Alfa Romeo 75 Turbo
— 23.06.2009Feinkost fürs Finanzamt
Eine absurde Luxussteuer zwang die Hersteller in Italien zu kleinen Hubräumen. Mit reizvollen Resultaten wie dem herben Alfa 75 Turbo. Somit ist der 75 der letzte echte Alfa, was die Baureihe so verlockend macht.
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Schräg: Plastikstreifen wie eine Tapetenleiste
Der komplizierte 1,8-Liter-Turbo-Motor mit 155 PS. Die Alfa-Motoren an sich sind sehr robust, sofern man sie immer warm fährt.
Dank Transaxle-Bauweise ist die Gewichtsverteilung demokratisch fifty-fifty. Die aufwendige De-Dion-Hinterachse mit Wattgestänge und einem 25-Prozent-Sperrdifferenzial sorgt für fabelhafte Fahreigenschaften, je nach Gaseinsatz von leicht unter- bis fröhlich übersteuernd. Von ESP hat damals niemand auch nur geträumt. Reeller wäre sowieso der Wunsch nach einer präziseren Schaltung im 75 gewesen. Übermutter Fiat war die Modellpflege am Turbo in den turbulenten Zeiten nach der Übernahme herzlich egal. 1987 bekam der 75 die dicken US-Stoßstangen und nannte sich 75 America. Klima, ABS, Kat und vor allem Servolenkung waren aber noch immer nicht lieferbar. Erst 1990 gab es ABS, Kühlbox und eine leichte Leistungsspritze auf 165 PS, wodurch sich der Zusatzname America in Quadrifoglio Verde änderte. 1992 war Schluss mit 75. Da hätte der letzte wahre Alfa allerdings auch schon 82 heißen müssen.
| Technische Daten Alfa Romeo 75 Turbo | |
|---|---|
| Motor | Vierzylinder-Reihenmotor, Turbo |
| Hubraum | 1779 cm³ |
| Leistung | 155 PS bei 5800 U/min |
| Drehmoment | 226 Nm bei 2600 U/min |
| Getriebe | Fünfgang-Schaltgetriebe (Transaxle) |
| Länge/Breite/Höhe | 4330/1650/1350 mm |
| Leergewicht | 1130 kg |
| Bremsen | vier Scheibenbremsen |
| Aufhängung | Einzelradaufhäng. vo., De-Dion-Hinterachse mit Wattgestänge |
| Spitze | 210 km/h |
| 0–100 km/h | in 7,6 s |
| Verbrauch | um 11 l S/100 km |
| Neupreis | 34.900 Mark (1985) |
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Historie
1985: Den Nachfolger der klassischen Giulia und keilförmigen Giulietta nennt Alfa "75", wegen des Firmenjubiläums. Seitdem wird nummeriert: von 155 über 156 bis zuletzt 159. 2011, so hört man, soll’s wieder eine Giulia geben. Die ersten Turbos des 75 leisteten aus 1,8 Liter Hubraum zwar 155 PS, wurden in Deutschland aber wegen der Versicherungsklassen bloß mit 150 PS zugelassen. In der schärfsten Variante besaß der Turbo ab 1990 schließlich 165 PS.Plus/Minus
Die Alfa-Motoren an sich sind sehr robust, sofern man sie immer warm fährt. Turbos gehen aber schon mal kaputt. Wichtig nach eiliger Fahrt: abkühlen lassen, erst dann abstellen. Rost gibt’s beim 75 an der Wagenheberaufnahme, den Radläufen und am Abschlepphaken. Das zäh schaltbare Getriebe verabschiedet sich früh von der Synchronisation im zweiten Gang. Auch die Getriebeaufhängung geht gern kaputt, der Auspuff ist zu dicht dran. Bei der Elektrik ist die ARC, die Check-Control, chronisch verwirrt und zeigt Systemprobleme an, wo keine sind. Die Anzeigeinstrumente gelten als Schätzeisen, so verfügt der Drehzahlmesser oft über reichlich Fantasie.Ersatzteile
Alfa kümmert sich leider nicht gerade ausgesprochen engagiert um seine 75er. Beispiel Auspuffkrümmer: Sie reißen manchmal, originale Ersatzteile gibt es aber nicht, nur teure und zudem nicht sehr gute Ware von anderen Herstellern. Die meisten Elemente der Innenausstattung sowie Zierteile sind ebenfalls nur schwer zu beschaffen. Vergleichsweise problemlos dagegen sind Blechteile, Lampen, Spiegel, Getriebe- und Motorteile zu bekommen.Marktlage
Der 75 Turbo ist in Deutschland zwar eine Rarität, in Italien aber relativ leicht zu bekommen. Vorteil: Dort gibt es auch meist weniger Rostprobleme, dafür allerdings oft echte Pflegefälle wegen Vernachlässigung. Gute 75er finden sich häufig auch in der Schweiz. Interessant ist der "Evoluzione" mit gewöhnungsbedürftiger Verspoilerung , aber nur 500 gebauten Exemplaren. Er diente als Homologationsmodell für den Rennsport. Der am häufigsten gebaute Turbo America kostet im Zustand 2 bis 3 rund 3500 Euro.Empfehlung
Selten ist der aufdringliche 75 Turbo Evoluzione, am alltagstauglichsten der Quadrifoglio Verde von 1991–92. Gefragt sind besonders die mit Luke und Klima. Am Ende wurde noch eine "Limited Edition" von 1000 Stück mit Recaros und Alurädern aufgelegt. Ansonsten gilt: Wenige Kilometer plus wenige Vorbesitzer und gestempeltes Serviceheft macht einen vermutlich guten Alfa. Sofern der Motor immer warm und der Turbo am Ende schön kalt gefahren wurde.
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24.06.2009 11:13Uhr
24.06.2009 07:55Uhr
Noch zwei Ausflüge in die Nachfolge des 75:
Nun mag der 164 kein "echter" Alfa mehr gewesen sein, aber der Tradition der aufgeladenen Motoren ist man mit dem 164 2.0 V6 Turbo bis zur Produktionseinstellung treu geblieben.
Übrigens hätte dem Artikel auch ein Verweis auf den neuen 1,8 oder (1,75) Liter Turbo des Konzerns ´z.B. im 159 ganz gut gestanden.
23.06.2009 18:12Uhr
ein tolles Auto, dem Sie sich da widmen. Erwähnt werden sollten die meiner Ansicht nach besten Motoren für den 75er: der 2.0 twinspark (148 PS) und der grandiose 3.0 V6 im Topmodell Amerika (zuletzt 192 PS).