Am Ende der Swinging Sixties ließ Ford den wilden und zugleich bürgerlichen Capri auf die Menschheit los. Jetzt feiert das Kult-Coupé seinen 40. Geburtstag. Drei Capri-Generationen und große Motorsport-Erfolge schufen einen Mythos.
Von Lars Busemann 17. April 1964. Halb Amerika stürmt die Verkaufsräume der Ford-Händler, um einen Kaufvertrag des neuen
Ford Mustang zu unterschreiben. Am Abend des ersten Verkaufstages lagen den Ford-Händlern 22.000 feste Bestellungen vor! Diesen großartigen Erfolg wollte
Ford auch in Europa wiederholen. Das Rezept: preiswerte und zuverlässige Großserientechnik unter einer aufregend gestylten Karosserie mit Sportwagen-Proportionen. Das Design des ersten
Ford Capri schlug ein wie eine Bombe, die Kunden griffen begeistert zu. Allein im ersten Verkaufsjahr 1969 produzierte Ford 240.000 Capri. Der Preis für die 50-PS-Einstiegsversion: 6993 D-Mark, rund 2000 D-Mark mehr als ein
Standard-Käfer.
Für Turnbeutelvergesser und Kamillenteetrinker: der 50-PS-Capri
Vom Capri werden in drei Generationen von 1969 bis 1986 insgesamt 1.900.678 Stück gebaut.
Mit nur 50 PS muss sich der Basis-Capri begnügen, schlappe 24 Sekunden lässt sich der 1300er-V4 Zeit, um auf 100 km/h zu beschleunigen. Genug Zeit, darüber nachzudenken, ob man die richtige Motorisierung gewählt hat. Von gänzlich anderem Kaliber ist der 1970 vorgestellte Capri RS 2600, Deutschlands erstes
Musclecar. Der RS 2600 schickte 150 PS an die starre Hinterachse, genug, um geschockte Altherren-Fahrer im
/8er-Benz nass zu machen! Doch nicht nur auf der Autobahn, sondern auch auf dem Rundkurs konnte sich der Capri durchsetzen. 1971 holte Jochen Mass bei der Deutschen Rundstrecken-Meisterschaft acht Siege – von acht Läufen!
Ölkrise und Sonntagsfahrverbote ließen die zweite Capri-Generation ab 1974 etwas vernünftiger werden – leider verlor der Capri durch die glattgebügelte Karosserie etwas von seiner markanten Ausstrahlung. Doch im Charakter blieb der "Capri Zwo" der alte: lange Motorhaube, tiefe Sitzposition, am liebsten in Kombination mit einem der herrlich klingenden V6-Motoren. Was der Capri II an Sportlichkeit verlor, gewann er jedoch an
Familientauglichkeit. Die Kölner gaben ihrem Sportwagen ab 1974 eine weit öffnende, große Heckklappe mit, sogar die Rücksitzbank war umlegbar. Damit hatte der geneigte Sportwagenfahrer keine Transport-Probleme mehr.
Dritte und letzte Auflage
Im März 1978 kommt die dritte und letzte Auflage des Capri, im Grunde ein modellgepflegter Capri II. Er bekam Doppelscheinwerfer, größere Stoßstangen, einen kleinen Spoiler in die Frontschürze und neue Rückleuchten. Die lethargische 1,3-Liter-Version fiel der sportlicheren Ausrichtung des Capri III zum Opfer – eine Entscheidung, die bis heute niemand bereut. Stattdessen lieferte Ford das, wonach die Capri-Fans gierten: Leistung! 1981 kommen gleich zwei Capri, die so schnell sind, wie sie aussehen. Im Januar erscheint zunächst der 2.8 Injection mit 160 PS starkem V6. 210 km/h lautet die Tempoansage, von 0 auf 100 km/h ließ sich der sportliche Kölner nur acht Sekunden Zeit. Damit knüpft der 2.8 Injection an den legendären RS 2600 an.
Bis zum Ende der Capri-Ära liefen 1.900.678 Stück vom Band
Dem setzt nur noch der auf 200 Exemplare limitierte Turbo die Krone auf. Unter dessen Haube pumpt das wilde, von einem KKK-Turbo auf 188 PS aufgeblasene V6-Vergaserherz mit 2,8 Litern aus dem
Granada. Schneller als er war kein Werks-Capri, erst bei 215 km/h setzte der
Fahrtwind dem Vortrieb ein Ende. 1984 läuteten die Modelle Super GT und Super Injection das Ende der Capri-Ära ein. Im britischen Halewood wird der Capri noch bis 1986 gefertigt, doch in Deutschland endet der Verkauf bereits 1984. Am 18. Dezember 1986 rollte der letzte von 1.900.678
Ford Capri von Band. Bis heute hat er keinen würdigen Nachfolger gefunden.
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