Rückblick: Alle Golf GTI und die Sondermodelle

40 Jahre VW Golf GTI

— 05.08.2016

Der erste heiße GTI-Sommer

Im Sommer 1976 kam der Golf GTI raus. AUTO BILD Redakteure erinnern sich an seinen Auftritt. Dazu die ganze GTI-Historie und die schärfsten Sondermodelle!

Der Sommer 1976 war für AUTO BILD-Autor Joachim Staat ein besonderer, denn da machte er seinen Führerschein: "Am Tag vor Heiligabend bekam ich ihn ausgehändigt. Ein unglaublicher Moment, wie das Warten auf den ersten Sex." Und noch etwas passierte in diesen Monaten, das Staat nie vergessen wird: Der Golf GTI kam auf den Markt.

Gebrauchte VW Golf GTI

Gebrauchte Golf GTI im AUTO BILD Gebrauchtwagenmarkt

Der Sommer seines Lebens: Für Joachim Staat war der Golf GTI 1976 eine Offenbarung.

"Der Vater eines Kumpels kaufte sich im Herbst einen. Als das GTI dann auf der Auffahrt stand, kannst Du dir nicht vorstellen, wie wir den mit den Augen aufgefressen haben. 110 PS! Eine Rakete. Mit dieser schwarzen Heckblende. Und dem roten Rahmen um den Grill. Die Karo-Sitze. Wow, echte Sportsitze! Und die Reifen – keine Trennscheiben, sondern so richtig ernsthafte 175er! Der pure Wahnsinn." Er schüttelt den Kopf, in Erinnerungen versunken. An die erste Ausfahrt, als sie sich zu dritt auf die Rückbank quetschten und sich bei rund 180 km/h fühlten "wie in einer Raumkapsel". Für die PS-begeisterten Jungs gerade nach der Ölkrise und der daraus resultierenden Vernunftbewegung samt sonntäglichen Fahrverboten war das endlich wieder Spaß am Auto. Eine Offenbarung. 
Fotoaktion des VW-AutoMuseum zur Golf- GTI-Ausstellung: "Mein starker Typ"
Sind Sie Fan des Golf GTI und fotografieren ihn gern? Dann machen Sie mit bei der Fotoaktion des VW-AutoMuseums! Vom 15. August bis 11. September 2016 können Besucher ihr schönstes Foto aus der Sonderausstellung "Starke Typen. Das Beste aus 40 Jahren Golf GTI" einreichen. Eine fachkundige Jury wählt die drei besten Motive aus. Den drei Gewinnern winkt ein Gutschein für den Museums-Shop in Höhe von 50,- €, 30,- € oder 20,- € (auch online einlösbar). Ihr Foto senden Sie bitte bis 11. September 2016 an info@automuseum-volkswagen.de. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Mercedes nicht viel teurer

Joachim Staat weiß noch genau, wieviel der Traum gekostet hätte: "13.850 Mark". Das klingt aus heutiger Sicht nach Schnäppchen, war seinerzeit aber eine Menge Geld, wie Christian Steiger, Stellvertretender Chefredakteur von AUTO BILD, erklärt: "Für 18.000 Mark gab's schon einen neuen Mercedes, einen W123." Einen Golf GTI konnte nur fahren, wer gut verdiente – "das war ein Sportwagen, keine Prollschleuder." Die Prolls, die fuhren Manta. Oder Capri. "GTI fuhren Leute, die cool sein und einen auf wilden Hund machen wollten. Ohne aber dabei ein Risiko einzugehen. Unterm Strich war es eben doch ein Golf. Mit der Klassenlosigkeit eines VW", so Steiger schulternzuckend.

"Die werden sich alle tot fahren!"

Nicht alle waren vom Golf GTI begeistert. Manche hielten ihn für absurd übermotorisiert - und gefährlich.

Den er, damals noch ein Kind, aber trotzdem cool fand. "Unser Mieter fuhr einen GTI. Einen roten. Ich habe ihn so bewundert. Und mich in unserem ollen Opel Rekord total geschämt." Sein Vater nicht. Er habe den neuen "Sport-Golf" – wie übrigens viele andere auch, sagt Steiger – kritisch gesehen. Ein unvernünftiges Auto, geradezu absurd übermotorisiert: "Die fahren sich doch alle tot!", habe sein Vater geschimpft. Tatsächlich war diese Befürchtung nicht ganz unbegründet: 1975 starben 15.000 Menschen bei Verkehrsunfällen, so viele wie nie zuvor, so Steiger. Dass ein 800 Kilo schweres Auto aus dünnem Blech mit 110 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von über 180 km/h als riskant erschien, ist einleuchtend. Tatsächlich sanken die Zahl der Verkehrstoten aber wieder. "Der GTI hatte zwar wirklich dünnes Blech, aber da wurde auch einiges für die Sicherheit getan. Zum Beispiel bessere Bremsen", verteidigt Joachim Staat seine Ikone.

"Der Traum halbwegs etablierter Familienväter"

Doch nicht alle AUTO BILD Redakteure konnten sich Ende der 70er-Jahre für den Golf GTI begeistern. "Hat mich nicht interessiert", sagt beispielsweise Redaktionsmanager Andreas Borchmann, "ich wollte damals einen Alfa. Einen Alfasud ti. Der hatte hinten so einen geilen Schwung. Und vorne einen Boxer." Ach? Dann war der GTI also doch nicht der Traum aller Jungen? "Neee, überhaupt nicht. Wenn überhaupt, dann war es der Traum von schon halbwegs etablierten Familienvätern. Der war ja auch ganz schön teuer", sagt Borchmann. Testredakteur Dierk Möller stimmt ihm zu. "Genau. Mich hat der auch nicht interessiert. Ich wollte einen (Ford Escort) XR3."

Sonderaustellung zum 40. Geburtstag mit Raritäten

In einer Sonderausstellung zeigt VW in Wolfsburg "Starke Typen" wie den Golf I GTI 16S.

Auch wenn es also durchaus kritische Stimmen gab, schlug der Golf GTI doch ein wie eine Bombe. Was nicht zuletzt die VW-Verantwortlichen überraschte. "Zu teuer, ihr seid verrückt!" So beschied der damalige VW-Entwicklungschef Ernst Fiala anno '74 ein Häuflein mutiger Mitarbeiter, die ihm vorschlugen, auf der Basis des Golf ein sportliches Modell zu konzipieren. Doch die sportiven Entwickler ließen nicht locker, bis der Vorstand schließlich eine Sonderserie bewilligte. 5000 Exemplare eines Sportgolf – so sein Entwicklungsname – sollten sich schon verkaufen lassen, meinten die hohen Herren. Es kam ganz anders: Schon im ersten, vollen Verkaufsjahr 1976 wurden es zehnmal soviel, und im Lauf der Jahre mehr als zwei Millionen. Jetzt feiert der GTI, Begründer der sportlichen Kompaktklasse und Idol und Namensgeber einer ganzen Generation, seinen 40. Geburtstag. VW widmet ihm eine Sonderausstellung, in der noch bis 18. September 2016 auch GTI gezeigt werden, die selbst Fans vielleicht noch nie gesehen haben. Zum Beispiel die viertürige Studie von 1977 aus dem Privatbesitz von Giorgio Giugiaro, ein GTI 16S mit Oettinger-Vierventiler, der nur 71 Mal bei Volkswagen Motorsport gebaute Golf 2 Limited oder auch die Golf Roadster Studie von 2014. Hier die schärfsten Sondermodelle aus 40 Jahren GTI - und die ganze Modellgeschichte!

Rückblick: Alle Golf GTI und die Sondermodelle

"Der Golf VII GTI ist ein Lecker-Schmecker-Auto"

Ein GTI war schon cool und kultig, als viele von uns noch gar keinen Führerschein hatten. Leider. Doch im Lauf der Jahre verblasste der Glanz der drei Buchstaben. "Mit dem Golf III wurde der GTI beerdigt, das war sowieso eine üble Rostbüchse. Und beim Vierer war GTI dann nur noch eine Ausstattungsvariante", sagt AUTO BILD-Testchef Andreas May – der bekennender GTI-Fan ist. "Mit der fünften Generation kam der GTI dann zurück, ein geiles Auto, damals mit dem 200-PS-Motor von Audi. Ich werde nie den Werbespot vergessen: 'Für Jungs, die damals schon Männer waren.'"

Golf-GTI-Werbung

Wenn er sich heute ein Auto kaufen würde, wäre es ein Golf VII GTI. "Mehr als einen Kompaktwagen braucht kein Mensch, den kannst du überall einparken und trotzdem zu Ikea oder mit der Familie in den Urlaub fahren. Und trotzdem ist das ein echter Sportwagen." Rot oder weiß müsste er sein, sinniert May. Denn ein so gut designtes Auto könne durchaus eine helle Farbe vertragen, "den muss man nicht mit Schwarz verstecken." Kurz: "Der Golf VII GTI ist ein richtiges Lecker-Schmecker-Auto."

Der Knaller: Generation I (1976-83)

Video: VW Golf GTI

Kompakter Sportler

So wie der erste. Und echte. Ein 870 Kilo leichtes Auto mit roter Linie um den Grill, getrieben von einem damals hochmodernen 110-PS-Einspritzmotor und besohlt mit prallen 175/70er Gummis. Das Auto war ein Knaller, denn gewichtsintensive Beigaben wie Airbags, Katalysatoren, Klimaanlagen oder sonstige elektrische Extras waren entweder noch nicht erfunden oder aber nur Luxusfahrzeugen vorbehalten. Das ergab ein Leistungsgewicht von 7,9 Kilo pro PS und ein Temperament, das knapp unterhalb der Suchtgrenze lag – und das, ohne es prollig zur Schau zur stellen. Kompakt im wahrsten Sinn des Wortes, kleidet der Ur-GTI den Fahrer wie ein Handschuh. Die Sportsitze bieten ordentlichen Komfort und Seitenhalt, das kantige Cockpit wirkt extrem aufgeräumt: fünf Kippschalter, drei Schieberegler und ein Drehknopf am Armaturenbrett, zwei Fensterkurbeln in den Türen – basta. Wichtig war die Reduktion auf das Wesentliche: ein straffes, gutmütiges Fahrwerk und ein kraftvoll knurrender Motor. Technische Daten 1976er Golf GTI I Reihen-Vierzylinder, vorn quer • zwei Ventile pro Zylinder • Hubraum 1588 cm3 • Leistung 81 kW (110 PS) bei 6100/min • max. Drehmoment 140 Nm bei 5000/min • Frontantrieb • Vierganggetriebe • rundum Einzelradaufhängung, vorn McPherson-Federbeine, Querlenker, hinten Längslenker, Stabilisator • vorn Scheiben-, hinten Trommelbremsen • Reifen 175/70 HR 13 • Räder 5,5 J x 13 • Länge/Breite/Höhe 3815/1639/1395 mm • Radstand 2400 mm • Leergewicht 870 kg • Beschleunigung 0–100 km/h in 10,0 s • Höchstgeschwindigkeit 183 km/h • Preis 1976: 13.850 Mark

Aufrüstung: Die zweite Generation (1984-91)

Die zweite Auflage: Zum Modellstart gab es den 1,8-Liter aus der letzten Ier-Serie mit 112 PS. Es folgten eine 16V-Variante (129/139 PS) und eine G-Lader Version (160 PS).

Der 1,8-Liter wurde mitsamt dem Getriebe nahezu unverändert in die zweite Golf-Generation transplantiert. Sie kam 1984 auf den Markt und huldigte dem Fortschritt in bekannter Weise: Mehr PS, mehr Drehmoment, mehr Platz, mehr Komfort und mehr Gewicht. Und ab 1986 mehr Sauberkeit! Da gab es eine Version mit Kat, leider mit 107 statt 112 PS. Was VW damals durch zusätzliche Kraftquellen auszubügeln suchte: Wem der leistungsgesteigerte 16V mit 129 oder katlosen 139 PS zu schwach war, der konnte ab 1990 zur 160 PS starken G-Lader-Version greifen (G60). Ganz selten: die Limited-Edition von 1989 mit 210 PS (G60). Kraft hatten sie beide, nicht aber jene puristische Spritzigkeit, die das Vorgängermodell auszeichnete.

Bilder: VW Golf GTI 16V

VW Golf GTI 16V
Immerhin: Der Golfball auf dem Schalthebel war noch da – das typische GTI-Accessoire, das bei jedem Gangwechsel die Vibrationen des Motors ungefiltert in die Handfläche übertrug. Mit an Bord waren nun schon eine Servolenkung und zwei elektrische Fensterheber. Der technische Fortschritt ließ sich nicht aufhalten. Komfort war angesagt.

Technische Daten 1984er Golf GTI II Reihen-Vierzylinder, vorn quer • zwei Ventile pro Zylinder • Hubraum 1781 cm3 • Leistung 82 kW (112 PS) bei 5500/min • max. Drehmoment 155 Nm bei 3100/min • Frontantrieb • Fünfganggetriebe • rundum Einzelradaufhängung, vorn McPherson-Federbeine, Querlenker, hinten Längslenker, Stabilisator • rundum Scheibenbremsen • Reifen 175/70 HR 13 • Räder 5,5 J x 13 • Länge/Breite/Höhe 3985/1680/ 1405 mm • Radstand 2475 mm • Leergewicht 970 kg • Beschleunigung 0–100 km/h in 10,0 s • Höchstgeschwindigkeit 191 km/h • Preis 1984: 21.525 Mark

Absturz: Die dritte Serie (1991-98)

Doch es sollte noch schlimmer kommen: Der GTI der dritten Generation schlug 1983 mit zwei Litern Hubraum und 115 PS völlig aus der bis dahin bekannten Art. Er war wieder gewachsen – und diesmal richtig: Satte 1240 Kilo bringt das Exemplar von 1997 auf die Waage – im Vergleich zum knackig-handlichen Urvater eine schwere Familienlimousine. Daran kann auch der 1993 erstarkte Motor nichts ändern: 16 Ventile und zwei Liter Hubraum sind zwar gut für 150 PS, doch die verlieren sich ziemlich sang- und klanglos in der weichgespülten Großraum-Karosse. Hier haben wir keinen agilen Flitzer mehr, sondern eine stämmige Limousine. Verschwunden ist der Golfball auf dem Schalthebel, hinzugekommen ein Airbag im Lenkrad. Immerhin gab es ihn noch in Rot.

Technische Daten 1993er Golf GTI 16V III
Reihen-Vierzylinder, vorn quer • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 1984 cm3, Leistung 110 kW (150 PS) bei 6000/min • max. Drehmoment 166 Nm bei 3200/min • Frontantrieb • Fünfganggetriebe • rundum Einzelradaufhängung, vorn McPherson-Federbeine, Dreieckquerlenker, hinten Verbundlenkerachse, Längslenker • rundum Scheibenbremsen, vorn innenbelüftet • Reifen 205/50 R 15 V• Räder 6,5 J x15 • Länge/Breite/ Höhe 4020/1695/1405 mm • Radstand 2475 mm • Leergewicht 1240 kg • Beschleunigung 0–100 km/h in 8,7 s • Höchstgeschwindigkeit 215 km/h • Preis 1993: 37.980 Mark

Ausfall: Die vierte Baureihe (1998-2004)

Kaum noch als GTI zu erkennen: Nummer vier fällt eher durch Komfort als durch Sportlichkeit auf. Trotz 150 Turbo-PS.

Aber es kam noch schlimmer, und zwar mit der vierten Generation ab 1997: 150 Turbo-PS stark, 216 km/h schnell, aber ein GTI? Abgesehen von den sportlich anmutenden Rädern und dem Schriftzug am Heck erinnert nichts mehr an die einstige Herrlichkeit. Mit dem Jubi-GTI von 2001 erstarkt der Turbo zwar auf 180 PS, doch Fahrspaß klingt anders: Flüsternd bläst der Turbolader den Golf über die Piste, weiche Sitze bieten viel Komfort, aber wenig Seitenführung, und Holzpaneele am Armaturenbrett befriedigten zwar den Premium-Anspruch des großen Vorsitzenden Ferdinand Piëch, nicht aber die Wünsche der sportlichen Kundschaft. Technische Daten 1997er Golf GTI IV Reihen-Vierzylinder, vorn quer • fünf Ventile pro Zylinder • Turbolader mit Ladeluftkühler • Hubraum 1781 cm3 • Leistung 110 kW (150 PS) bei 5600/min • max. Drehmoment 210 Nm bei 2000/min • Frontantrieb • Fünfganggetriebe • rundum Einzelradaufhängung, vorn McPherson-Federbeine, Dreiecks- Querlenker, hinten Verbundlenkerachse, Längslenker • Scheibenbremsen, vorn innenbelüftet • Reifen 205/55 R 16 W • Räder 6,5 J x 16, Länge/Breite/Höhe 4150/ 1735/1440 mm • Radstand 2515 mm • Leergewicht 1270 kg • 0–100 km/h in 9,3 s • Höchstgeschwindigkeit 216 km/h • Preis 1997: 39.900 Mark

Auferstehung: Nummer fünf lebt (2005-08)

"Schärfer denn je" sollte der GTI der fünften Generation schmecken. Was sich äußerlich nur bedingt belegen lässt. Denn abgesehen von der aggressiv gestylten Frontpartie und den mächtigen 18-Zoll-Fünfloch-Rädern kommt der GTI daher wie jeder andere Golf V. Einen halben Meter länger und trotz Tieferlegung um 15 Millimeter immer noch zwölf Zentimeter höher, lässt der Neue den Alten ziemlich winzig aussehen – und die halbe Tonne (!) Mehrgewicht kommt optisch deutlich zum Ausdruck. Innen geht es ähnlich zu: viel Premium, wenig Sport. Aber immerhin: Das unten abgeflachte Lenkrad und die massive Stütze für den Kupplungsfuß verströmen sportives Flair, und die Sitze zählen zum Besten, was es in dieser Kategorie ab Werk gibt: Straff gepolstert und gut konturiert, unterstützen sie die Anatomie genau dort, wo es nötig ist – hier lässt man sich richtig gern nieder. Und möchte so schnell auch nicht wieder aufstehen.

Denn im Unterschied zu seinen letzten Vorläufern steckt im neuen GTI ein Triebwerk unter der Haube, das dem honorigen Kürzel alle Ehre macht. Das fängt an mit dem lasziv-heiseren Sound, der aus den beiden Edelstahl-Endrohren strömt, setzt sich fort mit einem wuchtigen Drehmoment, und endet schließlich bei einer runden PS-Zahl: 200 heißt sie und wird bei 5000 Umdrehungen von der Welle geworfen. Damit erreicht der Abgasturbolader-geladene Benzin-Direkteinspritzer in Drehmoment (exakt) und in Leistung (fast) die doppelten Werte seines Urvaters. Folglich übertrifft der neue GTI trotz gravierender Gewichtszunahme sogar dessen Leistungsgewicht: 6,64 Kilo pro PS – da kommen selbst anerkannt sportliche Konkurrenten wie ein Audi TT (6,73 Kilo) nicht mehr mit.

VW Golf V GTI im Test

VW Golf V GTI VW Golf V GTI VW Golf V GTI
Mit anderen Worten: wirklich ganz schön scharf! Tatsächlich kommt es noch schärfer. Denn die Dynamik des neuen Triebwerks, das bei Bedarf geradezu freudig bis weit in den roten Bereich dreht, passt perfekt zu den imposanten Fahreigenschaften des Wiedergängers. Der abgesenkte Schwerpunkt, steifere Stabilisatoren und die direkter ansprechende Lenkung lassen den Chauffeur schon in der ersten zügig angegangenen Kurve komplett vergessen, daß er hier mit einem 1,3-Tonner unterwegs ist.

Technische Daten 2004 Golf GTI V Reihen-Vierzylinder, vorn quer • vier Ventile pro Zylinder • Benzindirekteinspritzung • Turbolader mit Ladeluftkühler, 1984 cm3 Hubraum , Leistung 147 kW (200 PS) bei 5100/min • max. Drehmoment 280 Nm bei 1800/min • Frontantrieb, Sechsganggetriebe • rundum Einzelradaufhängung, vorn McPherson-Federbeine, Dreieckquerlenker, hinten Vierlenkerachse, Stabilisatoren • Scheibenbremsen, vorn innenbelüftet • Reifen 225/45 R 17 W • Räder 7,5 J x 17 • Länge/Breite/ Höhe 4216/1759/1466 mm, Radstand 2578 mm, Leergewicht 1328 kg • 0–100 km/h in 7,2 s • Höchstgeschwindigkeit 235 km/h • Preis: 24.200 Euro

Generation sechs: Voll in der Spur (2009-13)

Am 4. April 2009 ging nach bisher 1,7 Millionen verkauften Exemplaren Generation sechs an den Start. Mit 210 PS kitzelt der sechste VW Golf GTI noch einmal zehn Pferdchen mehr aus den Zweiliter-TSI als der Vorgänger und fast doppelt soviele wie der Ur-GTI. 240 km/h Spitze sind fünf km/h mehr als bisher und 58 mehr als beim ersten GTI. AUTO BILD Redakteur Jan Horn urteilte: "Der GTI trifft die Mitte zwischen Alltagsauto und Sportwagen, bietet beste Fahrleistungen, tolles Handling und feines GTI-Flair unter der bewährten Golf-Hülle. Meine Meinung: Besser geht's nicht."

Video: VW Golf GTI Cabrio

Gieriges Sprint-Luder

Der Sechser klebt auf der Straße wie warmes Bitumen, lenkt messerscharf ein, zickt nicht, rutscht nicht, schwänzelt nicht. Selbst in engen Kehren verliert er kaum die Haltung, überträgt auch hier die Kraft dank feiner ESP-Regelung nahezu schlupffrei. Grund: Die elektronisch simulierte Quersperre XDS unterbindet Schlupf am Rad, wenn es an der Kurveninnenseite entlastet wird. Den Motor des GTI kennen wir aus Tiguan und Passat – ein Zweiliter-Direkteinspritzer mit Turbo und 210 PS. Was die Entwickler daraus gemacht haben, ist in dieser Konsequenz neu. Die Maschine hängt herrlich bissig am Gas, gibt verzögerungsfrei Leistung ab, zieht geschmeidig und freudig durch – ein Sahnestück.

Technische Daten VW Golf VI GTI: Vierzylinder, Turbo, vorn quer • Hubraum 1984 cm³ • Leistung 155 kW (210 PS) bei 5300/min • maximales Drehmoment 280 Nm bei 1700/min • Vorderradantrieb • Sechsganggetriebe • L/B/H 4213/1786/1501 mm • Spitze 240 km/h • 0–100 km/h in 6,9 s • Verbrauch EU-Mix 7,3 Liter Super • CO2 170 g/km • Leergewicht 1320 kg • Preis: 27.275 Euro

Nr. Sieben macht dem Namen Ehre (seit 2013)

Video: VW Golf VII GTI

Der beste Golf GTI aller Zeiten?

Die siebte Generation bleibt dem Originalrezept treu – mit Leichtmetallrädern im Wählscheiben-Look, schwarzen Anbauteilen rundum, rotem Lidstrich bis in die Augenwinkel der Scheinwerfer und Dröhnland-Auspuff mit zwei Endrohren. Wie ein typischer GTI trägt er Karo-Muster auf den Sitzen und die Gänge werden mit einem Schaltknauf selektiert, dessen Design sich an den "Golfball" früherer Generation anlehnt. Und noch etwas hat der aktuelle GTI mit seinem Urahn gemeinsam: Er ist wieder der stärkste Golf, der auf dem Markt ist – bislang. Denn im Herbst 2016 kommt nämlich der Golf GTI Clubsport S auf den Markt: 310 PS, 380 Nm, und mit einer Rundenzeit von 7:49.21 Minuten derzeit auch der schnellste Fronttriebler auf der Nürburgring-Nordschleife! Er löst den GTI Clubsport (290 PS) ab und ist die dritte und brachialste Variante der aktuellen Generation. Außerdem im Programm sind der normale GTI, 220 PS stark, 246 km/h schnell für 28.350 Euro und der GTI Performance mit 230 PS, der 29.475 Euro kostet und 250 Sachen rennt. Erkennbar ist der Performance-GTI an den weißen GTI-Schriftzügen auf den roten Bremssätteln an der Vorderachse. Der Basis-GTI sprintet in 6,5 Sekunden von null auf 100 km/h, der Verbrauch beträgt sechs Liter (DSG 6,4 l). Auf dem Prüfstand, wohlgemerkt. In der Praxis lässt sich das sicher leicht verdoppeln. Doch dafür war GTI fahren auch noch nie so vielseitig und unterhaltsam wie heute. Lieber gleiten als hetzen? Nichts einfacher als das. Das Getriebe ist in den obersten zwei Gängen ohnehin ellenlang übersetzt, im Eco-Fahrprogramm des 1900 Euro teuren DSG-Räderwerks wird früh hoch- und spät zurückgeschaltet, Start-Stopp ist Serie, und auf Wunsch kann im Leerlauf fast geräuschlos gesegelt werden. Dieser siebte Golf GTI erweist sich als ausgesprochen stimmige Fahrmaschine, eine stets quicklebendige und bei aller Unvernunft immer noch bezahlbare Legende. Man kann entspannt reisen oder Kampflinie fahren, den Familienfreund geben oder nach Scheitelpunkten schnappen. Chapeau!

Technische Daten VW Golf VII GTI DSG: Vierzylinder, Turbo, vorn quer • 4 Ventile pro Zylinder • Hubraum 1984 cm³ • Leistung 162 kW (220 PS) bei 4500/min • max. Drehmoment 350 Nm bei 1500/min • Vorderradantrieb • Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe • Leergewicht 1370 kg • 0–100 km/h in 6,5 s • Spitze 244 km/h • Reifen 225/45R 17 • Länge/Breite/Höhe 4268/1799?2027/1442 mm • Verbrauch EU-Mix 6,4 lSuper • CO2 148 g/km • Preis: 30.600 Euro.

Rückblick: Alle Golf GTI und die Sondermodelle

Autor: Maike Schade

Stichworte:

GTI

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.