Bye-bye Humvee! Auf der Straße kennen wir den Militär-Jeep als
Hummer. Die Einsätze in Irak und Afghanistan haben den Kriegsveteranen an seine Grenzen gebracht. Der High Mobility Multipurpose Wheeled Vehicle (HMMWV, gesprochen: Humvee) gehört zum alten Eisen. Nach 30 Jahren muss ein Nachfolger her.
Am Haken des CH-47 Helikopters kommt ein potenzieller Nachfolger von Lockheed Martin. Sämtliche Prototypen werden unter realen Bedingungen in der US-Army getestet. Ein wichtiges Kriterium für den neuen Humvee: Trotz dicker Panzerung muss er leicht zu transportieren sein.
Der Prototyp von Lockheed Martin soll Mobilität mit bestmöglichem Schutz verbinden. Richtig interessant wird es im Inneren. Dort hat der Hersteller seine Erfahrungen aus der Luft- und Raumfahrt eingebracht und das Cockpit besonders bedienerfreundlich gestaltet. Es heißt sogar, das Fahrzeug sei um den Soldaten herum entworfen worden.
Um sich den wechselnden zukünftigen Einsatz-Situationen anzupassen, muss der neue Humvee flexibel sein und sich in allen Regionen der Erde heimisch fühlen. Lockheed Martin bietet eine Basis an, die nach Bedarf auf- oder abgerüstet wird.
Eine Basis, drei Fahrzeugtypen: Das Baukasten-System macht aus dem Jeep einen Transporter, ein Führungsfahrzeug oder ein Gefechtsfahrzeug mit Geschützturm für leichte oder schwere Waffen. Das Pentagon verlangt von allen Bewerbern diese Wandelbarkeit.
Lockheed Martin verspricht eine 60 Prozent bessere Kraftstoffnutzung gegenüber vergleichbaren Modellen. Immerhin will die US-Army zunächst ein Drittel der 150.000 Humvee ersetzen. Bei 50.000 neuen Fahrzeugen zahlt sich jede Spritersparnis aus.
Patrouillenfahrten sind das Hauptgeschäft des Humvee, was auch für den Nachfolger gelten wird. Größte Bedrohung sind improvisierte Sprengfallen und Minen auf den Straßen. Lockheed nutzt eine V-förmige Hülle. Sie leitet Explosionen von der Besatzung ab.
Das Pentagon kennt keine Gnade: Die Bewerber müssen beweisen, dass sie in Höhen von 3650 Meter ebenso gut funktionieren wie bei minus 40 und plus 50 Grad Celsius.
Der amerikanische Nutzfahrzeughersteller Oshkosh hat bereits einen dicken Deal mit der US-Army an Land gezogen und beliefert die Truppen mit schwer gepanzerten Patrouillen-Fahrzeugen.
Zwischenzeitlich galten diese schon als Humvee-Nachfolger. Für den endgültigen Coup müssen die elf Tonnen schweren Panzer etwas abspecken. Als weiteren Anreiz hat Oshkosh einen sparsamen Diesel-Hybrid-Antrieb im Prototyp verbaut. Im reinen Elektroantrieb geht das Fahrzeug auf "Schleichfahrt".
Der Hybrid-Antrieb soll den Jeep nicht in seiner Geländegängigkeit einschränken. Oshkosh behauptet sogar, dass ihr Prototyp 25 Prozent mehr Federung als alle anderen Militär-Fahrzeuge bietet.
Noch eine Forderung des Pentagons: der Fahrer muss von seinem Platz aus vier Luftdrücke (Straße, Off-Road, Notfall, Matsch und Schnee) für die Reifen einstellen können. Die Dauer der Umstellung soll zwei Minuten betragen.
General Tactical Vehicles (GTV) ist ein Zusammenschluss der Rünstungsunternehmen General Dynamics und AM General. Letztere hatten einst den Humvee entwickelt. Jetzt kommt der Prototyp als "Hummer auf Steroiden". Heißt: Eine stärkere Panzerung ..
... von Rumpf und Außenhaut soll die "Überlebensfähigkeit" des Radfahrzeuges gewährleisten.
Die variable Fahrwerkseinstellung lässt den GTV JLTV ...
... unterschiedlichen Lagen stets stabil stehen. Die Waffen bleiben dadurch präziser im Ziel.
Die Panzerung der Außenhaut sowie der Fenster soll laut GTV besser als bei anderen militärischen Fahrzeugen dieses Typs sein.
Offensichtlich reichte AM General die Kooperation mit General Dynamics nicht. Der Vater des Ur-Humvee geht mit einem ganz eigenen Nachfolger an den Start: dem "Über-Humvee" BRV-O, der nach Angaben des Herstellers alle Anforderungen übertrifft, die das Pentagon an den Humvee-Nachfolger stellt.
Der Explosionsgeschützte-Offroader, so die Übersetzung der Abkürzung BRV-O, wurde auf über 480.000 Kilometer auf Herz und Nieren getestet.
BAE Systems nennt seinen Prototyp "Valanx". Der Name setzt sich zusammen aus "Phalanx", eine Kriegs-Formation aus dem antiken Griechenland und dem "V" für den V-förmigen Rumpf, der Explosionen vom Fahrzeuginneren ablenkt.
Um Kosten zu verringern, ist die Basis des Valanx nah an einer Straßenversion angelehnt und kann je nach Bedarf aufgerüstet werden. Hummer-Fan Arnold Schwarzenegger dürfte sich bei dem Anblick schon die Hände reiben.
Ford steuert den 6,7-Liter-V8-Diesel bei. Der Motor stammt aus dem
Pick-up Super Duty. Die britische BAE gehört zu den größten Rüstungsunternehmen der Welt.
Weitere Voraussetzung vom Pentagon: Der neue Humvee muss 560 Kilometer bei 55 km/h mit einer Tankfüllung schaffen. Im schwierigen Gelände gilt es, 480 Kilometer bei gleicher Geschwindigkeit zu bewältigen.
Der Sprint von 0 auf 50 km/h muss in sieben Sekunden erfolgen.
Das Maximalgewicht soll bei 5,7 Tonnen liegen.
Innerhalb von 30 Minuten muss das neue Arbeitstier der US-Army transportfähig für Luft, See oder Straße sein.
Ebenfalls nur 30 Minuten darf es dauern, einen Schutz gegen Raktenangriffe, sogenannte RPGs, anzubringen.
Sollte es dennoch krachen, muss ein automatisches Feuerlöschsystem die Besatzung schützen.
Der Valanx erinnert in der Basis-Version noch am ehesten an ein normales Straßenfahrzeug.
Hersteller Navistar kommt ursprünglich aus der Landwirtschaft. Mit ihrem Saragota sind sie recht spät in den Wettkampf um den Humvee-Nachfolger eingetreten. Nach eigenen Aussagen zeichnet sich ihr Fahrzeug durch wenig Gewicht und hohe Belastbarkeit aus.
Der Saragota wird von einem MaxxForce 6D V8-Diesel-Motor mit 340 PS und 660 Nm Drehmoment angetrieben.
Der Ultra von Georgia Tech Research Institute (GTRI) ist ein Prototyp mit schlechten Chancen. Er baut auf einem normalen Truck-Chassis auf.
Die Kapsel ist die eigentliche Innovation. Eine neuartige Panzerung soll besonders guten Schutz bieten.
Des Millenworks Konzept gehört ebenfalls zu den weniger erfolgreichen Prototypen.
Wie Oshkosh hat auch Millenworks einen Hybridantrieb verwendet.
Der Humvee setzte sich in den 1970er-Jahren bei einer Ausschreibung gegen den
Lamborghini LM002 durch. Daraufhin kam 1983 zwischen Hersteller AM General und der United States Army ein Vertrag zustande, der als größter jemals durch die US-Army abgeschlossener Vertrag zur Lieferung militärischer Radfahrzeuge gilt.
Der Humvee ist nicht nur beim Militär beliebt. Insgesamt kamen drei Straßenversionen vom H1 bis H3 auf den Markt. General Motors stellte die Produktion des Hummer 2010 ein. Gleichzeitig endete auch die Lieferung vom Humvee an die US-Army. Die geforderte Stückzahl von 150.000 war erfüllt.
Zuletzt haben zahlreiche Sprengstoffanschläge im Irak und in Afghanistan das leicht gepanzerte Einsatzfahrzeug an seine Grenzen gebracht. Zwischenzeitlich wurde Ersatz besorgt. Fahrzeuge, die höher liegen, stärker gepanzert sind und ihre Besatzung besser vor Minen und Sprengfallen schützen.
Der
Marauder aus Südafrika gehört zu diesen extrem gepanzerten Radfahrzeugen.
Seine Straßenversion lässt dem Hummer zu einem Kleinwagen schrumpfen. Allerdings ist ein solches Schwergewicht mit seinen zehn Tonnen weder flink, noch spritsparend oder einfach zu transportieren. Anforderungen, die der längerfristige Nachfolger vom Humvee erfüllen muss. So fordert es die US-Army in ihrer Ausschreibung.
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