Alfa Romeo 2600 Sprint

Alfa Romeo 2600 Sprint Alfa Romeo 2600 Sprint

Alfa Romeo 2600 Sprint

— 01.03.2010

Alfa Romeo und Julia

Udo Klein schenkte seiner Angebeteten einst keine Rosen, sondern Radmuttern. Denn Sabine fuhr damals einen US-GTV mit Einspritzung, der nicht immer ansprang. Heute führen die beiden eine Spezialwerkstatt für Alfa Romeo-Klassiker.

"Tja, was ist Alfa?" Schwere Frage. Udo Klein bläst den Zigarettenrauch in die eiskalte Werkstatt. "Eine spannende Marke zwischen Kult und Katastrophe." Und dann erzählt er von zwei Schlüsselerlebnissen seiner Lehr- und Gesellenzeit bei einem pfälzischen Alfa-Händler. Udo war 14, ein Kunde kam in den Laden und hielt das herausgerostete Türblatt seines Alfasud in der Hand. "Der hatte nur etwas fester als sonst am Türgriff gezogen." Aber da ist auch die Erinnerung an den BMW 520, der damals als Gebrauchter auf dem Hof stand. "Ich war die Zweiliter-Alfa gewöhnt, und der BMW zog keine Wurst vom Teller. Okay, dachte ich, Kerzenstecker lose oder so. Also Haube auf und nachgesehen. War aber alles okay. Der ging einfach nicht besser."

Zur Markengeschichte: 100 Jahre Alfa Romeo

Den 2600 Sprint bot Alfa von 1962 bis 1965 an. Das Touring-Coupé mit Reihensechser wurde bei Bertone gebaut.

Als Udo seine Lehre begann, wäre ihm jede Marke recht gewesen. Später nicht mehr. Das ist so geblieben, auch wenn heute "Reparaturen aller Art" auf seiner Visitenkarte steht. Aller Art – Hauptsache Alfa Romeo, diese Marke zwischen Neid und Mitleid. "Es sind oft interessante Typen, die einen klassischen Alfa fahren", sagt Udo Klein. Sind sie zwischen Karlsruhe und Koblenz zu Hause, dann kennen sie meist Udos Werkstatt, obwohl die in Böhl-Iggelheim liegt, einem farblosen Dorf zwischen Rüben- und Kartoffelfeldern. Wenn Udo und seine Sabine hier ihren grauen Alfa Romeo 2600 Sprint ausführen, dann wirkt die stille Eleganz des Sechszylinders so fremd wie die junge Gina Lollobrigida am Steuer eines Ackerschleppers.

In einem 2000 GTV fanden Udo und Sabine zueinander

Schöner Rücken kann entzücken: Tauchte in den 60ern mal ein 2600 Sprint auf, bekam man meistens nur das Heck zu sehen.

Der 2600 Sprint ist ihr Lieblings-Alfa, schon wegen seiner feinen Patina, des kultiviert anschiebenden Reihensechszylinders und der seltenen Borrani-Räder, aber doch nur einer von vielen, die sich in Schuppen und Hallen rund um die Werkstatt verteilen. Auch ein rotes 2000 GTV Coupé von 1975 ist da in einer Ecke eingekeilt. Es ist nicht mehr fotogen, erzählt aber seine eigene Geschichte. Und die ist noch hübscher als jede Linie von Pininfarina oder Bertone, denn es ist die Geschichte von Udo, Sabine und ihrem Kennenlernen. "Ich war 20 und hatte einen Fiat Bambino", sagt Sabine. Über Nacht stieg die junge Einzelhandelskauffrau zum Bertone-Coupé auf, ein junger Gebrauchter, den ein Freund ihres Vaters ganz schnell loswerden wollte, für 6000 D-Mark – ein Freundschaftspreis.

Radmuttern statt Rosen

Nur lief er nicht rund, der GTV, "wie sollte er auch, war ja eine US-Version mit Einspritzung", grinst Udo. Weshalb Sabines Vater immer wieder zur nahen Alfa-Werkstatt kam. Und entnervt einen Mechaniker zu sich nach Hause bestellte, als das Coupé seiner Tochter wieder nicht anspringen wollte. Es war Udo, der half. Und beim zweiten Treffen keine Rosen mitbrachte, sondern einen Satz neuer Radmuttern, "die alten waren ja wirklich nicht mehr schön". Seinen Drehmomentschlüssel ließ er leihweise da, ein guter Grund zum Wiederkommen. Da glaubte Sabine noch an ganz besonderen Kundendienst.

Eine Giulia mit 150 PS zerschmettert das Weltbild der GTI-Szene

"Als Udo mir dann im Urlaub bis nach Tirol nachreiste, habe ich gemerkt, was wirklich los ist", sagt sie. Auch schon über 30 Jahre her. So lange, dass sie ihre gemeinsamen Alltags-Alfa nicht gezählt haben. Den Montreal, den Udo sich mit 19 als Unfallwagen kaufte. Die Giulia Super, die irgendwann 150 PS hatte und das Weltbild der lokalen Golf-GTI-Szene verwüstete. Oder den Alfa 6, den Sabine liebevoll "Herrenbeschleuniger" nannte. Zu schade für den Werkstatt-Alltag. Längst hat ihn ein Passat Variant abgelöst. Aber das verraten Udo und Sabine nur, wenn sie einer mit besonderer Hartnäckigkeit danach fragt.

Autor: Christian Steiger

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