30 Jahre Renault 5

30 Jahre Renault 5 30 Jahre Renault 5

30 Jahre Renault 5

— 02.05.2002

Bon anniversaire, kleiner Freund!

Zeit fürs H-Kennzeichen: Im Mai 1972 debütierte der Renault 5. Als "kleiner Freund" wurde er zu Renaults großem Verkaufsschlager.

Einige Bekannte sieht man so oft, dass man eigentlich gar nicht bemerkt, wie sie älter werden. Lange Zeit ging das auch so mit dem R 5, dem "kleinen Freund" von Renault, der nun auch schon seinen 30. Geburtstag feiert – und sich leider auf unseren Straßen auch immer seltener blicken lässt. Dabei war der Renault 5 über Jahre hinaus nicht nur der Franzosen liebster Einkaufswagen, sondern auch bei uns immer gern gesehen. Renault setzt ihm deshalb ein kleines Denkmal: Am 4. und 5. Mai 2002 fand im Technik-Museum Speyer die große Renault-5-Geburtstagsfeier statt.

Geburtstagsfeier in Speyer

So bunt kann das Leben sein: Noch ein Werbemotiv aus der Anfangszeit des R5.

Nicht nur numerisch, sondern irgendwie auch logisch war er die Fortsetzung des R 4. Nicht ganz so quadratisch, aber mindestens genauso praktisch und gut. Nicht so revolutionär wie der große Bruder R 16, aber auch nicht so lähmend langweilig wie der R 6. Einfach hübsch, nett und zuverlässig, einer für alle. Ob zerdellert auf dem Champs-Elysées oder glänzend in der Sonne von St. Tropez, der Kompakte kennt keine Klassenunterschiede.

Auf den Avenuen der Grande Nation ist der "kleine Freund" – wie ihn Renault über die Werbung an Mann und noch viel öfter die Frau bringt – bald nach seiner Premiere im Jahr 1972 so allgegenwärtig wie Baguette in der Boulangerie. Was wohl vor allem an seinen großen Scheinwerfer-Augen und dem sympathisch-rundlichen Auftreten lag, das die Verwandten mit den Kanten so völlig abging und sie zu ziemlichen Langeweilern abstempelte. Aber genau wie seine Brüder mit den geraden Nummern setzt der R 5 von Anfang an auf Variabilität, wenn auch nur mit drei Türen.

36 PS leistet der erste Motor

Denn der Neue ist vor allem als Stadt- und Zweitwagen sowie als Einstiegs-Angebot gedacht, das auf wenig Raum (3,51 Meter Länge reichen dem Renault) viel Platz bei kleinen Kosten bieten soll. Bei immer voller werdenden Großstädten mit weniger Parkraum und aufkommenden Wohlstand ein Markt mit Zukunft, den der Pariser Staatskonzern als einer der ersten für sich entdeckt. 6870 Mark, 20 DM weniger als der Konkurrent Käfer, kostet der über dem Basismodell rangierende Renault 5 TL bei seinem Debüt. Und auch wenn der R 5 im Innenraum viel nacktes Blech und ein mageres Armaturenbrett mit nur drei Schaltern und einem Tachometer zur Schau trägt, ist er doch alles anderes als nackt geraten.

"Extras inklusive" werben die Autobauer aus Billancourt und geben dem Wagen außer der praktischen Heckklappe vordere Scheibenbremsen, Bremskraftverstärker, Gürtelreifen und eine heizbare Heckscheibe ab Werk mit auf den Weg. Keine Selbstverständlichkeiten in dieser kleinen Klasse, genau so wenig wie die Kosten-sparenden Kunststoffstoßfänger, die kleine Rempler ohne Reparatur überstehen - und ebenfalls den Geldbeutel schonen.

Und zum ersten Mal ist neben der charakteristischen Schiebestock-Schaltung am Instrumentenbrett sogar eine Mittelschaltung zu haben, wenn auch wegen langer Weg nur äußerst vage zu bedienen. Echte Armut herrscht beim "Petit Ami" nur unter der Haube, wo sogar das Reserverad größer als der Motor ist: 36 PS leistet der aus dem R 4 entnommene, 845 Kubikzentimeter große Reihenvierzylinder im Magermodell L der R 5-Reihe.

Als TL mit 44 PS aus 956 ccm und einer Spitze von 137 km/h erweist sich der kleine Franzose jedoch nicht nur als flottes Stadtauto, sondern schwimmt auch ohne Anstrengung auf den Autobahnen mit. Da gibt es aufgrund der Ölkrise des Jahres 1973 ohnehin bald reichlich Raum. Mehr denn je heißt das Motto Sparen beim Fahren, Vernunft ist Trumpf, nur langsam kommt Schwung in das auf Fort- statt Sportbewegung ausgerichtete R 5-Angebot.

Stufenheck-Version für Spanien

Erst zwei Jahre nach der Vorstellung wird dies unter dem Kürzel LS durch eine 64 PS-Version nach oben erweitert, aus dem Stufenheck-Modell Renault 12 hatten die Konstrukteure den 1,3-Liter-Vierzylinder entnommen in den Bug des kleinen Bruders verfrachtet. So gerüstet balgen sich im neu geschaffenen "Renault 5-Pokal" Nachwuchs-Rennfahrer wie Christian Danner, Joachim Winkelhock oder der heutige Opel-Sportchef Volker Stryceck um ihre ersten Motorsport-Lorbeeren.

Bevor sich im Bug was tut, geht es dem famosen Fünfer ans Heck. Die spanische Tochter FASA streckt den Radstand, hängt einen Kofferraum dran und vier Türen ein und nennt das schräge Stufenheck R 7 – zu haben nur in Spanien. Daheim wird der kleine Freund aber allmählich böse. 1976 erscheint die bisher heißeste Version und die trägt einen großen Namen: "Alpine".

1973 hatte der Hersteller mit dem Rhombus den legendären Autobauer und Rallye-Meister übernommen, aus Alpine Renault wird die hauseigene Sporttochter Renault Alpine. 93 PS wüten unter dem grundsätzlich auffällig lackierten und bespoilerten Blech des A5. Der Motor – auf 1397 Kubik gewachsen und unter Schläuchen und Kabeln kaum noch zu erkennen – verfügt über einen Querstromzylinderkopf aus Leichtmetall, Weber-Doppelvergaser und Sportnockenwelle, dem Fahrer steht ein Fünfganggetriebe aus dem R 16 TX zur Verfügung. 173 km/h Höchstgeschwindigkeit schafft der Vergaser-Alpine, auf 185 km/h Spitze schwingt sich die Turbo-Version mit ihren 108 Pferdestärken auf, die seit 1981 im Programm ist.

Mit 160 Turbo-PS vom Freund zum Tier

Mehr ging nicht: 160 PS machten den R5 Turbo zum Schrecken der Linksfahrer. Der Motor, längs eingebaut, nahm den gesamten Platz der Rückbank ein.

Die wichtigsten Neuerungen spielen sich aber im Rücken des Fahrers ab. Einmal sind seit 1980 erstmals auf Wunsch fünf Türen zu haben, und auch sonst lässt Renault Fünfe gerade sein. Wind statt Kind, Turbo statt Taschen heißt die Losung des radikal-rabiaten R 5 mit dem dicken Ende. "Renault Sport" – Turbo-Pionier in der Formel 1 – stellt das R-5-Konzept auf den Kopf und einen Renner auf die Räder.

Denn wo beim braven Serienwagen der Nachwuchs sitzt und Kinder-Melodien trällert, pfeift im Renault 5 Turbo ein Garret-Lader sein Lied. 160 PS bläst die Abgas-Turbine dem aufgebohrten R 12-Vierzylinder ein. Der hat, längs eingebaut, den Platz der Rückbank eingenommen und treibt nun die Hinterräder an, Luft zum Laden holt der gemeine Kleine durch die ausgestellten Backen am Heck. Ganz klar: dieser fiese Freund ist eigentlich für den Motorsport gemacht.

Satte 250 PS sind es, die 1980 an den Rennwalzen der Gruppe-4-Wettbewerbsversion zerren. Was später abgerüstet auf die Straße rollt, ist nicht weniger als ein gezähmte R-5-Rallye-Variante. Mit dem rasenden Rhombus landen Jean Ragnotti und Jean-Marc-Andrié 1981 bei der Rallye Monte Carlo einen historischen Sieg.

Die Fünfer-Faust im Nacken bekommen seit dem Frühjahr 1981 auch Piloten hier zu Lande zu spüren, allerdings verlassen nur ein bis zwei Exemplare pro Tag die Alpine-Werkstätten in Dieppe und auch sonst ist Geduld verlangt: "Nach dem Anlassen des Motors mindestens 30 Sekunden warten, bevor der Motor beschleunigt wird, damit sich der Öldruck aufbauen kann", heißt es im Rundschreiben des technischen Kundendienstes. Aber danach steht dem Ritt auf der Kanonenkugel nichts mehr im Weg: Sieben Sekunden braucht der spurtstarke Kraftzwerg zum Sprint auf von 0 auf 100, 20 Sekunden auf 160 und erst bei 200 km/h ist Schluss.

1984 kommt die Wachablösung

Mehr geht einfach nicht bei dieser Karosserie, die enorme Stirnfläche stellt sich energisch dem Fahrtwind entgegen. 20 Zentimeter Breite hat Nummer 5 zugelegt, aber trotzdem abgespeckt. Heckklappe, Türen und Dach bestehen aus Aluminium, alle vier Kotflügel, Stoßstangen und Vorderhaube aus Polyester, 980 Kilo bringt das leichte Ladegerät so auf die Waage.

Schwerer wog da schon der Preis. Stolze 44.600 Mark waren fällig für einen der R 5 Turbo der ersten Serie, von der bis 1982 genau 1690 Stück entstanden. 10.000 DM billiger kommt die zweite Auflage mit 3180 Einheiten bis 1986: genauso schnell, genauso abartig und genauso unvernünftig. Nur ohne die teuren Alu- und Kunststoffteile sowie das futuristische Armaturenbrett im Astronauten-Look des Turbo 1.

Eben näher an der Serie, die es seit 1984 eigentlich schon nicht mehr gibt. Nach über 5,5 Millionen Stück kommt die zweite R 5-Generation, der "Super 5". Der Vorgänger, kleiner Freund von Millionen, geht aufs Altenteil und der Turbo pfeift zum Abschied leise Servus. Salut kleiner Freund – und lass Dich mal wieder öfters blicken.

Lebenslauf

Ein Kompaktwagen macht Karriere: 1972 läuft der erste Renault 5 in Billancourt vom Band, 1994 der letzte. Dazwischen liegen über neun Millionen gebaute Exemplare in zahllosen Modellvarianten, bis hin zum Renault 7 (Siete), einem Stufenheck R 5 mit vier Türen und verlängertem Radstand für den spanischen Markt. Bei seinem Debüt ist der R 5 nur als Dreitürer erhältlich, mit bekannten Vierzylindern aus dem R 4 die anfangs 36 oder 44 PS leisten. Der erste Sport-R 5 erscheint 1976 unter dem legendären Namen "Alpine" und mobilisiert 93 PS, als Alpine Turbo ab 1981 sogar 108 Pferdestärken.

Wer Lust auf Ladung hat, kann ebenfalls seit 1981 den Renault 5 Turbo ordern. Im Rücken der Passagiere wütet ein aufgeladener Vierzylinder aus dem R 12, dem ein Turbo 160 PS einbläst. Mit dieser heißen Hummel wagt sich Renault auch in den Rallyesport, 1984 folgt, nach 5.544.695 Millionen gebauten Exemplaren der ersten Serie, die zweite R 5-Generation auch wenn der Vorgänger noch parallel weitergebaut wird. Der neue "Super 5" hat nun Quermotoren, ab 1986 ist nicht nur ein Cabrio zu haben, sondern erstmals sorgt ein Katalysator für saubere Abgase. 1994 wird der letzte R 5 gebaut, auf 3.464.217 Einheiten kam der "Supercinque", der Clio tritt das Erbe der kleinen Freunde an.

Technische Daten

Renault 5 (1974-1984) • Renault 5 TL • 4 Zylinder/Reihe • ein Solex-Fallstromvergaser • 956 ccm Hubraum • 44 PS • 0-100 km/h 20,6 sec • 4-Gang-Schaltung • Vmax 140 km/h • Einzelradaufhängung an Querlenkern und Drehstäbe vorn, Einzelradaufhängung an Längslenkern und Drehstäbe hinten • Länge/Breite/Höhe 3500/1520/1400 mm • Bereifung 135 SR 13 • Radstand 2400 mm • Neupreis 6.870 DM (1972)

Renault 5 Alpine 4 Zylinder/Reihe • ein Weber-Doppelvergaser • Hubraum 1397 ccm • Leistung 93 PS • 0-100 km/h 10,4 sec • 5-Gang-Getriebe •Höchstgeschwindigkeit 172,2 km/h • Einzelradaufhängung an Querlenkern und Drehstäbe vorn, Einzelradaufhängung an Längslenkern und Drehstäbe hinten • Länge/Breite/Höhe 3543/1550/1395 mm • Bereifung 155/70 SR 13 • Radstand 2400 mm • Neupreis 14.120 (1978)

Renault 5 Turbo 4 Zylinder/Reihe • Einspritzung Bosch K-Jetronic • Hubraum 1397 ccm • Leistung 160 PS • 0-100 km/h 6,9 sec • 5-Gang-Getriebe • Höchstgeschwindigkeit 200 km/h • Doppeldreieck-Querlenker und Torsionsstäbe vorn, Doppeldreieck-Querlenker und Schraubenfedern hinten • Länge/Breite/Höhe 3660/1750/1320 mm • Bereifung 190/55 VR 340, 220/55 VR 365 • Radstand 2400 mm • Neupreis 44.660 DM (1981)

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