Der
VW Touareg (links) ist der erste deutsche Vollhybrid, den man bei uns kaufen kann. AUTO BILD hat das neue Wolfsburger SUV gegen den Mischantriebs-Altmeister
Lexus RX 450h antreten lassen.
Konzeptvergleich: Im Touareg können Verbrenner und Elektromotor komplett getrennte Wege gehen – genau deshalb spricht man hier vom Parallelhybriden. WW verbaut eine Achtstufenautomatik, verbindet E-Motor und V6 mit einer mechanischen Kupplung.
Auch
Lexus setzt auf den parallelen Vollhybriden. Der wichtigste Unterschied zum
VW besteht darin, dass es zwischen E-Motor und V6 keine mechanische Verbindung gibt – das Zusammenspiel wird über ein Planetengetriebe und eine sehr clevere Elektronik gesteuert. Wie bei VW möglich: reiner E-Betrieb und Laden der NiMH-Akkus beim Bremsen.
Der neue Touareg hat den mächtigeren Auftritt, der Lexus wirkt dagegen fast schon zierlich, ist aber genauso groß und genauso schwer. Am Ende kann er ...
... seinen deutschen Konkurrenten nicht schlagen und landet auf dem zweiten Platz. Der
RX 450h zeigt sich ausgereift, technisch auf hohem Niveau, ...
... er liegt beim Verbrauch vor dem VW, fährt sich aber weniger komfortabel und handlich.
Im Japaner arbeiten ein 3,5-Liter-V6 mit 249 PS, ein E-Motor vorn mit 167 PS und einer an der Hinterachse mit 68 PS. Die Systemleistung lässt sich aber nicht einfach addieren, sie beträgt 299 PS. Der
Lexus kann rein elektrisch schleichen, etwa zwei Kilometer weit und mit maximal 45 km/h.
Interessant: Durch das (simuliert) stufenlose Getriebe ergibt sich ein kleiner Gummiband-Effekt – der V6 dreht mit konstanter Drehzahl, der RX beschleunigt hinterher. Und das nicht zu knapp. In 7,8 Sekunden auf 100 km/h, erst bei 200 km/h ist Schluss.
Der Lexus ist flink unterwegs, wirkt aber nicht so kernig und energisch wie der VW. Seine Stärke ist entspanntes Gleiten – auch wenn die Federung nicht sonderlich komfortabel anspricht. Lexus gibt einen Verbrauch von 6,3 Litern an. Im Test kamen wir Mitte 2009 auf erstaunliche 8,5 Liter – schade aber, dass er nur Euro 4 schafft.
Sehr gut abgestimmt: Anders als im VW, wo die Automatik manchmal die Gänge noch ruckartig sortiert, beherrscht der Japaner das stufenlos-sanfte Schweben perfekt.
Ganz schön futuristisch, diese Kommando-Zentrale: Das Lexus-Cockpit verzichtet auf den Drehzahlmesser, ...
... der große Monitor auf der Mittelkosole zeigt unter anderem den Kraftfluss an.
Schwammige Sitze, wenig Seitenhalt, hohe Position – in Amerika ist das durchaus beliebt.
Der Lexus ist ein bequemer Reisegenosse. Nur hinten wird es über dem Kopf etwas eng.
Eine verschiebbare Rückbank mit neigungsverstellbaren Lehnen hat der RX 450h schon lange, der Kofferraum dahinter fasst zwischen 446 und 1570 Liter, ...
... unter dem Ladeboden ist dank der geschickten Anordnung der Batterien sogar noch Platz für ein Notrad.
An der Kasse überholt der Lexus den VW: Mit einem Grundpreis von 59.690 Euro ist der RX 450h deutlich billiger als der Tourareg Hybrid.
Der neue Touareg ist ein eindrucksvolles Auto geworden: schick, geräumig, bequem und handlich. Als Hybrid überzeugt er, ist aber sehr teuer. Es reicht in diesem Vergleich trotzdem zum knappen Sieg.
In der Touareg-Familie soll der Hybrid den 4,2-Liter-V8-Benziner mit 310 PS ersetzen. Entsprechend lesen sich die Leistungsangaben: Dreiliter-V6-Kompressor-TSI mit 333 PS, E-Motor mit 46 PS, Systemleistung 380 PS und immerhin 580 Nm Drehmoment. Wenn TSI und E-Motor sich vereinen, ...
... reicht das für eine Spitze von 240 km/h. Weit wichtiger: Der Sprint von 0 auf 100 soll in 6,5 Sekunden erledigt sein. 6,5 Sekunden: Wir reden von einem Auto, das über zwei Tonnen wiegt. Beim Verbrauch verspricht
VW bemerkenswerte 8,2 Liter. Wir werden es beizeiten nachprüfen.
Vorn liegt der VW mit seinem Fahrverhalten. Er fährt komfortabel, dabei leichtfüßig und ausgesprochen handlich, bleibt auch bei hohem Tempo souverän.
Eigenartig: Der Touareg bremst mit einem teigig-synthetischen Gefühl im Pedal. Ursache ist der Technik-Mix – zuerst wird rein elektrisch gebremst, später mechanisch. Das funktioniert im Lexus besser, sein Bremsgefühl unterscheidet sich nicht von dem im Benziner.
Eindeutig Oberklasse: VW hat den neuen Touareg luxuriös eingerichtet. Sehr gediegen, das Ganze, ...
... Achtstufenautomatik und Klimaautomatik sind immer an Bord.
Interessantes Extra: "Area View". Je eine Kamera in Heckklappe, in den Außenspiegeln und im Kühlergrill übertragen die Umgebung auf das zentrale Display, ...
... auf dem es auch bei VW die wichtigsten Information zum Energieverbrauch des Antriebs gibt.
Wer macht gerade was? Im Cockpit informiert der Touareg Hybrid, welche der beiden Kraftquellen aktuell die Antriebsarbeit übernimmt.
Im Touareg gibt es jede Menge Platz und sehr bequeme Sitze. Wegen des jetzt vier Zentimeter längeren Radstandes ...
... sind im Fond auch große Leute mehr als anständig untergebracht. Auch mit 1,93 Metern Körpergröße sitzt es sich in Reihe zwei sehr gut.
Die Fondlehne lässt sich geteilt umlegen, die Entriegelungsknöpfe liegen rechts an der Seitenwand. Ein konventioneller Touareg verpackt zwischen 580 und 1642 Liter, die Hybridversion nur zwischen 433 und 1555 Liter, ...
... weil der unter dem Ladeboden eingebauten Nickel-Metall-Akku schließlich auch Platz braucht.
73.500 Euro kostet der
VW Touareg – das ist trotz jeder Menge Ausstattung happig. Zumal der Hybrid im Moment nur mit Radio-Navi-System RNS 850 für 2265 Euro geliefert wird. Macht dann zusammen satte 75.765 Euro.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Dirk Branke: "Lexus und VW faszinieren durch die Harmonie ihrer Hybrid-Antriebe. Schön zu erleben, wie solche Autos die Fahrweise verändern: Man fährt gelassener ...
... und sparsamer. Unterm Strich überzeugt der Touareg deutlich mehr, fährt sich direkter und agiler als der auf den US-Markt zugeschnittene Lexus. Dessen Antrieb allerdings zeigt die größere Reife."
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