Der Gesetzgeber fordert eine angepasste Ausrüstung bei Eis und Schnee: Eiskratzer, Frostschutz für die Scheibenwäsche und Winterreifen gehören dazu.
Der Reifenwechsel wird bei einem Reifentest zur Routine, egal ob bei winterlichen Temperaturen im nordschwedischen Alvsbyn oder auf dem Wachauring.
Auf dem Beifahrersitz ist der Kollege Computer verzurrt, das Laptop an der Frontscheibe fixiert.
Winter-Greifer: Raddrehzahlgeber an Vorder- und Hinterachse ermitteln über den Schlupf die jeweilige Zugkraft.
Was ist ein Winterreifen? Nur das rechtlich geschützte Schneeflockensymbol vor dem dreizackigen Berg garantiert ein Mindestmaß an Schneetauglichkeit. Das Kürzel "M+S" ist irreführenderweise auch auf Sommerreifen zu finden. Von der Polizei wird es aber als Kennzeichnung für eine "angemessene Winterbereifung" akzeptiert.
Traktion: Der Schneekönig trägt den Namen Pirelli Winter 240 Sottozero Serie II. Er kann die Antriebskräfte auf festgefahrener Schneedecke am besten in Vortrieb umsetzen. Michelin und Hankook zeigen an vereisten Steigungen eine leichte Schwäche, wer es mit Sommerreifen versucht, hat verwachst.
Bremsen: Beim Bremsen zeigt sich exakt die gleiche Reihung wie bei der Traktionsmessung. Pirelli und Nokian kommen bei der Vollbremsung aus 50 km/h als Erste zum Stehen. Auf Sommerreifen benötigt unser Corsa weitere 43 Meter bis zum Stillstand, das kann im Ernstfall teuer zu stehen kommen.
Handling: Der neue Pirelli der "Serie II" liegt in allen Schneedisziplinen in Führung, auch auf dem Handlingkurs fährt er nahezu gleichauf mit dem Dunlop Winter Sport M3 die schnellste Runde. Für ihr sicherharmonisches Fahrverhalten sammeln beide auch bei der Subjektivbenotung die meisten Pluspunkte.
Slalom: Eine gute Seitenführung bedeutet sichere Handlingeigenschaften und sorgt für Fahrspaß auf verschneitem Untergrund. Bei Talfahrt sorgt sie für ein spurstabiles Fahrverhalten. Pirelli zeigt, wie es geht, bei Hankook, Michelin und Nokian rutscht das Fahrzeug frühzeitig über die Vorderräder.
Aquaplaning: Der Sommerreifen mit seinen breiten Profilkanälen kann das Wasser unter der Lauffläche am besten aufnehmen. Den Winterreifen ist er weit überlegen, ihr geschlossenes Profil hat einen geringeren Negativanteil. Der Nokian verliert bereits erschreckende 18 km/h früher den Kontakt zur Piste.
Kurvenaquaplaning: Mit Schmelzwasserbächen in der Kurve werden nicht alle Winterreifen gleich gut fertig. Pirelli und Michelin bieten die besten Sicherheitsreserven gegen den Wasserkeil unter der Lauffläche, der Nokian geht auch hier als Erster baden. Der Sommerreifen ist auch in dieser Testdisziplin klar im Vorteil.
Handling: Mit bestem Grip und sicherer Seitenführung gehen die Winterreifen von Pirelli, Dunlop und Hankook in Führung. Schmaler Grenzbereich beim Michelin, Lastwechsel am Limit führen zu plötzlich ausbrechendem Heck. Mit dem Maxxis fehlt es dem Corsa vorn an Grip, hinten an Stabilität.
Kreisbahn: Die schnellste Runde an der Haftgrenze legt der Sommerreifen vor, und das mit überdeutlichem Abstand. Winterreifen rangieren bei Nässe einfach in einer anderen Klasse, bei jeder Temperatur. Mit auffällig wenig Seitenführung unterwegs: der chinesische Billigreifen der Marke Maxxis.
Bremsen: Das Bremsen auf regennasser Bahn gehört unter Sicherheitsaspekten zu den wichtigsten Testdisziplinen überhaupt. In akzeptablem Abstand zum Sommerreifen kommen die Winterpneus von Dunlop, Hankook, Nokian und Pirelli zum Stehen. Mangelhaft: die zusätzlichen 14 Meter des Maxxis.
Handling: Sportlich abgestimmte Fahrzeuge wie unser Testwagen, der Corsa OPC, können das Potenzial eines Reifens voll ausschöpfen. Der Michelin Primacy Alpin erreicht bei der subjektiven Beurteilung schon das Niveau eines Sommerreifens, bei der Rundenzeit müssen aber noch Abstriche gemacht werden.
Bremsen: Bei einer Vollbremsung auf trockener Piste zählt in einer Notfallsituation jeder Meter Anhalteweg. Der Hankook W 300 verliert als bester Bremser unter den Winterreifen nur eine halbe Wagenlänge auf den Sommerreifen. Beim Dunlop SP Winter Sport M3 sind es bereits knapp sieben Meter.
Abrollkomfort: Wer einen Opel Corsa OPC sein Eigen nennt, macht sich über den Fahrkomfort nicht allzu große Gedanken. Dennoch gibt es Reifen, die die Unebenheiten der Fahrbahnoberfläche besser wegfiltern als andere. Bestnoten kassieren die Softies von Michelin und Dunlop, spürbar ruppiger geht der Maxxis Presa Snow ans Werk.
Vorbeifahrgeräusch: Die Abrollgeräusche werden auf einer Teststrecke mit genormter Asphaltoberfläche gemessen. Die Unterschiede zwischen dem Flüsterreifen von Hankook und dem Pirelli als lautestem Teilnehmer bleiben in engen Grenzen. Im Cockpit sind sie vom Geräuschpegel her jedenfalls kaum zu unterscheiden.
Rollwiderstand: Reifen mit niedrigem Rollwiderstand helfen beim Spritsparen. Ein Unterschied von fünf Prozent im Rollwiderstand senkt den Kraftstoffverbrauch nach Faustformel um ein Prozent. Mit dem Spritsparer von Michelin wäre im Vergleich zum Dunlop also eine Ersparnis von knapp drei Prozent möglich.
So haben wir bewertet: Die Bewertung erfolgt in Schulnoten von 1 = "sehr gut" bis 6 = "ungenügend". Eine Kapitelnote schlechter als 2- und Einzelnoten schlechter als 3+ erlauben kein "Vorbildlich" mehr.
Der Pirelli W 240 Sottozero Serie II 91 V ist vorbildlich. Stärken: Spitzen-Winterreifen mit vorbildlichen Fahreigenschaften und bester Traktion auf verschneiter Piste. Große Sicherheitsreserven bei Aquaplaning und ein dynamisch sicheres Handlingverhalten auf nasser Fahrbahn. Schwächen: leicht erhöhtes Abrollgeräusch. Der Preis: ca. 170 Euro.
Der Dunlop SP Winter Sport M3 91 V ist empfehlenswert. Stärken: überzeugende Winterqualitäten mit stabiler Seitenführung, guter Traktion und sicheren Handlingeigenschaften. Die kürzesten Nassbremswege und ein leises Abrollgeräusch. Schwächen: mäßige Trockenbremswege und geringe Reserven bei Aquaplaning in Kurven. Der Preis: ca. 150 Euro.
Der Michelin Primacy Alpin PA3 87 H ist empfehlenswert. Stärken: gute Sicherheitsreserven bei Aquaplaning. Dynamische Handlingqualitäten mit hoher Lenkpräzision auf trockener Strecke und niedrigster Rollwiderstand. Schwächen: eingeschränkte Seitenführung auf Schnee, leicht verlängerte Nassbremswege. Der Preis: ca. 180 Euro.
Der Hankook Icebear W 300 91 V ist empfehlenswert. Stärken: stabile Fahreigenschaften mit guter Lenkpräzision auf trockener Piste. Kurze Bremswege auf nasser wie trockener Fahrbahn, angenehm leises Abrollgeräusch. Schwächen: nur durchschnittliche Winterqualitäten und mäßiger Abrollkomfort. Der Preis: ca. 120 Euro.
Der Nokian WR G2 91 V ist empfehlenswert. Stärken: hohe Zugkraft und kurze Bremswege auf verschneiter Piste. Ausgewogene Handlingeigenschaften mit stabiler Seitenführung auf trockener Fahrbahn. Schwächen: eingeschränkte Seitenführung auf Schnee und geringe Aquaplaningreserven. Der Preis: ca. 120 Euro.
Der Maxxis Wintermaxx Presa Snow MA-PW 91 V ist nicht empfehlenswert. Stärken: gute Traktion und stabile Seitenführung auf Schnee. Kurze Bremswege und sicheres Fahrverhalten auf trockener Piste. Schwächen: kritisches, lastwechselanfälliges Fahrverhalten und viel zu lange Bremswege auf nasser Strecke. Eingeschränkter Abrollkomfort. Der Preis: ca. 110 Euro.
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