50 Jahre Familienvan: So entstanden die Raumkreuzer

50 Jahre Familienvan: So entstanden die Raumkreuzer

— 28.10.2015

Der Espace und seine praktischen Brüder

Vor 50 Jahren erfinden Deutsche den Familienvan. In den 80ern bringen Japaner ihn auf den Markt, Renault zieht mit. Eine kleine Geschichte der Raumkreuzer.

Der Van-Urahn: Autonova fam auf der IAA 1965.

Zu Beginn der 80er-Jahre drängt eine Gattung neuer, familientauglicher Fahrzeuge auf den Markt. Nissan Prairie, Mitsubishi Space und Plymouth Voyager zeigen, dass Autos mehr als nur vier Sitze plus Kofferraum sein können. Als der bis heute reinblütigste aller Großserien-Vans gilt der 1982 erschienene Renault Espace. Damit war die Zeit reif, die praktischen Großraum-Vans treten ihren Siegeszug an.

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Blieb eine Studie, Lancia fehlte der Mut zum Megagamma.

Die Idee zu dieser Fahrzeuggattung reicht genau 50 Jahre zurück: 1965 stand das Publikum der IAA in Frankfurt staunend vor einem Fahrzeug namens autonova fam, dem Großvater aller Familienvans. Das fahrfähige Einzelstück bewies ein neues Prinzip: dass man Autos auch anders als bisher konzipieren kann. Also nicht aus der Sicht des Ingenieurs, der an Drehmoment, Radführung und Lenkgeometrie denkt. Sondern mit den Augen eines Kunden, der viele Personen transportieren und voluminöse Einkäufe heimbringen will?

Der Mini durchbricht das alte Denken

Der Mini helf, Denksperren zu überwinden – und Autos mit den Augen eines Kunden zu sehen.

Schon 1959 hatte der Mini bewiesen, dass man nicht nur Nutz- und Mehrzweckfahrzeuge, sondern auch reine Personenwagen von innen heraus planen kann. Dann folgte der Entwurf zum autonova fam. Der bewies, dass der Denkansatz des Mini auch für Familien-Mittelklasseautos funktioniert. Seine Urheber waren zwei Produktgestalter und der Automobil-Journalist Fritz B. Busch, der sich beißend gegen alle Denkstarre wenden konnte. Seine Kollegen von der Presse waren erst verblüfft und dann erfreut. Die Industrie allerdings guckte konsequent woanders hin. Der fam wird heute in der Neuen Pinakothek in München als Design-Meilenstein gewürdigt.

Mini Van

Mini Van Mini Van Mini Van

Japaner mit praktischer Schiebetür: Nissan Prairie der ersten Serie.

Es brauchte dann die Hand eines großen Meisters, um den Durchbruch des Vans einzuleiten: Giorgetto Giugiaros Firma Italdesign präsentierte 1978 die Studie Lancia Megagamma. Ein Denkanstoß ohne Anspruch auf Baumarktfestigkeit – die Bodengruppe des unglücklichen Lancia Gamma bot zwar Platz, Kraft und war avantgardistisch, aber nur begrenzt alltagstauglich. Die Lancia-Mutter Fiat traute sich nicht, den Megagamma auf den Markt zu bringen. Der Entwurf war weit weniger radikal als der autonova fam, aber dafür traf er jetzt einen Nerv bei den Herstellern. Es wirkte, als hätten die Entwicklungsabteilungen der Welt auf diesen Zündfunken gewartet.

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1981 startete die Flotte der Raum-Schiffe schließlich, angeführt vom Nissan Prairie. Er war weniger nobel als der Megagamma, hatte simplere Technik, aber die gleiche "Two-Box"-Grundform mit großem Passagier- und ausgeprägtem Motorraum. 1983 folgte der Mitsubishi Space. Zugleich löste Chrysler mit dem Plymouth Voyager (respektive Dodge Caravan) in den USA eine Van-Welle aus. Viele Chroniken nennen den Voyager als erste Großraumlimousine, was insofern nicht ganz falsch ist, als er die Idee des Vans in der US-Öffentlichkeit verankerte und damit auch in der Weltöffentlichkeit.

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Zugleich SUV- und Van-Vorläufer mit geringer Fortune: Matra Rancho.

Die Geburtsstunde des ersten europäischen Van schlug 1982. Dann hatte die clevere kleine Marke Matra den würdigen Nachfolger des autonova fam produktionsreif. Er war genauso konsequent, flexibel, alltagstauglich. Allerdings hatte Matra nicht die Kapazitäten, das Auto selbst zu bauen, und fand zunächst keinen Partner unter den großen Marken. Erst als Chrysler den Voyager brachte, gab Renault die Skepsis auf, adoptierte den Matra-Van und führte ihn 1984 als Espace ein. Heute ist die Gattung Familienvan von den Straße und besonders aus den Vorstädten nicht mehr wegzudenken. Aber nicht vergessen: Die Idee dazu ist fünf Jahrzehnte alt.

50 Jahre Familienvan: So entstanden die Raumkreuzer

Autoren: Till Schauen,

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