sechsganggetriebe ist er schon 1,2 Sekunden eher auf 100, die Werksangaben melden mit DSG-Automatik die gleichen 6,9. Den weiteren Galopp aber erledigt er wie ein gedoptes Rennpferd: Bis Tacho 250 (Werksangabe 240 km/h) dreht sich die Nadel, der GTI zieht dem GTD gnadenlos davon, der muss bei 220 passen.
Der nächste Spitzenwert verschlägt uns schließlich den Atem: Bei Höchsttempo schluckt der GTI 30 Liter, der GTD verbraucht da rund die Hälfte.
Also das Gaspedal gestreichelt, wir pendeln uns bei Tempo 130 ein: Plötzlich steht im GTI eine Sieben, beim GTD eine Sechs auf der Momentanverbrauch-Anzeige des Bordcomputers.
Aber egal, wie sehr sich der GTI auch zusammenzureißen versucht, an der Tankstelle gibt der Diesel-Bruder den Streber.
Egal ob schleichen (5,4 Liter Testverbrauch) oder ...
... spurten (8,7 Liter) – den Knauser-Diesel kann der Benziner nie einholen.
Der GTI schafft es, seinen Durst bei der Sparfahrt mit 7,3 Litern auf 100 Kilometern zu löschen. Im Spurt süffelt er aber 15 Liter weg.
Der GTD-Innenraum: alles drin, alles dran. Sport-Lenkrad mit Lederbezug, Chromeinlagen, Klimaautomatik – was will man mehr?
Das Lenkrad im GTI ist einfacher. Dafür gibt es hier aber die typischen roten Nähte.
Schickes Schuhwerk haben sie auch beide dabei: Hier die Felgen vom GTI, ...
... und hier die 17-Zoll-Alus vom GTD.
Und auch hintenrum zeigt sich der Diesel-Trinker sportlich: Das verchromte Doppelendrohr hübscht den braven Golf ganz schön auf.
Übers Fahrwerk lässt sich sagen: Der GTD gleicht dem GTI, die Lenkung passt, die Dämpfung schont die Knochen, bleibt aber straff.
Wer abstimmen will, der kann für 945 Euro die adaptive Fahrwerkregelung nehmen, sie lässt sich auf Sport-, Komfort- oder Normal-Modus einstellen
Am Charakter der beiden erstklassig verarbeiteten Gölfe ändert sich durch die Fahrwerkregelung aber nichts.
Sie stehen in der vor rund 30 Jahren gegründeten GTI-/ GTD-Tradition, ...
... beide für besonderen Geschmack gemacht, beide schon immer etwas teurer.
Heute beginnt die GTI-Freude bei 26.650 Euro, ...
... der GTD startet mit 27.475 Euro.
Doch wo steckt nun die echte Gran-Turismo-Seele?
AUTO BILD-Redakteur Diether Rodatz ist sich sicher: "Die GT-Seele steckt im GTI! Ein Diesel, wenn auch hochmodern, bleibt immer ein Diesel."
Der GTI bekommt in diesem Vergleich 4,5 von fünf möglichen Sternen, denn nur wo GTI draufsteht, steckt GT-Geist drin. Er bleibt das Vollblut seiner Klasse: schnell, drehfreudig. Der Durst? Den kann jeder zügeln.
Der GTD bringt es auf vier von fünf Sternen. Er ist ein GT der Vernunft, mit Sportlichkeit für Centfuchser, die dem schon wieder tankenden GTI-Fahrer die Nase zeigen wollen.
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