35. AvD-Oldtimer-Grand-Prix

35. AvD Oldtimer Grand Prix 35. AvD Oldtimer Grand Prix

35. AvD-Oldtimer-Grand-Prix

— 14.08.2007

Die Zeit raste

65.000 Zuschauer, zwei spannende Renntage, viele Jubiläumspräsentationen, rund 650 historische Rennwagen im Gesamtwert von ca. 50 Millionen Euro und Teilnehmer aus 19 Ländern: Das ist der 35. AvD-Oldtimer-Grand-Prix auf dem Nürburgring.

Von den 65.000 Zuschauern reisten rund 20.000 mit dem eigenen Klassiker an – auch das ist ein Rekord. Highlights wie die Läufe für Historische Formel-1-Wagen, das Revival Deutsche Rennsportmeisterschaft und der Orwell SuperSports Cup sowie die Präsentation eines historischen Le-Mans-Starts ("Ready–Set–Go!") sorgten für gefüllte Tribünen entlang der Grand-Prix-Strecke des Nürburgrings. Dabei geht die diesjährige Ausgabe der Traditionsveranstaltung wohl in die Geschichte ein, denn die "Grüne Hölle", wie die Nordschleife seit Jackie Stewart genannt wird, machte ihrem Namen alle Ehre: Bei extremem Nebel und Sichtweiten von teilweise unter 20 Meter war am Freitag ein ordnungsgemäßer Rennbetrieb nicht möglich. Somit konnte erstmals das traditionelle Auftaktrennen "AvD-Historic-Marathon 400" auf der Nordschleife nicht ausgetragen werden.

Das Klassenzimmer für die F1-Piloten der Zukunft

Gefahren wurde dann aber schließlich doch: Bis zum Samstagmorgen mussten die Teilnehmer warten, ehe sich der dichte Nebel lichtete. Den Zuschauern wurde wieder ein Feuerwerk der Renngeschichte geboten: Zwölf Rennserien standen am Wochenende vom 10. bis 12. August auf dem Eifel-Kurs auf dem Programm. 32 Stunden Programm hielten die Zuschauer in Atem, die mit den Rennboliden der Vergangenheit auch im Fahrerlager auf Tuchfühlung gehen konnten. In der Klasse Historic Grand Prix Cars gingen Grand-Prix-Wagen aus den Dreißigern sowie Formel-1-Autos bis 1960 an den Start. Diese Fahrzeugkategorie hat sich bei einer repräsentativen Umfrage unter den Besuchern als der absolute Renner erwiesen. Um Punkte für die FIA-Europa-Meisterschaft wurde in der Formel Junior gekämpft. Die Formel Junior gilt als die Mutter der Formel 3, die bis heute das Klassenzimmer für die Formel-1-Fahrer der Zukunft ist. FIA-Koordinator Duncan Rabagliati aus England konnte sich vor Nennungen kaum retten und so konnte man am Ring gleich über 40 dieser Monoposti bestaunen, immer Full Speed, nie gemütlich. Das äußerst interessante Feld vereinte einsitzige Rennwagen aus den Jahren 1958 bis 1963 mit Front- und Heckmotor, italienische Stanguellini fuhren gegen britischen Lotus, Lola, Cooper und Brabham, die Ex-Autos von Rindt, Clark, Redman, Shelby, Hill, Moss, Brabham, Cooper - You name it, they race it.

Legenden der Rennstrecke im Minutentakt

In der Klasse Revival Deutsche Rennsportmeisterschaft traten die legendären Rennsportfahrzeuge der Siebziger Jahre gegeneinander an, als sei die Zeit zurückgedreht worden. Ford Renncapri, die gedrungenen DeTomaso Pantera, die infernalischen Chevrolet Corvette und der legendäre Alfa GTAm lieferten sich heiße Gefechte gegen die schnellen Porsche 935 und BMW CSL, die damals die Rennstrecken beherrschten. Deshalb durften auch die beliebten BMW M1 ProCar nicht fehlen, die sich 1979 und 1980 untereinander in der ProCar-Serie erbitterte Gefechte lieferten. Damals traten die fünf schnellsten Formel-1-Fahrer aus den Trainingsläufen am Vormittag vor dem Formel-1-Rennen (!) auf BMW M1 gegen ausgewählte, private Fahrer dieses Fahrzeugtyps an. Dieses Jahr waren gleich sechs BMW M1 dabei – ein wahrer Genuss, den Sechszylinder-Vierventilern zu lauschen.

Neben den Rennläufen waren auch Präsentationen wie zum Beispiel die zahlreichen historischen Opel-Rennwagen zu bewundern. Am Steuer eines der ältesten Fahrzeuge der Präsentation, dem Opel-GP-Rennwagen von 1913, der zuletzt beim Großen Preis von Frankreich 1914 fuhr, saß Opel-Chef Hans Demant: "Eine tolle Atmosphäre herrscht hier auf dem Nürburgring". Mit seinen Fahrerkollegen stellte er stolz die Fahrzeuge aus dem Opel-Werksmuseum vor. "Wir wollen alle Autos der Sammlung fahrbereit halten". Gefahren wurden die Schätze aus dem Rüsselsheimer Werksmuseum von zahlreichen Opel-Motorsportlern wie dem ehemaligen Rallye-Weltmeister Christian Geistdörfer und ITC-Weltmeister und Le-Mans-Sieger Manuel Reuter. Ebenfalls dabei: der Motorjournalist Tobias Aichele im Formel Opel Monoposto sowie die Schauspieler Norbert Heisterkamp ("Alles Atze") im Commodore und Rolf Zacher, der den orangefarbene DTM-Omega pilotierte.

Nach dem Rückzug von Mercedes aus dem Rennsport kehrte Juan Manuel Fangio zu Maserati zurück, fuhr 1957 beim Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring vielleicht das Rennen seines Lebens, als er einen durch einen verpatzten Boxenstopp scheinbar aussichtslosen Rückstand auf seine Konkurrenten Mike Hawthorn und Peter Collins dadurch aufholte, dass er in jeder folgenden Runde einen neuen Rundenrekord aufstellte. Fangio beendete das Rennen als Sieger und sicherte sich so seinen fünften WM-Titel. So feierte der AvD-Oldtimer-Grand-Prix dieses Jubiläum und es gab gleich zehn originale Maserati 250 F Formel-1-Fahrzeuge zu bestaunen, darunter den originalen Siegerwagen von Juan Manuel Fangio aus dem Jahre 1957 – allein diese Phalanx an Monoposti lohnte den Weg zum Nürburgring.

Im Orwell SuperSport Cup sind dicke Trommelfelle gefragt

Zwischen 1966 und 1976 entstanden wahre Donnerbolzen, die den Piloten auch heute noch ein hohes Maß an fahrerischem Talent und den Zuschauern sehr lärmresistente Ohren abverlangen. Da helfen auch Ohrenstöpsel nichts, denn das Röhren der Motoren ist gut in der Magengegend auszumachen. Im damaligen Reglement für die CanAm-Serie war eigentlich alles erlaubt: es gab kein Mindestgewicht, dafür aber unbegrenzte Möglichkeiten, mit Hubraum, Turboladern, Flügeln, und aktiver Anpressdruckerzeugung zu experimentieren. Nur eins musste es bringen: Leistung, und davon haben die Renner der ehemaligen CanAm-Serie wahrlich genug: Dies hatte schlussendlich zur Folge, dass Autos mit weit über 1000 PS bis dahin nie da gewesene Geschwindigkeiten erreichten. Tatsächlich wurden die Fahrzeuge in Beschleunigung und möglichen Kurvengeschwindigkeiten nur von zeitgenössischen Formel-1-Fahrzeugen überboten – aber die Autos im Orwell Super Sport Cup klingen besser! Mit einem packenden Rennen begeisterten die 35 Fahrzeuge die Zuschauer auf dem Nürburgring und ließen die Scheiben des Rennleitungsgebäudes an Start und Ziel erzittern.

Die schnellsten Autos auf dem Kurs waren natürlich die historischen Formel-1-Renner bis Baujahr 1978. Insgesamt starteten 28 historische Formel-1-Autos. Der älteste Monoposto war der "Serenissima" von 1968. Der Einsitzer startete nie in einem Formel-1-Weltmeisterschaftslauf und war beim 35. AvD-Oldtimer-Grand-Prix zum ersten Mal überhaupt in einem historischen Rennen zu bewundern. Die Veranstaltergemeinschaft des 35.AvD-Oldtimer-Grand-Prix setzte auf Familienfreundlichkeit und hat die Preise gegenüber dem Vorjahr nicht erhöht. Das Ticket für Samstag und Sonntag war für 38 Euro zu haben, das ganze Wochenende kostete 58 Euro und wer nur am Freitag schnuppern kommen kam, zahlte nur 18 Euro - jeweils inklusive Zutritt zum Fahrerlager.

Autor: Michael Mosuch

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.