Da ist er wieder. VW liefert seinen Kombi-Kunden ab Juni – entgegen früheren Absichten – nun doch wieder einen Golf Variant. Und stellt damit ein großes Fragezeichen in den Raum: Wer braucht jetzt noch einen Passat Variant?
Das wollte AUTO BILD auch wissen und bat die beiden zur ersten Ausfahrt. Verwechslungsgefahr besteht kaum. Front ...
... und Heck des Passat Variant, für den sich in Deutschland ...
... acht von zehn Passat-Käufern entscheiden, machen einen eigenständigen technischen Eindruck.
Vor allem die dominanten, zweigeteilten Rückleuchten mit ihren runden LED-Blinkern setzen auffällige Design-Signale.
Für Familien ist der Passat Variant eine Bank: viel Platz, Komfort, gute Fahreigenschaften, sparsame und kräftige TDI-Motoren.
Starke Konkurrenz ist er gewohnt, aber nun rückt ihm einer seiner Stallkollegen dicht auf die Pelle: der neue Golf Variant.
Vorn zeigt der kleine Bruder das bei uns seltene Jetta-Gesicht mit den zwei verchromten Doppelstreben im Grill.
Bis zur C-Säule gleicht die Flanke der Golf-Stilistik, aber dann kommt das dicke Ende. Besonders seine Heckpartie ...
... birgt Stoff für Kontroversen. Auf jeden Fall ist sie sehr gewöhnungsbedürftig – die Markenidentität ist futsch.
Mit dem kleinen VW-Emblem und den weit in die Seiten gezogenen Lampengläsern erinnert der Variant-Po eher an den 5er-Touring von BMW als an einen typischen Volkswagen.
In Sachen Fahrkomfort zeigt der in Mexiko produzierte Golf Variant 2.0 TDI echte VW-Qualitäten. Ob in der Stadt, auf der Landstraße oder Autobahn – der 140-PS-Kombi beschleunigt in jeder Situation souverän, fährt präzise um Kurven aller Art.
Im Golf wie im Passat geizt der identische Pumpe-Düse-Motor vorbildlich mit dem Sprit. Doch lautes Dieselknurren sowie das schmale nutzbare Drehzahlband erinnern jederzeit daran, dass hier ein kerniger Selbstzünder am Werk ist.
Relevante Unterschiede im täglichen Umgang werden erst beim Einparken spürbar. Denn dabei hat die 22 Zentimeter kürzere Golf-Karosserie Vorteile.
Wo der Passat mit viel Lenkrad-Kurbelei in eine enge Lücke gequetscht werden muss, flutscht der Golf in einem Zug hinein.
Auch nach vorn bleibt der Golf Variant ein typischer Golf. Leider. Durch die tiefe Sitzpostion ist das vordere Wagenende nur zu erahnen. Da ist der Passat besser.
Schickes Extra: Für 1130 Euro gibt es den Golf mit Panorama-Schiebedach. VW-Premiere!
Der Sitzkomfort im Fond entspricht dem des normalen Golf. Platz für Kopf und Knie ist genügend vorhanden.
Mehr Breite und Länge machen den Passat innen logischerweise luftiger. Die Mittelkonsole ist breiter als im Golf, die Aluverkleidungen verleihen eine vornehme Note.
Hinten sind Sitzkomfort und Platzangebot dank des 13,5 Zentimeter längeren Radstands merklich besser als im kleineren Bruder.
Den entscheidenden Schlag versetzt der Golf seinem großen Bruder vor dem Getränkemarkt. Wer schluckt mehr?
Erst der Passat: Zwölf Kisten mit je zwölf Einliter-Flaschen Cola passen rein, wenn er mit vier oder fünf Personen besetzt ist.
Macht insgesamt 144 Liter, genug für ein Dorffest. Hier und da bleibt noch Luft für Grillkohle, Würstchen und Pappteller. Aber eine weitere sperrige Kiste kann der Passat nicht verdauen.
Dann der Golf: Mühelos verschwinden die zwölf Kisten in seinem Kofferraum. Und er schafft noch mehr. Ein Zwölfer-Kasten mit Halbliter-Flaschen plus ein Sechsliter-Saftträger finden auch noch Platz.
Eine echte Überraschung. Zwar liegt das Kofferraum-Volumen des Passat nach der VDA-Messmethode mit 603 bis 1731 Litern über dem des Golf (560 bis 1495 Liter), doch der Test belegt, dass der Golf-Variant-Kofferraum besser nutzbar ist.
Wer abschließend auf den Preis schaut, muss erst mal tief durchatmen. 25.490 Euro kostet ein 140-PS-Golf Comfortline mit Dieselpartikelfilter. Das sind 4234 Euro weniger als für den identisch motorisierten Passat.
Fazit: Die Fahreigenschaften des Golf sind ähnlich hoch entwickelt wie die des größeren Bruders. Bei der Transportkapazität ist er sogar besser. Wer keinen Dienstwagen-Anspruch hat und auf Image verzichten kann, ist mit dem Golf Variant bestens bedient.
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