Alfa-Meister Helmut Hähn

Helmut Hähn Helmut Hähn

Alfa-Meister Helmut Hähn

— 22.02.2010

Der Alfa-Mann

Alfa-Fans im Rhein-Neckar-Raum nennen ihn "Papa": Seit 1959 schraubt Helmut Hähn am Mythos Alfa Romeo, 1964 wurde er offizieller Händler. Eine Geschichte über einen Mann, der seine Marke lebt.

Siegerkränze, an jeder Wand Siegerkränze, manche sind braun und welk geworden, auf ihren Schleifen stehen Jahreszahlen wie 1969 und 1971. Die Kränze hängen bis heute in Helmut Hähns Mannheimer Autohaus, das damals auch ein Rennstall war, ein Talentschuppen, in dem der junge Jochen Mass erst Automechaniker lernte und dann im Renn-Alfa um Siege fuhr. "Es war eine tolle Zeit", sagt Helmut Hähn. Deshalb hat er sie in den Räumen seines Autohauses konserviert und energisch gegen die Forderungen der jungen Marketing-Menschen verteidigt. Alles sieht aus wie in den frühen 70er-Jahren, ein Fall für den Denkmalschutz, und auch die Autos im Schauraum sind Oldtimer.

Zur Markengeschichte: 100 Jahre Alfa Romeo

Drei seiner Rennwagen hat Hähn behalten: einen Alfasud Cup, einen Alfasud Sprint und einen Giulia Sprint GTA.

Bis zum vergangenen Sommer hat der 78-Jährige noch neue Alfa Romeo verkauft, "bis nichts mehr zu verdienen war". Heute kommen meist Stammkunden mit ihren Alfa-Klassikern. "Papa Hähn" nennen sie ihn und wissen, dass er die Weber-Vergaser nach Gehör einstellen kann. "Das macht fast keiner mehr", sagt Hähn. "Dabei ist es gar nicht so schwer. Es braucht nur Gefühl." Das richtige Alfa-Gefühl – der Meister aus Mannheim hat es seit 50 Jahren. Auf NSU hatte er gearbeitet, als die Prinzen-Marke zum offiziellen deutschen Alfa-Importeur wurde. Eine neue Giulietta war teurer als ein Ponton-Mercedes, aber in Mannheim gab es US-Garnisonen und Offiziere, die harte Dollar gegen neue Edelautos aus Milano tauschten.

Mit Duetto und Giulia startet Alfa durch

Sie steckten einander die Adresse des jungen Schraubers zu, der seine Werkstatt in einer ehemaligen Flak-Stellung betrieb. "Den Carburetor Man haben sie mich genannt", sagt er: Vergasermann Hähn war schon eine lokale Größe, bevor Alfa Romeo zur Boom-Marke deutscher Besserverdiener wurde. Als er 1964 seinen ersten Händlervertrag unterschrieb, lud er die Manager aus Mailand zu Kaffee und Kuchen in sein Wohnzimmer ein. Es war der richtige Zeitpunkt, die Marke startete mit Giulia und Duetto durch. Bis zu 450 Autos im Jahr konnte der Familienbetrieb verkaufen, "und an jedem blieben über 1000 Mark hängen".

Vorteil Alfa Romeo

Kunden kamen, machten eine Probefahrt und zahlten bar. Helmut Hähn hat die Erklärung bis heute: "Die Alfa sahen klasse aus, aber das war es nicht allein. Sie fuhren wie kein anderes Auto. Der Vorsprung war spürbar, vor allem beim Fahrwerk, beim Handling. Die Autos selbst waren das wichtigste Argument." Deshalb die Siegerkränze an den Wänden des Verkaufsraums, aber bis heute kein Marmor-Fußboden und keine Designer-Couchgarnitur. "Ich brauche gute Autos und keinen Palast", sagt der Chef. Er hat hart an der Alfa-Legende gearbeitet, jeden Samstag und an Sonntagen bis mittags, nicht länger, weil seine Familie dann doch ein Veto einlegte.

Hähns Alfa Montreal wird nur einmal im Jahr bewegt

Seinen Alfa Montreal bewegt Hähn nur einmal im Jahr: Dann geht es zum Hockenheimring.

Seinen privaten Klassiker, einen Montreal von 1973, fuhr er meist nur einmal im Jahr, immer am 1. Mai zum nahen Hockenheimring. Heute steht der Kilometerzähler bei 72.000, mehr Zeit war nicht. Und jetzt will er sein Sportcoupé verkaufen, "weil ich nichts mitnehmen kann". Auch von einem seiner Renn-GTA hat sich Helmut Hähn getrennt. Jahrelang hatte das rote Rundstrecken-Coupé still und stumm in einer Ecke seiner Werkstatt gestanden, dann gab Hähn dem Drängen eines amerikanischen Alfa-Sammlers nach. Der hat den GTA zurück auf die Rennpiste gebracht, aber den Originalzustand sensibel erhalten. Noch immer steht "Alfa Romeo HÄHN Mannheim" in weißen Lettern auf den vorderen Kotflügeln. Die Zeit der Siege – ganz vorbei ist sie nicht.

Autor: Christian Steiger

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.